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sagung von der Enderlösung vor, nämlich der Aussage des Siegers Apk 21, 5: „Siehe, ich mache alles neu" und in dem Ehrennamen „Wurzel Davids“. Apk 7, 17 f. führt das „Lamm“ die Segenszeit herauf.

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Wie also Apk 4, 21 ff. 5 der kosmische Mythus der alten Welt mit seinen mystischen Hoffnungen von Erlösung und Welterneuerung dem Apokalyptiker das Darstellungsmittel für die Glorifizierung des siegreichen Christus darbot, so gibt hier dasselbe mythologische Drama Bild und Farbe für die großartige Weissagung von der Endzeit und von dem Sieg des Christus, der sich mit seiner Gemeinde auf ewig verbindet, und der die Welterneuerung bringt. Wir betonen nochmals, daß wir hier nur die Form erklärt haben, die das Gefäß darbietet für christliche eschatologische Weissagungen. Die christliche Kirche erwartet die Erfüllung der Weissagungen in der Endzeit. Die neuerdings verfochtene Behauptung, nach welcher die Christologie und Eschatologie der christlichen Kirche auf einem Synkretismus des Evangeliums Jesu mit der Mythologie der alten Religionen zu erklären sei, ruht auch hier auf dem Trugschluß, der mit der Kritik der Form auch die in ihr zum Ausdruck gebrachten religiösen Realitäten erklärt zu haben meint.

Drittes Kapitel.

Die Geburtsgeschichte nach Matthäus.

Auch der Verfasser der Kindheitsgeschichte Jesu Mt if. kennt den altorientalischen Mythus vom Erlöserkönig. Das gesamte Evangelium ist von der Absicht durchzogen, den König Jesus zu schildern.

In den Anfängen des Lebens Jesu zeigt der Verfasser, wie die Geschichte Schemata baut, wie die Begleiterscheinungen der Ankunft des Erlöserkönigs zu alledem Zug um Zug stimmen, was nicht nur die Propheten geweissagt, sondern auch die Mythen des Orients geahnt haben.1

1) Daß Matthäus den oben entwickelten Ideenkreis kennt, zeigt der Zusatz Mt 2, 23: „Er soll Nazarenus heißen.“ Das ist nicht ernstlich als

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Sein Geschlechtsregister hat die Tendenz, zu zeigen, das mit der Geburt des Königs das neue Weltjahr beginnt. Im 11. Kapitel, in der Rede über Johannes v. IIf. vgl. auch S. 97 f. zu Mt 10, 35, wird später noch in anderer Weise die Scheidung der Weltzeitalter betont.

1. Die Erscheinung des Erlösers als Sohn der Jungfrau.

Matthäus zitiert Jes 7, 14: Eine Jungfrau ist schwanger.Die Weissagung ist erfüllt. Wenn man den altorientalischen Vorstellungskreis gekannt hätte, würde man nie daran gezweifelt haben, daß im Sinne des Verfassers von Jes 7 wirklich ein Jungfrauensohn gemeint sei. Der Erlöserkönig erscheint allenthalben als Jungfrauensohn. Jesaias mag an eine in naher Zukunft zu erwartende Persönlichkeit gedacht haben, aber der Kommende gilt ihm als Erlöserkönig, daher verbindet er auch mit dem Jungfrauensohn die Motive von Butter (Milch) und Honig v. 15+, und von der Fluchzeit, die der Segenszeit vorausgeht, v. 16. Mi 5, 2 reflektiert darüber und meint: was Jesaias sagte, stimmt zu dem, was ich zu sagen habe (Klostermann), die Königstochter, die 4, 8 zum verlassenen Turme Eder kommt, ist im Sinne Michas die Mutter des Messias.

Wir sagten: der Erlöserkönig erscheint allenthalben als Jungfrauensohn. Die Himmelskönigin und Muttergöttin, die den Erlöserkönig gebiert, ist, wie wir S. 35 gezeigt haben, Jungfrau. Demeter, die Mutter des Dionysos in den Eleusinien, heißt iegà napvévos, heilige Jungfrau und in der Tempelaufschrift zu Sais „Mutter der Sonne". Dionysos ist aber im Kalendermythus der Erlöser, der über die Wintermächte siegt. Dasselbe gilt von Isis, der Mutter des Horus. Das hängt mit dem Tierkreisbild der Jungfrau zusaminen?, wie uns unten die Sym

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Weissagung gemeint. Nazareth ist keine alte Stadt. Aber Nezer ist Synonym von Şemach, und dieser ,,Zweig“ ist term. techn. der Erwartung des Erlöserkönigs, s. S. 33, 56 f.

) Zu dem Motiv Milch und Honig vgl. das ständige Epitheton des Verheißungslandes Land, wo Milch und Honig fließt, die mythologischen Namen der Quellflüsse des Nahr el Kelb im Libanon: „Honigquelle, Milchquelle“ (Bädeker S. 298), die Zeus- Amalthea-Sage, in der das Kind des Zeus von Milch und Honig genährt wird, s. S. 31. Auf dieses Motiv geht im letzten Grunde der Gebrauch des Honigs bei den Mithrasmysterien und ebenso die altkirchliche Sitte zurück, den Neophyten Milch und Honig zu reichen; das Material s. bei Anrich I. c. 216 ff.

