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verherrlichen. In dieser politischen Absicht steht auf der sog. Nebo-Statue Adadniraris geschrieben: „Auf Nebo vertraue, auf einen andern Gott vertraue nicht.“ 1

Der Text (K. 1285) enthält ein Gebetsgespräch 2 zwischen dem König Asurbanipal und dem Gotte Nebo unter Assistenz eines Priesters 3.

Asurbanipal. „(Ich preise) deine Herrlichkeit, o Nebo, in der Versammlung

der grossen Götter, Auf daß meine Feinde mein Leben nicht in ihre Gewalt

bekommen; Im Tempel von Nineveh bete ich zu dir, o mächtiger

unter den Göttern, seinen Brüdern: [. .... mich] Asurbanipal für alle Zukunft: Ich werfe mich nieder zu Nebos Füßen: [Verlaß mich nicht] o Nebo, in der Menge meiner Feinde.“

. Nebo. „Ich bin mit dir, Asurbanipal, ich, der Gott Nebo, bis in

alle Ewigkeit.

1) Es mag gelegentlich auch vorgekommen sein, daß die monarchische Hervorhebung einer Gottheit Modesache war. Auch ist es menschlich natürlich, daß man sich in der Anrufung einer einzelnen Gottheit starker Hyperbeln bediente. Wenn aber King, Babylonian Magic XXIII sagt: „Bei Anrufung einer Gottheit hielt man sich in seinen Äußerungen nicht an eine genaue Theologie; jede Gottheit, deren Hilfe man aufsuchte, auch eine unbedeutende, war in diesem Augenblick eine der größten. Zwar die größeren Götter wurden für ihre besonderen Künste und Eigenschaften gerühmt, aber die geringeren Gottheiten teilen mit ihnen die höchsttönenden Beziehungen - wohl eine Vorsicht, sich auf jeden Fall die Gunst der angerufenen Gottheit zu sichern _" so kann ich diesem Urteil in seiner Allgemeinheit nicht beistimmen.

2) Vgl. zur Form das Gespräch zwischen Jahve und dem Propheten Micha Kap. 6.

3) Übersetzung aus meinem Artikel Nebo in Roschers Lexikon der Mythologie; 8. jetzt auch Jastrow, Religion Babyloniens I, 442 ff. Text bei Craig, Rel. Text I, S. 5f. Die Überschriften sind von mir hinzugefügt.

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Deine Füße erlahmen nicht, deine Hände ermatten nicht,
Die ....... deiner Lippen erschlaffen nicht im Gebet vor mir;
Deine Zunge ............ deiner Lippen.
Wenn ich freundliche Worte zu dir richte,
So will ich aufrichten dein Haupt, will deine Gestalt empor-
richten im Tempel Bit-Bašmaš.“

Der Priester.
Nebo hat gesagt: „Dein Mund verkündet Gutes,
Wenn er anfleht die Göttin Urkitu –
Deine Gestalt, die ich geschaffen habe, flehte mich an um

.... im Tempel Bit-Mašmaš,
Dein Geschick, das ich gemacht habe, flehte mich an also:

daß ich dich zurückführen möge in den Tempel der

Königin der Welt;
Deine Seele flehte mich an, also: mache lang das Leben

Asurbanipals'.“
Niedergesunken auf seine Knie betete Asurbanipal zu Nebo

seinem Herrn:
„Ich preise (?) dich, Nebo, verlasse mich nicht, mein Leben

ist geschrieben vor dir, meine Seele vertraut sich

dem Busen der Beltis. Ich preise (?) dich, o Nebo, du Mächtiger, verlasse mich

nicht inmitten meiner Feinde.“ Da antwortete ein zâkiku-Priester vom Angesicht des Nebo

seines Herrn (und sprach):
„Fürchte dich nicht, Asurbanipal, langes Leben will ich dir geben,
Günstigen Hauch für dein Leben will ich dir versorgen,
Mein Mund spricht Gutes und wird dir gnädig sein in der

Versammlung der großen Götter.“
Es öffnete seine Hände Asurbanipal und betete zu Nebo,

seinem Herrn,
Der die Füße der göttlichen Königin von Nineveh erfaßt

hat, möge nicht vernichtet werden in der Versammlung der großen Götter,

Nebo als summus deus.

31

Der unter dem Schutze der Urkitu steht, möge nicht ver

nichtet werden in der Menge seiner Feinde: „In der Menge meiner Feinde verlasse du mich nicht, o Nebo, In der Menge meiner Gegner verlasse du meine Seele

nicht.“

Nebo. „Klein warst du, Asurbanipal, als ich dich überließ der gött

lichen Königin von Nineveh,
Schwach warst du, Asurbanipal, als du saßest auf dem

Schoße der göttlichen Königin von Nineveh,
Du hast von den vier Brüsten, welche dir in den Mund

gesteckt waren, aus zweien gesogen und in die zwei

anderen vergraben dein Gesicht — Deine Feinde, Asurbanipal, werden wie Salz vor dem Wasser

vergehen, wie ..... im Jahresanfang (?) ..... zu deinen Füßen, (Weil) du Asurbanipal, stehst vor den großen Göttern, zu preisen

Gott Nebo.“ Aus der ersten und letzten Zeile geht hervor, wie man sich die hyperbolische Verehrung bez. Monolatrie einzelner Gottheiten dachte: der Betende steht wie ein Rhapsode unter den olympischen Göttern und preist seinen Schutzgott.

