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fen. Lafft den Leib dasselbe thun, Joer kan; lafft ihn Sor. ge tragen, daß er nichts empfinde, und fo er Schmerken fühlet, lasst ihn klagen.

Die Seele aber, wird durch Furcht oder Traue rigkeit beweget, nachdem sie von denen Dingen urtheilet. Sonst kan sie nicht verletet werden, daferne Du ihr nicht die Freyheit låffest, sich einzubilden, daß diş oderjenes bos fe sey: Unsere Seele braucher keiner auswärtigen Dinge, baferne fie fich nicht felber dürfftig machet. Dannenher ift sie keiner Unruheunterworffen, phne Derjenigen, welche sie sich selber verurfachet,

XVII.
Die Glückseligkeit eines Menschen besteher in einem
guten Gemüth, und gefunden Verstande. Was hab
ich denn mit dir , o Fantasen! zu fchaffen? Gehe hin'im
Nahmen der Götter ! gehe hin, wo du her gekommen bift!
Ich bedarff deinernicht. Du kommst nach Deiner alten
Weife ; Ich bin auf dich deswegen nicht böse ; Mur
o) packedich fein bald !

XIIX.
Warum solte jemand die Veränderung scheuen?
Denn was kan ohne Veränderung geschehen? Was ist
Der allgemeinen Natur angenehmer , oder gemeiner;
Fanft du dich auch des Bades bedienen, ohne daß fich
Das Holk verandere? Kanst du ernehret werden, ohne
Verwandelung der Speisen? Kan sonst was Nüßliches
ausgerichtet werden, wo die Veränderung nicht dazwis

schen o) so sprach Siob zu seiner Frau/ als sie ihm einen falschen

Wahn beybringen wolter Du redeft wie die albern Weis ber reden; und Christus sagt zu Petrus / als er ihm vom keiden abratben wolte: Gehe hinter mir Saten/du bift mir hinderlich!

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114 Käyr. Marc. Aurel. Antoninus ?
fchen kommt ? Siehest du denn nicht, daß es p) mit deis
ner Veränderung eine gleiche Bervandniß habe ? Sio
wird gleich allen andern, der allgemeinen Natur zutråg
lich seyn.

XIX.
9) Alle Corper iperden durch das allgemeine Wes
fen der Welt, wie durch einen Strohm, dahin gerissen:
Sie stehen mit jener in Verwandschafft , und arbeiten
mit ihr zugleich, wie die Glieder, an einem Leibe. Wie
manchen Chrysippus, Socrates, und Epictetus,
hat die Zeit schon verschlungen? Stelle diese Betrach
tung über alle Menschen, und Sachen, so dir vorkoms

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men, an.

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XX. Einerler besorge ich mir : Entweder , daß ich ets mas thue, so die Natur eines Menschen nicht will daß es geschehe ; oder daßiches auf eine andere Weife verrichte, als sie es erfordert ; oder auch, daß ichs zur ungerechten Zeitthue.

XXI. Es kommt die Zeit, darin du alles vergessen wirst, and alles dich!

XXII. r) Es stehet einem Menschen wohl an ; auch die lieben, so ihn beleidigen. Du wirst es thun, lo du dich entsinnest, daß deine Beleidiger deine Verwandten sind;

Daß p) Er redet von der Veränderung/so durch unsere Wufisfung in

Eode geschicht q) Hieron ift schon droben im X. Capittel geredet/und die Absicht

der Wiederholung ift/ uns das Sterben erträglich zu machen. 8) Es stehet einem Menschen wohl an.' . Erfennet diß ein

Hende / daß es nienschlich rev / die Feinde lieber ; Ey was schreyen denn die Chrijten wider das Gebot unfers Heylandes ; Liebet eyre Feinde!

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daß fie wider Willen und aus Unwissenheit fündigen ; daß Du sowohl als sie, in furßem sterben must; und vor allen Dingen, daß sie dich nicht beleidiget haben, weil sie deine vernünfftige Seele nicht ärger machen können, als sie vors hin gewesen ist.

XXIII. s) Die allgemeine Natur bedienet sich des allgemeis nen Zeugs, wie der Künstler des weichen Wachses; bald bildet sie ein Pferd daraus, bald zerschmeltet sie dieses wies Der, und macht daraus einen Baum, hernach einen Mens fchen; und so weiter. Alle ihre Wercke sind von kurs ker Dauerhafftigkeit. Gleichwie aber ein Kasten nichts Daber leidet , wenn man ihn zusammen fchlågt, also ems pfindet er auch nichts, wenn man ihn wieder aus einans der nimmt.

XXIV. t) Ein zorniges oder grimmiges Angesicht, ist wis der die Natur. Gewohnt man sich daran, so behålt man es, und die Annehmlichkeit der Gestalt verschwindet. Dars aus erhellet, daß solches wider die Natur fen. So wir aber darüber unempfindlich seyn mögen, daß wiz fündigen, wars um leben wir denn?

