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Vater des Vaterlandes/ unter demühtigst inbrünstigem Wunsch vor Deffelben allerhöchstes Käyferlidhes Wohlergeben, mit des Antoninus Tugend Sprüchen/ wie mit Ewr. Kayserlichen Najeftát Eigens thümlichen Ebenbilde zu verehren

als Allerdurchlaucht. Großm.

Unüberw. Käyser, Allergnädigster, Allergerechtefter

Käyfer und Herr, Ewr. Kayserl. Majest

.

Hamburg, 2. 12. Jan. 1723.

unterthänigsts bemühtigster Knecht, Johann Adolf Sofímann. D:05

Ger

1

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a hast du ein Buch, fodem edelsten

Kleinod zu vergleichen ist! Det
Römische Käyser, Marcus Aus
relius Antoninus, hat nicht al-

lein der Menschen Wohlfahrt bes
fördert, so lange er lebete, sondern auch nach
seinem Tode, mit dieser güldenen Schrift, vie-
len Seelen Gutes gethan. Wie mancher ist
in ganger sechszehen hundert Jahren durch
diere feine Erbauliche Betrachtungen unter
richtet, gebessert, und getröstet worden?

Seine Leser gestehen es ben Hauffen, daß Bein Heidnisd) Bud auf Erden vernünftiger in Erleichterung des Traurens sey. Meine ei gene Erfahrung ist nichtivichtig, darum will id) es hiemit, Geliebter Leser, deiner Probe überlassen!

Ich bin versichert, du kanst daraus über: geuget werden, wie vtcl eine gesunde Vernunft zur Beförderung Mensolicher Zufriedenheit vçrinag: also, daß du dich der armen Leute erbarınen wirst, die da meynen, ein StaatsMann müsse nohtwendig böre feyu.

So kan dir auch dieses edle Budy den lins fug der so genannten Christen zeigen, die sid) über die Strengigkeit der Gebote unsers Hets landes beschweren, wenn du siebest, daß ein Heide dergleichen Pflichten nicht nur der

Mensch

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Menschlichen Natur als nohtwendig zuerkant, sondern auch mit seinem Thun bewissen habe, daß ihre Beobachtung nicht unınóglich fin.

Das Mitleiden, so ein vernünfriger Mensch mit seines Rächsten Jrrthum baben soll, bat mid) bewogen, es zu versuchen, obvie unleugs bare und ungeheuchelte Tugend eines Heiden diesen Wahn mildern fónne; oder ob diejenigen, so ihre schöne Lehre mit einem garstigen Leben schanden, durch Uebereinstimmung der Worte und Wercke eines Ungläubigen módjten berahåniet worden.

In solcher Absicht habe ich dieses grossen Käysers Lehremit seinem Leben vergesellschaf tet, damit ein jeder sehe, Antoninus habe Felber gethan, was er gesagt; und daß nicht alleine reine Worte, sonderu auch feine Wercke eine Lehre sind.

Seine unverstellte Aufführung wird alle Einwürffe der Bosheit, des Argwohns und der Mifgunst beschwidtigou, wenn du aus dicfem Bude vernimst,daß sein redliches Here vor aller Heuwelen und Verstellung so viel Abfcheu, als vor offenbahren Lastern, hatte.

Es war auch keine Ruhın - Begierde, die ihm seine eigene Fehler untersuchen hieß: daruin hat er diese Betrachtuixgen beimlich,

cr und über Sich Selbst, zu feiner eigenen Besserung angestellet, weil er wuste, daß die Selbst-Erkantniß aller Weisheit Anfang fer

Htes

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Hiebey rchonte er seiner so wenig, daß er biß in die verborgenfte Absichten reines HerBens, und in die ersten Bewegnisse aller feiner Thaten drang, um dieselbigen dergestalt von aller Falschheit des Selbst-Betrugs zu reinigen, daß sein Gewissen zufrieden und ruhig, seine Thaten aber frei), und dem Menschlichen Geschlechte konten ersprießlich feyn. Dazu ließ er sich auch die geringsten Zufälle seines Lebens dienen; ja alles was er hörete, fabe undlas, ward alsobald auf die innere Verbeso ferung, durch eine angestellte Betradtung, gezogen.

Aus dieser geheimen Arbeit an Ihnt Selbst, Geneigter Leser, ist das herrliche Buch erwachsen, welches ich dir hicinit überreiche. Antoninus fchrieb Teine Gedancken nieder, uin dieselben, so oft es die Geschäffte erlaubten, nachzulesen. Derowegen hat er fic in Griechischer Sprache verfasset, und über Sich Selbst, an Sith Selbst, betitelt, weil seine vornehinste Absicht damit auf Sich Sels

ber ging.

Es ist demnach als eine besondere Wohlthat Gottes anzusehen, daß diese edle Schrift, aus eines mächtigen Käysers allergeheiinesten Zimmern, sich in die weite Welt ausgebrets tet, und unsere Zeiten erreichet hat; wettdie: fer unvergleichliche Fürst, der in seinem gangen Leben getrachtet hatte, sich selber fronim, und

an

andern nüßlich zu machen, auch nach reinem Tode denen Menschen zuin Lehrer und Erempel dienen solte.

Des Kånfere Zweckt ist gewesen, durch vers nünftige Einrichtung feines Gemiihts, seiner Begierden und Thaten, Sich Selbst zu einer gelassenen Zufriedenheit zu bringen ; damit er also bey innerlicher Ordnung und Ruhe sete ner Seelen, desto gerechter und ungestöhrter in Besorgung des gemeinen Wesend seyn mods te. Dbaber dergleichen Beinihung zur wahs ren Glüctseeligkeit von nohten, oder einem je: den Christen anständig ren, mag der Geneige te Lefer selbst urtheilen.

Meines Drts babe mich nicht allein mit der Lesung dieses edlen Buchs, sondern auch init seiner Ueberseßung ergoßet. Die Frant de fische des Herrn Daciers schien inir so anges nehm, daß ich versuchen wolte, ob das ansich dunctele und furßgefaßte Griechische, sich auf gleichen Schlag könte in unsere Teutsatse Sprache schicken. Mit dieser Arbeit war ich bereits vor 12. Jahren fertig.

Weil ich aber beständig in fremden Lándern war, hatte ich zwar öfters Gelegenhett

Lehren, aber niminer an die Ausfertigung ineiner Uebersetung zu gedencen: biß neulich einige Freunde, ben lesung meines Büchleins von der Zufriedenheit, fragten; wer doch der darin fo oft erwehnté Käyfer WTarcus Aurelius Antoninus soy?

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