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Natur , aufgenommen wird, entweder nach Verlauff gervisser Zeiten, verbrant, oder durch stetige Verändes rungen, verneuet zu werden.

Wenn ich aber von unsern festen, fleischichteri, oder luffrigen Theilen rede, fo gedencke nicht, daß es in allen Stücken, derselbe Leib sex, damit du gebohren wure best ; denn der Leib, welchen du jego hast, ist von gestern und ehegestern her, auch vermittelst denen Speisen, die ou žu dich genommen, und der tufft, welche du an dich gezogen hast, vergrössert worden. h) So verändert sich demnach nicht, was deine Mutter gebohren hat, son dern der Zusaß, welchen der Leib, nach der Zeit empfans gen hat. Und geseßt, diefer Leib drůnge und verwickela te dich durch seine Nothwendigkeiten , To würde folches Doch pasjenige nicht aufheben, i) was ich gesaget habe.

IIX.

Hast du einmal k)den Nahmen eines Guten, eines Bescheidenen, eines Wahrhafftigen, eines Klugen, eines Gleiche und Großmüthigen, überkommen ; To hehe wohl žu , daß du denselben nicht verlierest. Soltest du aber um diese Nahmen kommen, so bemühe Bich diefelben bald wieder zu erwerben. Wisse aber, daß dich die Benens

nung h) So verändert sich demnach. Wer dieses nad der Natur

und Wefen unser Leiber, vernünfftig betrachtet/ wiró finden! daß in vorhergehenden Worten / nichts gefaget worden sey/

was mit der Möglichkeit der Wuferstehung der Todten streitet. i) Was ich gesagt habe. Verstehe/daß du Urfach babest ja

frieden zu lepn; mic solches im Anfang des Capittels/von dein

Sayfer / ift erwehnet worden. k) Merckivürdig ists / daß Antoninus gar keine Meldung des

Mahmens eines Hochgelebrten/thut. Der Pluge Renfes youste / daß Weisheit 7 Frommigkeit/ und Grosmåtbigteil nicht aus Bücherri gelernet werden.

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nung eines Klugen, verbindet , alle Dinge selbst zu unters suchen, und wohl zu betrachten. Die Benennung eines Gleichmüthigen , erfordert, daß du alles willig annehs

mest, was der allgemeinen Natur gefält, dir zuzuschis ch

cken. Heisfest du grosmüthig, so ist es deine Pflicht , über alle Reißungen Deines Fleisches, über die Begierde der Ehre, und über die Furcht des Todes, mit erhabenem Gemüth zu herrschen.

Sodu Demnach , diese schöne Nahmen mit Riecht mit besikest, ohne dich zu bekümmern, ob anbere dir dieselben # beylegen, wirst du gang ein ander Mensch werden, als son Du zuvor gewesen bift ; auch ein gank ander Leben führen. Em Denn, woltest du so bleiben, wie du bisher gewesen bist, tel

und dich in den vorigen Lüften herum welgen, oder dich pe durch die alten Begierden zerrůtten lassen; so wärest du

unverståndig, in dis eitle Leben verliebt, und denen uns glücklichen Menschen gleich, die, nachdem sie denen wils

Ben Thieren vorgeworffen, und halb zerfleischer sind; dene in noch flehentlich bitten, daß man siebiß auf den morgenden me Tag verwahre, um alsdenn abermal, denenselben Záhá of

nen und Klauen anterworffen zu werden. be Strebe demnach, diese wenige Nahmen 1) mit al Recht zu erlangen, und wenn du sie bekommen hast, so

bemühe dich åufferst, darinn also zu verharren, als ob du in die Gnsulen derer Seeligen , vcrseket wäreft

. Mers dest du, daß du dieselbigen nicht berbehalten könneft, fo

begieb 1) Wit Recht. Das ist in der Shat und Warheit / eine gute /

fromme / edele / weiser grosmüthige / gelassene Seele / zu ban ben. Welcher freudige Zustand des Gemüths / ein stetes Wohl.Leben/und Vorschmack der ewigen Seeligteit / genant wird. Davon aber fan leiner was wissen / ohne der durch GDttes Gnade/ eine solche Seele bat; und wer da läugnet/ oder zweiffelt/daß es solche Seelen gebe/ der verläugnet SDK te Macht / und offenbahret seine eigene Bosheit.

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begieb bich hin m) in einen Winckel, wo du ungestöhret leben kanst, oder scheide frey aus diefer Welt, ohne Ents stellung, mit einfältigem, n) gelassenem , und ungezwung genem Herken ; voller gutes Muths, daß du wenigstens diefes gute Werck, in deinem Leben hafi verrichten kone nen, frölich und getrost, dich von hinnen zu begeben.

Wilt du aber diefe Nahmen in der That benbchala tert, so wird es nothwendig feyn, daß du o) offters an GOtt gedenckeft , und wisseft, daß er nicht will, daß die Menschen ihm heucheln, sondern, daß sie ihm gleich werden sollen , und thun, was denen Menschen zukommt; wie der Feigen-Baum thut, maseines Feigen-Baumes, Der Hund, was eines Hundes', und die Biene, was der Bienen ist.

