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Salz der Erde sey, dass sie die unwandelbare Leuchte sey in den Irrgängen des Lebens, in der Nacht der Gegenwart der Stern des Aufganges, die Morgenröthe der Zukunft. Als der Herr geboren ward in unscheinbarer Hütte, unter einem geringen Volke, vor wenigen Zeugen; da dachte wohl Niemand, dass dieser Knabe einst die Welt erleuchten werde durch die Gotteskraft, die in ihm war, und ihn als Mann begeisterte zur That und zur Lehre. Und dennoch ergriff diese stille Gewalt die Herzen und ward Siegerin; zwar floss das Blut des Reinsten unter den Reinen, aber auf Golgatha ward der Bund besiegelt, der die neuen Apostel hinaustrieb in die Welt zu predigen von dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Und noch immer wiederholt sich diese Predigt, noch immer wirkt sie segensreich an tausend Gemüthern, wenn auch der Saame verborgen ist, der hier ausgestreuet wird, wenn auch die Zeit noch nicht gekommen ist, wo das unscheinbare Senfkorn, von sorgsamer Hand gepflegt, zu einem lustigen Baume wird, unter dem die Vögel des Himmels wohnen. Die Geschichte des Christenthumes bietet zwar Blutscenen dar neben den Segnungen des Friedens, Wortstreit und Herrschsucht neben Handlungen der Gerechtigkeit und der Milde, Wohl und Wehe, Verblendung und Einsicht, Fortschritt und Rückschritt seiner Gläubigen. Und so wird es vielleicht fortgehen noch lange. Denn das volle Licht ist uns hier nicht beschieden, so wenig als das volle Recht und die volle Tugend; wir sehen nur wie durch einen Spiegel, dort erst von Angesicht zu Angesicht. Aber eben wenn wir Kinder des Lichts und Erben des Reiches Gottes zu seyn und zu werden wünschen, so werden wir lieber an den Lichtseiten, als an den Schattenseiten uns halten, wir werden lieber in der Hoffnung, als in dem Unmuthe und in der Verzweiflung wandeln. Ja! schöne Hoffnung, leuchte du auch ferner unserem Leben und unseren Wegen! Du warst ja schon Vielen unter uns oft mehr als die Erfüllung, das einzige Unentreissbare, das einzige Bleibende! Du lächelst dem Kinde, du blühest dem Jünglinge, du leuchtest dem Manne, du winkst dem Greise. In tausend Gestalten kleidest da dich ein und verschönest schon die niederen

Plade unseres Daseyns, hilf uns auch unsere höheren Aussichten und Wege erhellen und beleuchten, Willkommen und freundlich glänzet immer dein Gestirn, die Strahlenkrone an deinem unsterblichen Haupte deutet nach oben; und wo deine lichtumflossene Gestalt herniedersteigt, da wird das Auge des Sterbenden helle, da wird die Kette des Gefangenen leichter, da fühlt die Brust des Leidenden und des Gedrückten Linderung, und der Greis wird zum Jünglinge im Geiste. So verweile denn auch in der Zukunft unserer Tage, die wir noch als Christen auf Erden wallen, und hilf uns näher blicken in das ersehnte Reich Gottes und Jesu Christi, Amen.

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III.
Predigt,

gehalten in der königl. preuss, evangel Gesandtschaftscapelle

zu Rom,
am Trinitatisfeste den 17. Jun. 1832.

