Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub
[merged small][ocr errors][ocr errors]

Mann? so wird sich jemand finden, welcher sagt: Gun werde ich ja einmal Rube, für diesen Lehrmeister baben! Zwar ist er eben niemand beschwerlich ges wesen, aber ich habe doch offt gemercket,daß er uns bey sich selbst verdammet bat. So wird man von eis nem ehrlichen Manne sagen.

Was uns selbst aber betrifft , haben wir vieles an uns, warum andere tvůnschen, von uns erlåset zu feyn. Bedenckest Dudis, wenn es mit dir zum Abschied kommt, so wirst du williger sterben. Denn du wirst ber dir spres chen: Ich verlasse ein Leben, o) darin auch die, so genauere Gemeinschafft mit mir pflogen, wünschen daß ich begra. ben sey. Die, sage ich, um deren Willen ich es mir habe lafsen sauer werden, für welche ich gebetet, gesorget; die sea hen gerne , daß ich davon foll; und meynen, daß mein Tod, ihnen einen Trost verursachen wird. Warum wolt ich Denn gerne hier verweilen?

Doch folt du darum nicht unwillig, auf folche Leute, von hinnen fahren, sondern mit deiner gewohnten Nein gung, als ihr Freund, ihr Gönner , und mit sanfften Muth. Auch sou dein Abschied dir nicht verðrieslich fenn, als würdest du von ihnen gerissen; sondern , du foit mit solcher Stille davon fahren, als die Seelen des rer, die durch einen sanfften Tod, aus dem Leibe gezo. gen werden. Die Natur hatte dich mit ihnen verknüs pfet, und verbunden, fiehe, nun lófet fie dich wieder auf. So werde ich denn zwar auffgelofet, und ich scheide von meinen Angehörigen, aber ohne Zwang, und Widers willen. Denn ich muß auch diese Schuld der Natur, bezahlen!

XXXIIX, •) Darin aud die. Piedeicht hatte Faustine ) oder Como

modus / dem guten 20toninis / biele Betragtung verur, fachet.

5

XXXIIX. Bewohne dich, ben allem, was du andere thun fichest; die Frage bey dir anzustellen: Warum thut diesec,odet jener, folches

? p) Aber vergiß nicht, von dir selber den Anfang zu machen, und erforsche zu erft, den Zweck, alles deines Thuns.

XXXIX. Wisse, daß dasjenige, fo dich gleichsam, als beim Faden ziehet, oder wie die Puppen lencset

, in dir felbft vera borgen liege. Deine Sinnen, sind diese Fåden, deie ne Einbildung ist die Unterhåndterin, vermittelst des Les bens, so dich reget. Dis ift q) so'ju sagen, der Mensch. Sohalte dich demnach nicht auf, mit der Betrachtung des Gefáffes, oder des ausserlichen Behåltniffes deiner Sees fen, und feiner , um dieselbeher, gebildeten Glieder; denn fie r) sind gleichsam , eine uns angebohrne Sågé, und würden, ohne einer bewegenden Ursache, so viel nůße seyn,

als p) Aber vergiß nicht. Merckwürdige Erinnerung ! die

Weisheit fångt ben GOTT / und ben sich selber an. Drum fåbret

uns 21ntoninus / in der nächsten Betrachtung / zu die Fáden / oder die innere erste Bewegung/unsere Shaten. 9) Šo zu sagen / der Mensch. So schreibet er/ weil die

gemeine Sage / diese lebendige und finnliche Renckung der leiblichen Glieder / vor den Menschen ausschreyet. Die bei. lige Schrifft / bebet die Dunckelheit / durch den Unterscheidi

zwischen den dufserlichen / und innerlichen Mensden. t) Gleichsain eine Båge. Die ausserliche Sage / wird duro

die innere Sinnen gezogen/unser Leben abzusdinciden. Ans toninus mill/ daß wir uns nicht zu lange/ mit der Betracy. tung des Fleisches/ fo uns umgiebt/ auffbalten sollen, weil dis nur ein todte: Befen ist; fondern / wir sollen in uns hinein geben; und die Hand oder Fåden betrachten/so die aufserlicher Glieder/burch allerhand Begierden/bewegen; damit wir uns felber / recht Pennen lernen ; und unsern eigenen Schaden vermeiden'; wie er in nächft vorhergehender Betrachtung bereits erinnert hatte.

als ein Beber - Spul ohne Weber, eine Feder ohne Schreiber, und als eine Peitsche ohne Fuhrmann.

000000000 Des Römischen Käysers SScarcus Aurelius Antoninus

Erbaulicher

Betrachtungen
Eilfftes Budy.

