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XXII. Ich thue was meine Schuldigkeit ist, und lassemich nichts anfechten, oder beunruhigen; denn es sind ents wieder leblofe, oder unvernünfftige Dinge, oder solche die da irren, und den rechter Weg nicht wissen.

XXIII. Bediene dich der Thiere, und insgemein aller an, Dern dir vorkommenden Dinge, mit einem edlen und frera en Wik, wie ein vernünfftiger Mensch das, fo keine Vers nunfft hat, gebrauchen foll; Mit vernünfftigen Menschen aber , gehe nach den Gefeßen der Gesellschafft um; vor

als Ten Dingen unterlaß nicht, GOTT in allen deinen Thai ten anzuruffen, und bekümmere dich nicht, wie lange du solches thun werdefit; drey Stunden des Lebens in diesem Zustand zugebracht, 9) sind genug!

XXIV. Der Grosse Alexander , und fein Efel-Treiber, find nach ihrem Tode in gleichem Zustand gerathen. Entweder sind sie zu einerley Ursprung aller Dinge wies dergeführet ; oder sie sind einer wie der andere in Staub und Asche auffgeloset worden.

XXV. Betrachte, wie viel Dinge zu einer Zeit, ja in dema felben Augenblick in deinem Leibe , und in deinem Gemüthe vorgehen; So wirst du vich nicht verwundern , über die unterschiedlichen Begebnisse, welche zu einer Zeit in der weiten Welt sich ereignen.

XXVI. Wenn jemand dich fraget, wie das Wort antos Minus geschrieben wird, wirst du auch mit Hefftigkeit als le Buchstaben hersagen? und wenn er sich darüber entrůs stete, würdest du auch wieder zůrnen? Wirst du nicht viels mehr fortfahren, alle Buchstaben ganz geruhig einen nach den andern zu nennen? Erinnere dich hieben, daß es mit ala len r) Pflichten unsers Lebens eine gleiche Bewandniß habe; die Erfüllung einer jeglichen vererfelben, bestehet in einer gewissen Zahl von Verrichtungen. Diefe must du alle wahrnehmen, und deinen Weg gerade fortgehen, ohne dich zu bekümmern, oder gegen die zu zůrnen, welche sich wider dich erbossen.

ple 9) Sind genug. Er faget nicht / daß iin gantzen Leben genug rey, dren Stunden zu beten ; fondern / daß es unfre Pflicht

l sep / obue Unterlaß unser Gemüth w Sott'ju erheben.

XXVII. s) Ssts nicht eine Grausamkeit, denen Menschen nicht vergånnen wollen, daß sie solchen Dingen nachhans gen, welche ihnen nüglich und anståndig vorkommen? Du hast aber das Ansehen, als ob du ihnen dieses nicht zulassen wolleft; Indem du dich gegen sie entrůstest,wenn sie fündis gen; Sie meynen daß sie auf dem Wege zu ihrem Gut find. Du sprichst: Sie betriegen fich! beffere fie demo nach, und zeige ihnen, worin sie fehlen, ohne auf sie zornig zu werden.

XXIIX. Der Tod ist das Ende des Krieges, welchen unfre Sinnen unter einander führen. Er ist die Ruhe aller widrigen Bewegungen, so die Begierden in uns erres

gen; r) Pflichter. Der Nahme Antoninus ist nicht volftåndig,

wo er nidyt mit allen seinen angehörigen Buchstaben geschries ben wird ; und unfre Pflicht wird nicht vollbracht/

daferne wir eine einßige unterlassen. Wie ein Nahme aus unter: schiedlichen Buchstaben/so besteher das Gesek aus unterfdjieda lichen Geboten : Wer in einem fehlt 7 der ist des gans

Ben schuldig. Jac. II. 10. .) Antoninus verbietet nicht/ die kaster ju beftraffea ; sondern

er tabelt die Art und Weise / wenn solches mit blinder Gifa fucht/ und ohne Vernunfft geschicht,

Buen Leib.

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gens Er ist der Fener-Tag aller Bekümniernůß des Geis stes, und der Sorgfalt

. t) Es ist eine Schande, daß unsre Seele ermüdet, da der Leib nicht ermüdet.

XXX. Hüte dich, daß du nicht u) aus der Art schlageft, und ein Tyrann werdest. Nimm diese Farbe nimmer an; sie hafftet gar zu leicht! vielmehr verbleibe schlecht, und recht, fromm, ehrlich ernsthafftig ohne Stolg;

ņ ein Freund der Gerechtigkeit, gottsfürchtig, lieblich, freundlich, beståndig in Erfüllung

deiner Pflicht. Stres be mit allem Fleiß dahin, ein solcher zu werden, wie dich die Weisheit machen will. fürchte die Götter ; befors dere die Wohlfarth der Menschen; das Leben ist kurk! aber die einzige Frucht dieses irrdischen Lebens ist die Heis ligkeit, und die guten Wercke. Súhre dich allewege x) als ein Schüler des Antoninus auf.

