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fünften Siegel öffnet sich die Unterwelt. Die Seelen der Märtyrer erhalten weiße Gewänder und harren auf die Befreiung. Das entspricht der Venus (Ištar in der Unterwelt). – Beim Öffnen des sechsten Siegels stürzt die Welt ein. Hierfür würde nur Saturn übrigbleiben. Denn beim siebenten Siegel öffnet sich der Himmel mit dem goldnen Altar, und der Seher sieht den Rauch vom goldnen Weihrauchfaß aufsteigen. Der Weltensonntag bricht an.

Als das siebente Siegel geöffnet wurde, wurden den sieben Engeln von Gott sieben Trompeten gegeben. Auch die sieben Trompetenrufe (Apk 8, 6 – 9, 21; II, 15) verraten in ihren Wirkungen wenigstens an einigen Stellen die Planetenmotive. Die Vernichtung alles Grünen auf Erden bei der ersten Trompete deutet auf den Mond, der Herr alles Pflanzengrüns ist. Beim Schall der zweiten Trompete erinnert Feuer und Blut, das im Meer alles Lebendige vernichtet, an Mars; bei der dritten Trompete fällt ein Stern (!) vom Himmel (Merkur?) und verwandelt ein Drittel der Wasser in Bitterwasser. Bei dem vierten Trompetenruf kündigt der Adler das Jupiter-Motiv an, bei dem sechsten fällt wiederum ein Stern vom Himmel (vgl. Jes 14, 12 ff.: Wie bist du vom Himmel gestürzt, du strahlender Morgenstern), der öffnet den Zugang (Brunnen) der Unterwelt. Hier liegt das gleiche Venus-Ištar-Tammuz-Motiv vor, wie beim fünften Siegel 6, 9 ff. Beim sechsten Trompetenruf deuten die Pferde mit Löwenköpfen und Schlangenschweifen auf das Gefolge Nergals; der siebente Trompetenruf kündigt wiederum die Apotheose an; das Reich der Welt gehört dem Herrn und seinem Christus.

Man wird sich nach alledem nicht wundern, wenn wir die tiefsinnige Mystik der sieben Planeten - Motive auch in den Ehrennamen finden, die dem erhöhten Christus in den sieben Sendschreiben Apk 2 f. werden?: ,,So spricht der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der da wandelt unter den sieben goldenen Leuchtern“ (Sonne?). „So spricht der Erste und Letzte, der dort war und ist lebendig geworden“ (Mond). „So spricht, der das scharfe, zweischneidige Schwert hat“ (Mars).

„So spricht der Sohn Gottes (Nebo, der Sohn Marduks), der Augen hat wie Feuerflammen und dessen Füße wie Erz sind.“ ,,So spricht der, der die sieben Geister Gottes und die sieben

1) S. Winckler, Forschungen II, 389.

2) In diesem Falle = Marduk - Stier, da die VII Plejaden zu Marduk gehören, s. S. 24, Anm. 4.

Die sieben Planeten in der Apokolypse.

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Sterne hat“ (Marduk). „So spricht, der den Schlüssel Davids hat, der da öffnet, daß niemand wieder schließen, und schließt, daß niemand wieder öffnen wird“ (Ištar-Tammuz ). „So spricht Amen, der Urgrund der Schöpfung Gottes" (Saturn).

Zweites Kapitel.

Die Erscheinung des Erlöserkönigs.

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Der Mythus vom Jahrgott, der durch den Sieg über die feindlichen Mächte ein neues Weltenjahr bringt, spielt nun auch in der altorientalischen Geschichtsauffassung eine wichtige Rolle. Die mythologischen Züge dieses Jahrgottes werden auf jeden Dynastiengründer, auf jede epochemachende Herrschergestalt übertragen. Die betreffende Persönlichkeit wird gewissermaßen als eine Menschwerdung des Jahrgottes dargestellt, z. B. eine Menschwerdung Marduks, um mit der Nomenklatur des Stierzeitalters zu sprechen, oder es wird angenommen, sie sei von ihm zur Inaugurierung der neuen Epoche berufen.

So fühlt sich der assyrische König Sanherib als Adapa, das heißt als jenes Geschöpf Eas, mit dem in dem Adapa-Mythus die Menschheitsepoche beginnt, und das identisch ist mit Eas Sohn Marduk.2 Sargon, der Usurpator, sagt, es seien ihm 350 Fürsten voraufgegangen, das will sagen: ein Welten-Mondjahr ist vergangen, mit mir beginnt eine neue Weltepoche. Asurnasirpal, dessen Vater wir in der Königsreihe mit Namen kennen, läßt den Tafelschreiber von sich sagen: „Ich wurde geboren in Bergen, die niemand kennt .... Du hast, o Ištar, furchtbare Herrscherin unter den Göttern, mit dem Blick deiner Augen mich ausersehen, Verlangen getragen nach meiner Herrschaft, hast mich hervorgeholt aus den Bergen, zum Hirten der Menschen mich berufen." Zu Merodachbaladan II. spricht Marduk bei dessen Regierungsantritt: „Dieser sei der Hirte, der die Versprengten zusammenbringt.“3 Von Asurbanipal, dessen

4) Den Schlüssel hat sonst Nebo - Merkur; es liegt hier Wechsel zwischen Venus und Merkur vor, beide sind Gestalten der Unterwelt.

