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wenn man nach ihnen auf die Hauptaltäre sieht. Die Madonna des Pantheons, cine der gefeiertsten zu Rom, starret von silbernen Herzen; in ihren Umgebungen sind grosse und kleine Gemälde und Darstellungen von Unglücksfällen, welche Madonna verhütete, von Krankheiten, welche sie heilte, von Gefahren, aus denen sie rettete. Krücken, Dolche, menschliche Gebeine, Haarwüchse und Anderes, in ihrer Umgebung aufgehangen, dienen zu ihrer Verherrlichung. Und da, besonders bei dem schwächeren Geschlechte, der Weg durch die Sinne zum Herzen geht, so wird niemand es befremdend finden, dass Frauen mit einer solchen Inbrunst zu einer Frau beten, und zwar zur höchsten der Frauen, welche das Volk die schöne Mutter (la bella madre) zu nennen gewohnt ist. Und so ist der äussere Mensch durchaus reichlich bedacht, der innere Mensch aber geht gewöhnlich leer aus. So ist es auch, wenn die Macht Gottes sich im Segen des heiligen Vaters über die Hülfe suchenden Sterblichen auszugiessen scheint, denn es ist kein nachhaltiger Eindruck, die Andacht fehlt, den Römern ist es ein Schauspiel geworden, wie den Fremden.

Sieht man auf den reellen Werth solcher Beobachtungen, so ist unzweifelhaft, dass der wahre Segen des Protestantismus erst in der Mitte katho-lischer Umgebungen ganz empfunden und anerkannt

wird. Die protestantischen Kirchen werden wohl nirgends weiter mit mehr Andacht besucht, als von den protestantischen Christen in katholischen Ländern. Der Verfasser, welcher fast alle diese Kirchen besuchte, über sie Nachrichten einsammelte, und mit ihren Predigern sich befreundete, kann hierüber authentisches Augen- und Ohrenzeugniss geben. Denn die Geistesrichtung zeigt sich in der That durchaus verschieden, und da, wo der innerliche Mensch leer bleibt und nicht vorwärts gebracht wird, trotz allem Aeusserlichen, da hält der innere Sinn desto mehr fest, was ihm als einiger Ersatz geboten wird. Die Wiege des Protestantismus aber, oder der Protestantismus vor dem Protestantismus, hat einen eigenen Reiz , er kam uns entgegen, als wir die Waldenser aufsuchteu, welche in der That die Stammväter der Evangelischen zu heissen berechtigt sind.

In den südlichern Theilen, wie in Neapel uud Sicilien, ist auch die Ansicht voil dem, was über den Menschen liegt, eine andere, und nähert sich noch mehr und noch in die Augen fallender unter dem Volke dem Naturleben. Auch hiervon sind Proben mitgetheilt worden.

So viel zur nothwendigen Einleitung in die erste Abtheilung des zweiten Bandes dieser Reise, welcher Ausführungen uud Beilagen zum ersten enthalten soll. Vieles Anziehende über das geistige und religiöse Leben Italiens, Siciliens und Frankreichs muss sich der Verfasser nachfolgenden Mittheilungen vorbehalten.

In Hinsicht auf Darstellung hat er stets Anschaulichkeit mit Präcision zu vereinigen gerungen.

Die biblisch-kritische Seite dieser Reise aber wird nach ihren Ergebnissen in Vergleichung der wichtigsten und wichtigeren Handschriften, in Auffindung neuer biblischer Uebersetzungsfragmente und anderer Anecdota aus dem Gebiete der biblischen und patristischen Literatur in einer der folgenden Abtheilungen dieses Bandes niedergelegt werden; die Resultate der Collationen aber werden, so Gott will, in eine Ausgabe des Neuen Testamentes, welche einen neuen, reichhaltigen kritischen Apparat für sich hat, übergehen.

Leipzig, am 25. Nov. 1834.

Der Verfasser.

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Eröffnung dogmatischer Vorlesungen

am 12. Mai 1834 nach dritthalbjähriger Abwesenheit auf einer bibl. krit.

und theologischen Reise gehalten.

