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XXXVII. Laß dich nicht leicht durch deine Einbildung einneha men ; sondern eriveise deinem Nächsten alle mögliche und schuldige Hülffe. Hat er etwa in Mittel-Dingen einen

Verlusterlitten, fo hůte dich zu glauben, daß ihm ein grosses Lend wiederfahren sen ; Denn das ist eine übele Bewohne heit. Mache es vielmehr ben solcher Gelegenheit wie jener Ulte, welcher im vorüber gehen i) dem Knaben seinen Kräusel wegnahm, wohl wissend, daß es nur ein Kråufel sey.

Mache du es auch also. Wilt du dir mit deinet Redner - Kunst ein Ansehen machen, mein Mensch! Dergiß nicht was du thuft! Ja sprichi du, ich weiß es wohl. Aber die Leute wollens Doch fo fein zierlich har ben! Must du denn darum ein Narr seyn, weil andre thåricht find ?

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XXXIX.
Ein Mensch kan aller Orten glücklich senn. Der
Heisset aber glücklich, der ihm selbst das beste Cheit erweha,
ler. Das beste Theil aber ift, ein gut Gemüth, sute
Sitten, gute Neigungen, gute Thaten!

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Die

i) Dem Amaben. Wenn gleich die Kinder über ihren verlobre

nen Kräusel weinen / so weiß der Bater dod 1 daß fie fic nue vergeblich über einen Sträufel grånen. Die meisten Dinger worüber sich die Menschen belůmmera/ find wie fener Arama fel / und ein ernfiliches Kinder Spiel.

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One Ong Des Nómifchen Kávfers SScarcus Aurelius Antoninus

Erbaulicher
Betrachtungen
Seoftes Buch.

I.
Asjenige a) morgus die Welt bestehet, istigehors
famn, und låft fich lencken. Die Vernunfft aber

so alles regieret, hat in sich keine Ursachen Böses zu thun ; denn sie hat in sich selbst nichts Böses; fo thut lie auch nichts Bófes, und niemand wird durch sie verlegt. Vielmehr ist sie es, welche alles hervor bringet, anfånget, und vollendet.

II. Wenn du thufi was recht ist, so bekümmere didy nicht b) ob dich friere, oder ob du warm bist. Db du Tchläfrig serft, oder ausgeschlaffen habest; ob man Bos jes oder Gutes von dir rebe; ob du stirbest oder etwas anders thust; Denn der Tod ist auch ein Werck unsers

Lebens; a) Dis ift/was Jacobus sagt: GOTT versucht niemand

zum Bören/sondern ein jeglicher wird versucht/wenn er von seiner eigenen Luft gereitet wird. Wenn gleich die Ubweichung von GDTI 7 daß Bäre in die Welt bringeti

lendet es die Weißheit GDites doch zum guten Endea b) Ob dich friere. Es wäre zu wünschen, daß man solche

Lente in der Welt nicht bungern, durften / und frieren liesse ! Antoninus bewaffnet die leidende Frommen mit dieser Bea trachtung gegen den Undand.

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Lebens : und man kan sich bei allen Verrichtungen das mit begnügen, daß man wohl gethan hat, alles was man thut.

III. c) Siehe biß auf den innersten Grund aller Ding ge; und laß dir weder ihre eigentliche Beschaffenheit, noch ihren Werth verborgen seyn,

IV. d) Alle gegenwärtige Dinge gehen schnell vorůs ber; und werden entweder in einen Dunst auffgetófet, fo anders ihr Wesen an einander hångt; oder sie bere schwinden gank und gar.

V.
Die almaltende Vernunfft weiß was sie thut;
Warum siees chut; und mit was Materie sie umgehet.

VI.
Die befte Weise sich zu rächen ist, bem nicht ähnlich
werden, der uns beleidiget hat.

VII. Laß es deine gröste Freude und Vergnügen seyn, von einem guten Werckzum andern zu schreiten, und dadurch das gemeine Beste zu befördern; Doch also, daß du daber stets an GDtt gedenckeft.

IIX. Es ist der gebietende Theil unserer Seele, so sich felbft reget und wendet, auch beydes aus ihr selber macht, was sie wil, und ihr selber alle Zufälle vorstellet, wie sie till.