IX. !! p) Vielleicht wirdein Possenreisfer, der Krieg, die Furcht, die Faulheit , oder die Dienstbarkeit, alle dies fe heilige Lehren, in einem Tag aus deinem Gemüth vers

tilgen, m) In einem Windel. Diefer Rath ift mensdlicher als der

nachftfolgende i welder nach einer Stoisden Härte fchwedti

die dem Geiste Christi zuwider ift. a) Xit gelaffenem Fersen. Es find gangstrestende Dinge)

und Worte Antoninus! sich mit gelassenen/und ungejiduro

genen Szergen / selbst ermorden! .) Veffters an GOtt gedendert. Die Vernunfft selbst/ et.

Kennet/daß der edle Zustand der Seele/davon droben gedacht

nicht ohne GOttes Gnade / zu erlangen sey. ) Vielleicht wird ein poffenreisfer ac. So schwach und

ohnmächtig find wir arme Menschen so lange wir mit GDILI nicht aufs genaufte vereiniget sind. Kangen wir aber an ihm, fo werden wir durch seine Krafft fo feft/ daß weder Tod noch Leben/ weder Engel noch fürstenthum / noch Gewalt/weder Gegenwärtiges noch Zukánfftiges sins von seiner Liebe Scheiden Pan. Köm. IIX.

tilgen, welche du in langer Zeit , aus, Betrachtung der Natur, gesammlet haft?

.) Derowegen must du alles , solcher Gestalt bei trachten, und ausrichten, daß die Ausübung, mit der Bes trachtung, verbunden werde. Alsdenn wird aus solches thätigen Erkäntniß, eine Zufriedenheit in dir entstehen, die zwar innig, aber doch unverholen ist. Da wirst du fo dann dich deiner Einfalt freuen, wenn du mit Bescheis Denheit, die Beschaffenheit aller Dinge, sieheft, und weist, was ihr Wesen ist; wohin sie gehören; wie lange sie dau.

ren ; woraus sie zusammen geseget find; wem sie kone at nen zu Theil werden ; und endlich, wer sie geben, oder en nehmen kan?

X. Die Spinne erhebet fich, wenn sie eine Fliege gea fangen hat. Ein Mensch, wenn er einen Hasen erja:

get, ein ander, so er einen Fisch ertappet, diefer, wenn i er ein wildes Schwein, oder Båren gefället ; jener, # wenn er etliche Sarmater, gefangen führet. r) Sind

diese wohl besser als die Strassen-Räuber, fo man ihre Meynungen beherziget ?

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XI:

Derowegen muft du. Antoninus erfannte im vorigen Capittel / die mensdliche Schwachbeit. In diesem aber be. fielet er / die Seele in dem wohlertannten Suten/ theils durds offt wiederholte Betrachtung , theils durch Offtere Ausübung des Guien/ zu stården; damit also die Gewohnheit/ das Gus te zu unterlassen / durd die Gemobabeit/ das Oute zu thun/ überwältiget werde ; aus

welcher thåtigen Erkänntniß, eine gewiffe Zufriedenheit entstehet. D) Sind diese wohl besser als die Straffen-Räuber?

Wielleicht zielet er auf die Worte / womit die Scytben/ den Grossen lerander bewillkommeten: Du růhinest / daf du die Räuber zu verfolgen / koinmen feyft / Der du dod selbst ein Räuber aller derer Volder bift/die du mit Arkeg ábersogén haft ! Curtius , lib. Vli.c. 8.

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XI. Gewohne dich fleißig zu betrachten, wie alles , eins in das andere verwandelt wird. Bemercke diese Verång derung sorgfältig, und übe dich stets in dergleichen Bes trachtungen. s) Nichts macht die Seele grösser, Denn wer bedencket, daß er in furßer Frist aus diesein Leben scheis den, und alles verlassen muß, der leget ab' was fleischlich ist, und widmet alle feine Thaten, der Gerechtigkeit; feine Zufälle aber , stellet er in die Hände der allgemeinen Nas tur. Was übrigens, dieser oder jener von ihm sagt, oder gedencket, oder ihn zuwider thut, daß nimmt er nicht zu Herken; sondern begnüget sich an diefen zwey Dingen, daß er thut, was recht ist, und mit willigem Gemüth eri tråget, was ihm wiederfahret. Er feket alle übrige Ben kümmerniß an die Seite, und begehrer nichts anders, als gerades Weges, nach den Geseken, einher zu gehen, und GOttes gerechte Weise zu folgen.

XII. Wozu foll der Argwohn, und das Mißtrauen? Stehet es doch in deinem Vermdgen zu sehen, was man thun sol ? Siehest du es aber, so feße es mit Gelindigkeit ins Werck, ohne weiter zu sehen. Sieheft du es nicht, so laß die Vollziehung der Sache anstehen, biß du deine besten Bedienten zu Rath gezogen halt. Kommt dir eine Hinderniß in den Weg, so richte dich nach der Gelegenheit, derer Umstände ; doch so, daß du, was dir dündet, das Gerechteste zu seyn, wehleft:

Sols s) Wichts macht die Geelc geoffer. So muß denn die Christe

liche Religion i die allervortrefflichste feyn/ weil sie diese Selbft-Verläugnung nicht allein zum Grunde legt und mit Christi Erempel bestárcet; sondern auch die Gnaden-Mittel offenbaret/ju diesem hohen Stand des Gemåt58/1u gelangeng

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