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ihren Wercken zulänglich. Sie entstehet aus ihrer eiges nen Quelle, und fliesset gerades Wegs auf ein gewisses Ende zu. Dannenhero werden folche ihre Wercke, die fie hervor bringt, Recht genannt, um dadurch die Rich, tigkeit ihrer Wege zu bezeichnen.

XV. o) Man muß nichts als des Menschen Eigens thum ansehen, als was ihm angehöret, in so weit er ein Mensch ist. Der Mensch verlangt es nicht; die mensche liche Natur erheischt es nicht ; Sie wird auch dadurch

; nicht zur Besserung geführet; auch besteht darin nicht

j der Endzweck der Menschheit ; oder das Bute so dem Menschen zu seinem Zweck bringen kan. Ware aber darinn etwas, das den Menschen als Menschen angins ge, fo-dorffte er solches nicht verachten, noch sich dagegen in achtmehinen. Waren es wahre úther, fo konte man diejenigen nicht loben, welche beweisen, daß sie dersela ben nicht bedürffig find'; fondern sich derselben freywillig begeben. Nun aber sehen wir im Gegentheil, diejenis gen vor die Tugendhafftesten an, welche sich dieser Art

Güter

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Menschen/und ihren guten Thaten. Wie man sich mit dem Zeugnis feines Gerviffens tróftet / wenn man obue krumme

Absicht thut/ was vernünftig und Recht ist. 0) Es ist zu verwandern/daß wir so gewisse Kennzeichen haben/

die wahren Güter von den falschen zu entscheiden/und dod so wenige gefunden werden / die sich darnach richten. Hie gibt Antoninus abermal ein doppeltes Kennzeichen derselben. Daß nemlich als falsche Güter anzufeben/welche die menschlio che Natur / das ist die Seele / nicht verbessern. Und über welche man fidh mit Olecht/ eine Ehre maden kan / diefelber großmüthig zu verachten. Keines von beyden lan von der Sugend gefaget werden/ darum ist diese ein wahres Gut. Beydes aber wird von olluft/Reidtbum / oder Ehre mit gutem Fug geurtheilet / drum sind dieseleine wahre Güter, Ung P) Daß das Unvollkommene. Antoninus wid hiemit fa.

Güter freymüthig entschlagen, und willig sind zu leiden, daß andere ihnen solche rauben.

XVI. Wie deine meiste Gedancken sind, so wird auch dein Gemüth beschaffen werden. Denn die Seele nimmt die Art der Gedancken an. Darum fårbe dieselbe beståndig mit diesen Vorstellungen : Allenthalben wo man leben kan, daselbst kan man auch glücklich leben! Nun aber les be ich am Hofe, so kan ich am Hofe auch glücklich leben! und abermahl: Daß jedes Ding geneigt sey das zu thun, worzu es erschaffen ist. Worju es aber geneigt ist, dass jenige ist sein Endzweck. Worin aber fein Endzweck bes stehet, Darin bestehet auch fein Nußen, und sein Gutes. Der Vortheil aber der vernünfftigen Creatur ist die Ges sellschafft. Denn oben ist bewiesen, daß wir zur Ges meinschafft mit einander gebohren sind. Es ist deutlich zu fchen, p) daß das Ünvollkommene um das Volls kommene, und das Vollkommenste, eines zu des andern Besten gemacht sey. Die lebendige Geschöpffe sind bef= fer als die Leblosen , inter denen Lebendigen aber haben die Vernünfftigen den Vorzug.

XVII. 9) Es ist thòricht, unmögliche Dinge verlangen: Und es ist unmöglich, daß die Bösen nicht thun folter, was sie thun.

XIIX. Es begegnet keinem nichts, welches er nicht folte ertragen können. Einem andern befällt ein gleiches

gen/ daß die Menschen-Liebe besser seg als die Geldófust oder Ehreglebe. Wie auch / daß man unter allen Menschen die

Vernünfftigsten am höchsten halten måste. g) Man kan nicht Trauben lefen von den Dornen/node

Seigen von den Pipeln.

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Fünftes Buch. 75 Unglück, und er weiß nicht einmahl, daß ihm folches bes gegnet ift: Ein ander bleibt unempfindlich, weil er feinen Müth und Standhafftigkeit will sehen lassen. O Schans de, wenn Unwissenheit und Hochmuthi stårcker als die Klugheit sind!

XIX. Kein Ding hat die Krafft an und vor sich unsre Sees te zu berühren. Es findet sich kein Eingang in die Seele. Sie kan auch von denDingen wederveråndert noch bemes "get werden. Denn sie ists allein die fich felbft bewegt und verändert. Die Zufale aber sind für ihr gut oder böse, nachdem sie selber davon ein Urtheil fållet.

xx. In einer Absicht sollen uns die Menschen lieb und "angenehm feyn ; in so weit wir nemlich verbunden sind

my ihnen zu dienen, und sie ertragen. In so weit sie aber mir an meiner Gebühr verhinderlich sind, fehe ich die Menschen gleich als andre r) Miscel-Dinge an: als

die Sonne, den Wind, das Vieh ; welche zwar die Gjes walt haben der Vollbringung eines Dings im Wege zu seyn, aber dennoch mein Verlangen oder Vorsag nie hintertreiben können, weil folches auf mich selbst ans kömmt. s) Denn unsere Gebancken verwandeln die Verhinderung felbst, in den Vorsak ein Ding so gut zu

verrichs 8) Als Mittel-Dinge. Das ist / obne fie deswegen zu hassen.

