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werden. 2) Eben wie dich ein Zimmerman oder Schuster verlachen würde, fo du ihnen auffrůckereft , daß Lappen, oder Såge-Spåhne in ihrer Werckstatt liegen.

Doch haben diefe: Hand-Wercker, gewisse Derter, dahin sie diesen Unrath werffen ; Aber die Natur hat nichts auffer fich allein. Dieses macht sie wundernos würdig in ihrer Kunst; daß, weil sie sich felbst zu ihren Grången hat, sie alles in sich selbst verwandelt, was in ihr scheinet verdorben, veraltet, und unnůk zu feyn; und sich dessen bedienet, etwas neues daraus hervor zu brins gen; also, daß sie keiner auswärtigen Materie bedürftig ist, noch eines Ortes, Dahin fie ihren Unrath werffe Weil sie sich an ihrem eignen Ort, Zeug, und Künst begnüget.

LIV. Man muß in feinen Wercken nicht nachläßig seyn; nicht unruhig in dein Umgang; nicht ungewiß in feis ner Meynung; oder unstått in denen Gedancken; nicht schnell oder übereilend im Urtheil; nicht verwickelt, in mancherley Geschäfften.

LV. Man tödtet mich ? Man zerreisfet mich? man verz fluchet mich ? was hindert dieses alles, daß mein Gemüth nichts destoweniger rein, wikig, flug, und gerecht bleis bei Gefeßt, es stellet fich jemand an einer Quelle, er fåna get an dieselbe zu schelten, und zu fluchen; würde fie Dess wegen auffhören ihr klares Wasservon sich zu strshmen? Wirfft einer aber Unflath hinein, wird sie denselben baldi von fich stossen, ohne davon verunreiniger zu werden.

Wie

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2) Antoninus will mit dieser tieffinnigen Betrachtung zeigen/

wie abgeschmackt die Frage sey; unde malum ? famit allen dinen To fich darüber

zancken.

Wie ist es aber anzufangen,

daß du in dir eine lebendige Quelle, a) und nicht eine Cisterne habeft? So du dich unauffhörlich bemühest, ungejwungen, frey, einfåttig, gleichmüthig, und bescheiden zu feyn.

LVI. Wernicht weiß daß eine Welt fey, weiß auch nicht, wo er selber ist. Und welcher nicht weiß, warum er gea fchaffen ist, weiß weder was die Welt, noch er selber ist. Wein aber eine, von diesen benden Erkäntnissen mangelt, der weiß nicht Rechenschafft zu geben, warum er selbst gea bohren ist

. b) Was deucht dich denn um einen Menschen, Der entweder die Låsterung derez scheuet,oder das Lob folcher Leute verlanger, welche grossen Theils nicht wissen wo sie find, oder was sie sind ?

I LVII. Du wünscheft gelobet zu werden von einem Menu fchen, der sich selber dreymal in einer Stunde verflucht. Du begehrest dem zu gefallen, der ihm selber misfället.

n Denn, wie kari der init sich felbft zu frieden seyn, der faft alles bereuet, was er thut?

LIIX. Du must nicht allein die Lufft an dich ziehen, die dich umgiebet, sondern dich auch bemühen , gleiches Sinnes c) mit dem alles erfüllenden Geist zu feyn.

Denn a) Und nicht eine Cisterne. Damit verwirft er alles gezmun.

gene / geheuchelte / und verstellte Wefen. Denn die Eifter. nen find gekünstelt/und gegraben; die Quellen aber natürlig,

und ohne Zwang. b) Was dacht dich. Er wil zeigen wie albern es fep/ von den

Menschen begehren gelobet zu werden/ dich fid, mehrentheils

felbft nicht kennen / wie können diese wissen, ob einer ju tadela 1. oder zu loben fen?

: .) Mit dem alles erfüllenden Geiße. Dieses muß Chriflidy.

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Denn dieses verständige, oder geistliche Wefen, durch dringet alle Dinge, und stellet sich dem, der sich dessele ben theilhafftig niachen will, nicht weniger dar, als die Lufft denen, die den Ddem holen.

LIX. d) Insgemein geredt, schaber die Bosheit der Welt nicht, insonderheit aber schadet sie nur demjenis gen, welcher Macht hat, sich derselben zu entschůtten, wenn er wil.

