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IIX. k) man kan wohl glücklich seyrt, ohn zu wissen, was andere Leute im Hergen haben; Aber der ist hochfe unglücklich, welcher nicht weiß, was in seinem eigenen Herken vorgeher.

IX. 1) Habe allezeit für Augen, wie die Natur der gans Ben Welt, auch deine eigene beschaffen sey. Was vor Übereinstimmung diese mit jener habe ; Von was für eis nen Gangen du ein Stückfeyft, und bebende, daß keinec bir wehren könne, dasjenige zu sagen oder zu thun, wels ches mit der Natur übereinstimmiet, davon du selbst ein Theil bift.

X. Wenn Theophrast eine Vergleichung zwischen Denen Sünden anstellet, giebt er den Ausschlag als ein weifer Mann, indem er sagt : Daß die Sünden die aus der Luft entstehen, grosser sind, als die, so aus dem Zorn herkommen. Denn der Zornige scheinet feiner Vernunfft wider Willen, und mit einem heimlichen Vers druß entgegen zu handeln, dahingegen der, so denen Lüsten nachhänget, und von der Wollust sich überwinden laft, weit unmäßiger und weibischer in seinen Fehlern wirb : Dannenher gestehet er mit Recht, und der Weißheit zu Ehren, daß eine Sünde mit Lust begangen, gróffer und- straffbahrer fen, als die ; so mit Schmerzen B 3

oder k) Der Vorwis zieht den armen Menschen ausler fich; und wer

gerne unter Freunden herum gaffet, verlieret Zelt/ Eust und

Gelegenbeit/fich selbst zu erkennen. I) Er redet hier abermal als ein Stoider. Der vernünfftige

Christ aber / erinnert sich hierbey seiner ebeln und göttlichen Berwandschafft / beydes durch die Soöpffung/ Erldsung und Heiligung Opttes.

ner,

oder Traurigkeit vergesellschafftet ist. Gewiß, ein Zors niger giebt zu verstehen, daß er beleidiget noorden, und Daß der erlittene Schmerk ihm die Gemüths-Bewer gung abzwinge : Hingegen neiget fich der Bolüstige von freijen Stücken zur Ungerechtigkeit, um seine Beu gierden zu vergnügen.

XI. Thue und bedencke ein jedes Ding also:, daß du alle Augenblick geschickt seyft aus diefem Leben zu schets Den. Ist ein GDtt, fo ift es nichts böses dieses Leben zu verlassen, denn er wird dir nichts bofes thun; ist keiz

oder bekümmert er sich nicht um die Menschen, was foll id) denn länger in einer Welt machen, darinn weder ein

GOTT noch eine Verfehung ist? Aber es ist wahrs hafftigein Gott, und er trågt Sorge für die Menschen: m) auch) hat er einem-jeden das Vermögen und die Fren, heit gegeben, zu verhindern, daß er nicht in ein wahres Úbel falle. Und daferne in denen übrigen Begebnissen unfers Lebens, dergleichen würckliches Ubel anzutreffen wäre, würden die Götter nicht weniger dagegen sorgfältig gewefen fenn, und uns die Mittel an Hand gegeben has ben , folches zu vermeiden. Aber wie kan ein Ding des Menschen Leben unglücklich machen, welches den Menschen an und vor sich nicht årger machet? Hatte die Natur diese Unordnung verstattet, so můste es ges schehen seyn, entweder weil sie solches nicht erkannt, oder nicht ändern können. Nun aber ist es abgeschmackt zu an gedencken, daß n) die Natur so die Welt regieret , eia nen so groben Fehler aus Unwissenheit, oder aus Unvers mogen begangen håtte, indem sie zugelassen, daß denen Srommen und Gottlosen, Gutes und Böses, der Cod und das Leben ; Ehre und Schande, Schmerk und Lust,

gedens

m) Puch hat er einem jeden das Vermogen gegeben. 2.

Dieses Vermogen fchreibe Antoninus anderwerts der be. sondern Gnade GDttes ju. Aud; hatt er nichts vor ein wah. res Ubel / als was die Seele des Menschen durch lafterhaffte Neigungen verschlimmere mie folches aus dem folgenden zu erfeheu.

Ars muth und Reichthum, ohne Unterscheid begegnen. Dies se Dinge sind an sich weder gut noch böse, Tchåndlich oder ehrlich; daher treffen sie ohne Unterscheid die Guten und die Bösen; und können also kein wahrhafftiges Gut oder wahres Ubel seyn.

