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felber nicht mißgõnnest. Dieses, sage ich, kan geschehen, wenn du das Vergangene fahren låffest, wenn du das Zukünfftige der göttlichen Versehung, anheim stellest, und das Gegenwårtige, nach den Riegeln der Frommige Keit, und Gerechtigkeit, brauchest.

Nach den Regeln der frónamigkeit: daß du mit Vergnügen annehmest, was dir wieðerfåhret. Denn die Natur ließ dir den Zufall, und dich dem Zufall beges gnen. Jo fage aud), nach den Regeln der Gerechtig: Feit: also, daß du die Wahrheit frey, und ohne Umschreiff redeft, auch dich denen Geseßen gemäß, aufführest, in als lem was du thust.

An Vollziehung dieser Pflicht aber , must du dir, weder anderer Boßheit, noch ihre Gedancken, oder Urtheil von dir, noch die Reißung deines eigenen Fleisches, verhin: dern lassen; sondern du must b) dem leidenden Theile, seis e eigene Noth überlassen.

Du bist ber nahe an deines Lebens Ende, dannens her verläugne alles , und fange an deine Seele, und was in dir selber göttlich ist, zu verehren. Fürchte dich nid)t, daß du dereinst auffhören wirst zu leben, sondern bestrebe bich, der Natur gemäß zu leben, weil du lebeft : Alsa denn wirst du eine

würdige Creatur deines Schöpffers, und kein Frembdling in deinem Vaterlande, diefer Welt werden, wenn du dich, weder über die täglichen, wies

woht wahren Glückseligkeit zu gelangen / brauche : auch / daß es mehr Mühe kostet / sich unglücklich / als glücklich zu machen: woraus denn abermahl die Bahrheit der Worte Jobannis

erhellen : seine Gebote sind nicht schwer ! I. Epist. V. b) Dem leidenden Theile. Was er damit meyne / ift um.

ståndlicher / aus des VII. Buchs / 68. Capittel / ju ersehen. Die heilige Schrifft nennet es ; Durch den Geift / Des Fleisches Geschaffte tooten.

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mohl unvermutheten Zufälle, verwunderst, noch dein Herkandis oder jenes hångest.

II. GOtt der HErr siehet die Seelen, ohne ihr Gefäß, Schalen, und Unflath, an. Denn sein Geist dringet in das Wesen der Dinge, die ihren Ausfluß aus ihm hitus ben. c) Gewohne dich dieses auch zu thun, so wirst du dich vieler Unruhe überheben. d) Denn wer sich nicht viel bekümmert um das Fleisch, fo ihn umhållet , der wird sich noch vielweniger, wegen seiner Kleidung, wegen seines Hauses, wegen feines Ansehens, oder des åuffers lichen Schmucks, dieser zerbrechlichen Hütten, ångstigen.

III. Du besteheft aus Dreyen Stücken : aus Leib, Geift, und Seele. Die beiden ersten sind dein, folaus ge du davor sorgen kanst ; das dritte aber ist dein Eigens thum. e) So du demnach von dieser Deiner Seele, das ift, von dir selbst alles entfernest, was andere fagen

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ober s) Gewohne dich. Wie solches/dermittelft vernánfftiger Bee

trachtung anzufangen sey/beliebe der Refer/tm II. Budy/wey.

ten Capittel /nadjuschlagen. d) Denn wer sich nicht bekammert. Dahin geht die febre

unfers Henlandes / Matth. Vi. Ijt nidder Leib mehr

denn die Kleidung.. d) Sodu demnach. Antoninus giebt in diesem schonen Ca.

pittei/eine kurge Anleitung zur Zufriedenheit. Die erste Stufo fe daju/ist die Vermeybung unnöthiger Corgen. Die ande. re/dic Selbft-Verläugnung. Die dritte / die Näherung in GDtt

. Die vierte/die aufrichtige Beståndigkeit. Jit alles sehr schön ! aber man vergleiche diefe vortrefliche Anweisung Des Senden/ mit der Anleitung / lo uns unser lieber Erlüfer/ in seiner Berg-Predigt/ Matth. v. und folgenden / giebt: so wird man inne werden/wie weit die Chriftliche Lebre

/ alle an. dere/in Anleitung zur Wabren Glückseeligteit, übertreffe.

oder gedencken, oder was du selbst gesaget, oder gethan hast, desgleichen alles Zukünfftige, welches dich schrocket; alle Reißungen des Fleisches, fo dich umhüllen, oder der Geister,

so deinen Leib beleben, und die nicht in deiner Gjes walt find; ja alles, was der Wirbel dieser sichtbaren Welt, durch seine Umwelkungen auf dich wirfft; also, daß dein Gemüth, denen Nothwendigkeiten , und dem Joche des Schicksahls entrissen, rein und lauter in sich fels ber lebend , thut was recht ist, saget was wahr ist, und willig annimmt, was dir wiederfahret;

Sodu, fage ich, von deiner Seelen, die Bewegung gen, so ihr aus der Gemeinschafft mit dem Leibe, zustossen, entfernest ; fo du aus deinen Gedancken, die Sorgfalt berdes, über das Vergangene , und über das Zukünfftis ge, verjagest, und dich selber fo rund, als die Kugel Des Empedocles, machest,

Die stets im runden Cråyßumlieff. Auch, fo du nur zu leben trachtest, weil du lebeft; alødenn kanst du den Rest deiner Tage, biß an den Tod geruhig, edel, und wie einem vernünfftigen Menschen gebühret, zubringeri.

