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bleibt. Der Zorn aber, und die Traurigkeit, wohnen in den weichen Herzen. Wo diese sich aussern, dá bes zeuget man, daß das Gemüth verrounder, ja überwung Den ser.

Wilt du noch eine Zebende Regel ? so nimm dieser als eine Gabe des Vorstehers der Musen hin. Es isteis ne Thorheit , verlangen, daß die Bösen nicht sollen boy ses thun. Denn das heisset, eine Unmöglichkeit begeh. ren. Hingegen., ihnen vergönnen, daß sie andern bds ses thun mogen; Imd doch wollen, daß fie deiner schos nen; solches wäre nicht nur eine Thorheit, sondern gar eine Tyranner.

XX, Unser Genrůth hat i) vier Windungen, davor man sich hüten und dieselben, wenn man sie entdecket hat, folgender massen umzäunen, und, zu dersErsten sagen muß: diese Einbildung, oder Gedancken, waren unnds thig! Zu der andern: dieses wird die menschliche Ges fellschafft auflösen. Zu der dritten : was du sager wilt, ist deiner Meynung nicht gemäß : Nun ist, nichts

unany i) Vier Windungen. Dis ist eine trefliche Anleitung zur

Selbst-Ertåntniß. Durch die vier Neigungen, verstehet er bie / welde uns zum Bören verleiten/ und den Menschen un. glücklich machen Idnnen/menn sie nicht wohl eingeridhtet were den. Die erste/iftdie fantasey / oder die Einbildungso Krafft: wie viel Elend fliesset burde dieren Canal/in unser Leo ben? Die andre/ iftdic unvernánfftige SelbstsLiebe. Wie viel Gutes wird durch den Eigenauß gehindert? Die dritte ist die Lügen/ oder falscheit, die alle Menschen/ von Natur ju kúgner macht. Diese wird vermittelft des Beritellung / die Bertheidigerin aller Bosheit. Die viers ter sind die Begierden / und beunruhigen hauptsächliche durchs Fleifch / und seine fünff Sinnen, das menschliche feo ben; wider diese einheimisde Feinde / müssen wir uns durd die Vernunft und SDttes Beyftand / wapnen.

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y unanständigers, als wider seine Gedancken reden. Zu

der Vierten must du sprechen: du weist, daß durch dies in fe That, der edelste und göttliche Theil, meiner selbst

, das ist die Seele, würde von dem schndden vergånglichen Leib, und seinen viehischen Lüsten , übermeistert, ia unter Das Joch gebracht werden!

XXI. k) Deine Lebens-Geister, und alles was in dir feue rig ift, wiewohl es von Natur in die Höhe getrieben wird, fefe bleibt es dennoch hienieden mit dem Leibe vermischet, weil ng es die Natur also verordnet hat. Desgleichen, ob gleich

alles, was an dir irrdisch und wåsfericht ist, seiner Natur

nach, sich unterwerts neiget , nichts desto weniger hålt es # fich doch in die Höhe, in einer Gegend, die seiner schwes hi ren Natur , nicht gemåß ist. So gehorchen selbst die

Elementen Cem allgemeinen Gefeße, sintemal sie in dem
Stand verharren,

darin sie gezwungen sind zu feyn, biß $

die Natur ihnen endlich, das Zeichen ihrer Auflösung, und Entbindung, geben wird.

Ists denn nicht abscheulich, daß dein verständiges Gemüth, allein wil ungehorsam, und über seinem Zus stand, unwillig, und unzufrieden reyn? Absonderlich, da ihm 1) nichts gewaltthåriges aufgedrungen wird, fondern alles, was mit seiner Natur übereinstimmet.

Und Antoninus jeiget in diesem schánen Capittel / wie der unartige Menso es alleine fev / unter allen Creaturen / der die Schranden der Natur / überschreitet/ und sich dadurch selber

unglücklich macht. 1) fichts Gewaltthätiges. Merdet dis/ihr Un-Christen/

die ihr die Gebote unsers Heylandes / por unmöglich aus. Schreyet. Lernet von den Senden / wie wahr es fen, was er sagt: Matth. XI. XIein Joch ist fanfft/ und meine Left ift leicht. Das Christenthum gebietet nichts / als was die vernünftige Natur/ju ihrer wahrenSludseligkeit/erbeischet,

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Und gleichwohl weigert es fich folches zu ertragen, und streubet sich ? Was sind alle deffen Berdegungen zur Ungerechtigkeit, zur Unmåßigkeit, zur Traurigkeit, zur Grausamkeit, anders, als eine Revolte wider die Nas tur? So baid ein Gemüth unwillig wird , über dasjes nige so ihn wiederfahret, verlåst es feinen Poft ; denn es war nicht weniger, ?ur Gleichniüthigkeit, und zur Frómmigkeit, als zur Gerechtigkeit, zubereitet. Die benden angeregten Tugenden, sind der menschlichen Ges fellschafft auch nůßlich, m) ja sie sind älter als die gerechy ten Thaten.