Denn es wäre wahamit die Sonne zu bassen weil sie in Sommer sticht / den Wind / weil er webet/ und den Wolff, weil er die Schaafe frist. Die Veruunfft schicket fich in diese

Weife / und beugt dem Schaden mit Slimpff vor. $) Penn unsre Gedanden. Die Vernünfftigen machen aus

den Zufäden ihres Lebens / was die Liebe der Selbst-Erhals tung ihnen an die Hand giebet. Geschicht nicht allezeit was fie woden / ro bemühen sie sich allezeit zu wollen was geschicht.

Damit befördera sie beydes ihre Ruhe / und andere núbliche 2!!!..Berde.

verrichten, als wir können. Auf solche Art wird die Hins derniß selbst eine Beförderung unserer Wercke, und was uns den Weg sperrete, öffnet uns die Bahn.

XXI. t) Verehre das Allervortrefflichste in der Welt! Diefes aber ist das Wesen so alles gebrauchet, und alles res giert. Verehre anbey Das Alleredelste in dir; welches mit dem ersten eine Verwandniß hat: Denn es bedienet sich aller Stücke daraus du zusammen gefeißt bist, und es regies ret Dein Leben.

XXII. Was u) der ganzen Stadt nicht schädlich ist, scha. det auch denen Bürgern nicht. Wenn Du Demnach mens nest, es geschehe dir unrecht, so bediene dich dieser Regel es zu erkennen : Ist die Stadt dadurch nicht beschadiget, fobin ichs auch nicht; ist sie beschädigt, so muß ich mich nicht entrůsten gegen den , der dieselbe beschadiget hat, fons dern ich muß *) Darthùn worin diese Beschädigung bestehe?

XXIII. y) Erwege zum öfftern die Geschwindigkeit, durch

welche t) Er will/ wir follen beydes vor GDtt und upr unfre Seeley cine

gebührende Liebe und Hochachtung hegen. ) Der gantzen Stadt. Durch diefe Stadt verstehet Antos ninus die Welt / ju deren Nußen alles gefchicht. Das also die Dinge / welche einem Theil derselben seinen schädlich zu

reyn/ der ganken Welt nůßlich find. x) Darthu. Jd muß die unartiger Menschen in der grossen

Welt-Stadt nicht hajfer / sondern ich muß ihnen vernünfftig zu Gemüth führen / daß sie durch ihre Bosheit sowohl wider ihre eigene Glüdfeeligkeit/ als wider die Natur aller Dinge ftreiten ; Das ist/ daß die Welt muß zu trůmmern geben/ 04.

fern das Böse gånßlich überhand nehme. y) Wir Chriften haben nicht allein den Trost/daßunfreTrúb.

fabl zeitlich und leicht, oder hinfliegend ift ; sondern mit

welche alle Dinge hingerissen werden : So wohl was ikund ist, als was annoch geschehen soll, ist wie ein fliefs fender Strohm : Alle Begebenheiten sind ein steter Wechsel, und ihre Ursachen die Veränderung. Du haft nichts dauerhafftes um und neben dir. Das Vers gangene auf dieser , das Zukünfftige auf jener Seite, ist ein unergründlicher Strudel, durch welchen alles vers schlungen wird. Ist denn das nicht ein Narr, der sich über solche vergångliche Dinge blåhet oder bekümmert? Klaget man auch über eine leichte Ungemåchlichkeit, die nicht länger als einen Augenblick Dauren fou ?

XXIV. z) Betrachte die ganze Natur, davon du ein kleis nes Stücklein bist; die gange Zeit, davon dir ein Augena blick zugetheilet ist; das Verhängniß, daran du einen gen ringen Antheil haft!

XXV. Jemand hat sich gegen mich versündiget? da fehe et zu! Er thut nach seinem Sinn. Ich aber handle nach Dem Sinn der allgemeinen Natur, und nach ihrer Vors schrifft, und darum thue ich iko, was meine eigene Natur erfordert das ich thun folt.

XXVI. Laß das befte Theil Deiner felbst, das ist die vors nehmste und edelste Eigenschafft deiner Seele , unem. pfindlich gegen alle Bewegungen des Fleisches seyn , fie mogen anmuthig oder schmershafft scheinen. Laß diea felbe sich nicht mit dem Leibe vermischen ; sondern sich in

j fich selber einschrencken, und den Gemüths: Beweguna

gen Wissen auch/daß sie eine unendliche/und über die Naf

sen wichtige Herrlichkeit wirdc. - Antoninus wil die Menschen durch diese Betrachtung zur

Erkäntniß ihrer Nichtigteit/ und folglich zur Demuth leiten.

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