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XXXV. Uebergib dich willigst dem Geschicke, und laß es mit bir handeln, wie es immer will.

XXXVI. Alles währet kaum einen Tag lang ; beydes der Loa þende, und das Gelobte.

XXXVII. Bedende, daß alles aus der Veränderung beftehet; und gewohne dich zu erwegen, daß die Natur ihre Luft an der Berwandlung aller Dinge habe, damit sie aus denen verwandelten, ihres gleichen von ncuem hervor bringe. Alles Gegenwärtige ist gleichfam der Saame des Zus künfftigen. Der gemeine Mann aber begreifft dis nicht; sondern nennet das nur allein Saamen , was in die Erde, oder in die Mutter gehöret.

XXXIIX. Du fångest schon an zu sterben, und dubesigeft noch die Einfale des Herkens nicht? Du bist noch nicht ohne Unruhe ? und haft dich der Einbildung noch nicht ents fchüttet, als ob du kännest von denen Dingen verleget werden, welche ausser dir sind? Und du bist noch nicht fanfftmüthig und gütig gegen alle Menschen? ja ends lich, du fucheft die wahre Weisheit noch nicht in gerechten Chaten?

XXXIX. y) Dringe bis in ihre Gedanden , und fiche fu, was és fen, das die Klugen verlangen oder fürchten.

XL, y) Dis ift nicht ein Gebot fo jum Vorwiß leitet, sondern für

grenheit und Ruhe des Semüths. Wir rollen die Nichtig. Peiten derer Dinge erwegen i welche andere Menschen hoch achten, damit wir uns schämen lernen / dieselben zu laden aber zu lieben.

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XL. Dein Uebel steckt nicht in dem Gemüth eines ans dern, es rühret auch nicht von denen Verånderungen her, welchen dein Leib unterworffen ist, der dich umgies ber. Woher kommt es denn ? von dem Drte , da Der Wohnplan deiner Einbildung ist

. Laß diese Fein Urs theil fållen, so wird alles gut gehen. Gefeßt, der Leib, welcher dieser urtheilenden Krafft in die so nahe verwande ist, würde zerhauen ; verbrandt ; verwundet, oder vers wese; so muß jene stille schweigen, und für gewiß halten, Daß alles, was einem guten Menschen, so wohl als eis nem båsen begegnen kan, müsse an sich selber, weder gut. noch böse senn. Denn alles was dem zugleich begegnet, welcher der Natur gemåß lebet , und dem, welcher ihre Gefeße übertritt, kan weder der Natur gemåß, noch wies der die Natur feyn.

XLI. 2) Erwege beständig, daß die ganze Welt, gleiche sam wie ein einziges Thier sen, welches aus einerler Mas terie bestehet , und von einem Geist belebet wird. Siehe wie sich alles nach einem allgemeinen Sinn richtet; wie durch einen allgemeinen Trieb alles beweget wird ; und wie die ganze Natur eine Ursache wird, dessen, so geschies het. Endlich siehe an, wie alle Dinge, gleichsam, wie ein Gewebe durch einander lauffen.

XLII. Dubist, wie Epictetus sagt, eine Seele, welche cinen todten Córpec umber tråget.

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XLIII.

z) Dis ist die alte Meynung der Pytagorer / und Platoni.

Aten. Und Antoninus schreibet dis als ein weiser Hende ; um die Betümmernůß mit den Wercken der Natur zu besånfo ttgen / wie das XLIII. Capittel zeiget.

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XLIII. a) Es ist eben so wenig boses bey denen Dingen, die Durch die Veränderung geschehen, als etwas gutes bey deg nen, die aus der Veränderung bestehen.

XLIV. Die Zeit ist ein Fluß und schneller Strohm, fo bald sie uns ein Ding zuführet, reiset sie es wieder dahin. Es kommt ein anders in dessen Plak, so mit gleicher Gea schwindigkeit verfliessen wird.

XLV. Alles was geschicht, ist so gewöhnlich und gemeini , als die Rofen im Frühling, und die Früchte im Sommer, die Kranckheit, der Tod, die Verläumdung, die Args liftigkeit, samt allen andern, was die Thoren entweder ergöket, oder kråncket.

