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dern Caßius Anlaß zu dergleichen Neuerungen gegeben, A.C: weil er sich von seinem Vaterlande

, darin er die Regierung 176 führete, geriffen Beystand versprach.

Unter allen Kindern des Caßius kam nur allein den Aelteste mit Nahmen Tjecianus um; welcher als Coma mendant von Alexandria, an einem Tage mit seinem Vater ermordet ward..Beliodorus ward in eine Insul geschickt; die übrigen wurden verwiesen,ohne etwas von iha ren Gütern zu verlieren. Der Alexandra, feiner Tochter, zusamt Druncianus ihrem Manne, ward die Frenheit gelassen, sich auffzuhalten wo sie wolten; und weil sie Rom erwehleten, wurden ihnen die vorigen Gerechtigkeiten unges krånckt gelassen; wie denn Antoninus felber Sorge trug, daß in einem schweren Proceß, welchen diefe vor Gericht hatten, von ihrem Gegner nichts von ihres Vaters Verbrechen möchte erwehnet werden; und als eine gewise fe Persohn sich erfühnet, ihnen das Únglück ihrer Famia lie auffzurücken, ward dieselbe mit einer Geld-Straffe beleget. m)

Weilnun der Rath zu Rom fahe, daß man durch Strengigkeit die Gunst des Käyfers nicht geivinnen fonte, war er bebacht durch Erfindung neuer Ehren-Bezeuguns gen gegen die verstorbene faustine, dieselbe zu verdienen. Und da war es nicht genug, derselben einen Tempel auffsurichten, sondern er ließ ihr Bild aus Gold verfertigen, mit dem Befehl, daß solches so offt der Känser denen Echaua spielen beywohnete, auch dahin getragen und an denDit ger stellet wurde, welchen Die Käyserin ben Lebzeiten gewohnt war zu bekleiden ; wie auch, daß alle Römische Matros nen um diese Seule her ihren Siß nehmen folten. Doch

diefs a) Vulcatius in Callio, cap.7.

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A.C. diese Schmeicheley ward von einer weit grössern übertrofs 176 fen: indem der Kath, des Antoninus und der Fauftis

nen filberne Bild: Seulen, in der Venus Tempel zu stel. len befahl, auch ihnen einen Altar auffrichtete, auf welchen alle verlobte Römerinnen am Tage ihrer Hochzeit

, eine jes de mit ihren Bräutigam opffern folten.

Antoninus danckte dein Rath vor alle diese feiner Gemahlin erwiesene Ehre ; stifftete auch vor seine Pers sohn derselben zu Ehren eine Gesellschafft von Jungfern, die er nach ihren Nahmen die Faustinerinnen nannte, und auf seine Unkosten erziehen ließ. Ferner errichtete er seiner Gemahlin einen Tempel, in dem Flecken wo sie ges storben war, welcher (wie diese so unreine Göttin vers dienete) hernachmahls dem Känser Geliogabalus, als dem rechten Gott aller Unreinigkeiten, gewidmet ward. n)

Sobald Antoninus die Drientalischen Unruhen gestillet hatte, war er auf seine Rückreise nach Rom bes dacht, zuvor aber verweilte er eine Zeitlang zu Smyrna; woofelbst als ihn jederman auffwartete erinnerte er sich, daß er den Aristides noch nicht gesehen : Denn es war seine Gewohnheit, der Tugend die gebührende Ehre wiederfahs ren zu lassen, und einen jeglichen nach Verdienst anzufes hen. Er bezeugte hierüber seine Unruhe gegen seine Hofs Bedienten , vornehmlich aber gegen die Quintilianee, welche damahls Statthalter in Griechenland waren. o) Diese versicherten Aristides fery noch nicht da, sonst man ihn leicht unter der Menge erblicken und vor dem Käys serbringen fønte; wie sie denn auch folgenden Tages, dies sen Mann zu ihm führeten. So bald ihn Antoninus fahe, frug er: Wie

kömmts a) Capitolinus, in Marco , 26.

Philostratus in Ariftide,

.

kömts Aristides, daß du solange aufgeschoben baft A. C;
uns zu seben? Ich arbeitete antwortete Aristides, und 176
sie wissen, daß das menschliche Gemüth die Unters
brechung seiner guten Gedancken ungerne ertrågt.
Dem Käyfer gefiel diese freye Antwort so wohl, daß er
fortfuhr ihn zu fragen: Wenn sollen wir euch denn
bören: Sie können mir nur , verfekte Aristides
mit gleicher Freyheit, beute eine materie aufgeben,
Po rollen sie mich morgen hören: Denn ich bin nicht
vondenen, die reden was ihnen in den Mund komt,
fondern die sich Zeit nehmen zu bedencken was sie
sagen wollen; Doch wolte ich gerne das meine Beo
Eanten und guten Freunde mit dabey seyn móchten.
Das will ich gerne verstatten, antwortete der Käyser.
Aber mit dem Beding, fuhr Aristides fort, daß sie
obnangesehen deco Sohen Gegenwart, mit den
Sånden Klatschen, und so freyrchreyen mogen, als
ob sie nicht zugegen våren. Ey! antwortete der Kårs
fer, mit lachenden Munde, das tømt auf dich an!
Hierauffhielt 2cistides am folgenden Tage, mit sonders
bahrer Zufriedenheit seiner Zuhörer, die Lob- Rede der
Stadt Smyrna, welche wir noch unter seinen Wercken
lesen. p)

