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IX. e) Ades richtet sich naca der allgemeinen Natur; und nicht etwa nach einer andern, die entweder von aussen etwas begreifft, oder von innen begriffen wird, und als eix Unhang baju ftoffet.

X. f) Entweder ist die Welt eine unordentliche Vers fammlung solcher Stücke, welche sich ohngefehr vereiniget haben,um

von ohngefehr wieder getrennet zu werden; oder sie ist etwas, fo durch eine Verfehung ordentlich zusammen gefasset und vereiniget worden. gst das erste wahr, wars um verlange ich denn in dem Zusammen-Fluß so vieler Uns reinigkeiten unter fo grosser Verwirrung långer zu verweis len? Solte ich nicht wünschen, je eher je lieber in Staub auffgeldset zu werden? ga, was beunruhige ich mich? Ich fange an was ich will , diese Verwesung muß mich endlich treffen! Sft aber das Lebte wahr, so bete ich den Urheber meines Wesens an; ich warte seiner unverdroffen, und fes be all mein Vertrauen auf ihn!

XI. g) Wolten gervisse Umstände dich zwingen, uns

ruhig e) Alles richtet sich. Antonings wid sagen / diejenige Na.

tur/ welche die Welt erschaffen bat / ift allein fåhig die Welt

ju regieren. f). Entweder ist die Welt. Antoninus redet dieses nicht

aus Zweifel i denn er hat anderwerts bewiefen/ wie gewiß er in seiner Meynung fey; sondern er tråget beyde Meynungen por / ro wohl der Epicurer/ welche aules denen blinden Zufal. Im zuschreiben/ als der Stoicker / welche erweißlich madeni daß die Welt durch GDttes Verfehung regieret werde; Wel. eher Meynung man auch begpflichter so habe man doch Urface ju frieden zu feyn. Wolten gewisse Umstande. Die meisten Dinge so uns beunruhigen können sind auffer uns. Wenn wir uns demanady 84

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ruhig zu feyn ? Kehre alsobald wieder in dich selbst, und begieb dich nicht ohne Noth aus dem Tackt. Die beste Weise aber, sich in dieser Harmonie oder Sackt zu erhals ten, ist, offt wieder hinein treten.

XII. Håttest du zu gleicher Zeit eine Stieff - Mutter, and eine rechte Mutter, du würdest jene zwar verehren, aber zu dieser dich doch am meisten halten. Deine Stieffs Mutter ist der Hoff ; Deine Mutter ist die Weisheit. Haltedich an dieser; ruhe in ihren Schooß; Sie wird machen, daß dich der Hoff vertragen kan , und du den Hoff!

XIII. Wie man von den Speisen urtheilet und sagt: Dis ist von tobten Sifchen ; jenes von gewürgten Vögeln oder Schweinen ; und vom Phalerner Wein ; es ist der Safft einer solchen Traube ! und vom Purpur ; es ist Schaafs-Wolle, mit Schnecken-Blut gefärbet! oder vom Benschlaff ; es ist das an einander reiben gewiss fes Eingeweides , samt der Ausspritzung einiger Faule! Wie man, sage ich, auf diese Art Den rechten Grund, und das Wesen eines jeden Dinges untersuchet, um zu erkennen was es fery : Also folte mian im ganken Leben verfahren

Absonderlich, trenn solche Dinge, denen man den höchsten Werth in der Welt andichtet , fich unserer Eins bildung vorstellen, folte man felbe gleichsam gank nas dend ausziehen, um ihre Geringfähigkeiten zu entdecken. Man folte ihnen den Fürniß abstreiffen, so der gemeine

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Ruff mit unser Furcht oder Verlangen / an dieselben bången/lo begeben wir uns gleichsam aus dem Sadt; das ist/ wir soweiffen aus uns felber / und unterbrechen die Harmonie oder Uebereinstimmung/ darin unfer Bille mit dein Willen unsers Schöpffers stehen folte.

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Ruff ihnen angestrichen hat; Betrügerischer Hochmuth! was follen mir deine Larven? Sie bezaubern uns am ecs sten, wenn wir sie einer Bemühung werth achten. Ges dencke demnach daran, h) was Crates felbft von dent Xenocrates gefaget hat!

XIV. i) Der Pöbel beroundert mehrentheils zweyerler, Hemlich die Dinge welche einen Nutzen ober Ansehen has ben; als Steine, Holk, Feigen-Bảume, Wein-Stos che, Dehl-Bäume ; deren Sinn aber ein wenig höher geht als des Pöbels, die neigen sich zu dem, was lebet, und die Heerden von allerlen Vieh werden von ihnen hoch geschåket. Die, fo noch måßiger als jene sind, bes wundern allein die vernünfftige Seele ; nicht zwar die allgemeine, sondern die, welche eine Erfinderin der Küns steist, und befleißigen sich dieselbe mehr und mehr auszus arbeiten; auch schåken fie fich felbst glücklich, wenn sie

