Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

sich über die Aufflösung aller Dinge entfeßen ? Geschicht es doch alles der Naturgemåß. Was aber der Natur gemäß geschicht, daß ist nicht böse.

Geschrieben zu z) Carnunt.

[ocr errors]
[ocr errors]

Des Römischen Kånfer8 SSearcus Aurelius Antoninus

Erbaulicher
Betrachtungen

Drittes Buo.

1. Sa) ist nicht genug, daß man bedencke wie unt fer Leben fich råglich verzehret , und abnimmt, sondern man muß auch erwegen, daß, ob wir

, gleich långer leben wir dennoch nicht versichert sind, die

, Felben Kraffte des Perftandes beyzubehalten, noch diefele be Fähigkeit göttliche und menschliche Dinge zu begreiffen, oder zu beurtheilen.

Denn z) Carnunt. War ein Städchen in Pannonien / und deinet

dis um die Zeit des Feldzugs gegen die Marcomannen x. gco

Tchrieben zu seyn. .) Der Aufffhub unserer Desserung if so gefährlich, daß n.

toninus demselbigen solche Gründe entgegen feket, die eiact jeden Vernünfftigen åberjeugen werden / wie nüglich aber. mahl Syrachs Vermahnung fey: Verzeuch nicht from zu werden/und harre nicht mit Befferung eines Le bens bis an den Tod.

[ocr errors]
[ocr errors]

Denn, folte man etwa in eine Raserey oder Kinds heit fallen, fo behált man zwar die Krafft zu atheinen, fett zu werden , ju phantasiren, zu verlangen, und dergleichen Wirckungen mehr : Aber seiner selbst måchtig seyn, feia ne Pflicht zu erforschen, die Schein - Güther , von den wahren zu entscheiden, zu wissen , b) wenn es Zeit fer i aus diesem Leben zu scheiden; Kurk, alles was eine mann, liche und wohlgeübte Vernunfft erfordert, alles diesesfag ich, ist alsDenn in uns verloschen. Drum muß man ei len, theils weil man sich tåglich dem Tode nåhect, theils weil und der Verstand oft verlåfst, ehe wir sterben.

II. Man mußbetrachten, das alles, was sich in der ganken Natur zutrågt, eine Annehmlichkeit ber fick

führet; b) Der Christliche Lefer muß fich an dieser Stoischen Lehre des

Antoninus nicht stossen / daß es einem Menschen vergönnet fey/ bey erbeischender Roth aus diesem Leben zu fcheiden. Bielmehr muß man fich verwundern, daß der sonst so vero nünftige Kapser / die Unmenschlichkeit dieser Meinung nicht gesehen. Ubronderlich, da er von dem bendnischen Socra. tes håtte lernen können/daß uns Gott in diesem Leben/ wie den Soldaten gleichfam aufeinen Posten gefiellet babe / wele chen wir nicht ehe verlaffen müssen, biber uns selber ruft. Ein

mehrers hiewider fiebe Lib. V. cap. 30. c) Mit diesen Betradyfungen wie Antoninus denen Einwürfe

fen der Atheisten vorbeugen / welche / weil sie in der Natur nach ihrer Meynung loiche Dinge finden, die ihnen beßlich unnük/oder wohl gar schådlid vorkommen; Den unver. nünfftigen Schluß machen: Es sey Rein Gott/ oder fo ja einer fey/ so bekümmere er sich doch nicht um die Menschen / und dasjenige so auf Erden geschicht.

Diesen Leuten nun zu zeigen, wie sehr sie sich in ihrem Ur• theil betrügen / weifet ihnen Antoninus / daß kein Ding in der Welt fep/welches nicht seinen Nußen oder seine Schönbeit babe, theils an und vor fich selbst/ theils in Ubficht anderes Dinge i deren nothwendiger Unbang oder Folgen fic find.

.fܕ݂

[ocr errors]

führet ; gleich dein frischen Brod, das sich im Backofen hat von einander gethan ; Denn eben diese Krusten, wela che die Hiße des Feuers winer des Beckers Absicht ges spalten hat, geben dem Brod nichts destoweniger eine Annchmlichkeit, und reißen den Anschauer es zu kosten; die reiffen Feigen bersten, und die Fäule giebt denen Dlia Den einen Geschmack; die vollen Zehren neigen das Haupt. DieGrausamkeit des Löwen, der Schaum an der Schnaus ße des wilden Schweines, und dergleichen Dinge mehr, haben nichts schönes indem du sie besonders ansiehest, aber fie zieren nichts destoweniger diejenigen Dinge, welchen sie angehefftet sind, und ergegen ihre Anschauer.

Wer demnach tiefsinnig genug ist, alle Begebens heiten der Welt zu beobachten, wird finden, daß eine jes de ihre besondere Annehmlichkeit besike, welche zur Vers höhung der Schönheit der ganken Natur etwas beys trågt. So wird er demnach sich nicht weniger erlustia gen d) die wilden Thiere lebendig, als in Steinen ges hauen, oder im Gemålde zu erblicken. Er wird finden, daß die betagten Matronenund alten Månner sowohl ihs re Schönheit haben, als die jungen Leute. Er wird als les was ihn reißen fan, mit keufchen Augen ansehen. Kurk, er wird in allen Dingen tausend Schönheiten fins den, die ein ander nicht leicht wahrnimmt, sondern nur die, welche gewohnt sind, die Natur und ihre Werde recht zu beherkigen.