2) S. Winckler, Geschichte der Stadt Babylon S. 40.

8) Vgl. hierzu Ez. 34, wo die Messiaszeit durch den Hirten, der die Zerstreuten sammelt, eingeleitet wird.

Regierung wiederholt als Anbeginn einer neuen Epoche geschildert ist, heißt es, daß er bereits 1635 (1535) Jahre vor seiner Regierung als der Rächer der Göttin Nannaja von Erech geweissagt worden sei. In diesem Zusammenhang wird die Redensart gebraucht: ,,die Tage wurden voll“ (vgl. die Redewendung Jos 21, 45: „Es kam alles“ und Ga 4, 4: als die Zeit crfüllet war"). 1 In der Cyrus - Inschrift heißt es: „Marduk suchte einen gerechten Fürsten nach seinem Herzen, ihn zu fassen bei der Hand; er berief Kuraš mit Namen und tat seinen Namen kund zur Herrschaft über die Gesamtheit des Alls." Alexander der Große wird als der neue Dionysos (d. i. der siegreiche Jahrgott als Erlöserkönig z. B. in den eleusinischen Mysterien) gefeiert, auch die jüdische Haggada verherrlicht ihn unter alexandrinischem Einfluß in diesem Sinne.

Die Erscheinung eines Erlöserkönigs wird an Erkennungszeichen geknüpft, die den S. 9f. angegebenen Motiven im Mythus vom sterbenden und wiedererscheinenden Jahrgott entsprechen:

1. Er ist geheimnisvoller Herkunft. Entweder ist er in unbekannter Gegend geboren, oder vater - und mutterlos. Seine Mutter ist Priesterin oder die Muttergöttin selbst. Oder die Muttergöttin gewährt ihm später ihre Gunst.

Die Fragmente des Anfangs des Gilgameš-Epos reden viel von der Mutter des Helden. Aelian, Hist. Anim. XII, 21, sagt, seine Mutter sei eine Königstochter gewesen, die den Sohn von einem unscheinbaren Manne empfing. Und das Epos berichtet, wie Ištar, die Himmelskönigin, um seine Gunst warb. Lugalzaggisi sagt, ,,er sei ernährt von der Lebensmilch der Göttin Ninharsag. Von Sargon, dem Gründer von Babylon, erzählt man Ähnliches. Obwohl wir den Namen seines Vaters kennen, sagt er: ,,Meine Mutter war Vestalin?, mein Vater ,unbekannt', wäh

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1) Die Tatsache, daß es termini technici gibt (vgl. zu șemach S. 33; auch das noch immer rätselhafte Schilo i Mos 49, 10 wird sich schließlich als ein solcher Terminus enthüllen; nach der Kabbalah ist wegen des gleichen Buchstabenzahlenwertes 358 darunter der Messias zu verstehen, s. E. Bischoff, Kabbalah, S. 17), die in der altorientalischen und biblischen Sprachweise von einem kommenden Erlöserkönig sich gemeinsam finden, dürfte auch Skeptikern für die Behauptung von der Verwandtschaft der altorientalischen und biblischen Vorstellungswelt beweiskräftig erscheinen. Zu den Stellen vom „Erlöserkönig“ vgl. Zimmern, KAT 3 382 ff.

2) „Jungfrau-Mutter“, s. Winckler, Die Gesetze Hammurabis S. 30, Anm. 1.

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Die geheimnisvolle Herkunft des Erlöserkönigs.

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rend der Bruder meines Vaters das Gebirge bewohnt .... Ištar gewann mich lieb." In demselben Sinne sagt der babylonische Priesterfürst Gudea zu der Göttin GA-TUM-DUG, die ihm als Beraterin und Traumdeuterin zur Seite steht1: „Ich habe keine Mutter, du bist meine Mutter; ich habe keinen Vater, du bist mein Vater ...., an einem heiligen (bez. verborgenen) Orte hast du mich geboren.“ Das gleiche Motiv findet sich in einer sogenannten „zweisprachigen“ epischen Dichtung, deren Fragmente den Kriegsgott Niniba als gewaltigen Helden einführen, der den Wunsch hat, daß seine Königsherrschaft bis an die Grenze des Himmels und der Erde leuchten möge". 3 Ea hat ihn zum Heldenkampf berufen; denn er ist „für die Königsherrschaft geeignet“. In diesem Zusammenhange heißt er „das Geschöpf der Ištar". Dazu kommt, daß in einem verwandten epischen Stück die wunderbare Kindheit des „kraftvollen Mannes“ Ninib geschildert wird (,,er saß nicht bei der Amme, er verachtete die Milchnahrung“), wobei der Sproß „Meinen Vater kenne ich nicht“ genannt wird. Von seiner Mutter ist dann die Rede: „Er war zu seiner Stadt barmherzig, gegen seine Mutter gehorsam.“ 4

Man findet also in diesen uralten Monumenten

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") „O meine Königin, Kind der reinen Götter, der unter den Göttern der erste Rang gebührt du bist die Königin, die Mutter, die den Tempel Lagaš gegründet hat“, also sicher eine Erscheinungsform der Ištar. Vgl. zur ganzen Stelle Gudea Cyl. A II, 28 ff., III, iff.; Thureau-Dangin in ZA XVI, 346. 354. Dieses Seitenstück zur Sargon-Sage, auf das wir hier nachdrücklich hinweisen, ist von hoher Bedeutung. Es muß die letzten Zweifel an dem schematischen Charakter der Königsberufungssage beseitigen.