Mit sehr gemischten Gefühlen, m. H., betrete ich heute aufs Neue diesen der Wissenschaft, und zwar der wichtigsten, gewidmeten Ort. Es geschieht vor Allem mit dem innigsten Danke gegen Gott, der mein auf einer so langdauernden Reise fern von der Heimath mancher Gefahr aus. gesetztes auch von Krankheit nicht immer fern gebliebenes Leben aufrecht erhielt, gnädig schützte, und endlich vergönnt hat, den heimathlichen Boden und die heimathliche Sonne wieder zu schauen. Ein langer Zeitraum ist an mir vorübergegangen, reich an gesammelten Kenntnissen, Erfahrungen, Anschauungen und Erlebnissen. Jahre lebte ich entfernt von deutscher Wissenschaft, deutscher wissenschaftlicher Mittheilung und deutschem Lehrstuhle. Wenn gleich stets einem höhern wissenschaftlichen Zweck, der kritischen Reinigung unsrer Religionsurkunden nachstrebend, und einen reichen Stoff dazu ansammelnd, verweilte ich doch lange in Ländern, die dem deutschen Gesichtskreise und dem protestantischen insbesondere fremd waren, in Ländern, die zwar durch alle Schönheiten der Natur, durch die Schätze der Kunst und des Alterthums gesegnet sind, in Ländern, die zwar den erregbaren Geist mit Ideen überströmen, und auf die höchste und tiefste Weise anregen, die aber doch den deutschen FLECK theol. Reisefrüchte.

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Theologen und den deutschen Gelehrten überhaupt sein Vaterland nicht vergessen machen können.

Um dieses Ihnen, m. H., klar zu machen, und zugleich auf den nächsten Zweck dieser Vorlesungen hinzuleiten, ist es nöthig, was ich sonst vermieden haben würde, etwas von mir selbst zu reden. Ein Drang nach dem Auslande hat meine Seele stets erfüllt, ehe er befriedigt ward, auf dass das Leben in grösseren Verhältnissen sich vor meinem Blicke ausbreiten, und das, was vorher unscheinbar und farbenlos, gleich einer uubeschriebenen Tafel im Geiste ruhete, Leben und Gestalt gewinnen möchte. Vieles Grosse, Hohe, Herrliche blühet auch ausserhalb unseres Vaterlandes; eine grosse Geschichte ging auch an andern Völkern vorüber, und wohl lohnet es der Mühe, einen kurzen Theil der Spanne des menschlichen Lebens daran zu setzen, um wenigstens einige derselben in ihren Eigenthümlichkeiten zu erkennen und geistig zu würdigen. Nur wenn wir gerecht gegen fremde Völker sind, werden wir es auch gegen uns selbst seyn; der Deutsche aber, dem man das ehrende Zeugniss geben muss, dass ihm diese erste Gerechtigkeit nie gefehlt, dass er sie oft bis zur Ueberschätzung ausgeübt habe, möge Gerechtigkeit gegen sich lernen, an dem, was er im Fremden sah und erfuhr. Denn mit solcher Erfahrung und Stimmung kehre auch ich von dieser langen Reise zurück. Wir sind weder so niedrig zu stellen, noch so zurück, als wir oft glauben, wenn wir nicht aus eigener Anschauung uns vom Zustande unserer Nachbarn überzeugen. Denn mit wie grossen Vorzügen auch das Ausland nach vielen Richtungen hin ausgestattet sey, wie unermesslich auch in ihm die Schätze der Kunst und Wissenschaft sich aufthun mögen, welche reiche Güter des geistigen und materiellen Lebens auch eine grossartige Vorwelt dem heutigen Geschlechte dort hinterlassrn habe, wie reizender auch die Formen des geselligen Umganges und die unvergleichliche Farbe des südlichen Himmels erscheinen, wo findet man noch ausserhalb unserer Gauen eine deutsche Wissenschaft, insbesondere eine deutsche Theologie, deutsche Sitte, deutsche Gründlichkeit, deutschen Scharfsinn, deutschen Fleiss und deut

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