2) Wahrscheinlich bereits im alten babylonischen Sternhimmel, s. Zimmern KAT 3 427.

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bolik einer Torverzierung von Notre Dame besonders deutlich illustrieren wird. Die Erklärung ist am Sternenhimmel, in der Konstellation der Wintersonnenwende zu suchen. Um Mitternacht am 25. Dezember geht am östlichen Punkte des Himmels das Sternbild der „Jungfrau" auf.1

Ich hoffe, nicht misverstanden zu werden. Daß die christliche Überlieferung von der Jungfrauengeburt Produkt des orientalischen Mythus sei, lehnen wir auf Grund des von uns dargelegten Standpunktes unbedingt ab. Auch hier bietet der orientalische Mythus das Schattenbild einer religiösen Realität, die in die Erscheinung trat, „als die Zeit erfüllt war". Gleichwohl wird die kirchliche Theologie durch den religionsgeschichtlichen Zusammenhang zwischen der Jungfrau-Mutter im ersten und dritten Evangelium und der τερά παρθένος des Mythus vom siegreichen Jahrgott und Erlöserkönig an etwas Wichtiges erinnert: nämlich daran, dass es sich bei der „Geburt aus der

daß Jungfrau" nicht um physiologische Erörterungen, sondern um die religiöse Frage handelt. Zugleich tritt um so deutlicher zutage, daß die Verehrung der Maria in der römischen Kirche eine Rückkehr von der im Evangelium vorliegenden Auffassung zur Himmelskönigin des altorientalischen Kalendermythus bedeutet. Man denke nur an den Kultus der Philomarioniten, die der Himmelskönigin Maria Mehlkuchen backen, wie sie nach Jer 7, 48 von jüdischen Frauen der malkat šamaiim, der orientalischen Himmelskönigin Ištar-Astarte, gebacken wurden. Epiphanius adv. haer. 78, 3; 79, I: „Es gehen einige Weiber so weit, daß sie auf den Namen und zu Ehren der heiligen Jungfrau xolāvoida tiva opfern.“ „An einem gewissen Tage im Jahre setzen sie ein Brot hin und opfern auf den Namen der Maria. Sie essen aber alle von diesem Brote." 2

2) Vgl. S. 35 und Nork, Festkalender S. 50 f. 578, wo eine Stelle aus Albertus Magnus de Univ. zitiert ist, die darauf hinweist, daß Jesus Christus bei Aufgang des Sternbildes der Jungfrau geboren wurde, und ein Ausspruch von Roger Baco bei Selden, dediis Syr. I, 104, nach der das Fest der Geburt der Maria mit dem Sternbild der „Jungfrau“ in Verbindung gebracht wird: quod beata virgo habet figuram et imaginem infra decem gradus Virginis et quod nata fuit quando sol est in Virgine et ita habetur signatum in Calendario, et quod nutriet filium suum Jesum interra Hebraeorum.

2) Soltau, Die Geburtsgeschichte Jesu Christi (1902), findet in heidnischen Sagen Analogien für einzelne Motive der Kindheitsgeschichte und nimmt dann auf Grund der Resultate seiner Evangelienkritik literarische Entlehnungen an. Er glaubt nachgewiesen zu haben, daß alle Momente.. Maria als Himmelskönigin.

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Die Kunst hat die Auffassung von Maria, der jungfräulichen Himmelskönigin als Repräsentantin des Jahresumlaufs, bis tief in das Mittelalter vererbt. Ein merkwürdiges Zeugnis dafür bieten die Skulpturen eines Seitenportals in der Kirche NotreDame (Maria, „Unsre liebe Frau“) in Paris, die Dupuis in dem Atlas zu seinem Buch „Origine de tous les cultes“ No. 18 wiedergibt. Am Pfeiler in der Mitte steht Maria mit der zwölfzackigen Krone, das Kind auf dem Arme; zu ihren Füßen ein greifartiger Drache, der sich um einen Baum windet. Auf dem äußeren Rande der Türeinfassung sind die 12 Tierkreisbilder, auf jeder Seite 6, eingemeißelt: links Löwe bis Wassermann von oben nach unten, rechts Krebs bis Steinbock. Es fehlt die Jungfrau; in dem ihr zukommenden Felde hat sich der Künstler selbst eingerneißelt. Die Jungfrau ist ja Maria selbst, sofern sie nicht den gesamten Kreislauf darstellt. Auf der inneren Seite des Pfeilers sind die Lebensalter des Kindes in sechs Stufen fortgesetzt: Knabe, Jüngling, junger Mann, bärtiger Mann, älterer Mann, Greis. Auf der anderen Seite sind die Jahreszeiten symbolisiert: Ein nackter Jüngling im Baumschatten; ein Mann in leichtem Untergewand; eine Gestalt mit doppeltem Gesicht, das eine jugendlich, das andere greisenhaft (Sommersonnenwende); ein Mann tief in den Mantel gehüllt; ein Greis, der ein Reisigbündel trägt; ein Greis, der sich ain

