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A. C. Zwar schien dieses Vornehmen überaus gefährlich, weil 174 er durch einen weiten Weg seine Völcker zuvor abmatten,

durch viele beschwerliche Derter dringen , durch vieles Scharmükeln feine Truppen schwächen, und endlich in einer ihm unbekannten Gegend, schlagen muste. Doch die Klugheit unsers Käysers, wufte alle diese Beschwers den zu überwältigen, under gelangte endlich an den Ort, wo sich die Feinde zwischen der Donau, und einem gross fen Walde, verschanzet hatten.

Es mard Rath gehalten, wie man dieselben an eis nem so vortheilhafftigen Ort am füglichsten angreiffen Fönte? Die Armee ward in Schlacht-Ordnung gestellet, welches die Barbaren desgleichen mit der ihrigen thaten. Die Römer wurffen nach gegebener losung, ihre Spiesse auf die Feinde , welche dadurch gar nicht bes weget wurden. Der Streit ward hefftig, und hielt lans ge an. Die Römer durch den tapfferen Widerstand der

Feinde angefrischet, verdoppelten ihren Eifer, und feta ten mit solcher Hefftigkeit an die Sarmater, daß ihre Reuteren ins weichen kam; die sich aber ; auf der das mahis hart gefrornen Donau widerfekete. Die Káy: ferliche Infanterie zog sich auch dahin. Das Gefecht ward hefftiger als zusor. Die Feinde, in der Meynung daß die Römer nicht so wohl als sie, auf dem glatten Eife gewohnt wåren zu stehen, schlossen sich fest in einander, und drungen gewaltig auf sie von allen Edlen. Die Kåns serliche

Infanterie fing schon au zu weichen, wäre auch bald über einen Hauffen geworffen worden, wenn die Soldag ten sich damahls ihrer Schilde nicht zu ihrem Vortheil bes dienet håtten. Denn diese wurffen sie auffs Eiß; traten mit einem Fuß darauf, und fingen von neuen an, dem Feinde zu begegnen.

Einige ergriffen die feindlichen Pferde beym zůs

gel

gel, murffen sich init Geschwindigkeit zwischen Schild A.C. und Langen, drungen auch fo hart auffie, daß sie die meis 174 sten von den Pferden wurffen; weil die leichtbewaffnea ten Barbaren, denen mehrentheils geharnischten

Römern nicht sonderlich wiederstehen konten. Und also entram von dieser grossen Menge der Sarmater kaum ein gerins ger Hauffen, welcher sich theils in die Schanßen warff, theils im Walde verkroch. Die Schanken ließ der Kaya ser ohne Verzug angreiffen, welche nach einem kurken aber hefftigen Widerstande auch erobert wurden.m)

Nunmehro war es Zeit, die Winter: Quartiere zu beziehen, welche nachdem Antoninus der Armee ans gewiesen hatte, erhub er sich nach Syemium. Daselbst hörete er die Klagen an, welche Demostratus, und Praa Fagoras im Nahmen der Athenienser wieder n) den Berodes ( einen berühmten Redner, welcher vorzeiten des Antonini Lehrmeister gewesen war:) vorbrachten, zufammt der Verantwortung des Decodes gegen diese Abgeordneten. Siebefchuldigten ihn einer tyrannischen Gewaltthårigkeit, wie auch einer ehmaligen geheimen Verständniß mit dem Vecus, wieder des Käysers Les ben. Hingegen wandte Secodes vor, Demostratus und Praxagoras, hätten den Pöbel wieder ihn auffa gewiegelt.

Seine Verklager wurden durch die Quintilianec unterftüßt, welche damahls alles in Griechenland zu fas gen hatten ; und sie suchten eine Gelegenheit, sich an Berodes zu råchen, weil er in einer Rede ihres Landes unwürdig gedacht hätte, sagend : Die beigung des Szomerischen Jupiters gegen die Trojaner wåre unertråglich! Womit er nach ihrer Deutung, auf die

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gross

m) Xiphilinus ex Dione pag. 273.
n) Vide Philostratum in Vita Herodis.

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A. C. grosse Gnade des Käyfers gegen die Griechen, als eine Abs
174 kunfft der Trojaner , solte gezielet haben. So schadete

dieses Wort seinem Urheber mehr, als denen wieder
welche es geredt war; und der Quintilianer Benftand,
war dem Demostratus und Praxagoras nicht uns
Dienlich.

Der Kanser zusammt der Känserin, gaben diefert
Abgeordneten öffters Audienk, so daß Berodes aus ihs
rer gnädigen Bewillkommung abnehmen fonte, der Kårs
fer rey denen Atheniensern nicht abgeneigt, und zwar aus
Gefälligkeit gegen die Faustine, welche sich nebst ihrer
Dochter sehr für diefelben bemühet hatte..