Mit demselben Recht, mit welchem im Stierzeitalter Marduk die Rolle eines summus deus zukam, wurden im Zwillingszeitalter Mondgott und Sonnengott zu „höchsten Göttern“ erhoben. Mond und Sonne sind die Zwillinge! Aus den Kultstätten des Sonnengottes (Sippar, Larsa) ist uns bis jetzt verhältnismäßig wenig bekannt? Etwas mehr wissen wir von dem Kultus des Sin, der im südbabylonischen Ur und im mesopotamischen Harran seine Hauptkultorte hatte. Ein Hymnus auf Sin von Ur (S. 20 f.)

1) ATAO 20.
2) Nur die Funde einer kleineren Ausgrabung in Sippar liegen vor.

Mondgott. Sonnengott. Ištar.

zeigt, daß in Ur mit dem Kult des Mondgottes besonders tiefsinnige religiöse Gedanken verbunden waren?.

Einen hohen religiösen Gedankenflug zeigen auch Hymnen auf Ištar, die Himmelskönigin und Muttergöttin2

Der Priester.
Licht des Himmels, das wie Feuer auf Erden entflammt,

bist du,
Ištar, wenn du auf Erden auftrittst (d. h. erscheinst),
Die du gleich der Erde prächtig bist,
Dann grüßen dich segnend die Pfade der Gerechtigkeits.
Wenn du eintrittst in das Haus der Menschen,
gleichst du dem Tiger, der zum Raube eines Zickleins

bereit steht,
dem Löwen, der auf den Gefilden einberschreitet;
Sturm-Jungfrau ist Ištar, Zierde des Himmels,
Mit dem Glanze eines funkelnden Edelsteins ausgestattet bist

du, Zierde des Himmels,
Schwester des Sonnengottes, Zierde des Himmels.

Ištar.
Um Vorzeichen in Fülle zu geben, trete ich auf, kraftvoll

trete ich auf,
Mit meinem Vater Nannar (Sin), um Vorzeichen in Fülle

zu geben, trete ich auf, kraftvoll trete ich auf, Mit meinem Bruder Samaš, um Vorzeichen in Fülle zu

geben, trete ich auf, kraftvoll trete ich auf,

1) Hommels Schlußfolgerungen, die in dem Mondkult ein Zeugnis für babylonischen Monotheismus und eine Vorstufe des israelitischen Monotheismus erkennen wollen, vermag ich mich nicht anzuschließen, s. bereits oben S. 5 und vgl. ATAO 21, Anm. 2; 33, Anm. 6.

2) Vgl. mein Izdubar Nimrod (Leipzig, B. G. Teubner 1891) 61 ff., Jastrow, Religion S. 530.

3) D. h. die auf rechten Pfaden einhergehen, vgl. dieselbe Wendung im Sonnenhymnus IV R 17, 14a. Man wird unwillkürlich an die 1. Sure des Koran erinnert. Vgl. auch Ps 1.

Ištar als höchste Gottheit.

33

mein Vater Sin hat mich eingesetzt, um Vorzeichen in Fülle

zu geben, trete ich auf, am glänzenden Himmel, um Vorzeichen in Fülle zu geben,

trete ich auf, kraftvoll trete ich auf, Unter Jauchzen ob meiner Glorie, unter Jauchzen ob meiner

Glorie, unter Jauchzen gehe ich, Ištar, erhobenen Hauptes einher. Ištar, die Göttin des Abends bin ich, Ištar, die Göttin des Morgens bin ich – Ištar, welche öffnet das Schloß des glänzenden Himmels,

(das ist) meine Glorie! die den Himmel niedertritt und die Erde erschüttert –

(das ist) meine Glorie! — den Himmel niedertretend, die Erde erschütternd – (das ist) meine Glorie!

Der Priester. Wenn sie am Damm des Himmels aufleuchtet, wird ihr Name

gepriesen unter den Leuten — (das ist) „meine Glorie!“ Als Königin des Himmels oben und unten soll sie verkündigen: – „meine Glorie“.

Ištar. Die Berge einzig überwältige ich — „(das ist) meine Glorie!“ ich bin der Berge gewaltige Burg, ich bin ihr gewaltiger

Verschluß: „(das ist) meine Glorie!“
In einem andern Hymnus an Ištar 1 heißt es:
Ich flehe zu dir, Herrin der
Herrinnen,

Göttin der Göttinnen,
Ištar, Königin aller Wohn-
stätten,

Leiterin der Menschen! .... o Herrin, herrlich ist deine Größe,

über alle Götter erhaben.

1) Übersetzungen des ganzen Hymnus King, The Seven Tablets of Creation 1902, II, 75 ff.; Zimmern, Keilinschriften und Bibel S. 35 ff.

Jeremias, Strömungen.

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