Text: Joh. 15, 14. Ihr seyd meine Freunde, so ihr thub, was ich euch gebiete.“

Nicht unerhört, meine Zuhörer, ist zu verschiedenen Zeiten der Vorwurf gewesen, als ob das Christenthum, seinem Geiste, wie seinen Grundsätzen nach, der Freundschaft nicht günstig sey. Diese Religion, hat man gesagt, will eine allgemeine Verbrüderung der Menschheit, in welcher für Freundschaft kein leerer Raum mehr ist, sie gebietet eine umfassende Liebe zu Gott, zu Christus und zu dem Nächsten, in welcher die besondere Neigung des Einen zu dem Andern aus oder eingeschlossen ist, endlich verlangt sie unerbittlich selbst eine Liebe unserer Feinde, ohne doch pur hier ein Maass zu bestimmen, ohne zu erlauben, dass wir diese weniger lieben, als uns selbst und unsern Näch, sten. Als Nächsten aber sollen wir behandeln einen jeden, der mit uns geboren ist in diesem Kreise, mit gleichen An, sprüchen auf den Genuss dieser Erde, mit gleichen Hoffnungen auf den Himmel und dessen verheissene Seligkeit. Eine solche Forderung, fährt man fort, verletzt unser natürliches gesundes Gefühl, und kann eben darum nicht die wahro seyn. Geht doch ein ewiges Gesetz der Wahlverwandtschaft durch die gesammte Natur; gleichartige Stoffe ziehen sich an, entgegengesetzte stossen sich ab, und durch diese ununterbrochene Wechselwirkung, durch dieses Strömen und Widerströmen bedingt sich alles Leben und verjüngt sich stets neu. Ein gleiches geheimnissvolles Gesetz scheint in der sittlichen Welt zu walten, Auch hier ist Krieg die Loosung, nicht Friede, eine gleiche Neigung Aller gegen Alle ist nirgends sichtbar; und auch die besten und reinsten Seelen, die gern nur im Wahren leben möchten und im Guten, und alle Menschen an ihr Herz drücken, fühlen sich oft durch eine Reihe widriger Erscheinungen und unangenehmer Persönlichkeiten unsanft berührt, zur Abneigung gestimmt, ja selbst zum kräftigen Widerstande aufgeregt. So trennen sich fast absichtlos und unwillkührlich die nicht Gleichgestimmten, und treten mit denen zusammen, die sie verstehen und in gleicher Richtung denken und handeln. Sie wandeln Hand in Hand die rauhe Strasse des Lebens; sie erfahren immer mehr mit einander und werden sich dadurch immer werther und unentbehrlicher; jeder Tag, ja jede Stunde, die bösen wie die guten, befestigen diese Bande, und zuletzt vermag nichts in der Welt ihre Herzen auseinander zu reissen. Aber gegen alle Uebrige scheint nur das allgemeine menschliche Wohlwollen walten zu können, und auch dieses, wenn wir die Erfahrung befragen, ach wie oft getrübt und entstellt! Das menschliche Herz, nicht gross genug, um alle mit gleicher Innigkeit zu umfassen, kann nur in einem kleinen Kreise das Liebesfeuer, das in ihm wohnet, ausströmen. So würde also die christliche Lehre, indem sie mit dem Arme der Liebe die Menschheit zu umschlingen gebietet, die Freundschaft aufheben, die sie allgemein zu sehen wünscht, sie würde die Gränzen der menschlichen Natur und des menschlichen Wirkens verkennen; sie würde zu viel verlangen, und also nicht das Wabre. Dieser Vorwurf aber, meine Freunde, kann dem Christenthume und dessen aufrichtigen Freunden unmöglich gleichgültig seyn, am wenigsten in einer Zeit, wie die unsere, wo inan die Beschuldigungen so oft wiederholt hört, dass diese Religion überspannte Forderungen an den Menschen mache,

dass sie einer vorübergegangenen Zeit angehöre und In dieger als Gegensatz wohlthätig gewirkt habe, in die Verhältnisse, Wünsche und Pläne dieser Tage, und in das Leben, wie es sich nun gestaltet , nicht mehr passe; in einer Zeit, wo man diese Ansichten in dem Nachbarlande Frankreich von Seiten einer angesehenen und täglich wachsenden Parthei sogar öffentlich und unverholen aussprach, und auf deren freies Bekenntniss eine Sekte gründete, die dem Christenthume nur eine untergeordnete und vergängliche Stelle unter den Religionen der Vorwelt anweiset, Darum lasset uns, m. Fr., diesen noch wenig geachteten Punkt, der das Leben in seinen theuersten Interessen so nahe berührt, und dessen nähere Erwägung auf den Geist des wahren Christenthumes ein so helles Licht werfen muss, näher ins Auge fassen:

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die christliche Freundschaft, was sie sey, und ob

sie sey,

lasset uns zuerst aus der Natur dieser Lehre, und aus der Geschichte ihres Stifters und ihrer Lehrer betrachten, 80dann aber noch weiter in näherer Beziehung auf uns selbst, wie sie unsere Zeit zu pflegen habe.

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I. Wahr ist es, m. Fr., und gewiss von Niemand bezweifelt, der die christliche Lehre jemals zum näheren Gegenstande seiner Erkenntniss und seiner Forschung gemacht hat, dass sie das Gebot der Liebe zum ersten und zum königlichen unter allen, die sie aufstellt, erhob. Liebe Gott über Alles und deinen Nächsten wie dich selbst; das ist aber das neue Gebot, das ich euch gebe, dass ihr euch unter einander liebet, gleich wie ich euch geliebt habe, dass auch ihr euch unter einander lieb habet: und wenn ich mit Menschen - und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz und eine klingende Schelle, und wenn ich weissagen könnte, und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntniss und hätte allen Glauben, also dass ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht,

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