Es begab fich auch, daß zweene Sclavinnen, wels che secodes feine Tochter zu nennen pflegte, vom Dons Her erschlagen wurden, deren schmerzhaffter Verlust, zusamt der Vorstellung der über ihn schwebenden Vers folgung

seiner Feinde, diesen Redner bergestalt erbitters ten, daß er an einem Morgen gang entrůstet, den Kårs fer also anredete: Da Rebet ihr nun die schồnen fråchs te, welche mir die Gefellschafft des Verus eurenta wegen über den vals gebrachtSeisset das Gesech, tigkeit handhaben,wenn man mich der Wuth eines Weibes, und ihres Kindes auffopffern will:

Der Officier so damahls die Wache hatte, wolte ihn arrestiren oder gar niedermachen, wenn er nicht von dem Antoninus råre daran verhindert worden ; welcher, ohne sich im geringsten hierüber zu entstellen , die Atheniens fischen Gesandten anfahe, und zu ihnen sprach: Ihr Fönnt nur fortfahren eure Sachevorzubringen,obs gleich herodes heute nicht auffgereumet ift, euch zu hören! Worauf Demostratus mit solchem Nachdruct zu reden anfing, daß dem Käyfer die Augen übergingen, der auch alle in dieser Sache ben ihm erregte Ungnade,

auf

auf des Herodis Bedienten warf; und ob dieselbigen A.C. gleich schuldig befunden wurden , strafte er fie doch nicht 174 hårter als seine Gelindigkeit zulassen wolte. Dem Vás ter aber der zwey von Donner gerührten Tochter, erließ er die Schuld, sagende, daß er bereits durch den Verluft feiner Kinder hart genug ser gestraffet worden.

Diejenigen welche vorgeben, daß Berodes nach Epicus fen verwiesen worden ; Haben ohne Zrweifel sein Verweilen zu Oricum, woselbst ihn eine langwies rige Kranckheit zu bleiben nöthigte, für eine Verbannung angesehen. Dennes finden sich des Herodes Briefe an den Käyfer , worin er fich beklaget, daß derselbe nicht mehr To fleißig wie vorhin ihn seiner Zusehrifft würdige; wie er denn an einem Orte folgende Reden führet: Ach wo find nunmehr die glücklichen Zeiten, da ich in einem Tag oft dreymabldie Ehre hatte, Euer Majestát Hries fe zu empfangen: Diefe Freyheit, zusamt der Käysers lichen Antwort , welcher ihn nach wie vor seinen Freund nannte, reimet sich mit der vorgegebenen Ungnade nicht. So beklaget ihn auch Antoninųs, wegen des Absterbens Feiner Frauen, und schreibt unter andern an ihm folgens der massen:

Ich wünsche von Herten, daß du wohl Feist, und an meiner Gnade nicht zweiflert. Glaube auch nicht, daß ich dir darum unrecht gethan, weil ich etliche Missethäter gelinder geftraft habe, als sie verdieneten. Lieber zúrne daramnicht! Habe ich dich aber anderweit bes leidiget, so will ich dir darüber zu Atheni, in dem Tempel der Minerven, bey den Geheiins misfer meiner Einführung, Red und Antwort

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geben

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A.C. geben. Denn in tten in der Hitze meiner Krie

ge, ist dis mein heissefter Wunsch, daselbst eingeweihet zu werden. Der Himmel gebe, dat Du die Ceremonien alsdenn selbst verrichten mogest!

So schreibt kein Käyfer an einen Verjagten! Wels ches alles zum offenbahren Beweiß , der grossen Sanfts muth und Belindigkeit des Antoninus ist angeführet woorden.

Nach der Beschreibung des Herrn Daciers, und anderer , ware Antoninus diesen Winter nicht weiter als Syrmium gekommen. Allein o) eine Münke die zu seiner XXIIX. Zunftmeisterschaft gehöret , welche ohuis gefehr mit dem Jahr Christi CLXXIV. eintrift, zeiget ausdrücklich, daß er nach obbemeldten erhaltenen Sieg, zu Rom eine Ovation gehalten, daß ist, unter einen kleis nen Triumph in die Stadt kommen sey ; woselbst er sich doch nicht langer, als die unumgånglichen Geschäfte erfos

Derten, aufgehalten hat. 175

Denn só bald der Frühling anbrach , war Antos ninus wieder ben der Armee , und trachtete denen Feins Den vorzukommen, ohne ihnen die Zeit zu lassen, sich zu verstården. Er ging über die Donau , schlug die Feins De zu unterschiedlichen mahlen, und nahm ihnen durch seine Siege alle Hofnung einem so klugen und muntern Käyser wiederstehen zu können; daher fie ihm auch Beifs fet zuschickten , und um Friede bitten liessen. Da sahe man ihn theils beschafftigt ihren Gesandten zu hören, theils die sich seinem Schuß unterwerffende Könige in End und Pflicht zu nehmen. Unter diesen lieferte ein Sarmatischer König, ihm viele tausend gefangene

Romer

) Vide Vaillant, Numismata Imperatorum , p.31.

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