III. Er wil das Murren der Unzufriedenen/ mit dieser Betrach tung unterbreden: Daß man Peinen Zufal allein vor fich an. sehen müjte / sondern in seinem Zusammenhang mit andern. Denn da wird sich die Warheit des alten Sprid woris auf

fern: Kein Ding ist so báser es ist zu etwas gut! d) Die wilden Thiere. Er wid sagen/ es wird ihm eben anges

nehm seyn/ die Bosheit der Menschen aus der Erfabrung! als aus Büchern zu bemercken:

:

III. Nachdem Sippocrates viele Kranckheiten geheia let hatte, ist er endlich selbst an einer Kranckheit gestorben. Die Chaldåer so andern den Tod verkündiget, haben fich endlich dem Tode unterwerffen müssen. Ålerans der, Pompejus , Cåsar, find, nachdem sie viele Ståda te geschleiffet, und viele Menschen getødtet hatten, endlich felbft getsbtet worden. Als e) Seraclitus lange von der Feuers: Brunstgeredet hatte, welche die ganze Welt verzehren solte, fúllet die Waffersucht sein Eingeweide, under stirbt in einem Mift-Hauffen. Die Låuse haben den Democritus gefressen, und dergleichen Art f) Uns gezieffer Den Socrates.

Warum schreib ich dieses? Du bist an Bord gana gen, du bist fortgesegelt, du bist angelandet , fteig nun aus dem Schiff. Behest du heraus, in ein ander Leben zu treten, so wirst du GOTT allenthalben finden. Würdest du aber aller Empfindung beraubt, so hörest du auf unter dem Joche der Schmerßen oder der Lust zu seyn. Du wirft ablassen diesem Gefässe zu dienen, das geringfähiger ist als du selber bist. g) Denn es war dein edelstes. Cheil dienstbahr worden, nemlich dein Geist, Diefes göttliche poindir wohnet; Dahingegen das Gefäß deines Leibes nichts anders, als Verwesung und Erde ist

IV. c) Beraclitus. Er wolte durch die site des Mifts fich von

der Wassersucht befreyen / und beförderte damit seinen Eod.

Laertius exfehlet es umständlich. f) Dergleichen Ungezieffer. Socrates muste auf Unstifften

seiner Feinde Gifft trincken. Und Antoninus nennet fjäne

Anklåger Scherfweife Uugezieffer. 8) Denn es war dein edelftes Theil. Dis ift zum Tbeil

die Knechtschafft der Sünden / davon Paulus redet Rom. VI. und so erkennen auch die Sepden i daß die fleifolichen Rüfte wider die Seelestreiten.

[ocr errors]

IV. Verführende den Rest deines Lebens nicht damit, daß du an anderer Leute gedenckest , h) wenn solches nicht zum gemeinen Besten abzielet. Denn diese Gen dancken werden dich von wichtigern Dingen abziehen. ga indem dein Geinůth damit beschäftiget ist, was dies Feroder jener thut , warum er es thut, was er saget, was er Dencket, was er vor hat? Wird dich diese Aufmercksams keit ausser dich felbft ziehen , und verhindern auf dich selbst und auf deine Vernunft acht zu haben.

Entschlage dich demnach aller eitelen und unnüken Gedancken, abfonderlich aber berer , welche der Vorwik oder die Bosheit dir eingeben. i) Auch folt du dich ges wehnen, nichts zu dencken , davon du nicht, wenn did) jemand fraget, was gedenckest du? Alsobald sagen köns nest, ich gedachte dis oder das. Damit wirst du kund thun, daß du nichts in deinem Herken habeft, das nicht einfältig, lauter, gut, und einein Menschen anständig fey, der zur

Gesellschafft gebohren ist; Der die wollüstigen und üppigen Gedancken von fich gånglich entferitet, der das eitele Gezånd scheuet , Den Meid, den Argwohn, ja alles, was man sich scheuet frey zu gestehen.

Ein solcher Mensch, der sich immer bestrebet beffer zu werden, ist anzusehen k) als ein Priefter des Hochs

sten, h) Bir müssen unser Pfund anwenden zum gemeinen Besten.

Denn es erzeigen sich in einem jeglichen die Gaben des Geistes zum gemeinen Nuß 1. Cor. XII.7. und in dieser Übsidst muß

man die Wahrheit nicht verheucheln. i) Auch folt du dich gewehnen. Verwundert euch lieben

Christen/über die Aufrichtigkeit eines Heyden/ und verfluchet

die Falschheit und Heucheley. k) Als ein Priester des Köchsten. Dieser edlen Betrachtung

würden fidh die Christen mit Nußbedienen / wenn sie sich sel. ber anseben wolten als Priester des heiligen GOttes/der in ihren Herken als in einem Lempel wohnet 1.Cor.V1.19. mel.

[ocr errors]
[ocr errors]
« ͹˹Թõ
 »