XXII. Der Mensch , dessen Thaten nicht immer einerlen Ziel haben, kan nicht gleichmäthig reyn. Es ist aber nicht genung hievon reden, sondern man muß würcklich feste stellen, welcher dieser Zweck seyn soll. n) Wiewohl nun alle Menschen nicht einerler Meynung find , welches das Beste fen, unter denen Dingen, die der Pöbel vor mas Gutes ansiehet ; so werden doch etlidie Dinge, ins: gemein von allen, vor gut erkant, absonderlich, wenn sie zum gemeinen Besten abzielen. Wannenhero unsere Thaten ein solches Ziel haben müssen, daß durchgehends vor gut gehalten wird, und aufs gemeine Beste gerichtet ist. Wer seine Absichten auf solchen Zweck richtet, bels fen Wercke werden immer gleichförmig, und er selbst, immer gleichmüthig seyn.

XXHI. m) Ja sie sind älter. Denn die gerechten Shaten haben sich

erst nach der Schöpffeing geäussert ; die Jiuhe aber 7 und die

Liebe / sind das ewige Wefen O Dttes. ri) Wiewohl nun. Wie sorgfältig vermeydet der vernánfftige

Käyser /alles unnüße Gezänck/und bekümmert sich nur allein um gute Chaten/die zum Besten des gangen menschlichen Ge. fohlechts gedeyen.

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XXIII. o) Stelle dir öffters die Fabel vor, von der Stadte und Feld. Mauß, wie die lettere zitterte , und hin und e wieder lieff. W

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Socrates, nannte p) die eingerissenen Meynun: gen, Polter-Geister, und der Kinder Schrecken.

. XXV.. Dieq) Lacedemonier lieffen die Fremden bey ihren Em

Schau-Spielen im Schatten figen, und sie fakten fich, wohin sie konten.

XXVI, A18 r) Socrates, vom Perdiccas gefraget ward, warum er ihn nicht besuche ? antwortet er, : DAI

mit 01 Durch die gesoeuchten Feld-Mäuse stedet er diejenigen Meno

fden vori die durch die unvermutheten Zufåge des Lebens/ gang schüchtera rerden/ und ausser fich felbftgerathen. Da. bingegen die Stadt Mauß wuste / wo fie zu Hause war/ und

daß es in der Welt so zu poltern pfleget. ) Die cingeriffenen Meynungen. Viele find vorm Sobe

fo bange / wie die Kinder vor der Farve ; (pridt Socrates beym plato. Lacedemonier. Ich glaube / daß Antoninus dieses zur Befdrderung der Menschen Liebe und zur Bemerckung unser Pflicht gegen die Fremdlinge / angeführet habe; wiewohl die Spartaner bey ihrer Gewohnheit / mochten eine andre b.

ficht haben. 1) Socrates/ vom Perdiccas. Seneca erzehlets vom die

nig Archelaus/ daß, als er den Socrates bitten lassen / er möchte zu ihm kommen; diefer es mit folgenden Worten aus. geldlagen babe: Er könte fich nicht entschließlin zu Kommen/die Rönigliche Gnade anzunehmen/weil er nichts. båtte / damit er dieselbe zu erwicdcrn wåste. Werden Socrates Fennet / miro mercken / daß ihm der RS. nig etwas muß anmutben gewesen seyn/ moju der gerechte Mang mit feinen Serwenden zu bewegen war.

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mit ich nicht des allerschåndlichsten Todes sterbej weil ich dir vor meine Gutthaten, nichts Gutes zu pergelten habe.

XXVII. Folgende Lehre findet sich in des Epicurus Schriff, ten : Stelle dir einen aus denen Alten, zum Muster vor, welcher, vollkommen tugendhafft gewesen ist.

XXIIX. Die Pythagoreer geboten, so bald man des Moro gens auffstünde, s) den Himmel anzusehen, um sich das bey dessen beståndigen, und unveränderten Cauff, wie auch deffen schone Ordnung, Reinigkeit, und Blöffe, vorzua stellen; denn die Sterne bedürffen keiner Decke.

XXIX. t) Erinnere dich des Socrates, wie er ein Fell um sich schlug, als Xantippe feine Kleider angezogen

hatte, s) Den Simmel anzusehen. Um fich vor aller heimlichen

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Schalckheit zu hütenfintemal alles offenbar / und entdedeti

vor Opttes au sehenden Augen /wåre. t) Erinnere dich. Ich glaube/Antoninus hat ihm selbst elo

ne Erleichterung/wegen seiner unartigen Faustine/durch die Borstellung des frommen @ocrates/ und seiner boshafften Xantippe/geben wollen. Diese zog einmal ihres Mannes Kleider an/um/einem Schauspiel /in Mannes, Eracht / bey. ju wohnen. Der nackete Socrates, ward indessen gezwun. gen/sich mit einem Fell ju umbåden. Und als etiche seiner Befandten ihn überreden wolten / fein Weib/Xantippel mit derben Schlägen / zu bewillkommen / sprach er : Und wenn wir uns rauffeten/würdet ihr ruffen /huy Gocrates! wohlan Xantippe! Womit der tluge Mannju verstehen geben wollen / daß Ehe,leute denen Nachbaren nic. mals Gelegenheit geben måsser / fich über ihre Uneinigteit zu beklagen /oder zu erfreuen. Doch die Worte / mit welchen er seine nach Hause Febrende / wunderliche Frau / angeredet/ find nicht weniger merckwürdig. Denn er fagte ihr nichts weiter/ als diefis: Kont ihr non morden/daßibe nicht

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