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vor und nach dir ; Zusamt der zerbrechlichen Schmache, ja alles materialischen Wesens.

IIX. Besiehe o) die Urfach eines Dinges, und entblöffe M

es von allen Schalen, fo felbiges verdecken. Betrachte

den Zweck aller Thaten; was der Verbruß fen ; was die * Wollust; was die Ehre ; was der Tod ? Desgleichen, in p) daß ein jeder die Ursach seiner Unruhe fey. 9) Auch

daß es nicht in eines andern Vermogen liegt , mich za beunruhigen ; sondern daß alles r) in der Einbildung bestehe.

IX. Ben Untersuchung und Gebrauch der Mennurt gen, müssen wir denen gleich seyn, s) die da ringen, aber nicht den Fechtern. Denn diese sind des Todes, fobald der Degen ihnen aus der Hand fålt. Sene hins

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gegen o) Die Ursachen zc. Davon ist im II. Dud/ 2. und 7. quo

im XII. 2. Capittel / gebandelt. p) Daß ein jeder. Davon siche de$ IX. Buchs / 26. Capittel. 9) DAB es nicht in eines andern. Davon ist im V. Bud/

34. Capittel / geredet. r) Inder Einbildung bestehe. Hierüber lan das 15. CA• pittel / im II. Buch/

nachgelesen werden. 8) Diederingen. Ein Ringer braucht seine eigene Hånde/ein

Fechter, ein entlehntes Schwerdt. eofiad diejenigen/ die alles auf Authoritat ankommen lassen / und nichts sagen/ als was ein ander gesagt hat, nimmer geschickt/ die Warheit zu untersuchen. Denn daraus entftebet das Klopfecitereråndk/ der Halbgelehrten ; die immer schreyen / wie meines Nach barn Papagen: Der bats geragt ! der hats gesagt! der hats gesagt! wer aber die Warheit finden wid / der muß seine eigene Vernunfft recht gebrauchen/ wie der Ringer feine Fauft. Die fd lågt ibm feiner so leicht aus den Hånden. Hingegen wird dem Klopfechter der Degen aus der Hand pariret/so ist er des Todes: Nimm demysterngtico sei. sen Walger ; da steht der Tölpel!

gegen, behalten immer ihre Faust, und kommt nur darauf an, daß sie dieselbe recht gebrauchen.

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Man muß die Dinge recht beschauen und sie t) nach ihrem Zeug, nach ihrer Ursach, und Beschaffenheit, und nach ihrem Zweck zergliedern.

XI. u) Wie weit erstreckt sich das Vermogen eines Menschen, ju thun, was GOtt angenehm ist, und mit Freuden anzunehmen, was GOtt ihm zuschicket!

XII. Man muß sich in Dingen, die natürlich sind, nies mahls über die Götter beschweren : denn sie versehen sich, weder mit Willen, noch wider Willen. Auch muß man sich über die Menschen nicht beschweren, denn sie fehlen x) wider Willen. So muß man sich demnach über nichts beschweren!

XIII, Es heisset beydes y) lächerlich , und ein Frembdling in der Welt fenn, wenn man sich über Dinge, die in der Welt vorgehen, verwundern wolte.

XIV. Entweder ists die Nothwendigkeit des Schicks saals, oder eine unumgängliche Verordnung, oder eine gnädige Versehung, z) oder ein blinder und verwirts

ter t) fach ihren Zeug. Sievon ist schon droben/ im VII. Budj!

29. Capittel / gebandelt. u) Wie weitze. Solches ist einiger mafien im VII. Buch/53.

und 54. Capittel / erdrtert. ) Wider Willen. Denn der Båre felbft / ift mit sich nicht zu

frieden, weil ihm sein Gewissen fagt/er thue nicht recht. Sic. he hievon das XI. Buch/13. Capittel. Lacherlich. Lief hierüber des lix. Buchs / 15. Capittel. Oder ein blinder Zufall. Jo babe fchon öfters erinnerti

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ter Zufall, welcher alles regieret. Jsts die unumgångs liche Nothwendigkeit; was streutest du dich ? Ists die gütige Versehung; warum machest du dich nicht ihrer Hülffe würdig? Ists der blinde Zufal ? freue dich, daß Du eine Seele in dir haft, die dich durch diesen Sturm Der Verwirrung führen kan ! Ergreiffet dich der Wir. bel-Wind ? laß ihn dein Fleisch, und Deine Lebens:Geis fter hinreissen. Deine Seele muß er dir wohl lassen.

XV.

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Die lampe verlieret ihren Schein nicht , che fie verloschet ; und du woltest in dir die Wahrheit, die Ges rechtigkeit, die Mäßigkeit verlöschen lassen, ehe du stir, beft ?

