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ften, weil er allezeit in Dienst derjenigen Göttlichkeit bes griffen ist, die in ihm als in einem Tempel wohnet. Das Her er sich auch unbeflecket durch die Wollust, unverwuns det in dem Schmerßen, unempfindlich wider das Uns reche , unüberwindlich gegen die Laster, und alle Lüste fins den låst : gmmerzu in dem schönen Kampf begriffen, wider seine eigene Begierden : Durchgangen von der Tieffe der Gerechtigkeit : Willig anzunehmen, was ihm die Versehung zuschicket ; der sich ohne Absicht aufs ges meine Beste nicht die Zeit giebt, zu gedencken was andre reden oderthun: Der sich vornehmlich um seine Sachen bekümmert, und um dasjenige fo ihm GOtt zugefüget hat: Gene verrichtet er so gur er kan, und von diefen hoffet er das Beste.

Aus eines andern Verhångnůß machet er seinen Nuken, wohl wissend, daß alles zu einem Ende abziele. Dannenher erinnert er sich der genauen Verwandnuß zwischen allen Vernünftigen , und weiß, daß es des Mens schen Natur gemäß fen, für alle Menschen Sorge zu tragen. Er begehret nicht ohne Unterscheid aller Hocha achtung, sondern nur derer , die der Natur gemäß leben; die sich aber derfelben zuwider aufführen, stellet er sich vor, nie fie beschaffen sind im Hause, oder in öffentlichen Ges schafften, des Tages, oder des Nacyts. Wie auch, in was vor Gesellschafft sie verwickelt leben? Kurk, er fragt nichts darnach solchen Leuten zu gefallen, die mit sich selber nicht zu frieden seyn können.

V. Thue nichts mit Unwillen, nichts das nicht zum ges meinen Nußen abzielet, nichts welches du vorher micht

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wohl chem fie als ein heiliged Priesterthum opfern sollen/ geistlice Dpfer die Optt wohlgefädig find in Christo Jefu. 1 Petr.

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12.1

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wohl erwogen, nichts endlich aus Vorurtheil oder Par fion. Suche keine zierliche Worte ; hůte dich, daß du nicht viel redest, und dich in viele Dinge mischeft ; Laß dich, den GOtt, der in dir ift, als einen Mann regieren, als einen ehrlichen Alten , als einen Bürger, als einen Römer, als einen Fürsten, welcher sich in den Stand geseket hat, sobald die Lösung gegeben wird, ohnc Vers zug aus diesem Leben zu scheiden. Verhalte dich also, daß du weder deines 1) Eybes, noch des Zeugnússes ans derer Leute bedürffeft. Laß allezeit in deinem Gesicht eine Munterfeit blicken. Gewehne dich so viel möglich, Hülffe zu entbehren, und richte dich also ein, daß du ans derer Leute Dienst, zu deiner Ruhe nicht bedürffeft. Mit einem Wort, sey von selbst rechtfertig und aufrichtig, dhe ne zu warten biß dich andere dazu anhalten.

VI. So du in dem menschlichen Leben etwas findest, das belser ist als die Gerechtigkeit, als die Wahrheit, als die Mäßigkeit, und die Tapferkeit; Kurt, weist du was , das vortrefficher ist, als ein Gemůth, das mit sich felbfi zu frieden ist, in allen dem was du den Regeln der Vecs nunfft gemäß verrichtest, das sich begnüget mit allem, was die Schickung dir auch wider deinen Willen beges gnen fåst; Findest du, fag ich, etwas bessers, fo trachte sota chem unschäßbaren Gute von ganßem Herken nach, und ergeße dich an dem schönen Schaß so du gefunden. Siehest du aber nichts bessers, als wenn der Theil der Göttlichkeit, welcher seinen Tempel in dir hat, sich Meis ster von sich selber machet, und sich, wie Socrates fagt, von der Tyranney der Begierden loß reisset ; Hingegens

aber 1) Eydes. Er redet nicht von dem orjentlichen End/ in dun,

den Sachen i fondern von der Aufrichtigkeit und Lauterkeit im Privat. feben.

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aber sich der Regierung derer Götter anvertrauet, und eis ne allgemeine Vorsorge für die Menschen gåget: Siehest du, fag ich, nichts bessers, fo laß dich von keinen andern Dingen einnehmen, die in Vergleichung mit jenem Zus stande klein, gering und verächtlich sind.

Denn, unterwirffit du dich ihnen einmal, fo ist es nicht mehr in deiner Macht, dich wieder loß zu machen und demeinkigen Guthe anzuhangen, welches warhafftig dein eigen ist: Es ist nicht recht, daß du diefemn wahren eigen thümlichen Githe ein fremdes vorzieheft.

