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XIX. Stelle dir ber allen vorkommenden Dingen vor, wie sie beständiglich auffgelofet werden : wie sie sich ima mer verändern: wie sie stetig vergehen, und verwesen: ja, daß sie so bald zu sterben anfangen, als sie gebohren werden,

XX. b) Wie sind die Menschen beschaffen, wenn sie effen, trincken, schlaffen, oder andere natürliche Dinge verrichten ? wie, wenn sie sich blehen, erheben, zůrnen, oder (chelten? weme dienen sie ? Was ist ihr Lohn? und was wird es mit ihnen, in kurger Frist, vor ein Ende nehmen?

XXI. Was die Natur einem jedweden, insonderheit zus wendet, das ist ihm zutråglich ; und fånget an, demsels ben nůklich zu fern, dieweil es ihm die Natur zutheilet.

XXII. Die Erde liebt den Regen; die keuschen Lüffte lied ben auch die Welt lieber zu verrichten, was nothwene

3 dig geschehen muß. Sprich demnach zu der Welt:

" Ich liebe, was du liebest

. c) So scherßet man in der (Griechischen) Redens-Art, wenn man sagt: Dis bei Tiebt ibm so zu haben.

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XXIII. fiebet man ein Cirdel-rundes Umwelgen / otne Unfang/ob.

ne Ende. b) Uuf diese vernünfftige Frage/ schickt fich Biobs Untwort

mobl: Der Mensch vom Weibe gebobren/lebet eine Kurge Zeit / und ist voller Unruhe ; er blåhet wie eine

Bluhme/ und fållet ab. c) Bordherget man. Antoninus spielet mit der Griechia

fchen Redens. Urt : Qerei Fto givet ut. Und wir fee ben hieraus / mie der Kayser/ aus allen vorkommenden Din gen i Ualaß zur gleidmüthigen Selassenheit / genommen.

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ХХІН. Lebeft du hie ? so bist Du des Orts gewohnt, begiebst Du did, an einen anderii, fo ist es dein Wille; du stirbert fo hat die Dienstbarkeit ein Ende. Weiter hast du nichts ju schaffent . Drum fey sutes Muths !

XXIV. Wiffe, daß diefer kleine Winckel des Ackers, eben so gut fer, als andere Plage der Erden. Du kanst allda auch zu recht kornmen , und eben das antreffen, nas andre. auf den Gipffeln der Berge; oder an dem Ufer der Flüste, suchen. Du wirst allenthalben die Warheit der Worte

des Plato finden: Der Weise lebt zwischen den mjauten der Stadt, rogeruhig, als bey den Súrden.

XXV. Stelle offters diese Frage ben dit selber an: Gn'wela chen Zustande ist nun meine Seele? was mache ich aus ihr ? wozu brauche ich sie ? befindet sie sich auch etwa ohne Verstand? hat sie sich auch der allgemeinen Gemeinschafft entzogen? Jist sie auch etwg mit diesem elenden Fleische lo vermischt, und zusaminen geleitet, daß sie seiner

Reitung gen, und Veränderungen, theilhafft wird ?

XXVI. Wer seinem Herrn entlåufft, der ist ein Verlauffes ner. Unser Herr, ist das Gefek. Wer demnach das Gefeß übertritt, ist ein verlauffener Knecht. Desgleie chen, wer sich bekümmert, zůrnet, oder sich fürchtet. Denn was wil ein solcher ? Er will, daß dieses nicht ges schehe ; oder ihm begegne , was der ; fo alles regieret, verordnet hat, daß es geschehen, und ihm begegnen soll

. Dieses ist das allgemeine Gesetz, so einem jeden mittheis let, was ihm zukommt. So denn der Bekimmerte,

der

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der Zürnende, der Fürchtende, wie ein d) verlauffener Knecht.

XXVII, Der das Weib geschwängert hat, gehet davon. Alfobald kommen andere Ursachen, so die Frucht hegen und bilden. Aus wie geringen entstehet der Mensch! Er ziehet die Nahrung durch seine Kehle an sich ; und es ges ben ihm abermal andre Ursachen, Sinn, Benegungen, Leben und Stårcke. Dwunderbabre Wirckung der Natur! wie fleißig folte man dich betrachten? wie solte man Deine Krafft erforschen? und mit den Augen des Geis stes, deine Geleimnisse beschauen, wie man mit den leibs lichen Augen, die Edrper auf und nieder steigen sieht?

XXIIX. Bedencke öffters, daß alle Dinge iko sind, und fünfftig fern werden, wie sie vor diesem gerresen sind. Stelle dir anber alle Thaten, und Abwechfelungen vor, welche du entweder selbst gesehen, oder in denen Geschichten gelesen hast. Zum Erempel : Den Hoff Stact Des Bar drianus, und des Antoninus ; des Philippus, des Aleranders, des Crófus ; du wirft allenthalben einerler Håndet, und nur unterschiedliche Personen finden.