LX. *". Der Wille eines andern, kan meinem Willen eben so wenig anhaben, als des andern Geist oder Leib. Denn ob wir gleich, einer dem andern zu Nuk gebohren sind, behålt dennoch unser Gemüth seine eigene Frenheit. Sonst könte des Nächsten Bosheit, mich auch böse mas chen, welches doch GOTT nicht getyolt hat, damit es nicht in eines andern Wilführ stünde, mich unglücklich zu machen. :

LXI. Die Sonne ergiesset fich gleichfam allenthalben ohne ausgegossen, oder erleeret zu werden; denn ihr Auss gieffen ist eine Ausdehnung; daher haben auch ihre Strah len, im Griechischen, den Nahmen, und du wirst erfaha sen, was dieselben eigentlich sind, wenn sie durch eine enge Rike, in einen Dunckeln Drt fällen. Sie lauf fen in gerader Linie fort, ohne, wenn sie durch den Ged

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geris mit des Apostel& Worten / ausgeleget werden ; In GOtt leben/ weben/ und sind wir. ) Insgemein. Ift mit Behutsamteit geschrieben / und also

auch mit Bescheidenheit zu erklären. Antoninus mepnety **** daß es låcherlich sey / nach dem Ursprung des Bösen fragen/ und nicht vielmehr tradhten, die Bosheit/

aus seiner eigenen Seele zu vertreiben. Droben im LIII. Capittel / in mehr hievon zu reben.

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genftand eines schattichten Córpers, der wenig Lufft in fich hålt ; unterbrochen, und verhindert werden. Dafelbst werden diese Strahlen, zwar auffgehalten, aber, ohne abs Zufallen, oder sich zu verlieren.

e) Auf gleiche Weise soll die Erleuchtung unsers Geistes beschaffen feyn; es muß von feiner Quelle ausflies fen, ohne von derselben getrennet zu werden i Esmuß sich ausdehnen, ohne sich zu verlieren ; Es inuß nicht mit uns gestühm auf die Hindernissen ftossen, so sich demselben ents gegen seßen : Esmuß nicht hinfallen und zerflieffen, sons dern bestehen, und alles erleuchten, worauf es fällt. Alles saber, was seinen Glank nicht annehmen will, und seinen Strahlen den Durchgang verfaget , beraubet sich selbftalles Lichts, und bleibet in der Finsterniß.

LXII. Wer den Tod fcheuet, fürchtet entweder die Uns empfindlichkeit, oder eine andere Art der Empfindliche Feit. Wirst du alle Empfindung verlieren , und unem. pfindlich werden, fo wirft du ja nichts bofes weiter ema pfinden. f) Bekommst du eine andere Empfindlichkeit, To wirst du eine neue Creatur werden, und nimmer auff hören zu leben.1.18

LXIII.
Die Menschen sind, einer um des andern willen ges
bohren. Derohalben unterweise sie; oder vertrage sie.

LXIV..
Anders wird ein Pfeil, anders unser Gemüth, ges

tries Auf gleiche Weise. Wer dis als ein vernünfftiger Christ betrachtet / dem wird es durch die Befung des Evangeliften

Johannis viel deutlicher erklåret werden. f) Bekommst du. Er redet nur von den Frommen / oder

Bernünfftigen / darum gedencket er der Empfindlichteit der Pein aller Sottlosen nicht/welche fie wahrlid nicht kan so uno erlihrocken im Dode machen.,

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trieben : der Pfeil geht nicht recht, wenn er nicht gerade fåhret; das Gemüth aber geht auch denn zu feinem Zweck, wenn es ausipeicher, und wenn sichs aufhalt, etwas zu bes

trachten. 4

LXV. g) Gehe du in eines jedweden Gemüth gleichsam hinein, und laß jederman hinwiederum in dein Gemüth

gehen. 000*0******0008

發接待 Des Römischen Kansers SScarcus Aurelius Antoninus

Erbaulicher

Betrachtungen 11 ad

Neuntes Buch.

1. Er a) ungerecht verfähret , der handelt gott loß. Denn da die allgemeine Natur, die

vernünfftigen Creaturen, eine zu der andern Dienst, erschaffen hat, daß eine der andern behúlflich,

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und 3) Ein gleiches bedeuten die Worte Christt : Beyo klug / wie

die Schlangen / und ohne falsch i wie die Tauben! a) Wer ungerecht verfäbret handelt gottloß. Dis ist eine

fo: grosse Warbeit/ daß fie denen Heyden auch in die Äugen leuchtet. Ungerede verfahren aber heisset, dem Gesin der Na• tur / oder dem Lichte der gesunden Vernunfft/ entgegen han. ..deln. Seinen Itächsten perláumden; des Dürfftigen sich nicht annehmen; fein Pfund nicht anlegen wie fichs gebühret; u.f.f. Sindlauter Gottlosigkeiten / weil alles dieses Hochst unbillig ist. So war Antoninus gewissenhafter/als viele Efristen

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