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den, das möchte er gern festhalten für immer; in dem allgemeinen Strudel der Dinge, in der reissenden Aufeinanderfolge der Begebenheiten glaubt der Einzelne unterzugeben, und von den Wellen der Zeit begraben zu werden. Aber eben diese Betrachtungsweise, m. Fr., sie hat auch eine tröstliche, eine erhebende Seite, und diese ist es, welche uns von der Welt des Christenthumes aufgeschlossen wird, diese ist es, welche wir jetzt näher ins Auge zu fassen haben. Wir loben den Reisenden, der von den unendlichen neuen Eindrücken, die täglich und stündlich auf inn eindringen, sich nicht hinreissen, nicht das eigne freie Urtheil bestechen lässt, der vom Besondern zum Allgemeinen aufzusteigen, und aus einer unendlichen Mannichfaltigkeit von Gegenständen Begriffe und Gesammtanschauungen abzuziehen weiss, der, den Zweck seiner Wanderungen immer klar vor Augen haltend, das Wesentliche vom Zufälligen zu unterscheiden gelernt hat, und mit Einsichten und Kenntnissen bereichert heimkehrt auf den Boden des Vaterlandes. Sehet da, m. Fr., auch die wahre Betrachtung und Benutzung unserer Lebensreise aus dem christlichen Gesichtspunkte. Wohl sind alle Zustände vergänglich in dem Leben der Menschen, wohl schwindet die Lust des Knaben, das Feuer des Jünglinges, die Kraft des Mannes, aber der innerste Mensch, das wahre eigentliche Ich bleibet unwandelbar dasselbe, und wird durch Bildungsstufen und Entwickelungen von dem Vater der Geister zur Vollendung geleitet. Völker, Staaten und Geschlechter, wie unsere Geliebten und Freunde sehen wir, in der Geschichte wie im eignen Leben, veralten und vergehen: aber auch sie haben ihren Platz erfüllt, gekämpft und gelitten, gelebt und sich gefreuet zur Begründung der allgemeinen Ordnung des Rechtes und der Wohlfahrt: und wie dunkel auch ihre Geschichte dem Verstande erscheinen möge, das Licht des Glaubens durchbricht diese Schatten, und das Herz stärkt sich bei dem alten Spruche: Dass Gottes Gerichte nicht unsere Gerichte sind und seine Wege nicht unsere Wege. Das Bleibende, das Unvergängliche, das Ewige, wonach unsere Seele mitten unter de Wechsel, unter dem Tode, unter der Verwesung schmachtet, su

