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u) Hüte dich, daß du gegen die Unmenfchen nicht eben fo gesinnet feyft, wie sie gegen andere Menschen ges finnet sind.

LXVI. x) Woher wissen wir, daß Socrates tugends haffter und grösser als andere gewesen. Denn es ift nicht genug, y) daß er rühmlicher gestorben ift ; daß er nachdrücklicher wieder die Heuchler gehandelt; oder z) daß er im Winter unter frerem Himmel übernachs tét hat; nicht, a) daß er denen Tyrannen sich grosmu

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thig Worten, uin ja zeigen / wie fåcherlich offt die Klage děreci die fich über einen Schmerzen beschweren / fey ; der durch

Einbildung vergrössert wird. u) Das heill so viel, nis: Vergeltet nicht bofes mit bösen. x) Nach diesern Capittel fönnen die 7 fo mit ihrer eingebildeten

Grosie schwanger gehen, diefelbe abmessen, um zu sehen,mor

in die wahre Grosse bestehe. :y) Daß er råhmlicher gestorben ist: Socrates wolte lie

ber sterben, als einige Unanståndigkeit begeben. Aber diefer preiswürdige Todist es noch nicht allein / der einen Menschen

wahrhafftig groß machen Fan. 2) Daß er im Winter Socrates hat viele Beweisthúmer

feiner Gedult hinterlassen/ und eines unerfchrocknen Muths in allen Gefabrlichkeiten; Aber auch dieses ist noch nicht ges

nug/wahrhafftig groß zu heissen. a) Daß er denenTyrannen fich großmäthig widerretet.

Die dreyßig Eyrannen / wolten den Socrates mit einiger Soldaten genSalamine schicken/im von dannen einen Nah. mens Leon / abzuholen, welchen sie wolten aus den Mittel geraumet wissen/ um deffen sehr grosse Haarschafften an fich zu bringen. Socrates war so mutbig/such ihnen hierin zu wie seken / wie solches vom plato in dessen Apologie/ und in seinem VII. Briefe erzehlet roird. Doch diefe Shat fonte den Socrates noch nicht großmachen sintemal auch wohl unar. tige Leute dergleichen Entföhliessung gefaffet haben. Die hoch. trabende Schritte/deren in dachfolgenden gedacht wird/mols sterer / den Aristophanes/angedichtet sind. b) Sondern du must forroben. Diefes ijt der Sitz der waha

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thig widerfekete, als sie ihm befohlen jenen Salaminis fchen Mann zu holen ; nicht, daß er auf der Gassen hoch. trabend einher ging; woran ich doch zweifle ob es wahr sey.

b) Sondern du must forschen, was für eine Seele Socrates gehabt hat? ob er zu frieden gewesen, wenn er gegen die Menschen konte gerecht ; und fromm gegen die

; Götter seyn? ober sich auch ohne Ursache über die Boss heit der Menschen entrůstet ? c) Dber je ein Sclave von eines andern Unwissenheit worden ist? ob er auch die Schickungen als etwas Ungewohntes, oder als etwas uns ertrågliches, angesehen hat? d) Endlich, ob seine Seele, je, wie sein Fleisch, erkrancket, und dessen Leidenschaffs ten unterwürffig worden sey ?

LXVII. e) Die Natur hat unsere Seele nicht so gar mit

anserm lens auch nicht ausmachen/wiewohl solche ihm von seinemlå

ren Grosse / und folgende Gemüths - Beschaffenheiten des

Socrates/ geben davon ein untadeliches Zeugniß. c). Ob er je ein Sclave der Unwissenheit eines andern

worden ist? Dis geschicht/ wenn man aus einer knechti. Tchen Gefältigkeit / oder aus eigennügiger Furdt / einem an. dern zu Gefallen/etwas billiget oder wider Gewissen/ qusian. dern unbilligen Absichten/ein Berråther seiner eigenen Mep,

nung / und zugleich der arbeit wird. d) Hierin befiehet eigentlich die wahre Grosse i nach Syrachs

Ausspruch : Wer seines Ruths Derrift /der ist står ser als einer der Stadte gewinnet. So muß denn die Ehriftliche Lehre die volkommenste Beisbeit feyn/ well fie uns am deutlichsten zeiget/ wie wir das Bosedurdy das Gute

überwinden können. c) Cr wil in diesem schönen Capittel eigen ons die wahre Slůct

feeligkeit/nicht in einer äusserlichen Herrlichkeit/ Luft Kunst/ oder lleberflue; fondern in der aufrichtigen frdmmigkeit des

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unserm Leibe vermischt, daß wir sie nicht solten davon abs ziehen, und uns in uns selbst einschrencken können, um dasjenige mit desto ungehinderter Freyheit zu thun, was unsere Pflicht erheifchet. Denn es ist nicht unmöglich, jugleich ein recht göttlicher, und dennoch der gangen Welt unbekanter Mann zu feyn. Gedencke sters hier: an, und besinne dich, daß man zum glücklichen Leben, nur weniges vonnöthen habe. Woltest du die Lust Dega wegen sincken lassen, fren, ehrbahr, gesellig, und denen Göttern gehorsam zu seyn, weil du zweiffelft, ein grosser Disputator oder Naturkündiger zu werden?