XLVI. Alles was ilzo in der Welt geschicht, ist verknüpffet mit dem, was vorher geschehen ist. b) Es ist hier's init nicht, wie mit denen Ziffern oder Zahlen, deren jede absonderlich vollkommen ist, und die von der Nothwens digkeit zusammen gezwungen werden. Sondern hie ist ein vernünfftiger Zusammenhang; und gleichwie alle Dinge, welche in der Welt find, durch eine ordentliche

Zusam a) Es ist nichts boses. Er will fagen/daß der Tod nicht bore

rep / noch das Leben ein so gar grosses Gut: an sido selber, weil cines des andern Ursache ist. Denn der Sad des einen, wircket die Geburth des andern. Und die Geburth bringet

endlich den Dod hervor. b) Die Ziffern bången nicht an einander. Man trenne fier for

hat eine jede ihren Berth vor fich. So ist nicht mit denen Dingen die in der Welt gefcheben. Sie hangen zusammen mit dem/ was vorher gebet/ oder nadhfolget. Denn die Pro. vidcng brauchet das eine / als eine Urfach des andern. Sie bat ihre verborgene Ubrichten / und dis giebt uns den Croft daß uns nichts schädliches wiederfahrer fan.

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Zusammenfügung verknüpffet werden, also findet man
auch in allen Dingen, die noch geschehen, nicht etwa eine
nackte Folge, sondern eine wunderswürdige Uebereinstims
mung,
und ordentliche Verknüpffung.

XLVII.
Gedencke allezeit

, daran, was Beraclitus faget:
der Erden Tod, wird das Wasser ; des Wassers Tod,
wird die Lufft ; der Lufft Tod, das Feuer ; und so hins
wiederum.“ Auch folt du dich des Menschen offt erin.
nern, welcher vergessen hatte, wohin ihm c) sein Weg
führete.

XLIIX.
Desgleichen folt du betrachten, wie viele der Vers
nunfft widerstreben, damit sie doch tåglich umgehen , und
die alles regieret. Wie auch : daß manchen diejenigen
Dinge am ungewöhnlichsten vorkommen, die doch tåglich
geschehen.

XLIX.
Auch folt du nichts reden oder thun , als im Schlaff,
denn sonft wird es nur scheinen, als wäre es kein
Ernst.

L.
Wir müssen auch nichts thun, als Kinder, das ist,
darum allein, weil wir es fo von unfern Eltern gelernet
haben.

LI,
Wenn ein GOTT zu dir fagte : Morgen folt du
sterben, oder auffs höchste Uebermorgen, so würdeft du
eben nicht viel nach diesem kleinem Auffschub fragen, und
es würde dir gleich viel seyn, ob es Morgen oder Uebers
morgen geschehe. Denn was wäre diese kurße Frift?

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Gedens

c) Sein Weg. Wer an der Hafen nicht gedendet, wohin ex

feegeln wil / dem ift tein Wind gerecht.

Gedencke Demnach iko desgleichen, und achte es eben viele lange Jahre leben, oder morgen sterben.

LII. Bedencke, wie viel Aerkte gestorben sind, nachdem fie ihrer Patienten Ende,mit niedergeschlagenen Angesicht verkündiget hatten. Wie viele Sternseher sind dahin, nachdem

sie andern ihren Tod, als etwas sonderliches, vore her gesagt? Wie viele Weltweise, nachdem sie vom Code, und von der Unsterblichkeit geschrieben und disputiret hate ten? Wie viele Helden, die andere ums Leben gebracht? Wie viele Tyrannen, nachdem sie mit hochmüthigem Ges tose, das Recht des Lebens und Todes', an vielen Seelen geinißbrauchet

, gerade, als ob sie selbst unsterblich wären? Wie viel Stådte sind gestorben ? daß ich mich dieser Res Dens-Art bediene: Belice, Pompeja, Seracla, samt uns endlich vielen andern.

Gehe hienáchst die Menschen durch, welche du nach und nach selber gekannt hast, nachdem sie ihre Freunde zur Erde bestätiget hatten, sind sie endlich selber begraben nors den. Die, so ihnen den légten Dienst geleistet, haben denset: ben in kurger Frist, von andern wieder empfangen; mit eis nem Wort, es ist nütlich, daß man sich die menschlichen Dinge fleißig vorstelle, um zu sehen,wie verächtlich und wie nichtig sie sind. Was gestern gebohren ward, ist heute eine Leiche, oder eine Hand voll Asche. Dannenher muß man die übrige wenige Zeit des Lebens , Der Natur gemåß, zus bringen, und sich mit guten und zufriedenem Muthe bavon begeben; gleich denen reiffen Dliven, welche, wann sie abs fallen, die Erde fegnen, so sie gezeuget, und dem Baum Dancken der sie gebohren hat.

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