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chet es nicht ausser Euch, in der Welt, suchet es auch nicht allein über Euch, in den Sternen, suchet es schon hier in Euch, in Eurem bessern Ich, in Eurem edleren Selbst, in Eurem wahren Willen, welcher einstimmig sey mit dem höchsten Willen. Dieses ist der tiefe Sinn der christlichen Lehre, dass sie den Unterschied zwischen Zeit und Ewigkeit aufgehoben, dass sie Leben aus dem Tode, unsterbliche Freude aus der Vergänglichkeit, Himmlisches aus dem Irdischen geboren hat, Christus überwand die Welt mit ibrein nichtigen und eiteln Wesen durch die Macht des Geistes und der Liebe, wer an ihn glaubet, schmecket den Tod nicht ewiglich, denn er ist einig mit Gott und schon hier übergegangen aus dem Tode ins Leben; denn Christus ist die Auferstehung und das Leben. Die Welt vergehel mit ihrer Lust, wer aber den Willen Gotles thut, der bleibet in Ewigkeit. Der wahre Geist hat seinen besseren Theil, seine wahre Persönlichkeit gerettet, ihm ist der Zusammenhang zwischen dieser und jener Welt, die kein menschliches Auge sahe und von der kein menschliches Ohr vernahm, durch die Offenbarungen eines reinen Gott ergebenen Gemüthes unzweifelhaft geworden, und so blickt er auch mit ruhigerem Geiste auf die wechselvollen Ereignisse seiner irdischen Wallfahrt. Er weiss, dass wie seine freuden, so doch auch seine Leiden in diesem Daseyn kurz und vergänglich sind, ja er weiss, dass letztere, wie der Apostel sagt, nicht werth sind der Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden, In dem Irrgarten menschlicher Meinungen, Ansichten, Pläne, Unternehmungen, der schon so Manchen verwirrte und störte, weiss er sich zurecht zu finden, indem er fest hält an dem Spruche seines Meisters; was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Er hat gelernt, wenn auch mit saurer Mühe und mit schwerem Kampfe, unterzuordnen die Begierde dem Rechte, den Eigennutz der Wahrheit, das Fleisch dem Geiste. Das wirre und verkehrte Treiben der Menschen ist ihm zwar oft fremd und unheimlich und verletzet die Wünsche seines Herzens, aber es irret ihn doch nicht und er erkennet auch durch dieses Gottes Finger, Sein Auge wird wohl schwach, sein Haar bleicht, seine Hand wird welk und kraftlos; vielleicht verliert auch sein Geist an Frische; aber sein Herz blei. bet jung und es geht an ihm in Erfüllung, dass Tugend ewige Jugend habe. Wohl mag es ihm mehr als einmal erscheinen, als könne hienieden nimmermehr das Gute und das Rechte siegen, als könne nur das Laster und die Selbstsucht Triumphe feiern; doch aber ist sein Auge auch nicht unaufmerksam auf die Punkte, in welchen eine stille Vergeltung durch die Geschichte schreitet. Wohl mag er's in umwölkten Augenblicken schwer empfinden, dass doch die Bösen böse bleiben in ihrem Thun, was auch geschehe, doch wird er auf der andern Seite nicht verkennen und es muss ihn trösten, dass auch die Guten verbarren in dem, was sie erwählet, und nicht ablassen vom Lichte, Anch er ist wohl durch bittere Erfahrungen, durch schmerzliche Täuschungen gegangen, seine edle, treue und reine Liebe ist vielleicht nicht erwiedert, ist mit Undank und Kälte zurückgewiesen worden, seine Pläne für das Wohl seiner Umgebungen fanden kein Gehör und seine wohlthätigen Unternehmungen wurden vielleicht durch Neid, Widerspruchsgeist und Selbstsucht Anderer, welche ihm entgegentraten, da sie ihn fördern sollten, vereitelt. Aber die persönliche Liebe wird bei ihm von der Liebe zur Pflicht überwunden, und verkläret, und mit solcher Liebe ist das Leben zu ertragen, und auch der übrige Verlust wird ihm Gewinn seyn. Denn seine Kraft wird sich stählen, sein Eifer wird sich vermehren, seine Liebe zum Guten wird durch den Widerstand feuriger werden; er wird fest halten an dem Worte des Apostels; dass denen, die Gott lieben, zuletzt alle Dinge zum Besten dienen. Mit der Zahl seiner Tage und Jahre wird auch sein Wille geläuterter, sein Sinn fester, seine Anhänglichkeit an das Guie und Ileilige dauerhafter und inniger werden, zur Einheit und Gewissheit mit seinem Goite und mit sich selbst gelangt, wird er die menschlichen Angelegenheiten nicht mehr in dem räthselhaften beunruhigenden Dunkel, an dem der weltliche Verstand so vielen Anstoss nimiut, erblicken, er wird sie mit dem milden erquickenden Lichte des Glaubens beleuchten, und hinter den schwachen Morgenstrahlen die volle llerrlichkeit des Tages wohl vermuthen: er wird endlich, wenn seine Stunde gekommen, im Kampfe geübt, im Guten erstarkt, im Heiligen nicht unerfahren, mit gläubigem Auge ausrufen können: Herr, nun lässest du deinen Diener in Friede fahren! Zu solchem Ende verhilf uns Allen, o Gott, durcb Jesus Christus unsern Herrn. Amen!

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II.

Predigt,

gehalten in der protestantischen Kirehe zu Venedig,

26. Dec. 1831.

Text: Luk. 2, 15 – 21.

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Unter sehr gemischten Empfindungen und Aussichten, m. Z., begehen wir dieses Mal das Fest der Geburt Jesu, unseres Herrn. Seit undenklicher Zeit ist es in der Christenheit Sitze und wohlbegründeter Gebrauch gewesen, die Rückkehr dieser Tage durch festliche Freude auszuzeichnen, und durch deren allgemeinen und erhöheten Ausdruck zu verherrlichen. Wie sich aber bei wohlgeordneten und für die Ermahnungen der Aussenwelt nicht unempfänglichen Gemüthern eine angemessene Feier kaum denken lässt, ohne einen Rückblick auf den langen Zeitraum, der zwischen der nächst vergangenen und der gegenwärtigen liegt, so werden auch wir schon nach unserer natürlichen Stimmung es nicht vermeiden können uns auf Augenblicke wenigstens in ernste Betrachtungen zu versenken über dasjenige, was, seit die letzte Weihnachtsfreude uns bereitet ward, an unserem Haupte, segnend oder Wehe bereitend, vorüberging. Doch in dieser Zeit, m. Fr., wenn wir wahrhaft menschlich fühlen, und der höhere Sinn der Gemeinschaft sich in uns regt, der den Menschen zu dem Menschen führet: da möchten wir schweigen von dem, was uns gegeben, was uns genommen ward, von dem eignen Leid, von der eignen Freude. Denn ein höheres Schauspiel entfaltete sich vor

Völker kämpften gegen Völker um die höchsten Klei

uns.

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