viele

h) Was Crates vom Xenocrates gesagethat. Xenocra•

tes war ein Weltweifer/von einer roftrengen Ernsthafftigkeit/ daß er darüber gar zum Sprichwort worden : 600 ernste baffter als Xenocrates. Crates/ein anderer Belfer un tersuchte diese Ernsthafftigkeit/ und fand/ daß fie den Hoch. muth jumGrunde batte/auch daß fie lauter gewaagenesWe. fen fen. Antoninus wil uns hiemit warnen / daß wir uns nicht durch den åufferlichen Schein“ der Dinge bezaubera

taflen. i) Der Pöbel xc. Die menschliche Verwanderung bat gleich,

sam vier Stuffen: Die erste hålt sich auf bey den leblosen Din. gen/und betoundert ehe ein sydnes Kleid/ als eine schöne Se. ftalt. Die andere hånget sich an dem was lebet/ und beroun. bert ehe ein schönes Angesicht, als einen wißigen Kopf. Die dritte verliebet fich irreinen hurtigen Kopf und seine finureide Erfindungen/ gedenckt aber nicht viel an Sott. Die vierdte fiehet als die höchste Dolfоmmenheit an / nicht so wohl das man Vernunfft habe, sondern daß man die Bernunft zur Core GDites gebrauche.

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viele Diener haben; derjenige aber welcher k) die alges meine veruünfftige Seele gebührend serehret, feßet alles andere hindan, und bemühet sich einzig und allein, daß Feine Seele in folchem Stande fesy, damit sie der Ver. nunfft gehorche, und ihre Wirckungen, in Gemeinschafft aller andern Seelen, davon sie eine Gefellin ist, aufs ges meine Beste richte.

XV.
Etliche Dinge eilen zu feyn ; etliche eilen, daß fie
nicht mehr mogen seyn; und ein grosses Theil desfem soges
genwårtig, ist bereits vergangen. Dieser beståndige

Wechsel verneuert die Welt Der immer lauffende
Fluß der Zeiten, zeuget durch seine Augenblicke neue
Secula.

Wer wolte demnach in diesem schnellen Strohm stille stehen, oder sich aufhalten, feine Hochachtung auf Dem, was vorber rinnet, zu werffen? Es wäre eben fo viel, als einen Vogel anfangen zu lieben, indem er voce ůber fleugt, welchen wir erblicken, und zugleich aus dem Gesicht verlieren.

Dis ist das Ebenbild unsers Lebens. Es ist ein Dampff des Geblüts ; und eine gehauchte Lufft

. Wie wir nun dadurch leben, daß wir die Lufft alle Augenblicke an uns ziehen, und wieder aushauchen, also ist das Sters ben nichts anders, als diesen Ddem, welchen wir gestern und heute geholet haben, in die Hände des aufgeben, wors aus wir ihn geschöpffet hatten.

XVI. 1) Es ist keiner Hochachtung werth, daß wir duf

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ten;

k) Die allgemeine vernünfftige Scele. So nennet 2n.

toninus GOtt an diesem Ort 7 nach Art der Heydnischen

Weltweisheit. 1) Antoninus will in diesem schonen Capittel zeigen/theils/vor:

in des Menschen Vorjug vor andre Geschöpffe nicht beftehe ;

ten; denn das haben wir gemein mit den Gewachsen; nicht daß wirathemen, denn solches thun auch die Thiere; nicht daß wir eine Einbildung haben, die fähig ist den Eing druck unterschiedlicher Vorwürffe anzunehmen; nicht, daß wir ihrem Triebe folgen z nicht, daß wir mit einander leben, noch daß wir Speise zu uns nehmen, und wieder, von uns geben.

Was verdienet Denn eine Hochachtung? Etwa die Ehre ? Nein ! das Lob ? Nein! Denn der Zuruff des Póbels, ist nichts

als ein

verwirrtes Getösse, verursachet durch die mannigfaltige Bewegung der Zungen. Sol ich aber den Ruhm verläugnen, was bleibt denn übrig? das hoch zu schaken wåre ?

Es ist, wie ichvermeyne, fich seinem Wesen gemäß aufführen, und alle deffelben Pflichtvollbringen. Sol, ches lehren uns alle Handwercter und Künstler. Wir sehen, daß sie sich bemühen, ihre Arbeit so zu machen, daß ihre Wercke mit der Absicht übereinstimmen, warum sie selbe angefangen haben. So ist der Zweck des Weins Bártners, den Wein Berg bauen; des Bereuters, das Pferd ; und des Gågers , den Hund abzurichten ; wohin Bielet die Aufferziehung der Kinder ? Dis nenne ich hochs fchåkbar!

Bist du einmahl von dieser Wahrheit überzeuget, so wirst du dich nicht bemühen die übrigen Dinge zu ers haschen. Aber, darff man sie deswegen nicht hoch schås Ben? Du wirft m) weder freymüthig, noch mit die felbst zu frieden, noch ohne Bewegung seyn, Dafern du

felbige theils / worin er beftehe/ damit also ein jeder deutlid feben

mdge / was seine Pflichtfen. m) Weder freymüthig. Die unorbentliche Liebe eines ver.

gånglichen Dinges/e8 heisse fo herrlich als es immer fan wird den Menschen mit fteter Unruhe erfållen / wie folches deutlich im folgenden gezeiget wird.

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