Ich nenne aber Fremde: Den Ruhm des Volcks, die Gewalt, den Reichthum, die Woluft: Verstatten wir diesen Dingen nur den geringsten Eingang , und achten es der Mühe werth, uns darum zu befümntern po bekommen sie die Oberhand, sie werden Meister von uns, and reissen uns dahin ehe wir es mennen. Drum wehle dir ungezwungen das Beste, und hänge demfelbert von ganzen Kräfften nach. Das Beste aber ist das Müßlichsté, und hie hast du eine Regel, wie folches zu entscheiden fen:

Alles was dir nůklich ist, in Poweit da eine verniniff tige Creaturbift , dem jagenach. Was dir aber in kera ner andern Absicht dienet, ass in fo weit du eine lebendige Creatur oder ein Thier bist, das verwirff. Erhalte aber deinen Verstand fren von allen Vorurtheilen, damit er ház big fey, diesen Unterscheid zu machen.

VII, Håre dich, dasjenige als nützlich anzusehent; noas Dich zwingen kan, Treu und Glauben zu verteken, unbez scheiden zu werden, zu halsen, zu argwohnen; zu fchetten, Zu heucheln, dich zu Derstellen, oder fonjt etwas zu begea hen, welches Mauren und Vorhänge erheifchet sich zu verbergen

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Wer nichts über seine eigene Seele hoch achtet, und
die Ehrerbietung welche man für die Tugend haben muß,
Der begehet nichts so einem Trauer-Spiel gleich fer. Er
feuffget nicht ; er sehnet sich weder nach der Einsamkeit,
oder nach der Gesellschafft ; und was noch merckwürdis
ger ist, er lebt beydes ohne Furcht, und ohne Verlans
gen; Es bekümmert ihn wenig, wie lang er noch zu les
ben hat; denn er ist alle Augenblick fertig das Leben zu
verlassen, und folches mit gleicher Munterkeit, als wann
er etwa fonst eine gewohnte Tugend ausübet. Seine
grðste Sorgfalt auf Erden ist, seine Seele in solchen
Stand zu unterhalten, daß sie, was einem Menschen
anständig, und dem gemeinen Wesen zuträglich ist, vers
richten möge.

IIX.
On dem Herßen eines Måßigen, und von allen
Paßionen gereinigten Menschen findet sich keine heimliche
Fåule, Unreinigkeit, oder Falschheit. Das Verhångs
nůß übernimmt ihn nicht, fein Leben abzuschneiden ehe
es vollkommen worden. Er ist nicht wie ein Comediant,
der von der Schau Bühne abtritt, ehe und bevor er feia
ne Rolle ausgefpielet hat. : Es findet sich an ihm weder
was knechtisches noch gezwungenes, nichts zu viel, oder
zu wenig, nichts so sich fürchtet getadelt zu werden, oder
welches suchet verborgen zu feyn.

IX.
Nimm m) deine Einbildungs - Krafft wohl in
acht, und warte ihrer : Denn alles kommt auf diese an,
daß fie in deinem Verstande nicht Meynungen zeuge die
der Natur entgegen, und einer vernünfftigen Creatur
unanständig sind. Die vernünfftige Natur aber erheis

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schet: a) skinbildungs-Kraft. Die Einbildung zeuget die weg.

bungen. Die Meynungen regieren Da$ gange Leben

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fchet: daß du dich in deiner Mennung nicht übereilest; daß du die Menschen liebest ; daß du denen Göttern ges horsam feyst.

Darum laß alles andre liegen, und trachte dieses Wenige zu volbringen; Erinnere dich, daß wir nur die gegenwärtige Zeit leben, welche gleich wie ein Punct anzusehen ist. Denn alle übrige ist entweder schon vers gangen und überlebet , oder noch zukünfftig und ungewiß. So ist denn eines jeden Leben nur ein Augenblick ; der Ort aber wo er dasselbe zubringt, ist ein kleiner Winckel der Erden, und die allerdauerhaffteste Reputation ein geringer Schall: Sie wird fortgepflanket durch Sterbe liche, auf solche Menschen, die in kurßem sterben , und nicht die Zeit haben sich selber zu erkennen, vielweniger aber die, so vor ihnen gewesen sind.

X. Seße zu allen heilfamen Lehren, die ich dir gegeben habe, noch diese hinzu: daß du von allen Dingen die dic vor- oder in dem Sinn kommen, eine eigentliche und ges naue Beschreibung machest: So daß du es dir gang nackt und bloß vorstelleft; und erwegest, woraus es bes stehe, aus welcher Materie es zusammen gefeget ; und welches fein eigentlicher Nahme fey? wie auch derer Dinge Daraus es entstanden, und darinn es wiederum wird auffgelåset werden? Nichts macht die Seele fo groß, als wenn man mit Ordnung und Wahrheit alles untersucht, was diefes Leben mit sich bringt; wenn man weiß, zu welchem Theil der Welt es gehöret ; zu wels chen Nugen es bestimmt ist, wie es anzusehen in Absicht der ganßen Welt, oder in Absicht des Menschen, der ein Bürger ist dieser vortrefflichen Stadt, in welcher alle übrige Städte gleichsam nur wie Wirths-Häufer, oder wie Hütten sind.

Lies

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