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Die Verspottung des Jahrgottes im Leiden Jesu.

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1.(אין דנין שנים ביום אחד) hinzurichten

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sich sehr auffällig. Nach (Mischna) Sanhedrin VI, 4 verbot das jüdische Gesetz ausdrücklich, zwei Missetäter an einem Tage

Im Drama des sterbenden Jahrkönigs aber stellen die beiden die Würdenträger des verspotteten Königs dar. Es geschah das, was die Mutter der Söhne Zebedäi freilich in anderem Sinne als Zukunftsbild sich ausmalte: Laß die beiden sitzen in deinem Reiche (Mc: in deiner Herrlichkeit), einen zu deiner Rechten und einen zu deiner Linken" (Lc 20, 21), wobei Jesus auch seines Kreuzestodes gedachte. Die beiden Minister gehören in der Tat zur Ausstattung des Dramas im orientalischen Jahrmythus. Im arabischen Ajjûb-(Hiob-)Mythus, dem der Jahreswechsel zugrunde liegt, hängt Ajjûb am Kreuz mit seinen beiden Genossen. Im PurimSpiel (Spiel des Neujahrfestes) wird Haman mit seinen beiden Gesinnungsgenossen gehängt (Esther 2; 23. 7, 10).3

Man wird einwenden: Die Zeit (Passah-Fest, also Neujahrsfeier) paßt nicht zur Verspottung des sterbenden Jahrgottes. Die Verspottung (bez. die Trauer) gehört in die Sommersonnenwende. Aber wie wir wissen, daß die Thesmophorien, die von Ägypten nach Böotien kamen (Herodot II, 171), an einem dreitägigen Feste im Herbste Tod und Auferstehung feierten, so wurden bei den Eleusinien beide Festtatsachen in der Herbsttag- und Nachtgleiche gefeiert. Beim Attisfest legte man beide Akte des Dramas im Frühling zusammen. Firmicus bezeugt, daß. man am ersten Frühlingstage seinen Tod und zwei Tage darauf seine Wiedergeburt feierte. Und der Attiskult muß nach dem Zeugnis des Firmicus, der den Kultus in seinem Briefe an die kaiserlichen Söhne bespricht, in Rom eine große Rolle gespielt haben. An die Attis - Feier konnten die römischen Schergen Jesu sehr wohl denken.

Jesu Haupt wird mit einem Akanthuskranze uinwunden. Man erwartet ein königliches Abzeichen. Die Dornen krone

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1) S. Wünsche, Neue Beitr. 354 f.

2) Nabigha 2. S. Winckler, MVAG 1901, 295f. Eine Form des HiobMythus, die unabhängig ist von der biblischen Hiob - Erzählung. Aber auch hinter dem biblischen Stoff von dem im Unglück sitzenden Hiob, mit seinen (ursprünglich 2) Freunden verbirgt sich der Kalendermythus.

3) In der Josefs-Geschichte gehören die beiden Würdenträger, die mit Josef im Gefängnis sitzen, zu den Tammuz-Motiven, die ATAO 239f.. zusammengetragen sind, vgl. unten S. 40. Auch im Dreikönigs - Neu-jahrspiel spielen die drei die gleiche Rolle. Einer der beiden Begleiter ist regelmäßig gut, der andere böse. Ein merkwürdiges Zusammentreffen mit der Geschichte der beiden Schächer bei Lucas. Bei Marcus freilich sind beide Spötter. Die Harmonistik befriedigt nicht recht.

4) Vgl. Harper Letters Nr. 870: mâraka kušitutu tartakas; das Haupt des Königssohnes wird auch hier mit dem Königsabzeichen umwunden, MVAG IX (1904), 183 (Meißner).