Von Smyrna fam der Kåpfer nach Athen, wos
selbst er nach Wunsch durch die groffen Geheimnisse der
Göttin Ceres eingewerhet ward , welche die allerheilige
ften unter dem gangen Gottesdienst der Henden waren.
Denn wer dazu wolte gelassen werden, muste ein gank
unschuldiges, und pon allen Lastern unbeflecktes Leben
geführet haben. Ja man muste sich vorher einer genaus
en Untersuchung feines ganken Wandels unterwerffen,
fo von einem dazu bestellten Priester verrichtet ward, um
g

zu P) Asilides Tom. I. Orat, 15.

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A.C. zu urtheilen, ob die sich angebende Persohnen sothaner Ges 176 heimnisse ivůrdig wären.

Und hieließ Antoninus abermal der ganken Stadt Athen den Vortheil seiner Gegenwart schnecken, indein er dafelbst unterschiedliche Professores in allerhand Wif senschafften bestellete , ihnen eine ansehnliche Besoldung beylegete, reiche Geschencke unter die Athenienser auss theilete, und sie mit allerhand Frenheiten begnadete. Er ging von dannen zur See, und lieff wegen zustossenden Ungewitters, Gefahr feines Lebens. So bald er zu Brundufium angelanget , legte er zusamt seinen ben fich habenden Völckern die Soldaten-Kleider ab, als wela che Zeit währender seiner Regierung, nie in dergleichen Kleidern in Italien erschienen. 9).

Gank Rom nahm seinen Käyser mit Freuden auf, welcher, weil er ganker acht gahr lang mehrentheils in fremden Ländern zugebracht hatte, bey dieser seiner Ankunfft, einem jeglichen Bürger acht Gold-Stücke reis chen ließ. Anben erließ er der ganzen Bürgerschafft alles, was sie in die sechkig Jahr der Cammer fchuldig blieben war; er befahl auch ihre Handschrifften auf öffentlichen Marckt zu verbrennen ; Sein Sohn Commodus mus ste den månnlichen Rock anlegen, er ward mit dem Titul eines Prinßen der Jugend beehret ; der Vater erwehlte ihn zum Mit-Regenten; ließ ihn zugleich mit fich triuma phiren; ernannte ihn zum Bürgermeister auf das folk gende gahr ; und folgte in Persohn deffen Wagen in den Circensischen Spielen zu Fuß ; um auf fothane Weise dessen Bürgermeister: Amt desto ansehnlicher und geehr! ter zu machen.r)

s: Nach 9) Capitolinus in Marco, c.27. Philostratus in Vita Adriani

Xiphilinus 1.c.
1) Capitolinus in Marco c. 27. & in commodo.c.6.

2

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Mach diesen gehaltenen Triumph, begab sich der A: C;
Käyser gen Lavinium, um daselbst, nach so langen und 176
groffen Beschwerden vieler Kriege , sich in den Armen
seiner angenehmsten Mutter zu erquicken. Verwunder
re dich nicht geneigter Leser ! daß ich des Antoninus
Mutter gedencke, die bereits vor vielen Jahren gestorben
war? Denn unser Käyfer pflegte mit diesem angeneh,
men Nahmen das Liebste fo er auf der Welt hatte zu beles
gen, und die Philofophie, oder Liebe Der Weisheit,
Jeine Mutter , das Hoff-Leben aber feine Stieff-Mutter
zu nennen. Und ob ihm gleich fein hohes Amt die lebte
berehren hieß, hing er doch mit seinem Herken und gangen

Neigung Dergestalt der ersten an, daß er des Plato
Worte öffters im Munde führete : daß alsdenn die
Völcker würden glúklich seyn, wenn entweder
die weisen im Lande Konige, oder die Könige
weise Leute våren: s)

Es wuste auch der Kluge Antoninus wohl, daß ein
fiegreiches Volck, wenn es die Waffen niedergelegt hat,
einige Ergókungen vonnöthen habe , fich damit zu bes
schafftigen, um alle unruhige Gedancken mit unschuldis
gen Lustbarkeiten zu vertreiben ; Dannenhero stebete er
allerhand Schauspiele an, nicht als ob er vor seine Pers
pohn in dergleichen Eitelkeiten ein Vergnügen suchte, fona
Pern damit er durch allerhand kostbahre Aufzüge, dem
Póbel die Neigung zu schädlichen Neuerunger benehinen
möchte.

Indem yun Kom sich folchergestalt an der Gegenz A. C. wart seines Käyfers ergókete; welcher , nach vielen übers 197 {tandenen Beschwerden, Fried und Ruhe mit sich gebracht hatte; lieff die Zeitung ein, daß die Stadt Smiyes nadurch eine hefftige Feuers-Brunst in die Afche geleget

9 2

sep 6) Antoninus, libr, VII. $. 3.

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