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den Tod bezwungen). Es erscheint „inmitten des Thrones“, d. h. wohl im Zentrum des ganzen Kreises. Den siegreichen Löwen kennen wir aus der biblischen Bildersprache: i Mos 49, 9f.1 Zur „Wurzel Davids" s. S. 33, 46. Was bedeutet das Lamm, das mit dem Löwen identisch ist? Man ist ohne weiteres geneigt, an das Lamm, das der Welt Sünde trägt, Jo I, 29 und 36, und an das Lamm von Jer II, 19, Jes 53, 7 zu denken (vgl. auch AG 8, 32; 1 Pt 1, 19). Auch der christliche Apokalyptiker denkt daran, wenn er sagt, daß es „gleichsam geschlachtet" ist. Aber das Lamm gehört hier zunächst in das

. kosmische Gemälde. Es heißt auch nicht åuvós, sondern å ovíov, d. h. der kleine Farre, Widder.2 Wie im Stierzeitalter, d. h. während der 2200 Jahre, in denen die Präzession der Sonne im Bilde des Stieres stand, Marduk, dem das Stiersymbol gehörig, als Sieger über den Drachen gilt, so mußte streng genommen seit Nabonassars Kalenderreform ein Jahrgott mit dem WidderSymbol an die Stelle treten. In dem ủoviov (Luther: Lamm) der Apokalypse ist die Umdeutung vom Stier auf den Widder vollzogen. Dieser Widder hat nun beim Apokalyptiker (und

”) Ebenfalls astral, Regulus liegt zwischen den Füßen des LöwenSternbildes.

2) S. bereits oben S. 9. Jupiter Amon wird mit Widderkopf dargestellt (s. Herodot II, 42). Er ist dux gregis der XII Götter auf der Flucht vor Typhon, Ovid Metam. 5, 327. Hermes xpiógogos trägt das Lamm auf der Schulter. Ist hier nicht der Ursprung des altchristlichen Bildes vom pastor bonus (Jüngling mit dem Lamm) zu suchen?

3) Die Zeitaltertheorie und ihre Beziehung zur Präzession nachgewiesen von Winckler, Die Weltanschauung des alten Orients (Neudruck Ex Oriente lux, Leipzig, Ed. Pfeiffer I, 1), S. 31 ff.

4) Apk 21, 23 geht von dem åovíov das Licht aus, wenn in der messianischen Zeit es der Sonne und des Mondes nicht bedarf. Es entspricht also der Lichtoffenbarung Gottes, die 1 Mos 1, 3 der Sonne voraufging und die Jo 1, 3 auf die vorchristliche ewige Ausstrahlung des Logos auf die Menschen gedeutet wird. Wir haben ATAO 69 gezeigt, wie im orientalischen Mythus das Entsprechende die Wirkung Marduks ist, der die Finsternis besiegt. Auch das würde bei der Verwendung des kosmologischen Mythus in der Apokalypse für die Beziehung des åovíov auf den kosmischen „Widder“ sprechen. Man wird einwenden: Warum ist denn hier das Diminutivum gebraucht, warum nicht rolós oder åpýv? Aber hier wird das landläufige Lexikon nicht endgültig entscheiden können. In den kosmologischen Mythen wird mit Vorliebe das Diminutiv verwendet. Ich erinnere an das Gadja-Lied („Böckchen“) der Pesach - Liturgie, das unzi felhaft kosmologischen Sinn hat. Und umgekehrt erscheint auf den Himmelskarten zorós als kleiner Widder; Hermes, der den kleinen Farren auf den Armen trägt, und der nach der Sage Paus. XI, 22 durch das Herumtragen eines Widders Tanagra von der

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Der Sieger und sein Lohn.

