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Des Römischen Käyfers
SScarcus Aurelius Antoninus

Erbaulicher
Betrachtungen
Aztes Buy .

I.
u a) Verläugnung der eitlen Ehre, können die
folgende Betrachtungen dienen: daß es ohnmogs

lich gewesen, von Jugend auf ein solches Leben zu führen, so der Weisheit in allen Stücken vollkommlich gemäß gewesen : Daß es beydes, Dir selbst, und andern bes wuft ift; wie weit, und wie lange du von der wahren Weisheit bist entfernet gewesen: Da siehest du, daß deine Rechnung falsch sey, wenn du dir eingebilder, ben folcher Unvollkommenheit, den Nahmen eines Weifen zu verdies nen. Deineganke Lebens-Art streitet Dawider. Gehen dir aber endlich die

Augen auf, vaß du an zu fehen fångst, worin die wahre Weisheit bestehe, so wirft du dich nicht viel um die eitle Ehre bekümmern, fons dern dein einßiger Vorsatz wird feyn, wie du den kura Ben Rest deines Lebens, der Natur gemåß, zubringen mogeft.

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Uebers a) Sehet ihr wohl, wie auffrichtig Antoninys gegen die Ebr.

Begierde streitet ; daß also die Beschuldigung falsch ist wenn
einige sagen / alle Seyden Haben nur bloß aus Ehr-Seiß die
Lugend gesucht. Nein mein Freund! das ewissen trieb fic
Daju / wie paylus / Rom. II. jeiget.

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Ueberlege wohl, was diese erheifchet, und laß dich fonft nichts anfechten. Bedencke, wie ben allen deinem Herumschweiffen unter der Nichtigkeit, das glückseelige Leben nicht zu finden war. Nicht bey den leeren Vers nunfft-Schlüssen, nicht beym Reichthum, nicht bery dec Ehre, nicht bey der Lust. Nirgend !

Lieber wo findet man es denn? darin, daß du thust, was die menschliche Natur erheifchet. Wie geschicht das aber? Wenn du solche Meynungen hegeft, Daraus gute Thaten flieffen. Was sind denn das für Meynungen? die Meinungen vom Guten und Bösen. Das ist, die nichts vor gut halten, als was den Menschen gerecht, mås: fig, tapffer und fren machet; auch die nichts vor böfe fchås ken, als was das Gegentheil wirdret.

IL b) Sragedich selbst bey einem jeden Beginnen; wie werde ich mich hieber befinden? wird mich dessen auch ges reuen ? Es ist nod; um ein kleines zu thun, so bin ich todt, und alles ist dahin! was will ich mehr, als meine Wercke so verrichten, wie einer vernünfftigen Creatur zukommt, die gesellig ist, und sich nach einerley Gefeßen mit den Gdttern richtet ?

III. Sind Alexander, c) Cajus, oder Pompejus, mit dem Diogenes, neraclitus, oder Socrates, zu vers gleichen? Diese begriffen alle Dinge nach ihren Ursachen, Zeug, und Wefen; ja ihr Gemüth war frey. Hingegen waren jene in groffen Sorgen, und in einer weitläufftigen Sclaverey.

IV. b) Diefes Capittel ist der Vermahnung Syrachs åbnlich: Was

du thust/bedende das fenoe/so wirft ou nimimermehr

Ubels thun!
.) Er redet son Cajus Julius Cetar.

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IV. Und wenn du dich gleich zerrisfest, werden die Leute doch nichts anders thun, als sie gewohnt sind.

V. Vors erste, fer unbekůminert ; Alles geschicht der allgemeinen Natur gemäß ; Und in kurzen wirst du eben, wie nadrianus, oder Augustus, nirgends mehr ans zutreffen seyn. Zum andern, siehe ein jedes Ding recht ein, was es eigentlich ist, und bedencke , daß es deine Schuldigkeit sen, ein ehrlicher Mensch zu sein. Thue was die Natur eines Menschen von dir erfordert, unvers ånderlich ; rede was recht ist, und zwar mit Leutseligkeit, mit Ehrbarkeit, und ohne Heucheley.

VI. d) Die allgemeine Natur ist immer geschafftig dies fes hie, jenes dorthin zu verseken. Alles bestehet aus der Veränderung. Derowegen befahre nichts neues. Alles ist gewöhnlich, und die Verwaltung gleich.

VII. Die gange Natur ist zu frieden, wenn sie ihren richtigen Weg gehet. Und die vernünfftige Natur ges het alsdenn ihren richtigen Weg, wenn sie weder e) mit Lügen, oder mit Ungewißheit, durch ihre eigene Gebans den, geplaget wird ; sondern, wenn sie ihre Begierden g 4

auf d) Im VII. Buc/ 18. und 23. Capittel / wird hievon deutlicher

gehandelt. Die Ubficht ist/ durch ófftere Biederholung dicc fer Betrachtung / die Furcht des Doves zu vertreiben/die ihn difters

scheinet / unruhig gemacht zu baben. Viel glücklicher find demnach die Christen/ fo mit Paulo sagen können: Les ben wir/fo leben wir dem Errn/sterben wir, fosters ben wir dem Errn /darum/wir leben oder sterben/

so find wir des Beren! Rom 11X. e) Wit Lågen. So nennet er die falsden Mepnungen von

Allen Dingen, samt der Perstellung oder Heucheley.

