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LIII. Ser du einem Felsen gleich, an welchen die mees ress Wellen unauffhörlid, schlagen. Er stehet immer feft, und verachtet die Wuth des Wassers. Omich und glückfeeligen, Dem dis oder jenes begegnet ist! sprich viela mehr: Was bin ich glücklich, daß, då mir diefes wieders fahren ist, ich dennoch unbekümmert bleibe ; daß mich dieser Zufall nicht verwundet ; und daß mich der Feines (chrecket, was allen wiederfahren könte ! vielleicht wäre ein ander nicht so unbekümmert, als ich, dabey gewesen! Warum nennest du denn diesen Zufall vielmehr ein Uns glücke , als ein Glück

, daß du ihn ertragen kanst? Heisset dir etwa das ein Unglück, was der Natur des Menschen nicht zuwider ist? oder meinst du, es könne der mensche lichen Natur etwas zuwider feyn, welches weder gegen ihre Didnung Tauffe, noch mit dem Willen ihrer Natur streitet ? Welches aber ift dieser Wille? du hast es zur Snůge dernommen ! kan die Begebenheit, so zustos

Oin fet, dich verhindern gerecht, großmüthig, måßig, weise, vorsichtig, auffrichtig, ehrbar, fret), oder sonst der Nas tur gemäß, tugendhafft zu fenn? drum besinne dich Dies fer Wahrheit ben allen Zufällen, die dich betrüben köns nen: daß alles, was dir zustósit, kein Unglück ilt, fons dern, daß es ein groffes Glück ist, wenn inan es muthig zu vertragen weiß

LIV. Eine zwar gemeine, aber doch gulangliche Hülffe, zur Verachtung des Todes ift, daß man mit feinen Ges Dancken die Anzaht aller derer Durchlauffe , welche diesem Leben eifrigst nachgehangen; und desselben vor allen ang dern genossen haben. Lieber, was haben sie voraus vot denen, die durch einen frühzeitigen Tod sind hingerůcker woorden ? Cadicianus Fabius Julianus, Lepo

Ous,

dus, und viele andere, sind, nachdem sie vielen Leich-Ben gångnüssen beygewohnet, endlich selbst begraben worden.

Die Frist zwischen fremder, und ihrer eigenen Beerdie gung, war kurtz Ja, unter wie manchem Elend, mit wela chen Leuten, und in was vor einem Leibe, haben sie diese kurs ke Frist zugebracht ? Mache demnach nicht so viel Wercks von deinem

Leben, sondern gedencke an die unendliche Zeit, die vordir gewesen ist, und nach dir kommen wird. Was für ein Unterscheid ist in diesem Abgrund, gwischen einem

der prey Tage und einem der drey hundert Jahrgelebet hat?

LV. Gehe allezeit den kürzesten Weg. Dieser ist der Weg der Natur. Derselbe ist, in allen Dingen reden was vernünfftig, und thun was tocht ist ein folcher Porfaß wird dir tausend Mühe und Verbruß fparen; denn er ist ohne Befümmerniß, ohne Streit, ohne Unrus he, ohne Hochmuth und Verstellung.

Om

Des Römischen Käysers arcus Nurelius Antoninus

Erbaulicher

Betrachtungen
Fünftes Buds.

1. Enn du des Morgens nicht gerne auffftehen magit, so gedence bey Dir selbst: Ich soll auffs stehen, das Beschafft eines Menschen zu vers richten; wegere ich mich denn etwas zu thun, dazu ich ges bohren bin, und dazu ich bin in diese Welt kommen? Bin ich denn nur dazu gemacht, mich in einem warmen Hette auszustrecken? Aber dis ift angenehm ! Bist du Denn zur Wollust gebohren, und nicht vielmehr zur Ars beit? Siehest du nicht die Pflanken, die Vogel, die Ameisen, die Spinnen, die Bienen ? wie sie arbeiten, Die Welt nach ihrer Art zu zieren? und du wilt verabs fáumen zu thun, was menschlich ist ? Warum trachtest Du nicht denen Dingen nach, dazu dich a) die Natur bes stimmet hat?..

Aber du sprichst : Man muß gleichwohl Ruhe has ben! Es ist wahr. Aber die Natur hat dieser Ruheges wisse Schrancken gefekt, gleich wie essen und trincken seis ne Zeit

hat. Diese Grånken überschreitest du ; du thust an Seiten der Ruhe zu viet, und an Seiten der Arbeit zu wenig, alles kommt daher, weil du dich selbst nicht recht liebeft; thâtest du dis, só würdest du deine eigene Nas tur hoch achten, und ihren Trieb gehorchen.

