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Man ist im Begriff den Gesang mit einer kleinen Orgel zu organisiren. Der Prediger muss nach einer Verordnung des Königs von Preussen stets ein Waldenser sein. Bereits im achtzehnten Jahrhundert bestand unter den Engländern die Einrichtung, dass man immer Prediger aus den Thälern in die englische Kapelle berief. Seltsam ist, dass in Turin kein protestantischer Kirchhof existirt. Die Protestanten werden in der waldensischen Provinz Lucerne (zu la Tour) oder in der Provinz St. Martin begraben. In der Sommerzeit tritt ebenfalls Vakanz ein, wenigstens war diess früher der Fall. Blos bei den vier Kommunionen, Sonntags vor und nach Ostern ist Gottesdienst, . (Der Gottesdienst französisch).

Rom.

Die Protestanten in Rom leben sonst in den freiesten Verhältnissen. Politik und Interesse nöthigen den römischen Hof zur Duldung. Gewiss aber sieht man es ungern, dass die Fremden auch die Einführer fremder Ideen sind. So äusserte ein Cardinal, dass es im Grunde am Besten sey, Rom babe gar keine Fremden. Früher konnten die Protestanten allerdings nicht unangefochten in Rom leben.

Die Künstler sind das hauptsächlichste ja im Grunde einzige bleibende protestantische Publikum in Rom. Man kann indess nicht verhehlen, dass (ehrenwerthe Ausnahmen abgerechnet ) grosser religiöser Indifferentismus unter ihnen herrsche. Der christlichen Künstler giebt es überhaupt wenige, der grossen noch weit weniger, und in kirchlicher Hinsicht beklagen wir, dass gerade diese wenigen entweder nur die classisch - heitere Seite der Kunst auffassten und daher leicht den kirchlich christlichen Sinn verloren, oder doch auch an christlichen Bildwerken nur mit der äusseren Seite ihrer schöpfenden Kraft hingen, wie z. B. selbst in Thorwaldsens Christus und den Aposteln das klare heitere volle Lebenselement der classischen Welt die tiefere christliche Berührung im Gemüthe weit überwiegt. Oder grosse FLECK theol. Reisefrüchte,

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christliche Mahler z. B. Overbeck wurden der klaren und tiefen Seite des Christenthumes im Protestantismus ablold, um sich in der katholischen Legende und Mythologie einen reicheren Stoff poetischer Vorwürfe auszuwählen. Hierzu kam die selige Befangenheit eines Glaubens ohne Prüfung, der des Positiven nicht genug haben kann, gleichsam der Vorhof des wahren Glaubens.

