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Grund eben darin hat worin der Unglaube jener Einwohner von Nazareth, wo der Herr erzogen war, gegründet war. Denn daß er auf der einen Seite, indem sie bemerkten er sei Josephs Sohn, ihnen gleich das Wort vorhielt, daß kein Prophet angenehm sei in seinem Vaterlande, auf der andern Seite aber doch für nichts geringeres wollte genommen sein, als wofür er sich immer ausgab, für den eingebornen Sohn des Höchsten, das kann in nichts anderm seinen Grund gehabt haben, als in der Ungewißheit die er in ihnen bemerkte in Beziehung auf seine hohe Würde und seinen heiligen Beruf. Diese Ungewißheit ist immer in dem Unglauben; aber wir dürfen sie doch nicht schlimmer deuten, als sie wirklich ist: nicht als ob durch diese Ungewißheit könnte das menschliche Herz zum Glauben kommen; auch nicht als ob die Dauer derselben uns berechtigen. dürfte zu einem Urtheil über die Art und Weise der göttlichen Führungen; denn wenn sie bei dem einen länger dauert und bei dem andern nur eine kurze Zeit, so können wir dem nicht nachforschen, da wir uns nicht herausnehmen dürfen die Wege Gottes in dieser Beziehung wissen zu wollen. Sondern uns sei es genug das Verderben des menschlichen Herzens zu begreifen, und dann dem zu danken, von welchem alle gute Gaben kommen *), wenn wir sehen wie schon viele unter unsern Brüdern zu dem lebendigen Glauben an den Erlöser der Welt gekommen sind, aber auch was diejenigen betrifft welche diesen einfachen Weg immer noch nicht zu finden vermögen, das als unsre erste Pflicht anzuerkennen, daß wir alles thun was in unsern Kräften steht, um sie für das Heil, welches auch ihnen zugedacht ist, zu gewinnen.

Der Erlöser, indem er von diesem Unglauben seiner Brüder weiß, will es ihnen nun leicht machen und sagt zu ihnen, es wäre ein Unterschied zwischen ihm und ihnen; ihre Zeit sei

*) Jac. 1, 17.

allewege, die feinige aber sei noch nicht hier; die Welt könne sie nicht haffen, ihn aber hasse sie dess halb, weil er von ihr zeuge, daß ihre Werke böse find; so lange sie also an seinem Zeugniß kein Theil nähmen, würde sie der Haß der Welt nicht treffen können; er gehe noch nicht hinauf auf das Fest, weil seine Zeit noch nicht erfüllt sei, weil die rechte Gelegenheit, wenn er sie dermalen gebrauchen wolle, noch nicht da sei.

Was er nun damit gemeint hat, daß seine Zeit noch nicht erfüllt sei, das ist etwas ganz natürliches. Der Evangelist sagt nämlich, späterhin wäre der Erlöser auch auf das Fest gegangen, aber nicht offenbar sondern insgeheim. Er sagt also dies, daß seine Zeit noch nicht erfüllt sei, aus keinem andern Grunde, als weil er wußte daß die Einwohner von Jerusalem, und besonders diejenigen welche an der Spize des Volks standen und die Angelegenheiten desselben leiteten, ihm nach dem Leben trachteten; so wollte er nicht unter dem großen Gedränge welches den Weg erfüllte, und mit einem großen Aufsehen und gleichsam im voraus schon angekündigt nach Jerusalem kommen; also aus demselben Grunde aus welchem er nicht wollte in Judåa umherziehen. Als der große Haufen des Volks, der sich zu der Zeit der hohen Feste in der Hauptstadt des Landes versammelte, seinen Weg schon angetreten hatte, da ging er in der Stille hinauf, um so unbemerkt zu erscheinen, und damit im voraus keine Anstalten in Beziehung auf ihn getroffen werden könnten. So ist es wieder dieselbe Liebe gegen die Menschen, die ihn trieb die Menschen von der Sünde, in welche sie Gefahr liefen sich zu verflechten, zurückzuhalten und jede Gelegenheit zu benuzen die ihm dies leicht machen konnte, aber freilich nur so weit als es mit seiner Pflicht und seinem Beruf sich vereinigen ließ.

Und so lange es noch ähnliche Verhältnisse unter den Menschen giebt, so können wir nicht anders als diese menschenfreund

liche Weisheit des Erlösers nachahmen. Durch heftigen Troz und ftarren Eigenwillen gegen diejenigen welche sich als Feinde des einen oder des andern darstellen, weil sie entgegengesezte Ansichten und Handlungsweisen haben, verleitet man sie gar leicht zum bösen, und ladet dadurch gewiß einen nicht geringen Theil der Schuld auf sich, die darin besteht, daß sie gehindert sind das gute und rechte überall zu erkennen und zu thun. Umfaffen wir sie aber mit der Liebe die das Kennzeichen aller wahren Jünger des Herrn ist, und sehen auch sie an als Glieder an dem Leibe des Erlösers: so werden wir auch alles thun was wir vermögen, um ihnen das Auge des Geistes zu öffnen, und ihrer Schwachheit dadurch zu schonen, daß wir sie nicht zum bösen reizen, sondern durch jenes sanfte und die heftigen Bewe gungen der Seele zügelnde Betragen sie davon abziehen daß sie nicht das Unrecht thun.

