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recht wissen, ob dieser oder jener sich verfündiget habe, oder nicht. Denn es geschehen viele Dinge, aus einer heilsas men Absicht. Dannenhero muß man alle Umstånde jus vor genau

wissen, ehe man von seines Náchsten Thun, ein Urtheil fållet.

Sechstens, wenn du dich am hefftigsten bekům, merst, oder quålest, so gedencke: Das Leben der Mens schen wahrer einen Augenblick, und in kurzem, werden wir alle nicht mehr seyn!

Siebendens. Es sind nicht die Thaten anderer Leute, die uns beunruhigen, denn sie haben ihren Auffents halt in der Seele, Des, der sie begehet ; Unsre eigene Eins bildung ists, die uns verwirrer. Verjage diese,

und höre auf fu urtheilen, Daß diese oder jene Sache bose fey, so wird Dein Zorn verschrinden. Aber, wie soll ich sie verjagen? Stelle dir vor; h) daß nichts schåndliches in dem ist, was dir von andern wird angethan; denn wäre etwas bofes ausser denen Lastern, die in den Menschen sind, so můste folgen, daß du ein Sünder oder Nauber werden kontest

, Dieweil es andere sind.

Achtens, der Zorn und die Befümmerniß , thun uns mehr böses, als die Dinge felbst, worüber wir uns erzůrnen, oder bekümmern.

Cieuns nach der Warheit urtheilet. Jenes fiehet durch die Fernglå.

fer/wie ein Wunderthier/ und in der Nähe ist es eine Mide! b) Daß nichts schåndliches. Gar artig führet Philifcus dem

befüñerten Cicero in seinem Elend juGemütbe/dafechimpf und Schande mehr in derEinbildung als in der That bestehen; weit feines Menschen Leib / je dadurch ertrandket/ und teine Seele die Gerechtigkeit verlohren hat/ weil man beschimpffet worden. Wie es lächerlich wärel sagt er / einen Men. fchen darum vor Erand zu halten/weil ein Gebot aus. gegangen ist/daß er kranc reyn soll; also ist es auch Abgeschiedt/ daß man folte darum inehrlich wers den/ well ein ander sagt, daß man unehrlich rey.

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Keuntens, die Sanfftmuth ist unüberwindlich, im Fall sie rechter Art, und ungeheuchelt ist. Denn, Lies ber, was kan dir der allergrobste Verleumder anhaben, dafern du fortfåhrest, ihm sanfftmüthig zu begegnen, und bey Gelegenheit, ihn mit aller Lindigkeit zu erinnern? halte an, mit der gråsten Sanfftmuth zu unterweisen, wenn er am allergeschafftigsten ist, dir zu schaden, und {prich: rzicht so mein Kind! wir sind zu was anders gebobeen. Mit Kanst du nicht schaden, sondern du thust dir selbst zu nabe , mein Kind! auch führe ihm zu Gemüthe, daß weder die Bienen, noch einige Thiere, die in einer Heerde weiden, also gegen eins ander verfahren.

Du must aber Deine Erinnerungen nicht mit Spott, oder mit hönischen Reden vergållen, sondern, alles muß ohne Bitterfeit, und mit Liebe geschehen. Aucy must du nicht mit ihin, wie ein Lehrmeister in der Schule, reden, oder als einer, der von denen Anwesenden , will bewundert feyn; sondern , ziehe ihn besonders aus der Gesellschafft, und rede ins geheim mit ihm.

Şalt diese neun Piegeln in Gedächtniß, als ein forts bares Geschend der Musen; und beginne ein Mensch ju werden, weil du noch lebest. Du must dich aber eben so fehr hüten, deinen Nächsten zu schmeicheln, als auf ihn zu zůrnen. Diese bende Laster sind der menschlichen Gesella schafft, gleich schädlich.

Zůrnest du? so bedende, daß solches garnicht månn, lich, sondern, daß ein sanffter und gelinder Muth, beydes, menschlicher, und månnlicher fey. Anber ers wege, daß die Starcke des Verstandes , nebst der Tas pferkeit, die Sanfftmuth begleiten, und sich nimmer bey Denen finden, die sočnig oder verdrieslich sind. Die Gůtigkeit wird am kräfftigsten, wenn sie unbeweglich

bleibt.

DS

bleibt. Der Zorn aber, und die Traurigkeit, wohnen
in den weichen Herzen. Wo diese sich äussern, dá bes
zeuget man, daß das Gemüth verwundet, ja überwung
Den
ser.

Wilt du noch eine Zebende Regel ? so nimm dieses als eine Gabe des Vorstehers der Musen hin. Es isteis ne Thorheit , verlangen, daß die Böfen nicht follen bo ses thun. Denn das heisset, eine Unmöglichkeit begeh. ren. Hingegen, ihnen vergönnen, daß sie andern bds fes thun mögen; imb doch wollen, daß sie deiner schos nen ; solches wäre nicht nur eine Chorheit, sondern gar eine Tyranner.

