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A.C. zu urtheilen, ob die sich angebende Persohnen sothaner Ges 176 heimnisse würdig waren.

Und hieließ Antoninus abermal der ganken Stadt Athen den Vortheil seiner Gegenwart schnecken, indem er dafelbst unterschiedliche Professores in allerhand Wisenschafften bestellete, ihnen eine ansehnliche Besoldung beylegete, reiche Geschencke unter die Athenienser aus: Theilete, und sie mit allerhand Freyheiten begnadete

. Er ging von dannen zur See, und lieff wegen zustossenden Ungewitters, Gefahr seines Lebens. So bald er zu Brundufium angelanget , legte er zusamt seinen ben sich babenden Völckern die Soldaten-Kleider ab, als wela che Zeit währender seiner Regierung, nie in dergleichen Kleidern in Stalien erschienen. 9).

Gank Rom nahm seinen Käyser mit Freuden auf, welcher, weil er ganker acht gahr langmehrentheils in fremden Ländern zugebracht hatte, bey dieser seiner Ans kunfft, einem jeglichen Bürger acht Gold-Stücke reis chen ließ. Anben erließer der ganken Bürgerschafft alles, was sie in die fechkig Jahr der Cammer fchuldig blieben war; er befahl auch ihre Handschrifften auf öffentlichen Marckt zu verbrennen ; Sein Sohn Commodus nius ste den månnlichen Rock anlegen, er ward mit dem Titul eines Pringen der Jugend beehret ; der Vater erwehlte

zum Mit-Regenten ; ließ ihn gugleich mit sich trium phiren ; ernannte ihn zum Bürgermeister auf das fold gende gahr ; und folgte in Persohn deffen Wagen in den Circensischen Spielen zu Fuß ; um auf sothane Weise dessen Bürgermeister

Amt desto ansehnlicher und geehce ter zu machen.r)

:: Nach 9) Capitolinus in Marco, c.27. Philostratus in Vita Adriani

Xiphilinus I. c.
1) Capitolinus in Marco c. 27, &in Commodoc.6.

ihn

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Nach diesen gehaltenen Triuniph, begab sich der Ai Co
Käyser gen Lavinium, um daselbst, nach so langen und 176
grossen Beschwerden vieler Kriege , sich in den Armen
seiner angenehmsten Mutter zu erquicken. Verwundes
re dich nicht geneigter Leser ! daß ich des Antoninus
Mutter gedencke, die bereits vor vielen Jahren gestorben
war ? Denn unser Käyfer pflegte mit diesem angeneho
men Nahmen das Liebste fo er auf der Welt hatte zu belés
gen, und die Philosophie, oder Liebe Der Weisheit
Jeine Mutter, das Hoff Leben aber feine Stieff-Mutter
zu nennen. Und ob ihm gleich fein hohes Amt die lekte
berehren hieß, hing er doch mit seinem Hecken und ganken
Neigung dergestalt der ersten an, daß er des plato
Worte öffters im Munde führete : daß alsdenn die
Völcker würden glüglich seyn, wenn entweder
die poeisen im Lande Kønige, oder die Könige
weise Leute påren. s)..

Es wuste auch der Fluge Antoninus wohl, daß ein
fiegreiches Volck, wenn es die Waffen niedergelegt hat,
einige Ergókungen vonnöthen habe, fich damit zu bes
schåffrigen, um alle unruhige Gedancken mit unschuldis
gen Luftbarkeiten zu vertreiben ; Dannenhero stellete er
allerhand Schauspiele an, nicht als ob er vor seine Pers
pohn in dergleichen Eitelkeiten ein Vergnügen suchte, fona
Dern damit er durch allerhand kostbahre Aufzüge, dem
Póbel die Neigung zu schädlichen Negerungerr benehmen
möchte.
Indem nun Rom

fich folchergestalt an der Gegenz A. C.
tvart seines Känsers ergókete, welcher, nach vielen übers 177
standenen Beschwerden, Fried und Ruhe mit sich ge-
bracht hatte; lieff die Zeitung ein, daß die Stadt Sniyes
na durch eine hefftige Feuers-Brunft in die Afche geleget

g 2

sep s) Antoninus , libr, VII. $.3.

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A.C. Ten, und daß durch ein Dazustoffendes Erdbeben der

Rest 177 der Einwohner jåmmerlich sen verschlungen worden Acie

ftides schrieb deswegen aus eigenen Trieb einen so klág lichen Brief an den Kanser, daß er sich bey Lesung dessels ben der Thrånen nicht enthalten konte , deshalben er auch von Stund an den Befehl ergehen ließ, gedachte Sradt folchergestalt wieder zu erbauen, daß der Verlust ihrer vorigen Pracht nicht gemercket würde.

Die Einwohner von Smyrna wuften ihr dands bahres Gemüth dem Aristides nicht genug zu erkennen ju geben; Dannenhero richteten sie ihm zu Ehren mitten auf dem Marckt eine eherne Seule auf; welches um desto mehr als ein Merckmahl der Glückseeligkeit damahliger Zeiten anzusehen ist, weil fie die Ehre so eigentlich der Freygebigkeit ihres Käyfers gebührte, fich nicht scheueten der Beredsamkeit ihres Aristides benzulegen.