XXIX. Den Menschen, welcher fich befümmert, oder über fein Schicksahl unwillig ist ; stelle dir vor, als ein Schwein, welches sich streubet und schreyer, wenn es foll abgestochen werden. Thut derjenige, so fid) auf feis nem Lager, mit Thränen, über das Verhängniß, to ihn fesselt, hin und wieder welget, nicht eben daffelbige? M 2

e) Müf d) Verlauffener Knecht. Die Ursache ist, weil ein solcher der

Zucht/ und der Verordnung des Humågtigen, sich entiense:

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e) Müssen doch alle, sich nach ihrem Schickfahı richten, und der vernünfftigen Natur, Eigenthum ist, daß fic willig folget.

XXX. Gehe ber einem jeglichen Dinge, so du vor hast, in dich selbst, und frage: f) Ist denn der Tod darum foer. fchrócklich, weil er mich dieses Dinges, berauben wird ?

XXXI. Aergerst du dich über jemands Fehler ? gehe in dich felbst, und prüfe dich ; ob du selbstbergleichen nie begans gen habest? Zum Erempel: ob du niemals die Wolluft, den Reichthüm, die Ehre, oder dergleichen, für ein waha

mahs res Gut angesehen hast ? diese Betrachtung wird deinen Zorn dåmpffen. Absonderlich, sodu erwegeft

, daß jener Unglückselige , ist gezwungen worden, so zu thun. Was folte er anfangen? kanst du? so erlose ihnvon der Macht, die ihn gefangen hålt.

XXXII. Wenn du den Socratischen g) Satytion fies best, so gedende an den Eutyches, und Symenes.

Sichest e) Mäffen doch alle. Der Chriftliche Refer / vertraget gerne

mitsanfftmüthiger Klugheit /was von einem Beyden/ in dies

sem Stúde, tan ju bart gemeynet seyn. f) Sft denn der Tod darum so grausam / weil er macht / daß ich

tein Geld mehr brauche / daß ich die Thorheit der Menschen nicht mehr feben/und ihreBosheit nicht mehr erfahren darff? darum / daß ich nicht långer darff unvernünfftig/ viehirt Ineditisch, eiteli fterblich und ein Sünder feyn. Mit der Dod darum fo erschredlich/ weiler mich von aller dieser Herrlicha

keit erloset? 8) Satyrion. Scheinet ein/ der Zeit lebender Nachfolger des

Socrates / gewefen zu seyn. Eutyches und symenes/ waren damals verstorben/ aber auch von gleicher Zunfit.

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Siehest du einen h) Euphrates, lo stelle dir den Eus tychion , und den Silvanus , vor. Wirst du den Álciphron gewahr, so gedencke an den Tropeopbos tus ; und wenn dir Xenopbon vorkommt, so erinnere dich des Critons, und Severus. Wirffst du aber die Augen auf dich selbst, so stelle dir einen verftorbenen Kårs fervor. Suche in denen vorigen Zeiten, allezeit einen; Der denen Sekt-lebenden ähnlich

ren, und stelle alsdenn, fols gende Betrachtungen an:

Wo sind alle diese Leute? Sie sind nicht mehr vors Banden! So wirst du sehen, daß alle menschliche Dinge, ein Rauch sind, und ein Nichts. Absonderlich, so dů dich erinnerft, daß nichts von alle dem, was gewesen ist, hinfünfftig mehr seyn wird. Wie eine kleine Zeit aber, trifft dich ? Laß es genug seyn, diese kurze Zeit,

wie sichs gebühret, zuzubringen! Warum versäumest du Zeit und Gelegenheit? Was sind die Begebnisse diefes Lebens ans ders, als eine Uebung, der alles untersuchenden Ver. nunfft? dabey verharre, biß du es gervohnt wirst, gleich wie ein guter Magen sich gervehnet , alles zu verdauen, und i) ein grosses Feuer, alles in Flammen verwandelt, was es ergreifft, und dadurch heller wird.

XXXIII. Laß keinen Menschen , mit Warheit von dir fas gen, daß du kein aufrichsiger , und ein ehrlicher Mann

feyft. b) Euphrates. Ein Egyptischer Weise / lebete damahls in

grossem Unsehen. Eutychion aber, und Silvanus / toa• ren Antoninus Gebr. Meister gewesen. Des Alciphrons/ gedendet Suidas. Xenophon/ und Criton / waren Gocates gute Freunde; wie der Severus / dieses Kåp.

sers war. i) Lin fener. Dieses Gleichniffes wird droben im iv. Sud

ersten Capittel / mit mehrem gedagt.

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