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Das

Gesamtgebiet

der

deutschen Sprachwissenschaft

im

A br i B.

Von

Karl Georg Högelsberger,
Professor des deutschen Sprachfaches an der k. k. Oberrealschule in der Vorstadt Landstrasse,

Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften.

Wien.

Druck und Verlag von Carl Gerold's Sohn.

1859.

303. a. 24.

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Vorre de.

Ich habe während der mehrjährigen Zeit meines Lehrerlebens jahraus, jahrein die Erfahrung gemacht, daß Privatlehrer und meine eigenen Schüler zu mir kamen, mich bittend, ihnen einen Leitfaden zu bezeichnen, aus dem sie sich bei ihrem sprachlichen Unterrichte und Studium Raths erholen könnten. Ich konnte ihnen stets nur mehrere verschiederartig angelegte Werke nennen, deren Anschaffung theils wegen der bedeutenderen Kosten ihnen schwer wurde, theils wegen des hökér oder tiefer gesteckten Zieles des einen oder anderen Werkes nicht den gehörigen Nutzen brachte. Um es kurz zu sagen, es fehlte an einem Buche, welches den Mittelschulen und vorzugsweise den Oberrealschulen alles das geboten hätte, was ihnen zu einem gründlichen Studium der deutschen Sprache nothwendig ist. In dieser Ueberzeugung wagte ich es, einen Leitfaden zusammenzustellen, der das Ge. samtgebiet der deutschen Sprachwissenschaft

darunter verstehe ich die Wissenschaft der jetzigen Schriftsprache dem Jünger dieser Wissenschaft erschließen helfen und ihm Fingerzeige an die Hand geben sollte, wie er sich weiter auf diesem Gebiete ausbilden könne. So entstand dieses Buch, das, die Grammatik, Rhetorik, Poëtik und Litteraturkunde umfassend, Lern- und Lesebuch zu gleicher Zeit sein soll. Denn nicht weniger als zweihundert Litteraturproben sind von mir aufgenommen worden, auf daß sie theils als Grundlage für die Theorie, theils

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als Beleg für die vorausgegangene Lehre dienen. Freilich lag es in meinem Plane, Theorie und Beispiel inniger mit einander zu verschmelzen, als es in vorliegendem Buche geschehen ist; allein dazu fehlte mir unter den jetzigen Zeitverhältnissen die nöthige Ruhe und Kraft. Nichtsdestoweniger hege ich nicht die Furcht, es werde R. Gottschall's Verdammungsurtheil, das er in der Vorrede zu seiner Poëtik S. X u. ff. über „mit sparsamem kritischem Text durchschossene Anthologien“ fällt, auch mein Buch treffen können *). Wer die Bedürfnisse der Schule kennt

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*) Die Stelle lautet wörtlich so: „An Blumenlesen fehlt es in neuer

Zeit nicht , und über das Lyrische kann überhaupt keine Beispiel-
sammlung hinausgehn. Proben aus epischen und dramatischen Dich-
tungen können nie das Wesen des Epos und Drama erläutern.
Auch war es nicht meine Absicht, in dieser bequemen Weise um die
Gunst des Publicums zu buhlen. Solche mit sparsamem kritischem
Text durchschossene Anthologien können auf den Namen einer Poëtik
keinen Anspruch machen. Und wie beschränkt ist bei diesen aus-
gedehnten Mittheilungen doch der Dichterkreis, den sie vertreten !
Wie wenig wird durch solche äußerliche Zusammenstellung, wo oben
die dürftige Regel und drunter ohne weitere Vermittlung die in aller
Ausführlichkeit abgedruckten Beispiele stehn, das kritische Verständ-
nis der Dichter gefördert! Das Beispiel, das die Regel erläutern
soll, muß nicht in behaglicher Breite neben sie hingestellt, es muß
in sie hinein verwebt werden, um sie zu beleben; es muß die schla-
gende Pointe der Regel in's Licht setzen helfen. Deshalb kann es
nur kurz sein, nur die einzelne Stelle kann mitgetheilt werden, wo
es sich um die Erläuterung eines Versmasses, eines Bildes u. dgl.
handelt. Gilt es dagegen, die Gesetze der Composition im Ganzen
anschaulich zu machen, so ist für die Poëtik die Gabe geschmack-
voller Reproduction erforderlich, welche sich nicht nur auf die Mit-
theilung der wesentlichen Züge beschränkt, sondern auch durch die
Art und Weise der Mittheilung zugleich die feinste Interpretation
der Regel und des Beispiels zu geben vermag.“ So Gottschall. Allein
die Schule verfolgt nicht nur scientifische, sondern auch pädagogische

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