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IX. c) Die Pharifeer gingen in schönen fangen und verbremten Rd

den/ als Christus ju ihnen (prac: Ihr Ottergesuchte! d) Die Feinde des Erren / wenn sie gleich sind wie eine

kaftliche Aue :/ werden sie dodo vergeben/ wie der Bauch vergehet. Pf. XXXVII, 20.

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IX. e) Alles richtet sich nada der allgemeinen Natur; und nicht etwa nach einer andern, die entweder von aussen etwas begreifft, oder von innen begriffen wird, und als eix Unhang baju ftoffet.

X. f) Entweder ist die Welt eine unordentliche Vers fammlung solcher Stücke, welche sich ohngefehr vereiniger haben, um von ohngefehr wieder getrennet zu werden; oder fie ist etwas, fo durch eine Verfehung ordentlich zusammen gefasset und vereiniget worden. Ist das erste wahr, wars um verlange ich denn in dem Zusammen-Fluß so vieler Uns reinigkeiten unter so grosser Verwirrung

langer zu verweis len? Solte ich nicht wünschen, je eher je lieber in Staub auffgeldset zu werden? Ja, was beunruhige ich mich? Ich fange an was ich will, diese Verwesung muß mich endlich treffen! Sft aber das Lekte wahr, so bete ich den Urheber meines Wesens an; ich warte seiner unverdcoffen, und fer de all mein Vertrauen auf ihn!

XI. g) Wolten gervisfe Umstånde dich zwingen, ung

ruhig c) Alles richtet sich. Antoninus wid sagen / diejenige Na.

tur/ welche die Welt erschaffen bat / ist allein fåhig die Welt

zu regieren. f). Entweder ist die Welt. Antoninus redet dieses nicht

aus Zweifel / denn er hat anderwerts berpiefen/ wie gewiß er in seiner Meynung sey; sondern er tråget beyde Meynungent por / To wohl der Epicurer / welche alles denen blinden Zufäl. Imn zuschreiben/ als der Stoicker / welche erweißlich madjekt daß die Welt durch GDttes Verfehung regieret werde; Welther Meynung man auch beypflichter so habe man doch urface ju frieden zu seyn. Wolten gewisse Umstande.Die meisten Dinge so uns beunruhigen können sind auffer uns. Wenn wir uns demnady

ruhig zu feyn ? Kehre alsobald wieder in dich selbst, und begieb dich nicht ohne Noth aus dem Tackt. Die beste Weiße aber, sich in dieser Harmonie oder Tadt zu erhals ten, ist, offt wieder hinein treten.

XII. Håttest du zu gleicher Zeit eine Stieff - Mutter, and eine rechte Mutter, du würdest jene zwar verehren aber zu dieser dich doch am meisten halten. Deine Stieffs Mutter ist der Hoff ; Deine Mutter ist die Weisheit. Saltedich an dieser; ruhe in ihren Schooß; Sie wird machen, daß dich der Hoff vertragen kan , und du den Hoff!

XIII. Wie man von den Speisen urtheilet und sagt: Dis ist von tobten Fischen ; jenes von getvůrgten Vögeln oder Schweinen ; und vom Phalerner Wein ; es ist der Safft einer solchen Traube ! und vom Purpur ; es ist Schaafs-Wolle, mit Schnecken-Blut gefärbet! oder vom Benschlaff; es ist das an einander reiben gewife fes Eingeweides , samt der Aussprikung einiger Fåule! Wie man, sage ich, auf diese Art den rechten Grund, und das Wesen eines jeden Dinges untersuchet, um zu erkennen was es fer : Also folte man im ganzen Leben verfahren.

Absonderlich, mrenn solche Dinge, denen man den höchsten Werth in der Welt andichtet , sich unserer Eins bildung vorstellen, solte man felbe gleichsam gank nas cend ausziehen, um ihre Geringfähigkeiten zu entdecken. Man folte ihnen den Fürniß abstreiffen, so der gemeine

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Ruff mit unser Furcht oder Verlangen / an dieselben bången/ro begeben wir uns gleichsam aus dem Sadt ; das ist/ wir schweiffen aus uns selber / und unterbrechen die Harmonie oder Uebereinstimmung / Darin unser Bille mit dem Billen unsers Schöpffers stehen solte.

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