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ist mit unserm christlichen Bewußtsein verwachsen. Aber sie ist nicht biblisch gesichert. Es handelt sich um eine verspottende Bekränzung des Königs mit Akanthus; das ist nach Mt 13, 7, Hbr 6, 8 eine Unkraut-Pflanze. Schmerzen zu ursachen ist nicht der Zweck dieser Krönung. Die älteste uns bekannte Darstellung im Coemeterium Praetextati (Krauß, Realenz. der chr. Altertümer, Abb. 7) sieht aus wie ein Kranz aus spitzem Blattwerk; andere Darstellungen (s. Abb. 8) zeigen einen einfachen Blumen- oder Blätterkranz. Ich gestehe, daß mir das blutüberströmte Angesicht immer wie eine unzarte Übertreibung erschienen ist, zumal bei dem Gedanken, daß der Heiland am Kreuze redet. Ob die Dornen krone der Legende angehört, die den Ideenzusammenhang, der die Kreuzigung mit dem heidnischen Totenfest in Zusammenhang bringt, gekannt hat? Verwunderlich wäre das durchaus nicht. Die Riten des altchristlichen Karfreitags und Osterfestes mit ihrer dramatischen Darstellung von Sterben und Auferstehen zeigen, daß man später gern an die heidnischen Naturfeste anknüpfte, z. B. wenn der Priester der griechischen Kirche mit der Osterkerze aus der Verborgenheit hervortrat und rief: „Das himmlische Feuer ist herabgestiegen aus den Wolken, die heilige Kerze ist angezündet.“ Verdächtig erscheint mir bei der Dornenkrone der spätere legendarische Zusatz, daß sie 72 Dornen gehabt habe. Hier zeigt sich deutlich das Zerstückelungsmotiv des Kalendermythus, bei dem die 72 eine besondere Rolle spielt."

Noch ein anderer Zug der Kreuzigungsgeschichte sei hier fragend erwähnt. Der Leichnam darf wegen des Anbruchs des Sabbats nicht am Kreuze bleiben. 5 Mos 21, 22 f. sagt: „Wenn jemand an ein Holz gehängt wird, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern sollst ihn desselben Tags begraben; denn ein Gehenkter ist verflucht bei Gott.“ Jos 8, 29 wird der König von Ai an einen Baum gehängt; bei Sonnenuntergang wird sein Leichnam abgenommen. Ebenso geschieht es Jos 1o, 26 ff. den 5 Amoriterkönigen. Targum Onkelos sagt zu Jos 8, 29 x by by (eig. „Balken auf Balken“), Sept.: éri fúlov didýpov; an einem Doppelholze. Man könnte daraus schließen, daß die Kreuzigung den Israeliten, also auch den Juden zu Christi Zeit nicht neu war?, also nicht erst etwa durch die Römer von Karthago her importiert. Aber jene Kreuzigung im Buche Josua hat auch eine religionsgeschichtlich interessante Seite. 2 Sa 21, 26 ist vom „Aufhängen vor Jahwe“ die

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1) Vgl. S. 9 u. 93.

2) Darf man auch daran erinnern, daß das Passah-Lamm nach Justinus Martyr, Dialogus cum Tryphone, in Kreuzform gespießt wurde: ein Spieß durch den Leib nach dem Kopf, ein anderer quer durch die Brust, um die Vorderfüße zu befestigen?

Dornenkrone. Das sterbende Saatkorn.

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Rede, 4 Mos 25, 4 gar „vor Jahwe gegen die Sonne“. In diesen Stellen verbirgt sich die außerhalb Israels gewiß verständliche Anschauung von einer Opferung des Delinquenten vor dem Sonnengott. Deshalb ursprünglich muß der Leichnam vor Sonnenuntergang abgenommen werden. Die Juden dachten bei der Kreuzabnahme vor Sonnenuntergang gewiß nur an den Sabbat-Anbruch. Aber man sieht, im letzten Grunde wurzelt die Forderung in einer gemein-orientalischen religiösen Anschauung.

Die Gleichnisrede vom sterbenden Saatkorn.

