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XLIII. In meinen Kranckheiters, fagt o) Epicurus) besprach ich mich nicht, mit denen, die mich bei suchten, von meines Leibes Schmerben;

ich bielt auch mit ihnen keine Unterredung eines Krancken, rondern, ich entdeckte ihnen, was ich in Betrachi tung der Jatur , in acht genommen hatte; abfoni derlich aber, wieß ich ihnen, wie die Seele, mitten in der Gemeinschafft derer Schmergen des Leibes, ihre Xube, und ihr eigenthümliches Gut behalten tonte. Auch gab ich denen ersten keine Gelegens beit, sich zu überheben, als båtten fie was grosses ausgerichtet, indem sie mir zur Gesundheit gebolf, fen. So unterließ ich nicht, auch in meiner Kranckheit, geruhig und glücklich zu feyn.

Thue du in Kranckheiten , oder in andern Zufällen, desgleichen. Entferne dich nie von der Weisheit, und vertieffe dich nicht im Gespråch mit den Unverständigen, oder mit denen, welche der Natur nicht aus dem Grunde, fündig find. p) Denn es ist eine gemeine Regel in allen Künsten: Daß man vornehmlich aufdasjenige, was man thur; und auf die Werckzeuge, welche man gebrauchet, ets was im Stande zu bringen, acht haben soll.

XLIV. o) Epicurus. Ist Epicurus sorgfältiger vor seine Seeles

als vor seinen feib/was foll denn nicht ein Christe feyn ? Wir feben

aus diesen Worten / daß der Meister nicht so arg/als fetue Sdjåler gewesen. p) Es ist eine gemeine Regel/ in allen Konften: daß

man vornehmlich. Also muß ein Mensch zu erst une tersuchen / zu mas Ende/ er in die Welt fommen? Db es fein Werd rey / vielmehr darin luftig / als vernünfftig / zu leben? findet er das Letzte / so wird er von selbst / alle Mittel fuchen/ und anwenden / die ihn zu diesem fo edlen Zweck der wahren Weisheit, bringen können.

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XLIV. Beleidigt dich ein Unverschämter, so stelle so fort ber dir die Frage an : wie wäre es möglich, daß in der Welt keine unverschämte Leute feyn solten? Nein, das gehet nicht an; drum verlange nichts, was unmöglich ist. Dein Beleidiger ist aus derer Unverschämten Zahl, die in der Welt, nothwendig seyn müssen. Gedencke desgleichen von einem Arglistigen, oder Verråther , und von allen Menschen, die sich verfündigen. Denn, fo bald du dich besinnen wirst, wie unmöglich es fen, daß dergleichen Ledin te sich nicht følten in der Welt finden ; wirst du alsobald williger werden, einen jeden dererfelben, infonderheit zu trtwagen.

Es ist auch sehr nüklich, fich alsofort umzusehen, was por eine Tugend uns die Natur verordnet hat; diefem oder jenem Laster entgegen zu regen? denn sie hat nicht ermans gelt , uns besondere Tugenden, gegen ein jedes Laster, als einen Gegen-Gifft, an die Hand zu geben. Als hemlich; die Sanffrmuth, wider den Unverstand, und wider eine andere Sünde, eine andere Krafft.

Auch stehet es endlich in deinem Vermögen, ben 3 renden; den rechten Weg zu zeigen : Denn wer fündiget, Der verfehlet des vorgefekten Ziels, und weichet son dem rechten Wege.

Womit aber hat man dich beleidiget ? betrachte es recht, so wirst du sehen, daß keiner, auf welchen du zůrnest, etwas gethan habe, dadurch deine Seele fonte unbpllfoms mener, oder årğer gemacht werden. Und gleichwohl bez stehet Darin alle warhafftige Beleidigung. Ueberdem, was ist darin böses, oder ungewohntes, wenn ein Unverståndia ger handelt wie ein Unverständiger?

Soltest du dich nicht vielmehr über dich selbst bes fchweren, daß du nicht vorher gesehen hast, daß dieser

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thun würde, was er gethan hat ? die Vernunfft hat dit offt Gelegenheit gegeben, dir vorzustellen, daß dein Bes leidiger , einen solchen Fehler begehen konte. Du hasts

. nur vergessen dir vorzustellen, darum befremdet es dich iko, da ers thur!