XXV. Die alregierende Natur, wird in furken alles vers åndern, was du fiehest, und aus demselben Zeug etwas neues hervor bringen ; Aus diesem abermal andere ,

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und 8) Weil demnach nach Antoninus eigenen Geständniß 7 der

Zeug/ woraus unfre Leiber bestanden / nicht gar vergebet! glauben wir Chriften / daß die Wiederzusammenbringung unserer Leiber / in der Uufferstehung der Todlen, nicht obus

möglich fey. 1) Antoninus (deint zu wollen / daß wir uns keine Fehler vera

zeihen müssen/ wie klein sie auch deinen; sondern / daß wir tåglich auf uns felbft'ju unserer Besserung act baben müssen.

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und wiederum andere Dinge; damit sich alfo die Welt u) immerzu verjüngere.

XXVI. Sündiget jemand wider dich, fo bedencke, was dieser Mensch vor ein Urtheil vom Guten, oder vom Bösen ges fållet hat, indem er fündigte? Hast du solches wohl erwos gen, so wirst du Mittleiden mit ihm haben, und ihm seine Fehler verzeihen, an ftatt dich darüber zu verwundern, odeč

entrůsten. Denn entweder hålteft du eben dasselbige für gut oder böfe, was dein Beleidiger dafür hålt, und To must dü ihm seine Thaten zu gute halten; oder du urtheis test davon auf eine gefundere Masse ? und so must du féine Fehler mit Gelindigkeit ertragen, als eines Menschen, der Dieselben aus Grrthum begehet.

XXVII.
Man muß nicht so viel an das gedencken so uns
mangelt, als an das so wir haben. Unter denen Lekten
müssen wir die Dinge erwegen, die uns am liebsten sind;
und daben gedencken, mit welcher Begierde wir ihnen
nachtrachten würden, dafern wir sie nicht håtten ; Doch
must du dich dergeftalt nicht an ihnen belustigen, noch sie
so hoch schågen, daß du sie ohne Befümmerniß nicht fols
teft verlieren können.

XXIIX.
x) Sey ben dir selber, und gehe in dich; denn die

vernünffa u) Immerzu verjüngere. Das istso lange es Gott gefått/

die Welt zu erhalten ; denn Antoninus glaubte feines me.
ges/daß die Welt würde etvig bleiben; wie er denn anderwei.
tig fich darüber erkläret hat.
Sie zeiget fich abermahl der Vorzug der Christlichen Lehre
liber alle Vernunfft. Denn/indem diese es will auf fich felbft
ankommen lassen, lehret uns jene / von uus selber auszugeben/
und unsere Liebe und Vertrauen auf Gott allein zu werffen/
und auf seine Barmherzigteit

. Bey dieser deniüthigen Bro

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vernünfftige Seele ist von der Art, daß sie geruhig und mit sich selbst zu frieden ist

, indem sie recht thut.

XXIX, Entschůtte dich der Einbildungen; båndige dieerste Bewegung der Affecten. Brauche wohl die gegenwärtis ge Zeit. Erkenne was beydes dir und andern begegnet; Zergliedere alle Dinge in ihre Materie und Form; oder in ihr Wesen und Eigenschafften. Gedencke an deine lekte

Stunde; y) laß die Fehler so begangen worden, da, wo sie geschehen sind.

XXX, Du must auffmercksam anhören was gesaget wird, und mit deinem Verstande biß auf den Grund und Ursa, den ber Dinge dringen.

XXXI. Schmücke dich mit Einfalt, und mit Ehrbarkeit; ser von einer gleichmüthigen Neigung gegen alle Mittels Dinge ; Liebe die Menschen ; und gehorche GOTT! 2) Alles richtet sich nach einem gewissen Gefek, sagt jes ner. Und gefekt: dis waren die Elementen? so muß man erwegen, daß sie, wenige ausgenommen, alle ihre ber stimmte Ordnung haben.

XXXIT: schaffenheit der Seele wohnt die wahre Zufriedenheit/ und Rube. Die Bungrigen füllet der Berr mit Gitern) und lässt die Reichen leer ! Alle unsere Gerechtigkeit

ist wie ein unflåtig Rleid! Ý) Laß die Fehleç. Dis erkläbret er anderwerts alfo : Hat

eiu ander Bifes gethan/ das ifi rein Schade. Sat er mids i beleidigen wollen / das ist eine Bobbeit. Was geht mich

an/ fo ich mid, nicht beleidigt finde? z) Die Mennung ist: Hat die gantze Matur ihre Drdnung/bar,

nach fie fich richtet; so muß der Mensch auch ein gewiß Gerce baben / dessen die obangeregten Plichten gleichsam die Sum. ma find. Sie zeigen türklich / mie sich der Mensch gegen fich felbst/ gegenden Rächsten/unbgegen GDxt/ju verhalten hat.

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