Mit dem astralen Kalendermythus vom sterbenden und siegenden Jahrgott läuft, wie S. 10 näher ausgeführt, parallel der Mythus von den chthonischen Göttern, deren Wesen sich im sterbenden und fruchtbringenden Saatkorn offenbart.1 Der hiermit zusammenhängende Ideenkreis, der bekanntlich besonders in den Mysterien von Eleusis kultischen Ausdruck gefunden hat, hat in den neutestamentlichen Schriften ebenfalls eine Spur hinterlassen. Jo 22, 20 erzählt, daß griechische Festbesucher bei Philippus 2 um eine Unterredung mit Jesus nachsuchten. Jesus sagt bei dieser Gelegenheit (doch wohl vor den Ohren der Griechen): Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und abstirbt, bleibt es eben ein Korn. Wenn es aber abstirbt, bringt es viele Früchte." Denselben Gedanken finden wir im Briefe des Paulus an die Griechen in Korinth bei der Beweisführung für die Auferstehung der Toten i Ko 15, 36f. 42 ff.: „Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und wenn du säst, so säst du nicht den Körper, der entstehen soll, sondern ein bloßes Korn, was es ist, von Weizen oder anderem. Es wird gesät verweslich, auferweckt unverweslich usw." Beweisen läßt sich natürlich nicht, das hier mit Bewußtsein an griechisch-orientalische Mysterien angeknüpft wird. Aber man wird zugeben, daß der Gedanke naheliegt, zumal da es sich um Anreden an Griechen handelt.3 An sich liegt ja das Gleichnis nahe. Im Talmud z. B. wird das Gleichnis „vom Weizen, der nackend begraben wird und mit vielen Kleidern hervorgeht“ als Analogie für die Lehre von einer Auferstehung der in Kleidern begrabenen

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") Ausführliches hierüber in meiner Schrift: „Monotheistische Strömungen innerhalb der babylonischen Religion“ S. 12 ff.

2) Der einzige Jünger mit griechischem Namen. Leonardo stellt ihn in seinem Gemälde vom Passahmahl deshalb mit griechischem Typus dar.

3) Vgl. Heinrici, Das erste Sendschreiben des Paulus an die Korinther I, 529 f.

Toten sicherlich unabhängig von dem Symbol der Mysterien herangezogen.

Die sieben Planeten in der Apokalypse Johannis.

Die sieben Sterngottheiten des babylonischen Pantheons, die mit den sieben Planeten verbunden sind und den gesamten von dem Willen des höchsten Gottes geleiteten Kosmos bedeuten (denn im Wandel der Planeten am Tierkreis offenbart sich der Wille der Gottheit), erscheinen bereits bei Ezechiel als sieben Boten Gottes 2 und bei Sacharja als sieben Augen Gottes, als sieben Lampen im Heiligtum. In den Visionen des Apokalyptikers, die den Himmel schildern, erscheinen die sieben Planeten 3 als sieben Fackeln vor Gottes Thron Apk 4, 5, sieben Leuchter, zwischen denen Christus erscheint 1, 12, sieben Augen des Lammes 5, 64, sieben Engel, die vor Gott stehen 8, 12.

Deutlich verrät sich das Motiv der sieben Planeten“ bei einigen der sieben Siegel, die geöffnet werden Apk 6 ff. Die Planetenfarben sind: Mond grün (oder silbern, weiß, entsprechend

-) In den Traktaten Ketubot ib und Sanhedrin gob. Schluß a minori ad maius: wenn schon das nackte Samenkorn hervorsproßt, wieviel mehr der in Kleidern Begrabene, also geschützt in der Erde Liegende. Vgl. A. Wünsche, Der Auferstehungsglaube im N. T., Talmud und bei den nachnicänischen Kirchenvätern in Vierteljahrsschr. f. Bibelkunde, talmud. u. patr. Studien I, 217.

2) S. Gunkel im Archiv für Religionswiss. I, 294 ff.; ATAO 357.

3) S. Gunkel, Zum religionsgeschichtlichen Verständnis des N. T. 40f. Dort auch die Literatur.

4) Anders die sieben Sterne in seiner Hand 1, 16. Gunkel 1. c. weist auf die Parallele in der von A. Dieterich herausgegebenen Mithrasliturgie, wonach Mithras in der rechten Hand „eines Rindes goldene Schulter“ hält, die als das (aus sieben Sternen bestehende) Gestirn des kleinen Bären gedeutet sind, und hält es für möglich, daß auch hier Christus als Inhaber dieser Sterne und demnach (der kleine Bär ist am Nordpol des Himmels) als rector poli erscheint. Die Erklärung könnte uns verlocken im Hinblick auf die Tatsache, daß im altorientalischen Erlösermythus der Nordpunkt des Himmels göttliche Verehrung genießt und dem siegreichen Erlösergott als Herrschaftspunkt (Nibiru) zugesprochen wird, s. Monotheistische Strömungen S. 19 u. 26. Aber die Verbindung mit dem kleinen Bären ist doch hier fernliegend. Es ist vielmehr an das Siebengestirn der Plejaden zu denken. Die Plejaden, die zum Stier gehören, erscheinen nach vierzigtägigem Verschwinden zur Wintersonnenwende, vgl. ATAO 142.