2) Bruchstücke des Textes hielt ich für „Hymnen an Marduk" bei Roscher, Lexikon der Mythologie, Artikel Ninib. Hrozný, der zuerst den Mythus von Ninib (gegen die Lesung Ninrag, die Hrozný empfiehlt, s. jetzt Hommel, Grundriß der Geographie und Geschichte des alten Orients, München 1904, S. 233) bearbeitet hat (MVAG 8, 159 ff.), korrigiert den Irrtum.

3) Asurbanipal, der auch als Erlöserkönig gilt, wurde die Welt vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang der Sonne geschenkt (Harper, Nr. 870 MVAG IX 1904, 183). Die Sonne ging nicht unter in seinem Reiche wie bei Karl V.

4) In dem letzgenannten Textfragment wird er auch in eine eigenartige Beziehung zum Wachstum der Pflanzen gestellt (zu diesem Motiv der Königberufungssage vgl. S. 32 f.): „Er bestieg einen Berg und säte seinen Namen weithin aus; übereinstimmend beriefen die Pflanzen seinen Namen zur Königsherrschaft über sich“; vgl. hierzu die Fabel Jotams Ri 9, 8 ff.

5) Auch Fohi, der sagenhafte Gründer Chinas hatte keinen Vater. Ebenso ist Buddha in der Sage vaterlos.

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bereits die gleichen Motive, die sich z. B. in der S. 27 erwähnten Asurnasirpal-Sage wiederfinden: Der Held ist von geheimnisvoller Geburt, die Muttergöttin Ištar gewann ihn lieb. Ebenso will Asurbanipal als Kind der Muttergöttin Ištar, der Königin von Niniveh, gelten, die ihn als Kind genährt habe. Wenn Antiochos i Mak 1, 14 ff. den Tempelschatz der Navala fordert, so hat er das zweifellos damit begründet, daß Navaia, die Muttergöttin, seine Gemahlin ist, deren Mitgift ihm gebührt; denn er trat ja als der Epiphanes, der erschienene Erlösergott auf, und wollte sich in Jerusalem als solcher verehren lassen. Aus diesem Motiv der geheimnisvollen Herkunft epochemachender Persönlichkeiten erklärt sich auch die außerbiblische Überlieferung über Melchisedek, der nach Hbr. 7, 3 „vaterlos, mutterlos“ ist (vgl. dazu oben die Gudea-Aussage) und über Elias, der nach Berach. 58 a , weder Vater noch Mutter" hatte. Auch von Moses, in dessen Kindheitsgeschichte das zweite Motiv von der Aussetzung hineinspielt, mag man Ähnliches erzählt haben. Die Überlieferung ist unsicher. Amram kann nach 4 Mos 3, 27 f. schwerlich als eigentlicher Vater Mosis gegolten haben. Auch der Erlöser selbst wird nach der jüdischen Sage vaterlos sein. Im Midrasch Echa heißt es zu Thren. 5, 3: „Ihr klagt: Vaterlose Waisen sind wir geworden. Wird doch auch der Erlöser, den ich unter euch erscheinen lassen werde, vaterlos sein.“ Und im „Testament des Joseph" c. 19 ist der als „Lamm“ wie Apk 5 geschilderte Erlöser Sohn einer Jungfrau, s. S. 18.

2. Der neugeborene Erlöserkönig wird nach seiner Geburt verfolgt. Er wird ausgesetzt oder in einen Kasten geworfen, aber gerettet. Allen Hindernissen zum Trotz tritt er seine Herrschaft an. 1

ATAO 255 ff. habe ich zwölf Parallelen zur Aussetzung Mosis im Schilfkasten von allen Ecken der Erde herbeigeholt. „Völkeridee“ ist hier gänzlich ausgeschlossen. Nur Wanderung des Mythus ist inöglich. Inzwischen sind mir noch weitere Belege begegnet. Abraham wird nach der jüdischen Sage nach seiner Geburt verfolgt und in einer Höhle (Variante zum Kasten) verborgen. Die ägyptische Göttermutter Hathor flieht, von Typhon verfolgt, in einem Papyrus - Nachen und gebiert auf einer schwimmenden Insel den Horus, s. S. 37. Zeus wird in der Grotte Ida geboren, wohin seine Mutter Rhea sich geflüchtet

) Vgl. oben S. gf. Nr. 4 die kosmologische Erklärung dieses Motivs und die Varianten des Mythus.

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