Erins ) Es ist eine Schande. Der Reib ermüdet nicht so bald in

feinen Berrichtungen/als die Seele in Ausübung der Tugend.
Diese Nachláßigfelt war ichåndlich, wenn das Fleisch den
Seift überwindet ; oder wenn der Leib mehr Bemühung in
Erjagung eines nichtigen Senians blicken låsset, als die See.
te/in Ausübung des Guten.
Alusder Art fohlageft. Im Sriechischen steht ein Worti
welches so viel be:fset/ als / båte dich/ daß du nicht wie
Cesar gesinnet werdest. Wahrlich dieser Mann hat
durch seine tückische Sitten, der Römischen Herrlichkeit den

letzten Stoß gegeben.
x) Als ein Schåler des Antoninus. Unser Råpfer beschrei.

bet hie abermal seinen Pflege. Pater / und Vorweser im Reid / Antoninus den Frommen. So groß war seine Dandbarkeit gegen ihm/daß er seiner zwepmal mit dem hdcho

sten Ruhm gedencket ; und so demüthig war feine Tugend* Biebe/ daß er fich denjenigen jum Mufter der Nachfolge vor. Erinnere dich seiner Beständigkeit in allen rechta måßigen Dingen. Seiner Gleichmüthigkeit, seiner Heis ligkeit; der Freudigkeit feines Angesichts ; feiner Holds feeligkeit ; feiner Verachtung der eiteln Ehre; feines ars beitsamen Fleisses; welcher nie etwas vorbey gehen ließ, ohne es wohl untersucht, und recht begriffen zu haben. Stelle dir vor, wie gedultig er die Klagen anhårete; fo man mit Unfug wider ihn führete ; wie er sich hütete, eta was mit Uebereilung zu verrichten ; mit was Verachs funger die Verläumdung abtieß ; und wie genau er ficy aller Sitten und Thaten erkundigte. Er war nicht tas delsüchtig, nicht furchtsam, argwöhnisch, oder ein Heuche fer: Weder sonderlich in feiner Wohnung, noch in seis

, nen Speisen, Betten, oder Kleidern. Er war leicht zu bedienen, er liebte die Arbeit, war langfam zum Zorn, aß wenig ; und konte von Morgen biß am Abend

in der Nath-Stube seyn, ohne feiner Nothburfft wegen einen Abtritt zu nehmen. Dazu hatte er auch eine bestimmte Stunde. Vergiß die gleichmüthige Beftändigkeit feis ner Freundschafft nicht; noch, wie gern er vertrug, daß man sich seiner Meynung widerfekte ; und mit was Ver's gnügen er die anhörete, fo ihn eines bessern unterrichteten!

Endlich erinnere dich, daß er gottsfürchtig war, ohne Aberglauben; und bemühe dich, ihm in allen seiner Eigenschafften gleich zu werden, damit dich deine lekte Stunde in fo guter Bereitschafft finde, wie sie ihn ans traff!

XXXI. y) Wache auf, ertuntre dich, und erkenne , daß

alles, Kelet / weløen er würcklich an Weisheit und Fróumigkeit

übertraff 7) Der weist Kåpfer wendet auch die geringsten Zufale feibes te

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alles was dich bekümmert nur ein Traum ist. Ermuns tre dich, sag ich noch einmal,

und fåle von allen Begebs nissen deines Lebens, eben dasselbe Urtheil, wie von diesem Draum.

XXXII. Ich z) bin aus Leib und Seele zusammen geseket. Meinem Leibe ist alles gleich, denn er kan keinen Unters scheid machen. Meiner Seelen ist auch alles einerley, was nicht ihre eigene Wirckungen sind. Diese aber stehen alle bey ihr selber. Unter denenselben aber beschaffs tiget sie sich mit keinen andern, als mit

denen Gegenwårs tigen; die Vergangenen oder Zukünfftigen, find ihr als le gleichgültig.

XXXIII. Weder die Füsse, noch die Hände , arbeiten über die Masle, so lange der Fuß rhut was des fusses ist, und die Hand was der Hand zukommt. So ists auch mit dem Menschen, in fo weit er ein Mensch ist, beschaffen. Er hat keine Ueberlast a) indem er die Pflicht eines

Mens bens zu seiner Verbesserung an. Er erwachet von einem ver. drieblichen Traum ; und freuet sich / daß es nur ein Traum gewefen. Alsobald gedendet er an den Betrug der menschli. den Fantafey/welche auch die Wachenden vom Sdmerk und von der Luft träumen macht; So fich aber das Auge des Vere ftandes dfinet / und das Licht der Bernunfft auf die Schatten falt, so verschwindet der Betrug / und man findet, daß die

Puft oder der Schmerfrein Spiel der Einbildung gewesen sey. z) Antoninus wid in diesem Capittel die Befümmernig entwe.

der ums vergangene/oder zukünfftige férftreuen / und uns wic Salomo/lehren/daß wir sollen in den gegenwärtigen någli.

den errichtungen unser Vergnügen fuchen. a) 3ndem er die Pflicht eines Menschen verrichtet. Die.

felbe aber zu verrichten / tan ihn nichts hindern/ so lange er sich als ein vernünfftiger Mensch aufführen wil: Salomon Bat vorber gefeben/daß alles, was wider diese Pricht einge. wand werden kan nidiswürdig fep. Sprüchm. XXIV, 12.

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