In Rom 13) sind die Protestanten von der Regierung ignorirt nach dem Grundsatze des Exterritorialrechtes, wiefern der Protestantismus sich dort concentrirt in dem Ilause des preussischen Gesandten auf dem Capitolium, dessen Familie die einzige protestantische in Rom, ist, denn alle übrigen Theilnehmer des Gottesdienstes sind Unverheirathete, grösstentheils Künstler oder Durchreisende, nur vorübergehend verweilende Familien. Die Kapelle ward gestiftet im Jahre 1819 durch den geheimen Staatsrath Niebuhr, preussischen Gesandten zu Rom 14). Die Prediger: Rothe, Schmieder, von Tippelskirch, Abeken haben nach der Reihe in kleinem Tempel mit Segen gewirkt und wirken noch fort, theils in der Erinnerung Mancher, theils in der Gegenwart. Dieser Hausgottesdienst bält sich streng innerhalb der Grenzen seines Gebiets und hütet sich selbst vor dem Scheine der Proselytenmacherei. Ein kleines Positiv, das von den liebenswürdigen und fromm erzogenen Kindern des Gesandten, geheimen Rathes Bunsen, oder von dessen Hausgenossen gespielt zu werden pflegt, dient dem Gesange zur Unterlage und Anleitung. Ganz in der Stille ist für protestantische Kranke eine kleine Versorgungsanstalt errichtet worden, besonders um ihre Jetzten Stunden vor dem Andrange von Proselytenmachern zu sichern. Bekanntlich ist für diese Kapelle eine besondere Liturgie verfasst und höchsten Orts approbirt worden. Sie unterscheidet sich noch in mancher Beziehung von der preussischen Hof- und Domagende. Die mässig abgezogenen Exemplare sind in Berlin und Rom vertheilt, indess nie in den Buchhandel gekommen. Das in Hamburg bei Perthes erschienene „allgemeine evangelische Gesangbuch,“ ein Werk gründlichen Fleisses und vereinigt wirkender Kräfte, das durch seinen Reichthum für näher oder fernerstehende christliche Richtungen brauchbar wird, ist für den Kultus eingeführt. Die Liturgie bietet eine grosse Auswahl dar, nähert sich in manchem den englischen Liturgieen und hat vielen Widerspruch besonders von Seiten der Künstler als Theilnehmer gefunden. Für diese ist nun ein besonderer Gottesdienst Nachmittags nach der gewöhnlichen preussischen Liturgie eingerichtet; auch predigt der gegenwärtige Geistliche seit Kurzem bisweilen französisch zum Behuf einiger protestantischer Franzosen (Nachmittags). Im Ganzen ist ein warmer Glaubenseifer wahrzunehmen, und es ist sehr zu wünschen, dass derselbe auch unter den protestantischen Künstlern zunehmen möge. Der kirchliche Sinn steht gewiss mit dem sittlichen in Verbindung. Der Pallast ist der eines ehemaligen Cardinals, dessen Wappen noch die Decke des kleinen Tempels schmückt. Der Prediger (jetzt Herr Abcken) ist von dem preussischen Hofe besoldet, in ähnlicher Weise wie zu Neapel; auch hat der König mehrere Schenkungen für den Gottesdienst gemacht, worüber mir indess das Nähere auch auf Befragen fremd geblieben ist. Die englische Gemeinde zu Rom kommt während des ganzen Sommers nicht zusammen; in einer Jahreszeit wo sich Alles in die classischen und bald erhabenen bald reizenden Umgegenden der ewigen Stadt zerstreuet. Die Zahl ihrer Mitglieder ist sehr wechselnd, wie die Zahl der reisenden Engländer. So ist auch

13) S. Evang. K. 2. Mittw. 4. März no. 18. v. 829. (Vf, ein Domkandidat Abrens spricht über die evangelischen Kirchen Italiens überhaupt, aber kurz ab.) S. nocb A. K. Z. 822. n. 3. S. 50 f. 825, no. 74. 829. 2. Sept. no. 70.

14) Auch diese kleine christliche Gesellschaft, die sich nicht Gemeinde, nicht Kirche genannt hat, noch nennen will, (daher dle Dedikation der Schmieder'schen Predigten wohl nicht mit Unrecht missfallen hat), da sie sich in grösster Anspruchlosigkeit als Anhang des gesandtschaftlichen Pallastes in ihren privatrechtlichen Schranken hält, erlitt bei ihrer Stiftung einige Anfechtungen. Zudringlichkeit unberufener römisch-katholischer Zuschauer und Zuhörer mischte sich ein, und man sandte italiänische, des Deutschen unkundige Spione hinein, um zu beobachten. Sie wurden iudess bald durch den Feuereifer Niebuhrs, der zu Rom das allgemeinste Ansehen auch katholischer Seits genoss, schr ernstlich zurückgewiesen,

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Jeider in Neapel die Kirche während des Sommers, wo viele
Familien das Land bewohnen, wenig besucht; der würdige
Prediger Valette suchte diesem Uebelstande durch öfteres
Predigen auf dem Lande z. B. in Sorrento abzuhelfen.

