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Deri, gedencke, daß der Lauff deines Lebens bald vollendet, und deine Amts- Verrichtung zu Ende sey. Besinne dich wie viel schönes du gefehen ? wie manche Lust oder Schmerßen du überwunden? wie viel eitele Herrlichkeis ten du verachtet? und wie vielen Uebelgesinneten du Gus tes gethan hast!

XXXIII.
g) Warum solten die unwissende und ungelehrte
Gemüther, eine geschickte und weise Seele beunruhigen?
welche ist aber eine geschickte und weife Seele? Die, wels
che den Anfang und das Endekennet, zusamt jener alles
Durchdringenden Vernunfft, welche die ganze Welt
durch gewisse Abtheilungen zu aller Zeit regieret.

XXXIV.
Ueber ein kleines wirst du eine Hand voll Asche, ein
Sobten-Gerippe, ein blosser Nahme, und vielleicht nicht
einmal ein Nahine seyn. Was aber ist ein Nahme?
Ein Gelaut, ein Thon! Ja, die Dinge so in der Welt
am meisten geachtet werden, was sind sie anders, als
Verwesung, und Eitelkeit ! beissende Hunde; spielende
Kinder; die bald weinen, bald wieder lachen?

Treue aber, und Schamhafftigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit , haben die Erde verlassen, und fich in Den Himmel zu wohnen begeben. Was ist es denn fo dich noch hier zurücke hålt? Sinds die Ergôklichkeiten? Ach! fie sind woandelbar und habe

nichts beständiges ! Deine Sinnen aber sind stumpff und geneigt eine falsche Vorstellung zu machen! Ists die Seele ? 3hre Lebenss

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Geister So entitelet dort der fcheltende Simei einen David nicht Denn er wujte bepbes / aus was Ursachen im diese Schmach justieß/ und was fie / Bufamtibren etter/ würs m für ein Ende nehmen

1 ET

.

Geister sind nur ein Dampffund Dufften deines Bluts.
Ist es das Vergnügen, unter deines Gleichen hoch anges
sehen zu seyn? das ist nur Eitelkeit!

Warum erwartest du denn nicht vielmehr, entwes
der deine Auflösung, oder Verwandelung, in stiller Rius
be ? Und was hast du indessen, biß diefer glückseelige Aus
genblick komme, anders zu verrichten, als die Götter zu
verehren, und denen Menschen Gutes zu thun. Sie zu
vertragen, oder dich ihrer zu enthalten. Alles aber was
sich auffer die

Grenzen deines Fleisches und Geistes befino
det, gehöret dirnichtan; und ist nicht unter deine Gewalt.

Ххху.
Du kanst immer glücklich seyn, Dafern du in allem
Deinen Thun und Dencken der Vernunfft zu folgen weist.
Denn siehe, hie haftdu ziren Dinge, welche die mensch,
fiche und vernünfftige Natur mit GDtegemein hat; Das
sérste: Daß fie durch nichts als sich selbst kan gestöhret
werden; Das Andere: Daß fie ihr Glück in der Meia
gung des Gemüths zum Guten ; und in der Ausübung desa
felben findet ; und daß sie dieses Das einzige Ziel ihres Vers
jangens lan seyn lassen.

XXXVI.
h) Iftes weder meiner Bosheit Schulb, noch ihe
rer Wirckung, daß dis oder jenes geschicht; wird auch
das gemeine Beste dadurch nicht verleget, was bekümmes
re ich mich denn weiter? oder was kan das gemeine We
fen- beschadigen?

XXXVIK
h) Wir leben oder sterben / so bleibt die Welt / Welt; und die

Natur bleibt Natur. Die Bosheit allein bemábet fich die
Natur ju verlegen, wenn sie das Böse gut / und das Gute bido
le heiffel. Dis beschädigt das gemeine Weren!

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XXXVII. Laß dich nicht leicht durch Deine Einbildung einneho men ; sondern erweise Deinem Nächsten alle mögliche und fchuldige Hülffe. Hat er etwa in Mittel-Dingen einen

Verlusterlitten, fo hůte dich zu glauben, daß ihm ein grosses Lend wiederfahren ser ; Denn das ist eine übele Bewohns heit. Mache es vielmehr ber solcher Gelegenheit wie jener Alte, welcher im vorüber gehen i) dem Knaben seinen Kräufel wegnahm, wohl wissend, daß es nur ein Kråufel fey.