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das würde zum „Lammgar nicht gut passen) Hörner und 7 Augen, wie der Farre bei Hen 90, 37, der mit großen Hörnern geboren wird. „Die 7 Augen sind die 7 Geister, ausgehend auf die Erde.“ Wie bei Sacharja die

Wie bei Sacharja die 7 Geister vom Throne Gottes ausgehend umherschweifen, so sollen die 7 Augen bedeuten: Er sieht alles ! 1

3. Das „Lamm“ hat gesiegt. Der Kampf ist nur durch die Wunde angedeutet. Aber der Lobpreis zeigt, daß Tod und Auferstehung die Ursache der Glorifizierung sind. Tod und Auferstehung Jesu galten ja im Urchristentum vor allem als Sieg über den Satan. „Es kam der Fürst dieser Welt und fand nichts an ihm.“ „Es war ein wunderlicher Sieg, da Tod und Leben rangen." ,,Ein Lamm .. das trug in seiner Klau die Fahn' gerötet, das Zeichen hat uns Heil erstritten und Lucifern an seiner Gewalt getötet“, sagt der jüngere Titurel.

4. Der Lohn des Siegers ist der Empfang des Buches mit den 7 Siegeln. „Würdig bist du, zu nehmen das Buch und zu öffnen seine 7 Siegel.21, 9. Es bedeutet dasselbe, wenn Apk 21, 27 das Buch des Lebens" vom Lamme verwaltet wird. Der Sieger ist der Herr über die Geschicke der Welt. Auch dieser Zug stimmt zum altorien

Pest befreit, heißt xpiógogos. Übrigens gehen Widder und Lamm ineinander, wie Lamm und Ziege. 2 Mos 12 gestattet eine Ziege statt des Lammes für das Passah. Jupiter Amon ist auch Zeus aiyiwyos usw.

Aber selbst wenn meine Hypothese nicht standhielte, die åovíov mit dem Zodiakalwidder des Widderzeitalters verbindet, würde ich doch noch für eine über das Passah - Lamm hinausgreifende Bedeutung des ågvíov in Apk 5 plädieren. Man könnte nämlich auch geneigt sein, an das Lamm zu erinnern, das beim Fest des Sterbens und Auferstehens des Attis eine Rolle spielt nach dem Zeugnis des Jul. Firmicus (s. S. 19 Anm. 3), überhaupt an das Lammopfer, das im Widderzeitalter der Sonne dargebracht ward (vgl. z. B. Ilias 3, 108 f.). 1) Innerhalb des kosmographischen Gemäldes vertreten die 7 Augen,

7 wie die 7 Geister, die 7 Planeten. Auch bei Apk 7, i soll man nach Clem. Alex. Strom. 6 bei den 7 Geistern am Throne Gottes an die Planeten denken. Die jüdischen Kabbalisten setzen über jeden Planeten einen Erzengel, der an je einem Wochentage die Welt regiert: Raphael Sonne, Gabriel Mond, Chamael Mars, Michael Merkur, Zadkiel Jupiter, Annael Venus', Sabathiel oder Kephziel Saturn. Vgl. den Anhang über die 7 Planeten in der Apk S. 24 ff.

2) Identisch damit wäre: der Löwe hat gesiegt. Apk 5,5: Der Löwe aus Juda hat überwunden. Einen solchen Sieg des Widders schildert in anderm Zusammenhange Apk 17, 14. Zu den Drachenkämpfen im altorientalischen Mythus s. S. 36 ff.

Jeremias, Bab.

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talischen Mythus. Im Marduk-Mythus z. B. empfängt Marduk die Tafeln, d. h. die Leitung der Weltgeschicke.

5. Die himmlische Ratsversammlung stimmt den Lobpreis an Apk 1, 9ff. Auch dieser Zug entspricht der Ausstattung des babylonischen Mythus vom Jahres- und Weltkreislauf. So schließt das Epos Enuma eliš mit dem Lobpreis auf den siegreichen Erneuerer der Welt, der 50 Ehrennamen empfängt. – Diese Ehrennamen des Siegers werfen Licht auf die Redeweise Phil 2, 9 (s. S. 14): Gott hat dem Siegreichen und Erhöhten „einen Namen gegeben, der über alle Namen istund auf den mystischen neuen Namen des Siegers, der Apk 2, 17 in den Zauberstein (s. S. 104 ff. zu Mt 28, 19) eingegraben wird. 1

