Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

A.C. tig dergleichen nicht mit Recht, mehr vorwerffen möchte. 71

Er wegerte keinem das gebührende Löb, der sich hatte ums gerneine Wesen verdient gemacht, sondern gebrauchte sie ferner zu solchen Dingen, die ihnen einmal wohl gelungen waren ; führte auch dabei diese Worte offt im Munde: Daß es nicht in dem Vermogen eis nes Fürften stünde seine Unterthanen so zu machen wie er sie haben wolte, wohl aber, sich derfelben nüglich in solchen Dingen deren sie kündig wåren, zu bedienen.

Fand er an jemand Verdienste, fo wuste er diesele bigen nach Würden anzusehen; und es war ihm eine Lust, wenn er seinen Freunden einen Gefallen erweisen fonte. Drum war er denen so es mit Recht verlangten, zu dent grösten Ehren-Aemtern beförderlich. Die aber eine rud hige Lebens-Art erwehlet hatten, überhåuffte er mit Gee schencken. Doch wurden nur die mit solchen Käyserlichen Baben begnadiget, von welchen das gemeine Beste hins wieder seinen Nußen haben konte; zu folge der Flugen Res gel feines Vaters Antoninus Pius, welcher zu sagen pflegen: Es sey nichts (chåndlichers, als wenn die öffentlichen Einkünffte solchen Leuten zu Theil würden, die durch ihren Fleiß weder das gemeine Beste befördern, noch die offentlichen Einkünffte båtten vergrössern belffen. g)

Die Armen ließ unfer Käyfer nie ungeholffen: und war ihm eine so grosse Lust denen Dürfftigen benzusprins gen, daß er es als eine sonderbahre Wohlthat des Hima mels růhmet, der ihm die Gelegenheit und das Vermda gen gegeben, nie keinen Dürfftigen ungeholffen von fich ju lassen! h)

gn Capitolinus in Pio cap. 7.

, , S.17.

In Bestraffung der Missethaten milderte er zwar A. C. die Schårffe der Gesēße; aber dennoch wolte er die Ges 171 rechtigkeit allenthalben aufs genauste gehandhabet wiss fen: So gar, daß er einst einen gewissen Pretor hart zuredete , als er in der Sache einiger Persohnen zu ges schwind oder zu parthenisch verfahren, sagende :. Es ist das allerwenigste so eine bestellte Obrigkeit vers richten kan, die Gedult zu haben, alle vorkoms mende Sachen mit Fleiß zu untersuchen. Undals etwa ein andrer Richter in einer wichtigen Sache auf gleichen Schlag verfuhr, ließ es zwar des Kansers Gůs tigkeit nicht zu; denfelben seiner Würde gånglich zu ents segen; doch konte feine Liebe zur Gerechtigkeit es auch nicht ungestrafft lassen; derowegen suspendirte er ihn eis ne Weile, und ein andrer muste indessen sein Amt vers walten. So gar bemühete er sich auf alle Weise, die Menschen vom Bösen auf das Gute zu lencken. Er bes lohnete ihre gute Thaten, und die bösen deckte er so viel möglich zu durch seine Lindigkeit; oder er sahe sie mit fols chen Züchtigungen an, die nicht so wohl scharff, als heila fain waren. i)

Bleichwie aber der Regenten Sitten einen grossen Einfluß auf die Völcker haben, und denenselben entwes der zu vielem Guten oder zu vielem Bösen Anlaß geben; also wäre die übermåßige Liebe der Weltweißheit unsers Käysers , denen Römern bey nahe schädlich worden. Denn es thaten sich allenthalben so viele můßige Weisen hervor, die dem Antoninus zu gefallen , zwar die Kleia dung solcher Leute, aber nicht ihre Tugenden trugen ; daß ihre Menge anfing der ganken Republick beschwers lich zu seyn. Allein der vernünfftige Käyser wuste dieser Unordnung bald zu steuren; indem er denen so genannten

und

i) Capitolinusin Marco cap. 12, & 24,

Ai C.

und verkleideten Weisen die gewöhnliche Freyheiten ents 171

zog, und dieselbe nebst seiner Gnade, nur denen alleine wiederfahren ließ, die in der That Weise waren, und ihnen diesen Nahmen nicht so wohl angemasset , als durch eine nůßliche Tugend-Uebung denselben verdienet hatten. k) Er pflegte offt zu sagen: 1) Ein Käyser müste nichts oben hin verrichten; weil eine kleine Saumseligkeit Gen legenheit zu grosfer Unordnung geben konte.