IV. f) Ich habe mich offt verwundert, daß die Mens fchen, die sich doch selbst mehr lieben als andere, dennoch mehr Wercks von der Mennung machen, fo andere von ihnen haben, als von den Gedancken, so sie von ihnen selber hegen? Gewiß , fo ein GOtt zu ihnen fáme, oder ein verständiger Lehrer ihnen beföhle, nichts von sich selbst

ju f) Dis ist eine tiefsinnige Betrachtung / welche den Selbst. Be.

trug der armen Menschen / zusamt der Wahrheit der Worte Davids / offenbaret/da es heist: Alle Menfchen sind Lůs gner ! Diese Fügen fångt in uns selber an / wenn wir uns lies ber selbst betrügen / als gründlich nach dem Gewissen prüfen wollen.

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du gedencken, als was sie alsobald ohne Scheu von fich
sagen důrfften; ich besorge, es würde nicht ein einßigee
seyn, der diesen Zwang einen Tag lang aushielte. So
gar schämen wir uns vor anderer Urtheil mehr, als vor
uns selber!

V.
g) Wie solte es möglich seyn, daß die alles weislich
verordnende , und die Menschen liebende Gottheit, dieses
einßige versehen hätte, daß die Menschen, und zwar die
allerbesten, welche für andern, in einer genauen Gemeins
schafft, mit der Gottheit stehen, sich Lebens lang in guten
Wercken geüber, und durch Gebet, Opffer, oder andern
heiligen Uebungen einen göttlichen Sinn bekommen has
ben; daß solche Menschen, sage ich, nachdem sie einmal
gestorben sind, nicht mehr leben, sondern ewig verlöschen
folten?

h) Weil sich dieses aber so verhält, so wisse, daß, i) im Fall es hätte anders follen beschaffen feyn, es auch anderst würde seyn gemacht worden. k) Denn alles

was
g) Dis Capittel enthält einen Beweiß der Unfterblichkeit unfer

Seele; aus dem Grunde: weil es unmöglich / daß dasjenige
Wesen in uns/so eine Empfindung vom Guten und Bösen/
einen Begriff von GOtt/ und eine Neigung zu seinem Dienst
bat/ja gar zu einer Gemeinschaft mit GDES/ und zu einem
göttlichen Sinn gelangen kan ; solte ein vergånglich / oder

sterbliches Wesir seyn.
h) Weil fich aber dieses so verbalt. Nemlich daß GDÉE

weise / und Menschen liebend ; die Seele aber so beschaffen

ist/wie kurk zuvor erwehnet worden.
i) Im fall. Das ift; båtte die Seele nicht sollen unsterblich

feyn/ fo wäre sie auch mit solchen göttlichen und unsterbli.

den Neigungen/als sie hat / nicht begabet worden. k) Denn alles wasrecht=s.netürlich war. Recht aber und

Ratürlich war es / daß eine Seele! founfterbliche Pleigungen und Beschaffenheiten hatte/auch felbft måsteunsterblich seyn.

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was recht ist, war GOtt möglich zu bewerckstelligen. Und die Natur brachte hervor , was natürlich war. 1) Vera hält sich aber ein Ding anders, so glaube, daß es hat and Ders seyn müssen.

Du merckeft aus gegenwärtiger Untersuchung, daß du gleichsam mit GOtt rechtest? m) folches aber würs dest du nicht,thun können, dafern GOtt nicht, beydes, gerecht und gütig wåre ! so wird er nicht vergessen haben, diese seine Gerechtigkeit und Güte, in Einrichtung der Welt, zu erweisen.

VI. n) Gewohne dich airh zu solchen Dingen, die dir unmöglich scheinen. Die lincke Hand ist zu vielen Dins gen ungeschickt, weil fie nicht dazu gewohnt ist, und gleichs wohl hålt sie den Zügel fester, als die Rechte, weil man sie dazu stets gebrauchet.

VII. Gedencke offt daran, wie du můsfest an Seel und Leib beschaffen seyn, wenn der Tod dich überfallen wird. Erwege die Kürke deines Lebens, den Åbgrund der Zeit,

vor

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1 Verbålt fich aber ein Ding anders. Das ist/wåre die

Seele nicht unsterblich/ fo würde sie auch andere Befdjaffen.

beiten haben. m) Bolchesgber. Ist ein fernerer Beweiß/ der Unsterblich.

keit der Seele / aus dem Erweiß/daf Gott) ein gütiges und gerechtes Wefen ist. Welches daraus unter andern erhellet, weil die Neufchen/von diesen feinen Eigenschafften/einen Bee griff habenydavon reden/ und fragen / was mit dieser Gerecho tigkeit oder Gütigkeit übereinkoinme? Weil aber mit benden übereinkdimt/daß ein Wefen/darin GDtt fonderbare Pro. ben seiner Weisheit/Gútigkeit/2c. geleget /nicht vergehe/so ift

zu glauben/daß er die Seelen auch unfterblich gemacht habe. a) Gewohne dich. Er wil zeiger / foie die Gewohnheit alles

mit der Zeit leicht mace.

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