So wohl bezahlte Antoninus der Stadt Smyr, na ihre Treu! Denn als ben dem Parthischen Auffstand, der Römische General Altidius Cornelianus von dem

Barbaren geschlagen war, nahm Smyrna diefen vers wundeten Heerführer willig auf, und die Bürger in der Stadt bemüheten sich gleichfam in die Wette, welcher die zerftreueten Römer am besten bewirthen, und mit Lebens: Unterhalt, Kleidern , und Gewehr versehen möche te; wie ehemahls Venusium die Zuflucht derer gewesen war, die aus der Niederlage bey Cannas entkommen. Doch war Smyrna nicht die erste Stadt, fo dergleichen Kayserliche Gnade genoß, denn Carthago, Ephesus, und zicodemien, hatten ben gleichen Unglücks- Fållen, schon vorher ein gleiches Kåyserliches Erbarmen erfahs ren. t)

Die 1) Xiphilinus, p. 281. Philostratus in Ariftide. Aristides, Tom,

1. Orat, 20, 21.

1

Die Kosten fo dieser Käyser auf die Schauspiele A. C. wandte ; die ansehnlichen Verehrungen, womit er das 177 Vold beschenckte; die unendlichen Summen, welche er zu Wiederaufbauung vieler durch Feuer und Erdbeben eingeåscherten Städten herschoß, nebst der Nachlassung Der Auflagen und Schulden, tvomit er die Unterthanen, auch bey der grosTesten Nothwendigkeit seiner Ausgaben, erleichterte ; widerlegen sattsam, alles was sich einige uns terstanden haben, wieder seine Freygebigkeit einzuwenden.

Es ist wahr , daß er sparsam gewesen, und nach dem Erempel feines Vaters Antoninus Pius , feine Eins künffte sehr zu rathe gehalten hat ; Aber er war dabey biß zur Verschwendung frengebig, wenn es auf des Reichs Chre oder Wohlfarth ankam, und fo bald die Unterthas nen durch solche Frengebigkeiten eine Erleichterung erlans gen konten; denn er stund in den Gedancken, daß die Verschwendung alsdenn einen Fürsten anståndiger als die Spahrsamkeit fer, wenn die Wohlfahrt des gemeis nen Wesend dadurch kan vergrósfert werden. Sopflegte er auch zu sagen; daß die Unterthanen die gewöhnliche Auflagen mit grösserer Luft entrichten, wenn sie sehen, daß ihr Landes-Herr, ihren Schweiß und Blut nicht so wohl auf fein eigenes Wolleben , als aufs gemeine Beste ver: wendet , weil sie alsdenn überzeuger würden, daß seine durch Spahrsamkeit anwachsende Schåke, dereinst die, Quelle ihrer Fülle und Glückfeeligkeit seyn würden.

Und wie wenig Antoninus sich in diesem Urtheil betrogen, bezeuget das öffentliche Geständniß des Römis fchen Volcks, welches feinem fo freygebigen Monarchen zu ehren, in diesem hundert fieben und siebentigsten gahr, mit einer öffeytlichen Münze bewiesen hat, daß

A.C. die wohlgemäßigte Spahrsamkeit, ihrem Käyfer das 177 Verinogen zu anderweitigen grossen Frengebigkeiten,

und den Unterthanen die Gelegenheit zu allem Überfluß und Sicherheit gegeben habe.

Der Avers davon, stellet wie fonft, des Käyfers Brust-Bild vor, mit der Umschrifft: M. ANTONINUS. AUG. GERM, SARM, TRIB, POT. XXXI. IMP. VIII, COS. III. P. P.

Auf dem Revers ftchet , wie es scheinet, der befrånka te Friede, wo es nicht der Käyser felbft seyn soll; in det rechten Hand eine Fackel haltend, womit nicht so wohl die feindliche Beute , als die Handschrifften der verschula beten Unterthanen, auf Befehl dieses freygebigen Kaya fers, öffentlich verbrant worden, wie wir beym vorigen Jahr gemeldet haben ; Auch zeiget das von der lincken Hand herabhängende Horn Des Weberflusses, zusairit des nen im Abschnitt befindlichen Worten, PAX ALIG. den glückseligen and gesegneten Zustand an, worin das Römische Wesen, durch den damahls neulich erfolgtens Frieden, und durch die freygebige Anstalten seines Kaya sers fer verfeket worden.

Daß es also zu verwundern ist, wenn einige auf des Antoninus Spahrfamkeit etivas zu sagen gefunden has ben? Wiewohl des Pöbels Weife ift, die unzeitigen Ausgaben eines Fürsten mit dem Nahmen der Freyges bigkeit zu belegen, und hingegen aber feine vernünfftige Spahrfamkeit, als einen Geik auszuruffen; denn weil folche Gemůther nie begriffen haben , was vor ein Unters scheid zwischen geben und verlieren ist , messen sie die Gjes fchendte der Fürften nach ihrem unerfåttlichen Begeha 1 Gemiß Rom hatte noch keinen fo gutthätigen Käns fer gehabt, als Antoninus war, wie er denn auch der

erste

ren ab.

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