Er ließ denen Advocaten Zeit, alles vorzubringent, was sie konten, ihre Sachen zu beschönen , und achtete es unbesonnen, der Ausführung einer Sache ein Ziel zu fes Ben, deren man nicht kundig ist. Er wuste, daß die Ges dult ein Stück der Gerechtigkeit ausmache, und daß es besser fey, einen unnüßen Vortrag der Advocaten anzus hören, als diefelbe hindern was nothwendig ist zu fagen. Drum untersuchte er die kleinsten Håndel eben so genau, als die wichtigsten, weil nach seiner Meynung die Gerecho tigkeit allenthalben gleich groß seyn måste. Er brachte manchesmahl wohl zwölff Tage über eine Sache zu; blieb alsdenn in der Rath-Stube biß in die Nacht, und ging nicht eher aus der Versammlung, biß der Consul nach Gewohnheit geruffen hatte: Wir halten euch nicht långer auf! m)

Dieser fein gedultiger Fleiß ist um desto merckwürs diger, weil er sontt von so schwacher Gesundheit war, daß er nicht die geringste Kålte vertragen, und nur sehr wes nig Speise geniessen konte. Und doch dennoch versdjob er seines Leibes Pflege biß in die spåte Nacht, genoß auch des Tages über nur ein wenig Theriack, Den Magen zu

stårcken, k) Capitolinus in Marco c. 23. 1) Antoninus lib. IV. G. 2. m) Capitoliaus in Márco; cap. 18.

Márcken, damit seine Verrichtungen, und Arbeit fürs A.C. gemeine Beste nie möchten unterbrochen werden. So 171 gar nichts war fähig ihn an der Pflicht zu hindern, die

ex glaubte , feinen Unterthanen schuldig zu seyn , und zu wela cher ihn, wie er felber oft gesagt, sein königliches Amt vers bünde. n)

Die Zeit hielt er viel zu edel, auch nur einen Zus genblick derselben, auf Lapperenen zu verwenden. Auch die Stunden waren bey ihm nicht verlohren, welche er bey den öffentlichen Schauspielen zubrachte, denn er laß in währender Zeit, oder unterschrieb. 0) Desgleichen trachtete er auf seinen Reifen, oder unter den verdrieße fichften Verrichtungen die Zeit zu gewinnen, und von den Augenblicken einen Vortheil zu machen , welche ana dere entweder zu ihrer Ergókung, oder Ruhe anzuwens den pflegten. Ben solcher Müsse war er mit sich

) felbst beschäftigt, und alsdenn forderte er von seinen Chaten, von seinen Gedancken, and von seinem Vorhaben Niecha nung.

Diefen müßigen Stunden haben wir fein unvera gleichliches Buch zu dancken, welches ißo in teutscher Sprache erscheinet. Die doppelte Unterschrift, des erz ften und des andern Büchleins, bekräftigen was ich faz ge. Das Erste ist unterschrieben zu Carnunte in Pans nonien , als er wider die jarcomannen zu Felde lag ; das Andre, in dem Feld - Lager wider die Quaden. Bendes also , unter währenden allerheftigsten Kriegen. Dergleichen wohl angewandte Augenblicke, hatten noch andere vollständigere Wercke hervor gebracht, welche uns aber die Zeit geraubet hat. Darunter ist am meia ften der Verlust feiner Lebens-Beschreibung zu bea

D 2

Dau

n) Xiphilinus ex Dione p. 273. ) Capitolinus, in Marcu cap iso

A.C. Dauren , welche er zum Unterricht seines Sohnes selber 171 aufgeseket hatte ; wo dieses Buch von seinem Leben

2 nicht etwa die XII. Bücher seiner Betrachtungen über sich selber sind?

Antoninus war der Meynung, daß die grösfeste Macht eines Reichs in dem klugen Rath der Weisen bes stünde ; Daher fing er nichts wichtiges weder im Krieg noch Frieden, ohne seine Räthe zu fragen an. Jadies fe frug er nicht allein, sondern er wolte auch das Gutbea finden andrer geschickten Leute wissen, deren er eine aus: erkohrne Zahl am Hofe, in der Stadt, und in allen Zünften hatte

. Sein Herz war zu edel diese Leute zu seis ner eigenen Meynung zu zwingen, sondern er unterwarf sich selber ihrem vernünftigen Gutdůncken frenwillig, fagende : Es ist vernünftiger, daß ich den Xatb ro vieler wacken Leute folge, die alle meine treue Freunde find, als daß so viele wachere und erfahrs ne Leute, sich allein nach meinem Eigensinn richs ten! p)

Weil aber die Schmeichler, dis vernünftige Nacha geben, dem hohen Ansehen eines Fürsten als eine Sdyana De verwerffen, auch die Eigen-Liebe die Mächtigen leicht zum Eigensinn verleiten kan, wafnete sich dieser grosie Käyser mit folgender Betrachtung wider dieses übel: Daß der Trensch nicht weniger ungezwungen und in seiner volligen Freyheit bleibe, ob er sich gleich der Meynung eines andern unterwirft, weil es alss denn nicht mehr eines andern, sondern seine eigene Meynung wird , indem fein eigenet Verstand es vor eine Wahrheit achtet. q) So hielt er auch fein Wort unzerbrüchlich. Und

Damit p) Capitolinus in Marco.c, 22, g) Antoninus, libro IV.

« ͹˹Թõ
 »