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und wir den Zusammenhang der menschlichen Individualität einzusehen vermöchten, da auch die Sprache über die Geschiedenheit der Individuen hinausgeht. Für die praktische Anwendung besonders wichtig ist es nur, bei keinem niedrigeren Erklärungsprinzipe der Sprachen stehen zu bleiben, sondern wirklich bis zu diesem Höchsten und legten hinaufzusteigen, und als den festen Punkt der ganzen geistigen Gestaltung den Saß anzusehen, daß der Bau der Sprachen im Menschengeschlechte barum und insofern verschieden ist, weil und als es die Geisteseigenthümlichkeit der Nationen selbst ist.“

Die Einheit der Sprache mit der Individualität ist heut noch als das stärkste Band des Patriotismus übrig geblieben. Die tiefsten Bedürfnisse seines innern Menschen kann man doch nur in seiner Heimathsprache, die mit den eigensten Anschauungen zugleich aufgewachsen, ganz und gar ausklingen. Die kosmopolitischen Gränzaufhebungen, die weltliterarischen Constellationen, find in unserer Zeit um fo weniger als Auflösungssymptome des Individuellen zu fürchten, als vielmelir die Sprachen als individueller Einschlag in das allgemeine Gewebe der Völker-Afsociation übrig bleiben werden, und dadurch die ganze Madt der Individualität selbst obenauf und gültig erhalten wird. Man fann in einer Sprache nicht dieselben Gje: banfen haben und ausdrücken, wie in einer andern, und allen antipatriotischen Anwandelungen zum Troß, macht das tägliche deutsche Gedankenbe: dürfniß Jeden wieder zum Deutschen Menschen. Was soll man in fremder Zunge anfangen mit seinen geheimen Herzschlägen, mit seinem metaphysischen Dichten und Trachten, und mit all den skeptischen, ironischen und weltverlachenden Geheims nissen des Gemüths, die zugleich Geheimnisse des Stils werden, aber niemals fertiges Eigenthum der Wörterbücher? Der deutsche Gedanke wird mit dem Heimweh nach dem deutschen Wort geboren, und durch alle von den Umständen irgendwie gegebene Nöthigungen in ein fremdes Kleid bricht, wie Schweizerthränen beim Alphornsruf, die Sehns sucht danach aus ihm hervor. Auch unsere moder: nen speculativen Anschauungen sind bereits eben so fest mit der deutschen Sprache als mit unserm täglichen Ideenkreis, dem wir geläufig alle Erscheinungen unterordnen, verwoben. Was fich uns in den Lebensgebilden nach Richtungen von Geist, Seele, Gemüth, Vernunft, Verstand, Herz, abzu: theiten und zu gliedern pflegt, ist, seinem ganzen

speculativen Fächerwerk nach, so deutschthümlich, daß schon diese Wortunterschiede, geschweige denn die daran haftende bestimmte Gedankenreihe, in keinem fremden Stempel fich nachprägen lassen.

III. Das Problem einer allgemeinen Sprache.

Eine allgemeine Völker - Association, wenn sie wirklich historisches Ziel ist, wird dennoch die Volkssprachen nicht verwischen. Noch weniger wird sie aber die allgemeine Sprache herstellen, die eine Zeitlang ebenfalls als höchstes Ziel und Ideal des Völkerverkehrs angesehen ward. Das bekannte Alphabet der menschlichen Gedanken, mit dem sich Leibniß in seiner Analysis notionum in Alphabetum (ut appello) cogitationum humanarum beschäftigte, konnte ebenso wenig reale Erfolge haben, als die schon früher entwickelte, obwohl fast gänzlich unbe: kannt gebliebene Ideographie des Cartesius, die er in seinen Briefen (1. III. ad Mersennum) bei weitem klarer als Leibniß auseinanderseßte und worauf Radlof (teutschkundliche Forschungen ll. 70 fg.) zuerst wieder aufmerksam machte. Die Hypothesen beider Philosophen trafen darin zusammen: einmal, daß es der Wissenschaft möglich werden müsse, alle menschlichen Gedanken aufzuzählen und in einer geseßlichen Ordnung und Weihenfolge, die der Zah. lenordnung gleich käme, darzustellen; und dann, daß eine allgemeine Sprachsdırift erfindbar sei, um damit jeden Gedanken gewissermaßen so abzuschrei: ben, daß er, wie ein Rechenerempel, nicht nur in fich richtig und Ausdruck eines richtig Gedachten sei, sondern auch in dieser Abzeichnung in allen Sprachen ohne Ueberseßung verstanden werden könne. Leibnit glaubte fogar, daß durch Erfindung eines solchen Organons fortan aller Irrtium im menschlichen Denken zu vermeiden sei. Men nehme dies für nichts Anderes als was es ist, für eine meta: physische Bizarrerie, die mit großen, unlösbaren Problemen zusammenhängt! Wie große Bewegungen auch zu verschiedenen Zeiten für diese green ges macht wurden, alle Ausführungsversuche, darunter die wichtigsten von Wilkins, De Maimieur, Becher und Schmid, brachten nur Unsinn vor, und ges langten höchstens zu einer ganz gemeinen und mechanischen Dechiffrirung der Wörter, statt der Begriffe. Mit der allgemeinen Weltsprache würde man bei seinem nächsten Wandnacıbar kein Stück Brot fordern können, und wenn man noch weit mehr damit zu erreichen vermöchte, so würde es immer unnüt und wirkungslos sein. Denn da die einzelnen Gedankenverbindungen ebenso sehr etwas Individuelles und Nationales sind, als die Sprache, fu würde mindestens jede Volksindividualität ein anders nüancirtes System der Pasigraphie haben, mithin diese widersinnig und unnöthig sein, da sie die volksthümlichen Trennungen dochy nicht zu überwinden vermöchte. Das Problem ei: ner allgemeinen Sprache bewies bei seiner Ausführung immer die nothwendige Individualität der Sprache.

Der Franzose wird daher fortfahren, franzöfisch zu schreiben, der Engländer englisch, der Deutsde Deutsch. Die bestimmteste und gebildetste Individualität, die sich mit Freiheit in der Sprache erschließt, wird zugleich die höchsten Erfordernisse in der Kunst der Darstellung von selbst befriedigen.

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