LXIIX. Du kanst ungezwungen bleiben, und in einer tieffen Zufriedenheit der Seele stehen, obgleich alle wider dich schreyen, so viel sie wollen, ja ob die f) wilden Thies re, diefen dich umgebenden Taig, das ist, deinen Leib zers reiffen. Denn, was hinderts, daß dein Gemüth in allen Zufällen nicht feine stille Ruhe behalten solte, um von allem, so dir zustóffe , wahrhafftig zu urtheilen; und dich zu lehren, alles Zufalls dich vortheilhafftig zu bes dienen.

Dein Urtheil kan zu allen Zufällen sprechen : das bist du, und nichts anders, nach deinem eigentlichen Wesen! Wiewohl die Meynung und Einbildung i fo die meisten von dir hegen, dich für etwas anders ausges

ben

Gemüths bestehe. Derowegen tånnen alle Menschen glåd.

lich werden, wenn sie wollen. f) Wilden Thiere. Was Antoninus hier aus dem licht der Natur erkennet, bekräfftiget die Offenbahrung/famt der Er.

/ 33; fahrung. Daher war Ignatius so frslich gegen sein Ende.

Dis ift mehr eine Wirdung / einer fonderbahren Gnade SDites/als der blossen Vernunfft. 11. Cor. iv. darum růh. #men wir uns der Trůbsal aber in Chrifto Iefút:

Rom. V. 11. und wir verinogen alles/ wenn er uns middhtig macht. Philipp. IV.

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ben wil. Auch karist du dich gewehnen, alle Begebnisse mit diesen Worten, gleichfam zu bewillkommen: dich suchte ich! g) denn alles was mir zu Handen kommt, foll mit eine Gelegenheit zur vernünfftigen und geselligen Tugend's Uebung werben; auch mir Anlaß geben, meine Pflicht ges gen GOTT, und Menschen, zu erfüllen. Denn alles, was mir begegnet, gehet entweder diese , oder jenen an. Ausser diesen benden ist nichts anders neues; nichts una mögliches oder schweres, sondern alles beydes bekant, und leicht.

LXIX.
Die Vollkommenheit ebler Sitten, besteher darin,
daß man einen jeden Tag zubringe, als solte er der Letzte
feyn ; daß man weder Uebereilung, noch Trägheit, oder
Verstellung, bege.

LXX.
Die unsterblichen Götter empfinden es nicht übel,
Daß fie eine so unendliche Zeither, eine unendliche Zahl der
Böfen haben ertragen måffen: Sondern was noch mehr
ist, h) sie sorgen für dieselben aufalle Weise

. Und bu, der
bu in furgem nicht mehr fenn wirst, du ermüdest die Höfen
zu ertragen, da du doch selber einer von ihrer Zahi bift!
e.

LXXI.
Es ist recht lächerlich : du kanst deine eigene Boss
beit verhindern, und duldest sie. Du fanst eines ans
Dern Bosheit nicht verhindern, und du wilt sie nicht
Dulben.

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LXXII, mlag) eomäffen denen die GOTT lieben/ alle Dinge tuin 1:17. Besten dienen...

6) GOTT låsset feine Sonne auffgehen liber Böse und

7 Gute und regnen über Gerechte und Ungerechte. Biratch. V, fiche Apostel-Gefch. XIV, 16.

10.1.2011

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LXXII. Alles was die vernünfftige und gesellige Krafft in mir findet , daß es weder zu meines Verstandes Auffnahs me, oder der menschlichen Gesellschafft Besten gereichet, solches urtheilet fie billig ihr unanständig zu seyn.

LXXIII. Wenn du Gutes gethan haft, und ein anderer das Gute empfangen hat, warum fuchest du denn mit i) den Narren, noch über dem ein drittes, daß man entweder, Deine Gutthat preisen, oder diefelbe vergelten soll?

LXXIV. Niemand wird dessen måde, was ihm nüßlich ist; denn es ist natürlich, seinen Nuken suchen. So ermů, De du denn auch nicht, dein Gutes zu befördern, inden du de andern gutes thust.

LXXV. Die allgemeine Natur hat sich vor Zeiten geneigt, die Welt zu erschaffen. Was aber ißo geschicht, ist die Folge Der einmal gemachten Drdnung. k) Meynest du aber, daß Das Vornehmste ohne Vernunfft geschehe, und worin der Regierer der Welt

vornehmlich sein Wefen hat? diefe Bes trachtung wird dir eine grosse Zufriedenheit verursachen.

Des i) Den barren. So neanet Juvenalis diejenigen fo groß

fern Durstnad sehre/als nach der Tugend haben.. k) Weynest du aber. Jd bleibe / fo wiel möglich / bey dem

Griechischen Dext/ob er gleich ein weniggerstimmelt scheinet. Denn die Wreynung ist/ daß GDtt vornehmlich vor das ser nånftige Geschöpft sorgfältig fen. Wie Salomo von der selbstàndigen Weißbeit SDttes sagt: Ihr Luft ift bey den Menschen Kindern. Prov. IX. Je mebr du nun ein Mensch, das ist/ je vernünfftiger du bist, je mehr Sroft wirf du in der Betrachtung dieser Wahrheit finden. So nun GOtt vor das Grafund vor die Sperlinge Torget/ folte er solches nicht vielincus. Matth. VI.

/ o ibe

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