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ben wil. Auch kanst du dich gewehnen, alle Begebnisse mit diefen Worten, gleichfam zu bewillkommen: dich suchte ich! g) denn alles was mir zu Handen kommt, foll mit eine Gelegenheit zur vernünfftigen und geselligen Tugend's Uebung werden; auch mir Anlaß geben, meine

Pflicht ges gen GOTT, und Menschen, zu erfüllen. Denn alles, was mir begegnet, gehet entweder diefe, oder jenen an. Ausser diesen benden ist nichts anders neues; nichts unz mögliches oder schweres, sondern alles beydes bekant, und leicht.

LXIX, Die Vollkommenheit edler Sitten, bestehet darin, daß man einen jeden Tag zubringe, als solte er der Letzte feyn ; daß man weder Uebereilung, noch Trägheit, oder Verstellung, bege.

LXX. 9. Die unsterblichen Götter empfinden es nicht übel, Daß sie eine so unendliche Zeither, eine unendliche Zahl der Höfen haben ertragen müssen: Sondern was noch mehr ift, h) fíe sorgen für dieselben auf alle Weise. Und bu, der bu in kurzem nicht mehr feyn tvirst, du ermúdeft die Böfen ju ertragen, da du doch selber'einer von ihrer Zahl bift! ca

LXXI. Es ist recht lächerlich : du kanst deine eigene Boße heit verhindern,

und duldest fie. Du kanst eines ans Deśn Bosheit niçt verhindern, und du wilt sie nicht Dulden.

LXXII,
hug) eo muffen denen die GOTC lieben alle Dinge guins
1:10 Besten dienen. :)
6) GOTT låsset seine Sonne auffgehen iber Böfe und

Gute/ und regnen über Gerechte und Ungerechte.
Ratth. Vi fiche Apostel-Gef:. XIV, 16.

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LXXII. Alles was die vernünfftige und gesellige Krafft in mir findet , daß es weder zu meines Verstandes Auffnahs me , oder der menschlichen Gesellschafft Besten gereichet, solches urtheilet fie billig ihr unanständig zu seyn.

LXXIII. Wenn du Gutes gethan hast, und ein anderer das Gute empfangen hat, warum fucheft du denn mit i) den Narren, noch über dem ein drittes, daß man entweder, Deine Gutthat preifen, oder diefelbe vergelten soll?

LXXIV. Niemand wird dessen måde, was ihm nüßlich ist; denn es ist natürlich, seinen Nuken suchen. So ermů, De du denn auch nicht, dein Gutes zu befördern, indern du andern gutes thust.

LXXV. Die allgemeine Natur hat sich vor Zeiten geneigt, die Welt zu erschaffen. Was aber ißo geschicht, ist die Solge der einmal gemachten Ordnung. k) Meynest du aber, daß Das Vornehmste ohne Vernunfft geschehe, und worin dec Regierer der Welt

vornehmlich sein Wesen hat? diefe Ber trachtung wird dir eine grosse Zufriedenheit verursachen

Des i) Den barren. So nennet Juvenalis diejenigen fo groß

fern Durstnad Ehre/als nach der Tugend haben. k) Weynest du aber. Id bleibe i so viel mdglich bey dem

Griechischen Sert/ob er gleich ein wenig gerstammelt feiret. Denn die Meynung ist/ daß Gott vornebunlich vor das ser nånfftige Geschdpt forgfältig rey. Wie Balomo von der selbstàndigen Weißheit SDttes sagt: Ihr Luft iftbeyden Menschen Kindern. Prov. 11x. Je mehr du nun ein Mensch, das ist je vernünfftiger du bift 7 je mehr Sroft wirf du in der Betrachtung dieser Wahrheit finden. So nun GOtt vor das Graf und vor die Sperlinge forget/ solte er solches nidyt vielmehr vor euch thun/o

ibe Blinglåubigen! fragt Christus. Matth. VI.

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Des Römischen Kaysers SScarcus Aurelius Antoninus

Erbaulicher
Betrachtungen
Abtes Bugs.

1.
u a) Verläugnung der eitlen Ehre, können dir
folgende Betrachtungen dienen: daß es ohnmögs

lich gewesen, von Jugend auf ein solches Leben zu führen, fo der Weisheit in allen Stücken vollkommlich gemäß gewesen : Daß es beydes, Dir selbst, und andern bes wust ift; wie weit, und wie lange du von der wahren Weisheit bist entfernet gewesen: Da siehest du, daß deine Rechnung falsch sey, wenn du dir eingebildet, ben folcher Unvollkommenheit, den Nahmen eines Weisen zu verdies nen. Deinegante Lebens-Art streiter dawider. Gehen dir aber endlich die

Augen auf, vaß du an zu fehen fångst, worin die wahre Weisheit bestehe, so wirft du dich nicht viel um die eitle Ehre bekümmern, sons dern dein einziger Vorsak wird seyn, wie du den kuraBen Rest deines Lebens, der Natur gemäß, zubringen mogeft.

