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nicht, es sen denn, daß es deiner Natur zuwider wäre,

" in so weit, du eine vernünfftige Creatur bist. Wer abec eine vernünfftige Creatur nennet, bezeichnet dadurch ein Geschöpff, das zur Gesellschafft gebohren ist

. Richtest Du dich nach den angeregten Regeln, fo befúmmere dich weiter um nichts.

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III.

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Dilles tas dir wiederfährt , ist so beschaffen, daß du es, entweder geschickt bist zu ertragen, oder nicht z11 ertras

zu gen. Bist du geschickt es zu ertragen, so entriste dich nicht, sondern ertragees. Bist du nicht geschickt es zu ertragen, befchwere dich auch nicht, denn es wird von selbst aufhören müssen, nachdem

es dich aufgerieben hat. Doch besinne dich, daß dich die Natur also bereitet habe, Daß du alles ertragen kanke, roas deine Einbildung dir, als erträglich, vorstellen kan. Derohalben bilde Dir ein Daß es entweder dein Vortheil, oder deine Schuldigkeit fery, es zu ertragen.

IV. Frret jemand ? hilff ihm zu recht ; und zeige ihm mit Sanfftmuth seine Fehler. Kanst du das nichtthun so beschuldige niemand,

als dich selbst , d) ja nicht einmal bich selbst.

V. e) Alles was dir begegnet, war dir von Ewigkeit ber, zubereitet. Und die Ketre derer Ursachen, hatte

dein d) Zanicht einwaldich selbst. Denn der glüdliche Erfolg:

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Ateher nicht in unserm Vermogen. e) Er cedet von den leiblichen Zufalen, welche aus dem ordentli

chen Lauff der Natur/nothwendig entstehen. Und muß die fes zu keiner Fatalttåt / in geistlichen Dingen, gemisbraucher werden ; weil unser Geist/nady Antoninus Refre/ein freyes und ungebundenes Wefen ift.

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dein Wesen, mit diesem Zufall, von Ewigkeit Her zusams men geflochten.

VI. f) Es fennd die Stäublein, oder die Natur, fo ftes her dis feft : Ich bin ein Stück von demjenigen Ganken ; so durch die Natur regieret wird ; Daber bin ich , durch die Nothwendigkeit, mit den andern Theilen deffelbigen Banken, verknüpffet. Weil ich demnach ein Theil des Gangen bin, wie solte ich denn übel aufnehmen, was mir von dem Banken felbst, mitgetheilet wird ? denn was bem Gangen dienlich ist, kan dem Stücke nicht schaden. So hat auch dis Banke nichts an sich, das ihm selbst undienlich wäre. Dis ist der gerneine Vor theil atler Dinge, die in der Natur find. Doch hat die allgemeine Natur dieses voraus, daß keine Ursache vou aussen, diefelbe zwingen kan, etwas hervor zu bringen, Das ihr

selbst schädlich wäre.

Die erste Warheit, daß ich nemlich ein Theil des Ganßen bin, wird mich in allen Zufällen, die mir beges gnen können, gelassen machen; und die andere, daß ich nemlich mit den Theilen desselben Ganken, verknüpffet bin, wird mich vermogen, nichts vorzunehmen, als was dem menschlichen Geschlecht, zuträglich ist ; sondern, die Uebrigen, so nieines Gleichen sind, stets vor Augen zu hao ben, auch alle mein Vorhaben, auf ihren allgemeinen Nutzen zu richten ; und was ihnen insgesamt könte cháds lich seyn, zu vermeiden.

So lange ich aber also gesinnet bleibe , muf mein ganzes Leben, nothwendig glücklich seyn, gleich denen

Tagen 5) Es seynd die Staublein sc. Antoninus fepet nach seiner

Weise bende streitende Meynungen/der Epicurer/und Stoia der , jusainmeu ; um zu zeigen, daß teine von beyden / dis menfóliche Psicht aufhebe.

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Tagen eines ehrlichen Bürgers, der alle feine Verrich tungen, aufs Beste seiner Mit-Bürger richtet, und willig annimmt, was seine Stadt, über ihn beschloffen hat.

VII. Alles, was die Welt in sich begreiffet, muß nothwen, dig vergehen, das ist, verändert werden. Ist dieses ein Uebel vor die Welt, und zivar, ein unvermeydliches Uebel, so ist der Zustand der Welt, gewiß unglücklich, weil alle Stůcke derfelben, tausend Veränderungen unterivorffen sind. Hat denn die Natur ihre Wercke , so unglücklich

machen wollen, daß sie nicht allein ins Verderben geraa as then müssen, sondern es auch nicht vermenden können?

Dder, weiß sie nicht, daß sie dieselbigen also jubereitet hat? Dié beydes ist gleich unglaublich.

g) Doch geseßt, man lieffe es mit dem Nahmen der Natur, dahin gestellet seyn, und sagte, daß alle ihre Stücke , zu einem solchen Ende gebohren worden ; wåre es denn nicht lächerlich, daß, indem ich gestehe, alles sen Der Veränderung unterworffen, ich mich dennoch vera wundern, oder entrůsten wolte, wenn dergleichen Vers ånderung vorgehet. Gerade, als ob es der Naturentges gen wåre? Absonderlich, da ein jedes Ding, in dasjenis ge aufgelåset wird, daraus es zusammen geseket ist.