Der neue Begräbnissplatz zu Rom in der Nähe der Pyramide des Cestius ist von Engländern und Deutschen eingenommen, und mit einem Graben umzäunet. Er kam 1819 in Besitz der Akatholiken unter Pius VII., indem ihnen vorher ein gegenüber liegender freier Platz zur Ruhestätte diente. Der neue Friedhof ward durch Subscriptionen gedeckt und hergestellt, mit Terrassen versehen und in einen freundlichen Garten verwandelt. Der Aufseher der Pyramide sorgt gegen eine Vergütung auch für den Kirchhof, dessen Pflanzungen und Erhaltung der Denkmale. Reich ist er besonders an einfachen platt gelegten Grabsteinen der Engländer. Auf den Boden des in der Nähe liegenden älteren Begräbnissplatzes fand man auch einige Alterthü

Hier reicht sich das Heidnische und das Christliche recht sichtbar die Hand.

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mer.

V e n e d i g. Die Protestanten zu Venedig sind ziemlich zahlreich, vorzüglich Lutheraner aus Kempten, Memmingen, Lindau, Augsburg; auch Engländer, Schweizer und Reformirte aus andern Ländern. Die Lutheraner stehen in einer zwiefachen Verbindung, in einer nationalen und einer kirchlichen. Die nationale Verbindung besteht nicht, wie Stäudlin will 15), in der Unterscheidung eines katholischen und lutherischen Konsuls, sondern es giebt Konsuln der einzelnen deutschen Staaten (des dänischen, preussischen u. 8. w.), welche sie in gerichtlichen Angelegenheiten vertreten. Die deutsehe Nation hatte daselbst einen Pallast, „das deutsche Haus“ (il fondaco dei Tedeschi) genannt, wo jeder, der sich in die Matrikel der Nation

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15) Kirchl. Geogr. u. Statist, II, 65.

batte einschreiben lassen, und eine gewisse Summe entrichtete, sein Zimmer hatte. Sie hatten ihre Verfassungen, Zusammenkünfte und Privilegien. In dieses deutsche Haus durften keine Sbirren (Häscher) ihren Fuss setzen, ausgenommen die von der Inquisition, welche vordem allwöchentlich an die Inquisition Bericht abstatten mussten, wobei indess nicht nöthig war, dass sie hingingen. Die deutschen Lutheraner, fast durchaus Kaufleute, bilden eine besondere kirchliche Gesellschaft, welcher drei Kirchenälteste vorstehen, die, was zum Gottesdienst gehört, besorgen, die Kirchenkasse verwalten und den Geistlichen besolden. Das Kirchenkapitel besteht aus den Häuptern der Familien, jeder Protestant als solcher gehört zu diesem kirchlichen Verein. Sonst musste jeder, der aufgenommen wurde, das strengste Stillschweigen in Ansehung der Gesellschaft und ihrer Verfassung versprechen, indem die Regierung ihre Existenz ignorirte. Die Geistlichen führten in der Zeit der Republik meist den Titel eines sächsischen Hofrathes 16). Der Kultus ward geheim gehalten; der Senat hatte indess Notiz davon, die Geistlichkeit nicht, oder ignorirte ihn. Der lutherische Prediger trug niemals geistliche Kleidung ausser beim Gottesdienst (noch jetzt). Unwahr ist 17), dass früher nur Männer dem Gottesdienst beiwohnten, nicht Frauen und Kinder, um Aufsehen zu vermeiden. Nur zum Genuss des Abendmahls hätten sich auch letztere eingefunden. Früher war der evangelisch - protestantische Kultus Privatsache; unter Napoleon erhielten die Gemeinden freie Religionsübung. Wöchentlich einmal Sonntags um zwölf Uhr ist

16) Dieser Titel scheint auf Zuschüsse deutscher, namentlich sächsischer Fürsten zu führen, welche der Gemeinde früher zuflossen, An Ort und Stelle suchten wir weitere Aufklärungen darüber vergebens. Weder aus den Akten des ehemaligen königlichen Kirchenrathes, noch aus dem Departement des Auswärtigen ist mir die erbetene Auskunft darüber zu Tbeil geworden, indem mir ein hochgestellter verehrter Mann versicherte, dass wenigstens in dem Archive des erstgenannten Collegii sich nichts darüber vorfinde. Auf eine zweite Anfrage im ausländischen Departement erhielt ich keine Antwort.

17) S. Ständlin a, a, 0.

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