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auf die gemeine Wohlfarth richtet. Wann sie ihre Neis gung oder Abscheu auf nichts wirfft, als was bey ihr stes het zu erlangen, oder zu hindern ; wenn sie alles willig ano ninimt, mas ihr die allgemeine Natur zuschicket;f)wenn fie daran Theil hat, wie die Natur des Laubes an der Natur des Baums;. Doch mit diesem Unterscheid :

Die Natur des Laubes ist ein Stück von einem leblosen unvernünfftigen Holge, welches in feinen Wics ckungen kan gehindert, oder gezwungen werden ; dahin. gegen ist die Natur des Menschen g) ein Theil eines vers nünfftigen, weisen , gerechten, unveränderlichen Wes fens, welches einem jeden Dinge seine Zeit, Wefen, Urs sach, feine Wirckungen, und Zufälle unveränderlich auss theilet. h) Dieses wirst du wahr zu feyn befinden, wenn ou die Dinge nicht eingeln, oder besonders", sondern in ihrem gangen Zusainmenhang mit andern , und insges mein, betrachtest.

IIX:

f) Wenn sie daran Tbeil hat. Er redet von der Gemein.

schafft der vernünfstigen Creatur mit GDtt/auf eine Seydni. (che/ und Stoische Weise. Johannes aber unterrichtet uns von unser Gemeinschafft durd; Christum) mit GOtt/biel

trditlicher/ und von den Wirdungen seiner Gnaden-Starde. g) Ein Tbeil

. Wie gesagt / dis ist ein Stoischer Frrthum, daran sich kein vernünfftiger Chrif Rossen wird ; weil er beo Dencket/ daß ein Heyde nicht anders als ein Heyde [chreiben

tonte. h) Dieses wirft du. Daher Edmmt der Selbst-Betrug / weil

die Menschen hie und da einen Zufall besonders ansehen / und darüber ein Urtheil fållen/er sey gut oder bøfe. Sie solten aber alle Dinge in der Ordnung betrachten / darin die Vorse. bung eines weisen GOttes/diefelben geftellet hat; so tvůrden fie bald überzeuget werden / daß auch

diejenigen Dinge

/ sofie juvor bdse nannten, zu einem guten Ende abjielen; daß also beydes/ihr Klager und Befümmerniß/ unbesonnen und um, sonst gewesen ist.

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IIX. i) Gefeßt du kontest nicht lesen; so kanst du doch ablassen dich selbst zu schånden. Du kanft den Schmers ken, und die Lust überwinden. Du kanst dich über alle eitle Ehre erheben. Du kanst gegen die Albern , oder Uns danckbaren, sanfftmüthig, und noch dazu für ihre Wohle farth sorgfältig feyn.

IX.
k) Laß niemand hören, daß du dg8 Hoffleben,
oder auch dein eigenes tadelft.

X
Die Reue ist eine Bestraffung sein selbst wegen der
Versäumung eines Nukens ; wer aber einen Vortheil
nennet, der siehet ihn zugleich als etwas Gutes an und

;
also werth, daß ein ehrlicher Mann sich darum bekümmes
re. Nun aber 1) bebauret kein guter und ehrlicher
Mann, eine Wollust verfáumet zu haben, daher folget,
Daß die Wollust weder etwas Gutes, noch etwas Müks
liches fer.

$1.XI.2.1 : Untersuche ein jedes Ding folgender Gestalt : m) was ist dis an sich selber , und nach seiner eigentlis

chen i). Die Leute / so fich nicht lustzu bessern Baben, pflegen / wenn

man ihnen ihre Lafter vorhålt /zu sagen: 9a/ ich habe nicht studiret ; ich kan das so nicht thun 7 wie jener weise Mann. Ich bin nur einfältig. ac. Antoninus entdecket mit dieser Betrachtung die Nichtigkeit solcher Uusflüchte ; und wir

Chriften/uehmen die Gnade GOttes ju Hülffe. b) Die Ursach ist / weil ein frommer und vernünfftiger Mensch

güenthalben glücklich seyn fan 7 wohin ihn sein Beruff siehet. 1) Bedauret. Nein, sondern er bereuet es vielmehr, wenn er

fie volibradt hat/ und tft traurig; er freuet fid aber/wenn er

ihren Reißungen entwischet ift. m) So machte es der meife Salomo als er sum Laden

sprach, du bist toll/ und zur Freyde / Was machest on!

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