Abfonderlich i fo du einen seines Undands, oder Untreu halber tadelft, so bestraffe dich selbst. Denn es ist deine Schuld, daß du entweder geglaubet, der Mensch würde dir getreu seyn ; oder, daß du ihm deine Wohls

i that nicht vollkommen erwiesen haft, sondern auf seinen Dance, als eine Frucht Deiner Wohlthat, wartest. Was wilt du mehr ? hast du ihm doch Gutes erwiesen. Sft das nicht genug ? was verlangest du denn eine Ers Fäntlichkeit vor dasjenige Werct, welches die Natur von dir erforderte ? Es wäre eben so viel , als wenn dein Auge einen Dand begehrte, weil es siehet ; oder Die Fülle, weil fie gehen. Denn wie die angeregten Glieder dazu gemacht find, auch ihren Zweck, erlangen, indem sie ihr Geschafft verrichten, also ist auch der Mensch gebohren, gutes zu thun; und so offt er in dieser Uebung ist, oder etwas thut, daß der menschlichen Gesellschafft nüßlich ist, fo offt erfüllet er beydes , die Pflicht seines Beruffs, und empfáo

dabey , zugleich seine Vergeltung.

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Betrachtungen

Behendes Budy. sung

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1. Enn wirst du denn endlich, meine Seele, ivenda wirst du gut, einfältig, unpermischt, und.oh.

ne Schmince feyn? a) Wenn wirft du sichtbarer werden und deutlicher zu erkennen seyn, als der Leib, fo dich umhüllet? wenn wirst du die Süßigkeiten der Menschen-Liebe schmecen? wenn wirst du voll von dir felber, und vergnügt in deiner Fülle werden ? wenn wirst du eines fremden Zuschubs unbedürfftig fern? wenn wirst du denen thòrichten Begierden absagen, die dich deine Lust, entweder bey Lebenden , oder leblofen Dina gen, fuchen heissen? wenn wirst du das Verlangen aba legen, einer schnoden Luft, lange zu geniessen ? wenn wirst du auffhören, dich nach einem bequeunen Ort, oder nach einer gefunden Lufft, zu sehnen? wenn wirst du abe

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laffen a) Wenn wirst du Kdtbarer werden sc. Sichtbabrer wird

die Seele /wenn fie fich nicht zu sehr vermischet/ mit denen Wirdlungen des Reibes fondern fich davon also abjichet/daß fie vornehmlid mit Gott vereiniget / dasjenigeam allermici Hen suchet/ liebet/ und tput/ was ihrer Natur am ähnlichften/ und Gott an gefädigften ift ; auch in vieler Jugend-Uebuns gen ohne Verstellung bervor leuchtet. Die Sauft. Preto fung des Käyfers / ist unvergleichlicy.

lassen zu begehren, daß die Menschen umgånglicher senni möchten? wenn wirst du, frage ich, mit deinem gegens wärtigen Zustand, zu frieden seyn ? wenn wirft duans fangen dich zu belustigen, an allem, was dir wiederfähret? wenn wirst du überzeuget werden, daß du alles in dir selbst besigeft, und daß alles zu deinem Besten diene? daß alles von GDTI komme ? daß alles dir zutråglich sey), was ihm gefällt ? und daß alles, was er dir zuschickt, b) zum Henl , des allervollkonimenften, gütigsten , gerechten, und schönsten Wefens , abziele, fo alles hervor bringt, bes greiffet , umfaffet, und die sich auflösenden Dinge, in sich verschlingt,damit andere ihres Gleichen mogen wieder hers vor kommen? Ga meine Seele, wenn wirst du endlich so geartet werden, daß du unter den Göttern, und mit der nen Menschen, also lebest, damit du diese nicht beschuldis geft, und jene dich nicht verdammen?

II. c) Erstlich betrachte, was die Natur von dir ers fordert, als wenn du derselben allein zu Gebote stehen můs steft, und verrichte alsdenn alles , wodurch das Wesen ciner Creatur nicht verleget wird. Hiernächst, wenn Du wohl erwogen hast, was die Natur von dir erfordert, in fo weit du eine Creatur bift, so weigere dir folches

nicht, b). Zum Seyides allervollkommensten Wesens. Mit dies

fen Worten verfiehet er SDttes Ehre; diefe wird von der Menschen befördert, wenn fie ihr Thun / und Lassen/ zur Er.

fülung seines Beffens / richten. •) SEftlich betrachten. Sie ist der Probier. Stein/alice Ben

ginnens. Sit etwas der Natur gemåß, so ist es denen Crea. turen julåßig. Doch alles / mas natürlid / ist nicht alsobald vernünfftig. Einent Renfchen aber ftehet forft nichts an alt was vernünfftig ift. Vir Chriften geben noch weiter und fa. gen/ nichts ist julåstg / als mat Chriftlich ift. Dod Dis/ Kreitet nicht gegen einander. Denn lieber / was ift werainfie uiger, als eben das/ was Chrißlich if ?

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