Ein Gegenstück zu Apk 5 bildet das 19. Kapitel in dem „Testament des Joseph" c. 19: „Und ich sahe, daß aus Juda eine Jungfrau geboren wurde (das Lamm Kind der Himmelskönigin, wie der Sieger in Apk 12 vgl. S. 15 f.), die ein Gewand aus Byssus trug, und aus ihr ging ein unbeflecktes Lamm hervor, und zu seiner Linken wie ein Löwe, und alle wilden Tiere bestürmten es, und das Lamm besiegte sie. Und es freuten sich darüber die Engel und die Menschen und die ganze Erde, dieses aber wird zu seiner Zeit geschehen in den letzten. Bewahrt die Gebote des Herrn und ehrt Juda und Levi, denn aus ihnen wird aufgehen das Lamm Gottes, welches durch Gnade alle Heiden und Israel rettet. Denn sein Königreich wird ein ewiges Königreich sein, welches nicht vergehen wird. 2

Sämtliche Hauptmotive sind hier vorhanden: das Lamm siegt in der Endzeit über die „wilden Tiere"; es erhält die Königsherrschaft; die himmlischen und irdischen Bewohner jauchzen ihm zu. Dazu tritt hier noch das Motiv, das die Brücke zu dem Gemälde von Apk 12 bildet: das „Lamm“ ist Sohn der Jungfrau, der Himmelskönigin.

1) Im Marduk -Mythus ist der wichtigste Name, den der Siegreiche empfängt, Nibiru, d. i. der göttlich verehrte Nordpunkt des Weltalls, der die Vollendung des Kreislaufs repräsentiert, s. meine Monotheist. Strömungen innerhalb der babylonischen Religion S. 19 u. 26; ATAO 15 u. 27.

2) S. die Übersetzung in Kautzsch, Pseudepigraphen 502; dort findet man auch die armenische Variante, die interessante mythologische Rätsel aufgibt.

Das Sterben des Jahrgottes.

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Das Gegenstück von Marduk, dem siegreichen Jahrgott der Wintersonnenwende, ist Tammuz, der im Unglück sitzende, in die Unterwelt gesunkene Jahrgott der Sommersonnenwende. Auch dieser Vorgang des Hinabsinkens wird in der gesamten alten Welt dramatisch dargestellt, in Ägypten im Osiris-Kult, in Phönizien im Attis-Kult usw. Ezechiel erzählt von den weinenden Frauen, die den Tammuz am Nordtor beklagen. Das Epos von der Höllenfahrt der Ištar bezeugt dieses Drama für das alte Babylonien. Das Adonis-Fest von Byblos schildert Lucian, de dea Syra. Und für Jerusalem bezeugt es Ezechiel 8: Die Weiber sitzen am Nordtor und beweinen den Tammuz. Für die christliche Ära bezeugt die Feier u. a. Julius Firmicus.? Er schildert in seinem Briefe an die Söhne Konstantins (de errore profanarum religionum) die phrygische Festfeier. Das Bild des Attis (d. i. der phrygische Tammuz) sei, an einem Baumstamme befestigt, feierlich in Prozession getragen worden.3

1) Zu der mit dem Marduk-Fest wahrscheinlich verbundenen Trauerfeier am „Grabe des Bel“ s. oben S. 9 Anm. 1. Die gleiche Bewandtnis hat es mit dem „Grab des Osiris“. Herodot II, 170 f.: „Es ist aber zu Sais auch das Grab eines, dessen Namen bei einer solchen Gelegenheit zu nennen mir nicht erlaubt ist (Osiris ist gemeint) in dem Heiligtum der Athene, hinter dem Tempel, und stößt an die ganze Wand desselben; in dem heiligen Raume stehen große Obelisken von Stein, und daran stößt ein See. An diesem See stellen sie zur Nachtzeit die Leiden des Gottes dar (Verfolgung durch Typhon, s. S. 30 f.). Indessen darüber muß ich, obwohl ich ein Mehreres davon weiß, wie es sich damit verhält, reinen Mund halten. Auch über das Fest der Demeter, das die Griechen Thesmophorien nannten (dreitägiges Herbstfest, nur von Frauen gefeiert), auch darüber muß ich reinen Mund halten und kann nur so viel sagen, als erlaubt ist. Dieses Fest haben des Danaus Töchter aus Ägypten eingeführt und die pelasgischen Frauen gelehrt, hernach aber, als die ganze Bevölkerung des Peloponnes durch die Dorier vertrieben ward, ging auch das Fest unter; die zurückgelassenen Peloponnesier und die nicht vertriebenen Arkadier waren die einzigen, die es feierten.“ Nach Plutarch, de Isid. et Osir. 359 wollten die reichen Ägypter in der Nähe des Grabes des Osiris in Abydus begraben sein (nämlich in der Hoffnung, mit Osiris die Auferstehung zu erleben; darum sagte man zur Mumie: du bist Osiris !). Nach Porphyrius, Epist. ad Aneb. p. 6 gab es keine größere Sünde als „das verborgene Geheimnis von Abydus gemein zu machen“.

