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der eigentlichen Fachgelehrten hinaus Interesse zu erwecken.

Vorliegendes Büchlein soll nur ein bescheidener Versuch zur Ergänzung dieser Lücke sein. Möge der Versuch nicht ungünstig aufgenommen werden!

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1. Sokrates.

Die griechische Philosophie verdankt ihre Entstehung und einen erheblichen Teil ihrer Ausbildung demselben Boden, der auch hochberühmte Dichter, grosse Maler und namhafte Geschichtsschreiber hervorbrachte, dem jonischen Kleinasien. Sie beginnt in Milet, tritt dann in Ephesos, Samos, Klazomenä auf, verbreitet sich von hier nach dem griechischen Unteritalien und schlägt erst im fünften Jahrhundert ihren Sitz für die Dauer im Herzen Griechenlands, in Athen, auf.

Von den drei milesischen Denkern erblickt Thales im Wasser den Keim aller Dinge, Anaximenes in der unendlichen Materie, Anaximandros in der Luft. Pythagoras führt alles auf Zahlen zurück, aus und nach welchen das einzelne gebildet sei, Herakleitos auf das Feuer, welches sich in einem ewigen Prozesse in Wasser und weiterhin in Erde umsetze und diese dann wieder in sich zurücknehme, Parmenides auf das Seiende, welches alle Vielheit und alles Werden ausschliesse. Dem Sicilier Empedokles verdanken wir die Vierzahl der Elemente: Feuer,

Weygoldt, Philosophie der Stoa.

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Wasser, Luft und Erde, welche zwei Jahrtausende gläubig nachgesprochen haben, bis endlich die moderne Wissenschaft der Chemie tiefere Einsichten brachte. Anaxagoras setzt eine unendliche Vielheit von Grundstoffen voraus, denen bestimmte Eigenschaften zukommen und die, angetrieben durch die göttliche Vernunft, sich mittelst mechanischer Mischung und Trennung zur organischen Welt zusammenordnen. Demokritos endlich spricht von zahllosen, nach Grösse und Gestalt verschiedenen Urkörperchen oder Atomen und gründet auf sie eine mechanische Weltordnung, die noch heute in den Naturwissenschaften ihre Rolle spielt.

Diese kurzen Andeutungen genügen, um zu zeigen, dass alle diese Männer schon in den Grundfragen sehr weit auseinander gehen. Wie der eine Lichtstrahl, durch das Prisma geleitet, sich in viele Farben bricht, so schuf der erste Drang des philosophischen Gedankens sofort eine Fülle der verschiedenartigsten Weltauffassungen. Es war ein originales Schaffen um die Wette, ein Schöpfen aus dem Vollen und Ganzen, das die entgegengesetztesten Standpunkte erzeugte und der philosophierenden Nachwelt alle die Fragen vorlegte oder doch andeutete, um deren Lösung sie sich vielfach heute noch abmüht. Gleichwohl giebt es zwei Punkte, in denen alle jene Männer sich überraschend ähnlich sind. Es ist nämlich ihr Denken so ausschliesslich auf die Erforschung der äusseren Welt und der letzten Gründe derselben gerichtet, dass sie es fast ganz unterlassen, einerseits das Wesen und die

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