XX. Unser Genrůth hat i) vier Windungen, davor man sich hüten und dieselben, wenn man sie entdecket hat, folgender massen umgåunen, und, zu dersErften sagen muß : diese Einbildung, oder Gebancken, waren unnds thig! Zu der andern: dieses wird die menschliche Ges fellschafft auflösen. Zu der Dritten : was du sager wilt, ist deiner Meynung nicht gemäß : Nun ist, nichts

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i) Vier Windungen. Dis ist eine trefliche Anleitung zur

Selbst-Ertåntniß. Durch die vier Neigungen/ verstebeter bic / welche uns zum Bören verleiten/ und den Menschen un glücklich machen Innen/wenn sie nicht wohl eingeridhtet were den. Die erste lift die fantasey/ oder die Einbildungso Krafft: wie viel Elend fliesset durch diesen Canal/in unfer Ho ben? Die andre/ ist die unvernánfftige Gelbft-Liebe. Wie viel Gutes wird durch den Eigennuß gehindert? Die dritte/ist die Lügen/ oder falscheit, die alle Menschen/ von Natur zu kúgner macht. Diese wird vermittelft des Berstellung / die Vertheidigerin aller Bosheit. Die vier ter sind die Begierden / und beunruhigen hauptsächliche durchs Fleisch / und seine fünff Sinnen / das menschliche Reo ben; wider diese einheimische Feinde / -müssen wir uns durd die Vernunft / und SDttes Beyfand/ wapnene

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hananständigers, als wider seine Gedancken reden. Zu

der Vierten must du sprechen: du weist, daß durch dies
fe That,
der edelste und göttliche Theil, meiner selbst

, das ist die Seele, würde von dem schnoden vergånglichen Leib, und seinen viehischen Lüften , übermeistert, ja unter Das Joch gebracht werden!

XXI. k) Deine Lebens-Geister, und alles was in dir feu. rig ist, wiewohl es von Natur in die Höhe getrieben wird,

bleibt es dennoch hienieden mit dem Leibe vermischet, weil Tgl es die Natur also verordnet hat. Desgleichen, ob gleich

alles, was an dir irrdisch und wässericht ist, seiner Natuc

nach, sich unterwerts neiget , nichts desto weniger hålt es 250 fich doch in die Höhe, in einer Gegeno, die feiner schwer

sen Natur , nicht gemäß ist. So gehorchen selbst die äte Elementen dem allgemeinen Gefeße, sintemnal sie in dem

Stand verharren, barin sie gezwungen sind zu seyn, biß
Die Natur ihnen endlich, das Zeichen ihrer Auflösung, und
Entbindung, geben wird.

Ists denn nicht abscheulich, daß dein verständiges Gemüth, allein wil ungehorsam, und über seinem Zus stand, unwillig, und unzufrieden feyn ? Absonderlich, da ihm 1) nichts gewaltthåtiges aufgedrungen wird, fondern alles, was mit seiner Natur übereinstimmet.

Und k) Antoninus jeiget in diesem schinen Capittel / wie der unar

tige Mensch es alleine rep / unter allen Creaturen / der die Schrancken der Natur / überschreitet / und sich dadurch selber

unglücklich macht. 1) tzichts Gewaltthätiges. Merdet dis/ihr Un-Christen/

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die ihr die Gebote unsers Heylandes, por unmöglich aus. shrepet. Lernet von den Heyden/ wie wahr es sen, was er ragt: Matth. XI. XIIcin Joch ift sanfft / und meine Lari ift leicht. Das Christenthum gebietet nichts / als was die vernünftige Matur/ju ihrer wahrenGlückseligkeit/erheisohet,

MIO Phili

deft Tournal

Und gleichwohl weigert es fich folches zu ertragen, und streubet sich ? Was sind alle deffen Berdegungen, zur Ungerechtigkeit, zur Únmåßigkeit, zur Traurigkeit, zur Grausamkeit, anders, als eine Revolte wider die Na tur? So bald ein Gemüth unwillig wird , über dasjes nige so ihn wiederfähret, verlåst es feinen Poft ; denn es war nicht weniger, lur Gleichniůthigkeit, und zur Frömmigkeit, als zur Gerechtigkeit, zubereitet

. Die beyden angeregten Tugenden, find der menschlichen Ges fellschafft auch nůßlich, m) ja sie sind ålter als die gerecy ten Thaten.

XXII. Der Mensch , dessen Thaten nicht immer einerley Ziel haben, kan nicht gleichmüthig seyn. Es ist aber nicht genung hievon reden, sondern inan muß würcklich feste stellen, welcher dieser Zweck seyn soll. n) Wiewohl nun alle Menschen nicht einerley Meynung sind, welches das Beste fen, unter denen Dingen, die der Pøbel vor was Gutes ansiehet ; so werden doch etliche Dinge, ins: gemein von allen, vor gut erkant, absonderlich, wenn sie jum gemeinen Besten abzielen. Wannenhero unsere Thaten ein solches Ziel haben müssen, daß durchgehends vor gut gehalten wird, und aufs gemeine Beste gerichtet ist. Wer seine Absichten auf folchen Zweck richtet, bels fen Wercke werden immer gleichförmig, und er felbst, immer gleichmüthig seyn.

XXHI .

m) Ja sie sind ålter. Denn die gerechten Chaten / haben sich

erst nach der Schopffring geäussert ; die Ruhe aber / und die

Liebe / sind das ewige Wesen GOttes. ni) Wiewohl nun. Wie sorgfältig vermeydet der vernánfftige

Käyser / alles unnüße Gejånck/und bekümmert sich nur allein um gute Chaten/die zum Besten des gangen menschlichen Ge. fohlechts gedeyen.

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