2) Von den Isis - Mysterien insbesondere, die er als tragica funera bezeichnet, sagt Julius Firmicus: „Was beweint ihr die Früchte der Erde und beweint den wachsenden Samen?“ Sie sollen lieber ihre Sünden bekennen und angesichts des wahren Heilands rufen: ευρήκαμεν, συγχαίρομεν („wir haben gefunden, wir freuen uns“).

3) Neben dem Baume, den der Priester nach dem mitternächtigen Ritual, bei dem die Leiden des Gottes zelebriert wurden, in Stücke hieb, war ein Lamm postiert!

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Minucius Felix sagt spottend: „Sie hören nicht auf, alljährlich zu verlieren, was sie auffanden, und aufzufinden, was sie verlieren; ist es nicht lächerlich, zu betrauern, was du verehrst, und zu verehren, was du betrauerst?“ Aber der ins Elend gekommene Jahrgott wird nicht nur beklagt, sondern auch verspottet im Gegensatz zur Freudenfeier bei seiner Wiedergeburt, bei der das Lachmotiv eine große Rolle spielt.1 Von dem persischen Sakäenfest wissen wir, daß der sterbende Jahrgott durch einen Sklaven im königlichen Gewande unter dem Titel Zoyavns dargestellt wurde, oder durch einen zum Tode verurteilten Verbrecher, den man in königlichen Gewändern auf den Thron setzte und verspottete.?

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Die Verspottung des leidenden Jesus. Wie es scheint, haben die Schergen bei Jesu Verspottung und Kreuzigung an die Prozeduren dieses Festes gedacht, so daß durch den Spott der Menschen das Sterben und Auferstehen Jesu unbewußt in Zusammenhang gebracht wurde mit den Naturfesten der heidnischen, vorchristlichen Erlösungssehnsucht. Der dem Tode geweihte Jesus wird gleich dem sterbenden Jahrgott im Festspiel als Narrenkönig behandelt. .

Die römischen Soldaten legen ihm einen Purpurmantel an, setzen ihm einen Akanthus-Kranz auf, geben ihm einen Rohrstock in die Hand und huldigen ihm im Spott kniend als König (Mt 27, 27 ff.). Auch die Überschrift am Kreuz verspottet ihn als König. Ferner heißt es: „Zwei Mörder wurden mit ihm ge

3 richtet, einer zur Rechten und einer zur Linken.“ Das ist an

1) Vgl. z. B. das Lachen der vorher betrübten Ceres in den Eleusinien bei der Entblößung der Baubo, woran Clemens, Admonitiones ad gentes p. 16 Anstoß nimmt; auch das Lachmotiv in der Sarah-Geschichte (4mal wiederholt) bei der Ankündigung ihrer wunderbaren Fruchtbarkeit. – Zum Lachmotiv, überhaupt zu den Motiven der 4 Weltpunkte s. Winckler, Arabisch - Semitisch-Orientalisch (MVAG 1901) S. 103.

2) Berosus bei Athenäus XIV, 639 C= C. Müller, FHG II, 495; Dio Chrysostomus, de regno 4, 76 ed. Dindorf. Vgl. hierzu Sayce, Hibbert Lectures S. 68; Meißner, ZDMG 50, 296 ff. Zum folgenden vgl. Wendland, Jesus als Saturnalienkönig im Hermes 23, 177; Parmantier, Revue de Philologie 1897, 143; Winckler, Forschungen III, 33 f. 49 f.; Zimmern, KAT3 387.

3) Vielleicht gehört auch das Verhüllen der Augen und die Spottfrage: „Weissage uns, wer ist's, der dich schlug?" hierher. Nach Lucas trieben den Spott „die Männer, die Jesum hielten“.

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