Weiter nun erzählt der Evangelist, was der Ankunft des Herrn in Jerusalem voranging, nämlich daß die Juden unter einander gefragt hätten und geforscht, wo er denn bliebe, und daß auch unter dem großen Haufen ein Gerede von ihm entstanden wäre, indem etliche gesagt hätten, er sei fromm, andre aber, er verführe das Volk, alle jedoch so daß keiner frei heraus von ihm geredet hätte um der Furcht willen vor den Juden.

Om. g. F. welch ein Bild ist das von der Schwäche und Gebrechlichkeit des menschlichen Wesens, wie es sich noch immer darstellt wo um etwas wichtiges und bedeutendes gestritten wird, aber so daß die welche die Macht in Händen haben sich schon erklärt haben für das eine oder das andre. Unter Juden versteht der Evangelift hier, wie es auch gewöhnlich der Fall ist in seinem Evangelio, diejenigen welche in der Hauptstadt des Landes ein großes Ansehen hatten, indem sie als Leiter und Führer des Volks in seinen geistigen Angelegenheiten an der

Spize desselben standen, die Hohenpriester also und Schriftgelehrten und die ihnen sonst noch anhingen. Das Volk war dann bei solchen Gelegenheiten die aus allen Gegenden des Landes zusammengefloßne Menge, um das hohe Fest zu feiern. Unter diesen waren denn die verschiedensten Ansichten und Urtheile über den Erlöser. Die einen sagten, er sei fromm; die andern läugneten dies und behaupteten, er verführe das Volk.

Aber alle, die so und anders über ihn urtheilten, hatten doch von seinen Wundern gehört und waren zum Theil Zeugen derselben gewesen; allein indem sie so verschieden von ihm urtheilten, so beurtheilten sie ihn nicht nach seinen Wundern, sondern nach der Art wie sich sein ganzes Leben ihnen darstellte. Die einen sagten, er sei fromm, weil sie wußten daß er in seinen Reden die Menschen zu nichts anderm als zum treuen Gehorsam gegen den göttlichen Willen aufforderte. Die andern fagten, er verführe das Volk, deswegen weil er sich der herrschenden Lehre, in welcher die Gebote des Herrn durch tausend Menschensazungen getrübt und verunstaltet waren, so viel als möglich entgegensezte, und sie glaubten daß er unter dem Volke Unruhen erregen wollte, indem er sie aus dem gewöhn= lichen Gange des Lebens, aus der gewöhnlichen Gestalt ihrer Verhältnisse und aus dem Gehorsam gegen das hergebrachte und alte zu einer neuen Art des Lebens und zu einer neuen Stufe des Glaubens und der Gottesverehrung, worin aber kein göttlicher Grund sei, zu führen suche. Das war der Streit der zu den Zeiten des Erlösers über sein Werk unter den Menschen stattfand.

Und so sehen wir m. g. F. es geht noch immer so, daß die welche die göttliche Wahrheit verkündigen von andern verkannt werden deswegen weil sie Nebenabsichten haben, die oft da ent= stehen, wo über böses und gutes, über wichtiges und geringfügiges im menschlichen Leben geftritten wird. Aber das ist natürlich und kann nicht anders sein; leicht wird bei einer solchen

Bewegung das Urtheil der Menschen auf eine gewaltsame Weise von der Hauptsache abgelenkt auf Nebensachen. Die da urtheilten Jesus sei fromm, die bleiben bei der Hauptsache stehen; die aber sagten er verführe das Volk, die ließen sich von dem rechten Wege ablenken durch Nebensachen und durch äußere Verhältnisse. Das ist nicht selten die Art wie die Menschen in ihrem Innern bestimmt werden, und unter solchen Umständen ist nichts zu thun als daß man suche die Menschen von den Nebenabsichten abzulenken auf die Hauptsache.

Aber die übelste Schwachheit ist die, was der Apostel zulezt sagt: So sprachen sie von ihm, aber es war nur ein Gemurmel, frei von ihm zu reden aber wagte niemand aus Furcht vor den Juden.

Wer m. g. F. wer handelte nun wohl richtiger in Beziehung auf diejenigen welche die Gewalt hatten unter dem jüdis schen Volk, der Herr, der auf alle Weise suchte ihnen keine Veranlassung zum bösen zu geben, und sie so zu bewahren vor der Sünde welche sie in Begriff waren zu thun, aber auf der andern Seite auch streng und grade mit der Wahrheit gegen sie heraustrat; oder diejenigen, welche selbst noch nicht wissend was sie thun sollten, und selbst unter einander verschieden urtheilend über das Werk und den Sinn des Erlösers, dennoch, weil auch sie nicht anders als durch einen gegenseitigen Austausch der Gedanken hätten zur Wahrheit kommen können, sich suchten herauszuwinden aus der Verpflichtung nach einem festen und bestimmten Urtheil zu streben aus Furcht vor den Juden?'

Wenn der Apostel darüber klagt im Anfange seines Briefes an die Römer, daß die Menschen so lange Zeit hindurch die Wahrheit aufgehalten haben in Ungerechtigkeit *): so ist gewiß eine eben so große und noch öfter sich wiederholende Klage die, daß die Wahrheit so oft aufgehalten wird durch Furcht, daß

*) Röm. 1, 18.

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