Denn die Auflösung , ist entweder eine Zerståu. bung der Elementen ; daraus ein Ding bestand ; oder eine Verwandelung, krafft welcher die

feften Theile una fers Leibes, zu Erde werden, und die lufftigen, wieder jur Lufft Fehren. So, daß alles dieses, in die aūgemeine

Natur, g) Doch gesetzt. Der Kåpser trachtet allejeit / das Gemüts

von allen unnügen Sragen und Soul Gejåncke/ab zu zieher; und durch die Nusübung der menschlichen Pflicht/ ju cince gründlichen Zufriedenheit /oder Ruhe / zu leiten.

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Natur , aufgenommen wird, entweder nach Verlauff gewisser Zeiten, verbrant, oder durch stetige Verändes rungeni, verneuet zu werden.

Wenn ich aber von unfern festen, fleischichteri, oder luffrigen Theilen rede, fo gedencke' nicht, daß es in allen Stücken, derselbe Leib fer, damit du gebohren wurs Dest; denn der Leib, welchen du jego hast, ift von gestern und ehegestern her, auch vermittelst denen Speisen, die zu dich genommen,

und der Lufft, welche du an dich gezogen hast, vergrössert worden. h) So verändert sich demnach nicht, was Deine Mutter gebohren hat, fons dern Der Zusak, welchen der Leib, nach der Zeit empfang gen hat. Und gefeßt, dieser Leib drünge und verwickela te dich durch seine Nothwendigkeiten , so würde solches doch dasjenige nicht aufheben, i) was ich gesaget habe.

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Hast du einmal k)den Nahmen eines Guten, eines Bescheidenen, eines Wahrhafftigen, eines Klugen, eines Gleich- und Großmüthigen, überkommen; fo fiehe wohl zu , daß du denfelben nicht verlierest

. Soltest du aber um diese Nahmen kommen,

so bemühe dich dieselben bald wieder zu erwerben. Wisse aber, daß dich die Benens

nung h) So verändert sich derned. Wer dieses nach der Natur

und Wefen unser Leiber/ bernünfftig betrachtet/ wird finden! Daß in vorhergehenden Worten / nichts gefaget worden sey/ was mit derMöglichkeit der Wuferstehung der Todten streitet

. i) Wasich gesagt habe. Verstehe/daß du Ursach habeft zu

frieden zu Tepn; wie folches im Anfang desCapittels/von dein

Kayser / ist erwehret worden. k) Merckivürdig ists/ daß Antoninus gar keine Meldung des

Nahmens eines Hochgelebrten/thut. Der Pluge Kdyfev wouste / daß Weisheit 7 Frömmigkeit/ und Großmüthigteit nicht aus Büchern gelernet werden.

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nung eines Klugen, verbindet, alle Dinge selbst zu unters suchen, und wohl zu betrachten. Die Benennung eines Gleichmůthigen, erfordert, daß du alles willig annehs mest, was der allgemeinen Natur gefällt, dir zuzuschi, ceni. Heisfest du grosmüthig, so ist es deine Pflicht , über alle Reißungen deines Fleisches, über die Begierde der Ehre, und über die Furcht des Todes, mit erhabenem Gemüth zu herrschen.

Sodu Demnach, diese schöne Nahmen mit Recht besikest, ohne dich zu bekümmern, ob andere dir diefelben # berlegen, wirst du gank ein ander Mensch werden , als 11 Du zuvor gewesen bist ; auch ein gank ander Leben führen. m Denn, woltest du so bleiben, wie du bisher gewesen bist El und dich in den vorigen Lüften herum welgen, oder dich e durch die alten Begierden zerrůtten lassen; so wäreft du

unverständig, in dis eitle Leben verliebt, und denen uns glücklichen Menschen gleich, die, nachdem sie denen wils

den Thieren vorgeworffen, und halb zerfleischer sind, dena 8

noch flehentlich bitten, daß man siebiß auf den morgenden Tag verwahre, um alsdenn abermal, denenfelben Záhe nen und Klauen anterworffen zu werden.

Strebe demnach , diese wenige Nahmen 1) mit 1 Recht zu erlangen, und wenn du sie bekommen hast, so

bemühe dich åusserst, darinn also zu verharren, als ob du in die Onsulen derer Seeligen , vcrfeket wäreft. Mers deft du, daß du dieselbigen nicht beybehalten könneft, so

begieb 1) Wit Recht. Das ist in der Chat und Warheit / eine gute /

fromme / edele / weiser grosmüthige / gelassene Seele, ju ba. ben. Welcher freudige Zustand des Gemüths / ein stetes Wohl.Leben/und Vorschmack der ewigen Seeligkeit / genant wird. Davon aber fan leiner was wissen / ohne der durch GOttes Gnade / eine solche Seele bat; und wer ba läugnet/ oder zweiffelt/daß es solche Seelen gebe/ der verlånguet Delice ter Macht / und offenbahret seine eigene Bosheit.

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