[ocr errors][ocr errors]

I. @ge a) Eigenschafften der vernünfftigen Seele

sind, daß sie sich selber beschauet, sich selbst eins

richtet, und sich selbst also, zubereitet, wie sie sich haben will ; b) auch ihre eigene Frucht geniesset, welche fie selber hervorbringet ; Dahingegen alles, was die

*

i

fie a) Die Eigenschafften der Vernánfftigen Beele sind/daß

fie sich selber beschauetc. Doch ist das Sehen der Seele nicht beschaffen/wie das Sehen des Leibes. Die leiblichen Au. gen können sich selbst nicht anders als im Spiegel/oder in der gleichen Wiedersdeine sehen. Dahingegen die Seele/fich is sido selbst besdauet / alle ihre Eigenschafften fiehet / und was noch mehr ist / von der aller vollkommenften Weisheit / das ist SDtt/ ihr eine Vorstellung machen fan. Doch wie die Qugen des Reibes / nicht feben lennen/ ohne Beyhülffe des Lichts / alfo Pan die Seele auch nicht recht fehen/ohne menn fie von einem ewigen/ und lebendigen richte erleuchtet wordent. Entfernet sie sich davon / und hänget fich an das sinnliche und was die leiblichen Augen reben; so verlieret fie sich selber, and

fällt in die tieffite Firsterniß und Berbleudung. b) Zuch die Frucht genießet welcherc. Die Früchte de findet Seelen werden in der Schrifft genannt: Die Früchte der Ges rechtigkeit; Die Früchte des lichtsDie Früchte des Geiftes. Und sind entgegen geseker denen Früchten des Fleisches/weldie nichts find als Ungerechtigkeit und Bosheit/Paulus beschreio bet fie also Gal. V.22. Dic Frucht aber des Geiftes ift/ Liebelfreude / Friede / Gedult, freundlichkeit/G

Pflangen, oder die Thiere geben, einem andern, und nicht ihnen selbst zu gut gereichet. c) Die Seele aber ges langer allezeit zu ihren Zweck, wie kurg auch immer das Leben ist, denn es ist mit ihr nicht beschaffen, wie mit eis nem Tank, Comödie, oder dergleichen Dingen, von des nen man nicht das geringste abnehmen kan, ohne die gange Vorstellung zu zerstůmmeln. Mari finde sie wo man wiù, (am Anfang, am Mittel, und am Ende) fo wird alles was Jie thut, ein vollkommenes Werck zu feyn scheinen; Dar her sie mit gutem Sug sagen kan : Ich habe das Meine! d) Ferner läufft die Seele durch die ganke Welt

, und dringet durch alle Gegenden derselben. Sie be trachtet ihre Gestalt. Sie misset aus die Ewigkeit. Sie beschauet die abwechselnde Verneuerungen der Dinge; und indem sie also klar und deutlich liefet was fünfftig ist,

tigkeit / Glaube / Banfftmuth, Reuschheit. .) sie gelanget allezeit vollkommen zu ihrem Zwed.

Antoninus redet von der Seele / wenn fie beschaffen ist mic fie seyn sod ; oder wenn sie sich in ihren eigenthümlichen Wir. dungen / weder durch die Santafey, noch durch die Begier. den hindern låft. ferner låufftdie Seele durch die gange Welt. Dieses Beweifes haben fich alle cltweisen bedienet/

die unsterbliche teitder

Seele damit zu erlåutern. ulfo daß fie nicht gejmeit felt haben/aus diesen göttlichen Bindungen der Seele/Strafft meloher fie fähig iß/ die verborgenften Dieffen des Abgrunds/ und die erhabenften Höhen des Himmels durchsuludjen/ ihre Unsterblichteit zu folgen.

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

findet sie, daß die so nach uns kommen, nichts. neues sehen werden, gleich wie die, so vor uns gewesen sind, nichts anders gesehen haben, als was wir kehen. Daher man

in solcher Ablicht von einem vierkig-jährigen Manne, der i ein wenig Nachsinnen hat, sagen kan : Daß er alles ges

fehen habe, was vor ihm geschehen ist, und nach ihm kommen wird,

Die übrigen Eigenschafften der Seele sind, die Lies 31

be Des Náchsten, die Warheit, die Schamhafftigkeit, c) und daß sie nichts so hoch achtet, als sich selbst ; welches die f) Eigenschafft der Geseke ist. Denn es ift kein Úns

terscheid zwischen dem was vernünfftig, und zwischen Be dem, was rechtift.

II. Du wirst die Music , das Tanßen, und die n Schau-Spiele verachten lernen, fo du die Music in ihren gi unterschiedlichen Thon zergliederti, und dich berg einem i jedweden insonderheit frageft : Ist es das, welches

mich so entzücFete? Du wirst dich schämen es zu bekens

nen! Thue Desgleichen ber denen Lånken, und Schaus & Spielen ; auch ben allen andern Dingen in der Welt, g) ausgenommen bey der Tugend, und ihren Wercken.

Brauche e) Und daß sie nichts so boch achtet als sich felbft. Daber

tóinmt alle Unorbuung unter den Menschen, weil die meisten vergessen / Ehrerbietung gegen sich selbft ju habea : Zu wenig

und zu viel / verdirht das gange Spiel: *) Die Eigenschafft der Gefesse. Die Seele hat in fich die

Ertantniß des Rechten und Unrechten. Dis ist das Gefer der Natur. Nad dicfen beurtheilet fie alles / und wird von nichts beurtheilet. Und hierin lieget der Grund der Hochach tung, welche die Seele vor fich selber bat, wenn sie ihre Bere nunfft recht gebrauchet. Ausgenommen bey der Tugend. Denn diese muß in ihren Zusammenhang mit der guten bfiøt des Dolbrin. gers / betrachtet werden.

« ͹˹Թõ
 »