XVI. Wil man dir einbilden , ein ander habe gefündiget, so sprich bey dir selbst: a) Wie weiß ich, ob es gefüns diget fey? hat er aber würcklich gesündiget, bedencke, er habe sich selbst so sehr gestrafft, als håtte er fein Angesicht mit den Någeln zerrissen. Anben erinnere dich, daß

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fich daß diefes nicht die Meynung des Käyfers fen. Sondern er will aller Ungewißheit / dennoch einen Drost entgegen steden. Glückliche Christen ! die sich nicht wie die Heyden / mit Unge. wißheit peinigen dürffen ; sondern mit dem Apostel sagen ldr. nen: Ich bin gewißidaß weder Tod noch Leben/ wes der Sohes noch Tiefes / weder Gegenwärtiges noch Jukünfftiges / noch irgend eine Creatur uns scheiden tan/ von der Liebe GOttes/ in Chrifto Iefu, uns

serni BlErrn. Röm. IIX. a) Wie weiß ich obes gesündiget sey. Well man alle um.

ftånde einer Shat/ genau erwegen soll, ehe man davon ein Ur. theil fållet. Die Bosheit der Menschen dichtet manchem/ aus einer Chat ein Raster an; welcher so man sie in der Nähel nach allen Umständen / ohne Vorurtheil / beberßiget/ mehr cine Tugend zu nennen ist. Antoninus hat hievon im IX: Buch, 18. Capittel / geredet.

sich über die Missethaten der Bösen, beschweren, eben so viel fer, als verhindern wollen, daß die Feigen-Baume einen scharffen Safft haben, daß die Kinder weinen, daß Die Pferde wrinschen, oder daß dergleichen Dinge, welche die Natur zur Nothwendigkeit gemacht hat, nicht gesches hen sollen. Was kan jener dazu, daßer Lasterhaffte Neig gungen hat? heile ihn, so du kanst!

XVII. Dis ist nicht anståndig? thue es nicht. Dis ist nicht wahr? fage es nicht. Sey allezeit von deinen Bes gierden Meister !

XIIX. Du must dir die ganze Welt vor Augen stellen, und ohne Unterlaß ben dir selbst gedencken: Was ists, fo mir gegenwärtig diese unruhige Gedancken verursachet ? durchsuche es , besiehe jedes genau mit seinem Zeug, nach seiner eigentlichen Beschaffenheit, and bedencke, wie kurs Be Zeit du deffen wirst vonnåthen haben!

XIX. Mercke doch endlich einmahl, daß etwas edlers, und gåttlichers in dir sey, als dasjenige, welches dir Gemüthss Bewegungen, oder Leidenschafften verursachet, und dich wie eine Puppe, niit fremden Fåden ziehet. Denn, was ist deine Seele ? b) bestehet sie in der Furcht, im Args wohn, in der Lust, in der Geilheit, oder in dergleichen ans dern Dingen?

XX.
Einmahl , must du nichts c) umsonst , oder oh

116 b) Die Seele beftehet in Neigungen zur Gerechtigkeit/jurWar.

beit/ zur Frömmigkeit / zur Gemeinschafft mit GDtt/ zur

Menschen Liebe ne. Drum rollen jene viehische Neigungen als Freinde/denen eigenthümlichen Einwohnern/des Gema.

thes weichen c) Umsonst. Denn es wäre unvernünfftig/ etwas thua/obae

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'ne Abricht thun. Zweytens, must du nichts ohne Absicht El aufs gemeine Beste verrichten.

XXI. Bedencke, daß du in kurser Zeit nicht mehr seyn wirst; i noch dasjenige, was du siehest, noch die, so mit dir leben.

Alle Dinge sind dazu gemacht, daß sie follen verändert wers den, und auffhören. Damit andere aus ihren Ruinen,

gleichsam hervor machsen. 3

XXII. Alles bestehet in der Einbildung. Und diese Einbils. dung ist in dir. Hebe sie demnach auf, so du wilt. So wirst du ohne Unruhe, gleichsam in einen Meer:Bufen, fegeln, und dich selbst, wie die Schiffeim Sturm und Sea fahr, hinter ein Vorgebirge legen.

XXIII. d) Ein Werdt, welches zu feiner Zeit auffhöret; # leidet darunter nichts böses, daß es auffgehöret hat, auch

wiederfährt dem, der alles volbracht hat, darunter tein

Arges. Gleichergestalt ists mit dem Begriff aller unser d Chaten beschaffen, welche wir das Leben nennen. Denn

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zu wissen / warum. Und es wäre unmenschlid / alle Abfight

einßig und allein auf seine einzelne Person zu richten. d) Diese Betrachtung ist abermahl gegen die Furcht des Sobex

gerichtet: und wir sehen aus der offtern Wiederholung / der, gleichen Vorstellungen/daß auch die Uderbesten und Weiseften unter den Senden/ difters ein Schrecken vorm Code empfuns den haben. Dieses aber findet sich ben einem wahren Christea weniger/auch wohl gar nicht. Drum ift die Chriftliche Lehrer abermal vor die Boulommenste zu achten/ weil fie den Men. Scher gegen die Schreden des Todes/mit einer freymüthigea Gewisbeit bewaffnet. Unser keiner stirbet ihm selber. Sterben wir / ro sterben wir dem Errn ; darum wir leben oder sterben/ fo find wir des BiErrn. ga wohl gar den Tod

/ verlangen

macht: Ich begehre Aufges Jöfet/und bey Chrifto xu feyn !

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