§ 3

Uebers a) Sehet ihr wohl / wie auffrichtig Antoninus gegen die Ebro

Begierde streitet ; daß also die Beschuldigung falsch ist wenn
einige sagen / alle Seyden haben nur bloß aus Ehr-Seiß die
Lugend gesucht. Nein mein Freund! das Gewissen trieb fic
Daja / wie paulus / Röm. II. zeiget.

Ueberlege wohl, was diese erheifchet, und laß dich fonst nichts anfechten. Bedencke, wie bey allen deinem Herumschweiffen unter der Nichtigkeit, das glückseelige Leben nicht zu finden war. Nicht bey den leeren Vers nunfft-Schlüssen, nicht beym Reichthum, nicht bey der Ehre, nicht bey der Lust. Nirgend! Lieber wo findet man es denn ? Darin,

Daß du thust, was die menschliche Natur erheischet. Wie geschicht das aber? Wenn du solche Meynungen hegest, Daraus gute Thaten fliessen. Was sind denn das für Meynungen? die Meynungen vom Guten und Böfen. Das ist, die nichts vor gut halten, als was den Menschen gerecht, måsfig, tapffer und frey machet; auch die nichts vor böfe fchå gen, als was das Gegentheil wirdet.

IL b) Fragedich selbst bey einem jeden Beginnen; wie werde ich mich hieber befinden? wird mich dessen auch ges reuen ? Es ist nod; um ein kleines zu thun, so bin ich toðt, und alles ist dahin! was will ich mehr, als meine Werde fo verrichten, wie einer vernünfftigen Creatur zukommt, die gesellig ist, und sich nach einerley Gefeßen mit den Göttern richtet ?

III. Sind Alexander, c) Cajus, oder Pompejus, mit dem Diogenes, peraclitus, oder Socrates, fu pers gleichen? Diese begriffen alle Dinge nach ihren Ursachen, Zeug, und Wefen; ja ihr Gemüth war frey. Hingegen waren jene in groffen Sorgen, und in einer weitläufftigen Sclaverey.

IV. b) Dieses Capittel ist der Wermabrung Syrachs åbnlich: Was

du thust/bedende das genoelso wirst du ninmcemehr

ubele tbut! .) Er redet son Cajus Julius Cerar,

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IV. Und wenn du dich gleich zerrisfest, werden die Leute doch nichts anders thun, als sie gewohnt sind.

V. Vors erste, sen unbekůminect ; Alles geschicht der allgemeinen Natur gemäß ; Und in kurken wirst du eben, wie Sadrianus, oder Augustus , nirgends mehr ans zutreffen feyn. Zum andern, siehe ein jedes Ding recht ein, was es eigentlich ist, und bedende , daß es deine Schuldigkeit fey, ein ehrlicher Mensch zu sein. Thue was die Natur eines Menschen von dir erfordert, unvers ånderlich; rede was recht ist, und zwar mit Leutseligkeit, mit Ehrbarkeit, und ohne Heucheley.

VI.
d) Die allgemeine Natur ist immer geschafftig dies
fes hie, jenes dorthin zu verseken. Alles bestehet aus der
Verånderung. Derowegen befahre nichts neues. Alles
ist gewöhnlich, und die Verwaltung gleich.

VII.
Die

gange Natur ist zu frieden, wenn sie ihren richtigen Weg gehet. Und die vernünfftige Natur ges het alsdenn ihren richtigen Weg, wenn sie weder e) mit Lügen, oder mit Ungewißheit, durch ihre eigene Gedans cen, geplaget wird; sondern, wenn sie ihre Begierden

1

auf d) Im VII. Bucs / 18. und 23. Capittel/ wird hievon deutlicher

gehandelt. Die Ubficht ist/ durch ófftere Wiederholung dies fer Betrachtung / die Furcht des Todes zu vertreiben, die ihn difters scheinet/unruhig gemacht zu haben. Viel glücklicher find demnach die Christen/ fo mit Paulo sagen können: Les ben wir/so leben wir dem xErrn/sterben wir, fosters ben wir dem Serrn/dgrun/wir leben oder sterben/

so find wir des seren! Rom 11X. e) Wit Lågen. Šo nennet er die falfden Mepnungen von

allen Dingen, samt der Verstellung oder Heucheley.

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