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XXIIX. Die Lust eines Menschen bestehet in der Volbrin: gung des, so eines Menschen Eigenthum ist. Als da ift: seines Gleichen lieben; die Reißungen der Sinnen betaus ben ; von der Warheit oder Wahrscheinlichkeit derer Meynungen urtheilen ; der allgemeinen Natur folgen, und was durch selbe geschicht, betrachten.

XXIX, Ein jeglicher hat auf brey Dinge zu sehen. Eins mal, auf das, lo um ihn ist, das ist , fein Leib. Zweye tens, auf das, fo über ihn ist, das ist, GOtt; von wels chen alles kommt, so uns begegnet. Drittens, auf das, fó neben ihn ist, oder auf die, mit welchen er lebet.

Xxx. Der Schmerk ist entweder ein Uebel für den Leib, oder für die Seele . Oft er für den Leib?

so'last den Leib sich darüber beschweren. Trifft er die Seele? so stehet es doch bei ihr, ihre eigenthümliche Klarheit und Stille zu behalten, ohne zu wehnen, daß es ein Uebel fer. f) Denn unsre Urtheilungs: Krafft, jufamt einem jeden

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Trieb, Weisheit verknüpffet. Woraus denn abermal der Vorzug des Christenthums / über alle Vernunfft erhellet/ weil wir GDtt Rob! gewiß sind/daßdie Seele nicht an getödtet werden. Matth. X. Es tan aud repo/ daß Antoninus nur von den Lebens.Geiftern rede/welche allerdings zerstreuet werden / nicht aber die vernünfftige Seele: die/wie er anders

werts sagt / ju Gott wiederkebret. f) Denn unsre Urtheilungs-Krafftrc

. Diß ist in gewisser Absicht mabr. Allein die Sünde hat uns so schwach und un. vermogend gemacht/ daß wir nicht allein grossen Theils die Herrschaft verlohren haben/über dieDInge so auffer uns find/ fondern wirkönnen auch nicht gånßlich hindern/daß diese aus. wärtige Vorwürffe, ulcht folten einen Eindruck in unser Ge. müth maden. Und solches haben die grossen Weltweifen nicht odligerkant. Boraus abermalder Vorzug der Chriftlichen

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Trieb, Begierde und Neigung, stecken fo tieff in uns, daß dahin nichts böses dringen kan.

XXXI, g) Vertilge deine Fantasery, daß du ohn Unterlaß ben dir fageft: Nun stehet es in meinem Vermogen, daß in dieser meiner Seele, keine Vosheit, keine Begierde, oder Verwirrung fey. Derohalben will ich alle Dinge anschauen, wie sie sind, und mich ihrer nach ihrem Werth bedienen. Befinne dich, daßdir die Natur diese Kräffte gegeben hat.

XXXII. Du must, beydes, in der Raths - Versammlung, wie auch anderwerts, anståndig, und mit Ehrbarkeit res den. Auch keine erborgte Zierlichkeiten suchen, wo Deine Rede männlich, und gesund seyn foll

.

XXXIII. Der gange Hoff Augusti, seine Gemahlin, Tochs ter, Enckel, Stieff- Söhne, Schwester, Agrippas; feine Verwandten, Bekandten, Freunde, Arius, iniós cenas; seine Perkte, Priester, ja der ganze Hoff Augus fti, ist gestorben.

Gjehe Lehre erhellet / welche uns beydes den Verfall / und die Wie. deraufrichtung der menschlichen Natur/depilich jeuget; auch alles unser Vermögen / in wahrer Demuth, der Gdttlichen

Gnade / allein zueignet. 8) Hie nennet Antoninus das Mittel/zu der Boulommenheit

welcher er im vorigen gedachte, ju gelangen. Es ist wahr/ daß durch die Einrichtung der Einbildung / viel Pdfes verbů. tet wird. Aber wer fan die Einbildung gang vertilgen? Nef

fet fie uns doch mit allerley Gedancken / wider unfern Willen. * Wo ist der Mensch welcher ohne Begierde lebt? Wir können

fie gåhmen/ aber nicht abschaffen. Und folches abermal/ nicht aus eigner Krafft/ fondern durch Beystand der Gnade GOttes/ wie das Christenthum vortreflich lebret.

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Gehe von dar zu andern , und erwege nicht etwa den Tod einer eingeln Person, sondern ganger Familien. Zum Erempel, das Aussterben derer pompejen, auch wie man auf den Gråbern zu feßen pflegt: Der Legte feines Geschlechts!

Anben erinnere dich, wie viel Mühe dererselben
Vorfahren sich gegeben haben, solche Nachkommlinge zu
hinterlassen, deren doch endlich einer hat müffen seines Ges
schlechts der Lekte feyn. Erwege überdem Den Tod gans
ker h) Nationen!

XXXIV.
Was du thust, das thue aus allen Kräfften. Wens
dest du so viel Vermogen auf dein Thun, als du kanst, so
isis genug. Dis kan dir aber niemand wehren, daß dein

Werck vollkommen sey. Gefekt, es fällt von aussen eine
Hinderniß ein ? Wie kan folche dir wehren gerecht,
måßig, oder bedachtsam zu bleiben?