XII.

o) Es kommt einer verständigen Natur zu, ju bes trachten; wie schnell alles verschwindet ; daß die Welt in kurßer Frist alle Leiber verschlingt ; daß die Zeit der's selben Gedächtniß vertilget ; was alle Vorwürffe unser Sinnen sind? was die insonderheit die uns durch Wola luft reißen? oder durch Schmerzen erschrecken? was die, welchen der Hochmuth eine so beschriene Hoheit angedichtet hat? wie eitel , nichtig, verächtlich,

schåndlich, alle diese Dinge sind ? dem Tode und der Verwesung unterworffen. Diese Vernunft muß ferner erwegen, p) wer diejenigen sind, so nach ihrem Gütdünchen den Ruhm austheilen ? und auf deren Gutbefinden die Ehre

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an: n) Die Water rodie Welt regieret. Er verstehet mit dieser

Benennung den weisen und machtigen Schöpfer und Ethat.

aller Dinge. .) Es kommt einer verständigen Natur 30. d/ wie

wenig findet man solcher verständigen Naturen? und gleich. wobl find diese Betrachtungen ein so nothiges Mittel/zu einer

wahren Freyheit des Gemüths zu gelangen. p). Wer diejenigen sind / deren Meynungen den Ruhm

qustheilen. Bedachten dis die Ehrbegierigen / fie mürden sich schämen von solchen Leuten einen Ruhm zu erbetteln / die weder wissen worin die wahre Ehre bestebet/ ned in fio felbst sufrieden find.

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ankommt? Was der Tod ist? Ja fie muß sich besinnen, daß wenn man den Tod von der falschen Einbildung und Vorstellung trennet, die man sich selber davon machet, dera felbe nichts anders sen, als ein Werck der Natur. Ein Werck aber der Natur scheuen,heisset ein Kind seyn. Und der Tod ist nicht nur ein Werck der Natur, fondern eine Sache die q) der Natur nůßlich ist. Absonderlich muß Dein Verstand r) beherßigen, auf was Weise der Menfch mit der GOttheit vereiniget sen ? Wie weit er an derselben Theil habe ? Und endlich wohin dieses Es benbild der GOttheit gelangen werde, wenn es von dies sem Leibe fcheidet

XIII. Nichts ist elender als ein Mensch der alles ergrün, Den will, der nicht zufrieden, daß er den Abgrund der Ers den untersuche, sondern mit seinem Forschen biß in den Belst anderer Menschen eindringer, ohne sich zu entsins nen, daß er sich solte begnügen lassen s) mit der Göttlichs keit umzugehen, die er in sich hat, und derselben den gee bührenden Dienst zu leisten. Der Dienst aber welchen deine Seele erheischet, besteher darinn: Daß du sie von Den Leidenschafften befreyert , sie verwahrest wider alle Vermessenheit"; Und nicht duldest daß sie mit dem unzus frieden fer; was GOtt oder die Menschen thun. Denn was GOtt thut, verdienet unsere Ehrerbietung, wegen

seiner g) Der Etatur nútlich." Er redet hie von der Natur wic

sie nach dem Sünden. Fall ist. Da ist es gut/daß das Abgeo

lebte dem frischen und jungen Raum madhe. r) Behersigen sc. Er wid, daß wir an die Unsterblichkeit der

Seele gedencken sollen / und erwegen ob es nicht zu ihrer Ver. besserung dienet/wenn sie durch den Tod vom sterblichen Leiber und von

aller unvollkommenheit geschieden wird? .) Mit der Gottlichkeit. Er versteht die Seele des Menscher:

Wir Chriften aber haben hieju noch eine wichtige Ursache weil unsre Reiber durch GDIŠES Gnade Dempel des Heio higen Geistes / und Chrifi Skeder find.

feiner Vortreflichkeit, Und was die Menschen chun, verdienet unsere Liebe , wegen der Verwandschafft fozwia schen uns ist ; Zuweiten ist es Mittleidens würdig, wes gen der Unwissenheit

des Guten oder Bösen, darinn solche Menschen stehen. Diese Unwissenheit ist eine Verblená dung, und eben so sehr zu bejammern, als die Blinden, die weder schwark noch weißuriterscheiden können.

XIV. t) Kontest du dren tausend Jahr leben, und noch dreißig tausend bazu, so besinne dich, daß niemand mehr Leben verliehre, als dasjenige, was er den Augenblick, da ers verlohr, hatte; Auch daß man kein ander Leben habe, als welches man alle Augenblick verliehret

. Dannenhea ro ist kein Unterscheid zwischen dem långsten und fürbesten Leben., Denn die gegenwärtige Zeit ift ber allen diesels ist. Die Das was ein jeder verlohren hat, nicht gleich ist. Die Zeit aber so wir verlieren, indem wir das Les ben verlieren, ist nur ein Augenblick. Denn niemand kan das Vergangene oder das Zukünfftige verlieren. Wer kan einem nehmen was er nicht hat ? Mercke deins nach diese 3w0 Dinge : Einmal, daß alle Dinge von Anfang her eine Gleichheit haben; Daß sie in einem stes

ten t) Eigentlich zu reden/ giebt es weder eine vergangene noc ju künfftige Zeit ; Sondern nur die / welche gegenwärtig ist

, Spridstdu: Ein junger Mensch / welcher um zwanzig Jah ren stirbt / verlieret mehr Zeit als der / Welder adsig Fabe alt aus diesem Leben scheidet; Denn er verlieret die Hoffnung caer långern zukünftigen Zeit. Artiger Einwurf Gerade als ob unser Leben nach der Hofnung würde, abgemessen? besser dreibt sieronymus in seiner dritten Epiftel: denen die zchen Jahr / und denen die hundert Jahr gelebet haben /

ist die vergangene Zeit allen bepben gleid / und es ist hie rein in Unterscheid / als daß der ulce mit mehren Sünden über.

båuffet stirbet / als der Junge.

B 5.

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