Darum sind sie das Gestirn des Messias, die „sieben Sterne“, die er in der Hand hält.

5) Zum folgenden s. Winckler, Forschungen II, 386 ff.

Die sieben Planeten in der Apokolypse.

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seinem Metall), Sonne golden, Mars rot, Merkur blau (bez. schwarz und weiß in seiner Doppelstellung zwischen Ober- und Unterwelt), Jupiter gelb (erdfarben), Venus weiß, Saturn schwarz. Als das zweite Siegel geöffnet wird, sieht man ein feuerfarbenes Pferd; der Reiter zieht mit einem großen Schwert in die Schlacht. Das entspricht dem Mars (s. unten Anm. 1). Beim Öffnen des dritten Siegels erscheint ein schwarzes Pferd; der Reiter hat eine Wage in der Hand. Das entspricht dem Merkur (schwarz und blau wechseln auch sonst noch heute in den liturgischen Farben). Beim vierten Siegel erscheint ein gelbes Pferd; der Reiter heißt Tod, ihm folgt der Höllengott (hier ist das mythologische Motiv offenbar!). Das entspricht Jupiter, der hier, wie auch sonst in den Entsprechungen der Mythologie, Saturn-(Nergal-)Eigenschaften hat. Weniger deutlich sind die Spuren der übrigen Planeten erhalten, Beim ersten Siegel erscheint ein weißes Pferd; der Reiter hat einen Bogen und wird mit dem Siegeskranz gekrönt. Die Farbe entspricht dem Mond; Bogen und Kranz gehören der Sonne (vgl. z. B. den Sonnengott Apollo mit Bogen und Kranz). Sonne und Mond vertauschen auch sonst ihre Embleme. Beim

-) S. A. Jeremias, „Im Kampf um Babel und Bibel“ 4 40. Im Dabistan (persisches Werk des Mohsin Fahmi aus dem 17. Jahrh.) wird von den „sabäischen“ sieben Planetentempeln berichtet, vor denen für je einen der Planeten ein Feueraltar stand. Das Bild des Saturn war aus schwarzem Stein, die Tempeldiener aus den schwarzen Völkerstämmen rekrutiert. Der König erschien mit blau oder schwarz gekleidetem Gefolge in seinem Tempel, die Hand auf der Brust, leise redend. - Jupiters Bild war erdfarbig. Seine Tempeldiener trugen gelbe und weiße Gewänder. Bei ihm der Adler und der Geier. - Bild und Tempel des Mars von rotem Stein, die rote Rechte herabhängend mit blutigem Schwert, die Linke eine eiserne Geißel schwingend. Bei seinen Festen trugen der König und sein Gefolge rote Kleider, sie sprachen stolz und keck. Die Kuppel des Sonnentempels war mit Gold bedeckt; die goldene Statue des Gottes saß auf den Pferden. Die Tempeldiener kleideten sich in Goldbrokat. Der Venustempel war von weißem Marmor, das Bild der Göttin trug in der Rechten die Ölflasche, in der Linken den Kamm. Der Dienst ward von Weibern versehen. Tempel und Bild Merkurs war aus blauem Stein, die Gestalt hatte Leib und Schweif eines Fisches und einen gekrönten Eberkopf; der eine Arm schwarz, der andere weiß; die Rechte hielt eine Feder, die Linke ein Tintenfas (vgl. Ez 9, 2, ATAO 35 f.). .Der Tempel des Mondes aus grünem Stein (grün die Farbe des Mondes, s. Stucken, MOAG 1902, 159 ff.), sein Bild auf einer weißen Kuh sitzend. Die dreigespitzte Krone deutet die drei Phasen an (crescens, plena, forma gibbosa, vgl. die Hecate tergemina). Die Diener in grünen und weißen Kleidern mit silbernen Ringen. Näheres s. Görres, Mythengeschichte I, 388 ff.

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