Aber, eine kräfftige
Hinderniß ftohret mein Werck ! i) So du diefe Hindera
niß fanfftmüthig empfindest , und dich derselben gedulrig
bedienest, so wird aus der Hinderniß ein neues Werct
entstehen , welches sich ajit der Lebens-Art, davon ich rede,
sehr wohl reimet.

XXXV.
k) Alles annehmen ohne Hochmuth ; Alles verlaf
fen ohne Widerwillen.

XXXVI. b) o find iko die alten Wenden/ die Sclaven/ die Cims

brer / die Cheruseer / die Obotriten/ die Gothen ic. i) Boon diese Hindernis sanfftmåthig einpfindest. Wie

vollkommen ist der Mensch / dem die Hindernissen des Guten selbst/jur Beförderung des Guten dienen muffin? und deri mie Antoninus / aus dem Krieg des rebellischer Cafins / eine Gelegenheit schöpffen kan/ zu zeigen / wie grosmüthig er

auch gegen feine Feinde rem? k) Den Reichen dieser wat gebeut 1Daß fie nicht stole

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XXXVI. Sodu je eine abgehauene Hand, oder Fuß, Kopf, oder dergleichen etwas von dem Leibe abgesondert gesehen hast, fo hast du das Ebenbild dessen gesehen, der sich von allen andern abgesondert, indem er entweder , was ihm begegnet nicht vertragen will, oder sonst etwas wieder das

Recht der menschlichen Gesellschafft vornimmt. Erhat sich abgerissen, und das Band zertrennet, so die Natur. geknüpffet hat.

Du wareft das Glied eines Leibes , und hast dich das von gerissen. Doch diesen Vortheil hast du noch, daß du dich wieder damit

vereinigen kanst. Dis Vermögen hat Ott keinen andern Gliedern gegeben. Derohals ben beherkige die Güte des Höchsten, damit er den Mens fchen geehret hat, indeiner ihn nicht zugelassen sich gånßlich von der Gesellschafft zu trennen, sondern ihmdie Frenheit ertheilet, nach dem er sich abgesondert hatte, wiederzukeho

und sich mit derselben wiederum zu vereinigen ; die Stelle abermal zu bekleiden, oder die Ordnung zu füllen, Darin er vormahls gestanden war.

XXXVII. Gleichwie die vernünfftige Creatur alle übrige Bed Fichaffenheiten von der allgemeinen Natur empfangen hat, alsó hat sie auch diese überkommen, daß gleich wie jene l) alles so ihr im Weg kommt herum drehet, und zu ihrem Nußen verwendet, und daraus eine nothwendia

ge seyn / auch nicht boffen auf den ungewissen Reichs

tbum/ foreibet Paulus/1. Sim. VI. 1) Alles fothr im Weg kómt. Diese Macht und Weisheit

GOttes/beglaubet nichts deutlicher, als die Christliche Rehre/ welche sich durch die Verfolgungen selbst hat ausbreiten niuf fen. Christus wird denen Juden ein Stein des Unflossens und eben dadurch ein Eckstein seiner Kirchen. Er wird auf

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ge: Folge machet, m) also kan sich auch die vernünfftige Creatur bemühen, aus allen zustoffenden Hindernissen,

eine Gelegenheit zu machen, dadurch sie zu ihrem Zweck u gelangen moge.

XXXIIX, n) Laß dich die Betrachtung deines gantzen Lebens insgemein , nicht beunruhigen. Quảle dich nicht mit der Vorstellung derer künfftigen Zufälle ; sondern sprich zu den gegenwärtigen ; Sind sie auch unerträglich? Du wirst dich schamen es zu gestehen! Ueberdem befinne dich, das weder das Vergangene, noch das Zukünfftige, fons dern allein das Gegenwärtige verdrieslich sey ; Und

auch dieses wird seinen Verdruß verlieren, wenn du eksi -M wegest, wie kurk es ist, und deinem Gemüth anber einen

Verweiß giebest, daß es nicht fähig ist, ein so weniges zu el ertragen.

XXXIX. o) Sißen Panthea und Pergamus, noch auf 21 Dem Grabe ihres Herren. Weinen Gabrias und

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Diotis gerottet / und bekommt eben dadurch Saamen. Seine Sünger werden verfolget / und ihre Gedult in ihrer Unschuld/ ceißet andere ihrer Behre anzubangen. Siebe Actor, ill. 14. 15.17.18. und Philip. t. 12. 13.14. Also kann. Er will sagen: Der rechte Gebrauch der Vero nunfft kan zu wege bringen / daß der Mensd fein Ereut und Wiedermårtigkeit zu seiner Besserung anwende. X. ) Laß dichic. Solches geschicht durch Bewahrung eines gue

ten Gewissens. Daber Hiob spricht: Mein Gewiffen

beist mich nicht meines ganten Lebens balber: .) Bisen Panthea und Pergamus. Dis war eine der gro«

sten Ehren. Bezeugungen so denen Fürfien nach ihrem Tode wiederfuhr/daß ihre besten Freunde/Nacht und Tag auf der. Felben Gråber zubracten / und folche mit ihren Chrånen be. ucketen. Antoninus tabelt diese Eitelkeit. Und sein 91b. Teber ift/10: Jeigen / wie lächerlich es sep / daß ein Fürft sich

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