Andre Handwercker lassen sichs bey ihrer Arbeit Onauer

werden, daß sie darüber dürre und hager wers

Sie vergessen Effen und Trincken, und bringen ihr Leben

zu , bhne sich zu baden ; b) Und du macheft weniger Werck von deiner Natur , als ein Drechsler von feiner Kunft, als ein Tånger vom Tanke, als ein Geithals vom Gelde, als ein Ehrbegieriger von dem eia telni Ruhm? Diese Menschen wollen lieber ausführen was sie unter Handen haben, als essen oder schlaffen. Meinest du etwa , daß die Verrichtungen, fo zum gemeis nen Wohlftand erfordert werden, weniger Mühe und Fleiß verdienen?

teln a) Die Hatte bestimmet. Der Mensch ift zur Urbeit ge. gerrakte der

Vogel zum fliegen. Er ist auch nimmer rubi.

arbeitet. Die Mübiggånger felbft/guar. beiten fich/ tür eigenes Hetkeleid zu verfertigen. b) Und du inacheft weniger Werd ic. Der ståyfer mennt)

18 rey vernánfftig 7 wenigstens so viel Mühe auf unsere wahre Glückseeligkeit / als jene zum Sheilaufibre Unglückjdigkeit ju verwenden.

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II. Es ist nicht schwer, dich aller verdrieslichen Einbils dung zu entschütten, und dich also in eine völlige Zufries denheit zu stellen!

III. Glaube, daß du alles sagen, und thun måsfest, was deiner Natur anståndig ist, c) ohne um die Nachreden dich zu bekümmern, welche solches dir zuziehen kan. etwas gut, fo du zu reden oder zu thun vermagst, fo laß dich davon nichts abhalten. Deine Sadler haben ihre Absicht, und sie folgen ihren Bewegungen; darauf muft du nicht achten, sondern den geraden Weg fortgehen deiner ; und der ganzen Natur zu Folge. Beyde aber haben einerley Weg.

IV. d) Ich lauffeden Weg der Natur, biß ich mich zur Ruhe niederlege; da werde ich den Geist aufgeben in die Bande deß , von welchen ich ihn empfangen babe. Da wird mein Leib alsdenn wieder an den Ort kehren, daraus mein Vater und meine Mutter die

Sluts. c) Obne/um die Fachreden/dich zu bekommernt. Det

gleichen Standhafftigkeit fordert nod vielmehr das Christen. ttum. 2. Cor. VI.4-8. Durd böse Gerücht, und gute

Gerücht. sc. d) Wie anmuthig führet ihm Antoninus hie feinen Uhrsprung

ju Semåthe : Du bist Erde / und rolt zur Erden wer. den/ und wie demüthig erweiset sich hie ein mächtiger Råpfer indem er sich fast unwürdig ertennet / die Erde / als seine gåtto ge Wohltbåterin / mit Süssen zu treten,

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Bluts: Tropffen gezogen hatten, aus welchen ich gezeus get bin; und woher meine Anne die Milch empfangen, Damit sie mich gefäuget hat: An den Ort, sage ich, der mir von Gahr zu Jahr meinen Unterhalt gereichet, und welchen ich doch mit Füssen trete, und seine Gaben offt gemißbrauchet habe.

V. Kanst du dich durch deine Scharfflinnigkeit nicht in Hochachtung feßen? Gut! Es sind ja viele andere Dinge, davon du nicht sagen kanft : dazutaug ich nicht! Laß demnach , alles was in deinem Vermogen steht, blis cken: Die Aufrichtigkeit ; die Ernsthafftigkeit; die Ara beitsamkeit; den Haß der Lüfte ! Cable das Schicksahy nicht! begnüge dich mit wenigen ; fey fanfftmüthig und frey ; fliehe den Leberfluß und die Prahlereyen ; Sen aber in der That grosmüthig. Siehest du nun, wie viele Tugenden du darreichen kanst, ohne dein natürliches Unvermögen vorzuschüken? Und du beharreft doch wils lig bey der Niederträchtigkeit? Werden dich auch jes mahls deine natürliche Mängel zwingen , ju murren, eia gennůßig zu seyn, zu schmeicheln, die Schuld auf die Bea Tchaffenheit deines Leibes zu werffen, zu heucheln, groß zu thun ; oder in deiner Seelen auf und nieder zu fahren? Keines weges ! Vielmehr hättest du dich vorlängst von diesen Schwachheiten können loß machen. Da du aber dich selbst , eines harten und unfähigen Kopfs zu seyn, befundest ; hättest du diesen Mangel durch arbeitsame Uebung verbessern, und ihn nicht durch Nachláßigkeite vergråssern sollen.

VI. e) Es giebt Leute, welche, fo bald sie jemand einen

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6) Dieses (chine Capittel fan viele eigennükige Christen beschå.

MCR / und ihnen jur Erklärung der Worte unsers Heplandes

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