Mache du es aucy also. Wilt du dir mit deiner Redner - Kunst ein Ansehen machen , mein Mensch? Dergiß nicht was du thuft ! ga sprichst du, ich weiß es wohl. Aber die Leute wollens Doch fo fein zierlich has ben! Must du denn darum ein Narr feyn, weil andre thòricht find?

XXXIX. Ein Menfch kan aller Orten glücklich fenn. Der Beisset aber glücklich, der ihm selbst das beste Cheit erweh. let. Das beste Theil aber ist, ein gut Gemüth, gute Sitten, gute Neigungen, gute Thaten I.

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1) Dem knaben. Wenn gleich die Kinder über ihren verlohr.

nen Kräusel weinen 1 so weiß der Vater doch 1 daß fie fich nur vergeblid über einen Sträufel gråmen. Die meisten Dinger worüber sich die Menschen belum mera/ find wie lener Kram Tel/ und ein ernfilides Kinder Spid.

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boni Des Römischen Käysers $Scarcus Nurelius Antoninus

Erbaulicher
Betrachtungen
Seoftes Buo.

I.
Asjenige a) moraus die Welt bestehet, istgehors

fam, und låft sich lencken. Die Vernunfft aber Fofo alles regieret; hat in sich keine Ursachen Böses zu thun ; denn sie hat in sich selbst nichts Böses; so thut lie auch nichts Bófes, und niemand wird durch sie verlegt. Vielmehr ist sie es, welche alles hervor bringet, anfånget, und vollendet.

II. Wenn du thuft was recht ist, so bekümmere dich nicht b) ob dich friere, oder ob du warm bist. Ob du fchläfrig seryst, oder ausgeschlaffen habeft; ob man Boa les oder Gutes von dir rede ; ob du stirbest oder etwas anders thust; Denn der Tod ist auch ein Werck unsers

Lebens; a) Dis ift/was Jacobus sagt: GOTT versucht niemand

zum Bören/sondern ein jeglicher wird versucht/wenn er von seiner eigenen Luft gereitet wird. Wenn gleich Die Ubweichung von GDTI 7 daß Bdse in die Welt bringeti

lendet es die Weißheit GDites dod zum guten Ende. b) Ob dich friere. Es wäre zu münschendaß man solche

Lente in der Welt nicht bungern, durften / und frieren lielse! Antoninus bewaffnet die leidende Frommen

mit dicfer Blo trachtung gegen den Undand.

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Lebens : und man kan sich bey allen Verrichtungen das mit begnügen, daß man wohl gethan hat, alles was man thut.

III. c) Siehe biß auf den innersten Grunb aller Ding ge; und laß dir weder ihre eigentliche Beschaffenheit, noch ihren Werth verborgen seyn,

IV. d) Alle gegenwärtige Dinge gehen schnell porus ber; und werden entweder in einen Dunft auffgetófet, fo anders ihr Wesen an einander hångt; oder sie bere fchwinden gang und gar.

V. Die allivaltende Vernunfft weiß was sie thut; Warum sie esthut; und mit was Materie sie umgehet.

VI. Die befte Weife sich zu rächen ist, Demn nicht ähnlich werden, der uns beleidiget hat.

VII. Laß es deine gråste Freude und Vergnügen seyn,oon einem guten Werck zum andern zu schreiten, und dadurch das gemeine Beste zu befördern; Doch also, daß du daben stets an GOtt gedenckest.

IIX. Es ist der gebietende Theil unserer Seele, so fich felbft reget und wendet,

auch beydes

aus ihr selber macht, was sie wil, und ihr selber alle Zufälle vorstellet, wie sie will.

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IX. c) Die Pharifeer gingen in denen langen und verbremten Rd đen, als Christus

ju ihnen {prad : Ihr Ottergesuchte! d) Die Feinde des Serren / wenn sie gleich sind wie eine

Baftliche Aue / werden sie dode vergeben, wie dek
Rauch vergehet. PP. XXXVII, 20.

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