die in den Berichten des ersten und dritten Evangeliums die göttliche Abstammung Christi hervorheben, „aus heidnischen Quellen entnommen sind“. Sobald Soltau sich der Erkenntnis anschließen wird, daß es sich bei Jungfrauengeburt, bei der Verkündigung des goldenen Zeitalters, bei der Huldigung auf Grund astrologischer Omina, bei der Verfolgung des Erlöserkönigs nach seiner Geburt nicht um disiecta membra, sondern um einen einheitlichen Stoff handelt, wird er sich in seiner Position wesentlich erschüttert sehen. Zu welchen Trugschlüssen man geführt wird, wenn man in diesem Falle nur die Teile in der Hand hat, ohne das einheitliche Band zu kennen, möge die Behauptung Soltaus illustrieren S. 23: „Jedenfalls steht so viel fest, daß der Glaube an die jungfräuliche Geburt Jesu nicht in Palästina, wenigstens nie in jüdischen Kreisen hätte entstehen können.“ Man vergleiche damit das oben Gesagte. Die Verfasser der Kindheitsgeschichte von Matthäus und Lukas brauchten nicht zu warten, bis sie durch inschriftliche Verherrlichungen des Augustus (vgl. S. 57 ff.) auf diese Motive aufmerksam gemacht wurden. Die Frage ist nach wie vor die: Liegen den Kindheitsgeschichten historische Vorgänge zugrunde oder nicht? Wenn die Frage zu bejahen ist, wovon wir trotz Soltau wissenschaftlich überzeugt sind, so bietet die Kindheitsgeschichte als Realität dar, was der Mythus der Antike als Erfüllung der Menschheitshoffnung geahnt hat. S. ATAO 345; Bilder der Muttergöttin und Himmelskönigin Abb. 77 und 122. Jeremias, Bab.

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Feuer wärmt. Endlich entsprechen den 12 Tierkreiszeichen 12 weitere Bilder, die die Beschäftigungen der Monate darstellen.

2. Die Geburt des Erlöserkönigs wird durch die Gestirne angekündigt. Unter den Kap. I f. behandelten Motiven für die Erwartung des Erlöserkönigs ist uns dieses Stern-Motiv noch nicht begegnet. Aber es erscheint oft in den occidentalischen Übertragungen des Kalendermythus, wenn es sich darum handelt, himmlische Vorzeichen für große Persönlichkeiten zu nennen. Es bildet dann das Gegenstück zur Verfinsterung der Himmelskörper beim Tode des Helden.1

Bei der Geburt Mithridates des Großen wie bei seinem Regierungsantritt leuchtete nach Justin 37, 2 (Dieterich, Zeitschr. für neutest. Wissenschaft 3, 7) ein Komet 70 Tage; sein Glanz überstrahlte die Sonne. In der Geburtsnacht des Alexander, als der Tempel der Diana zu Ephesus brannte, weissagten Magier aus einem leuchtenden Wunderzeichen, daß in dieser Nacht „das Verderben Asiens“ geboren sei (Cicero, de divinatione I, 47). Nach Servius zu Aen. II, 801 leuchtete dem Äneas die Venus auf seinem Zuge voran, bis er zum Ziele gelangte. Und bei der Leichenfeier des Julius Caesar leuchtete sieben Tage ein Komet, der von den einen als „Wahrzeichen für die Größe des künftigen Augustus“, von anderen als „Zeichen des vergöttlichten Julius“ angesehen wurde (s. zu diesen letzten Zeugnissen Usener, Relig. Untersuchungen S. 76 f.). Wenn übrigens der Stern als sidus Iulium angesehen wurde, so liegt der Gedanke zugrunde, daß der Stern selbst der zum Himmel erhobene Held ist. Diesen Volksglauben konnte man im Sommer 1903 noch in katholischen Ländern beobachten: die in bestimmten Perioden und zufällig auch nach dem Tode Leos X. besonders hell leuchtende Venus galt im Volke als emporsteigende Seele des gestorbenen Papstes.

Die Frage, ob sich 4 Mos 24, 17 in der Weissagung Bileams das Sternmotiv für den erwarteten Erlöserkönig findet, möchte ich bejahen., Daß Matthäus nicht auf die Stelle hinweist, beweist nichts dagegen. Er weist auch bei den Gaben der „Weisen“ nicht auf Jes 60, 6, obwohl das sehr nahe lag. Nach dem Parallelismus der Versglieder sagt 4 Mos 24, 17: ein König, dessen Embleme Stern und Zepter sind, wird kommen. Der Stern wird ihn am Himmel ankündigen, sein Zepter, d. h. seine Königsmacht wird auf Erden die Feinde zerschmettern.

Matthäus zeigt Kap. 2, daß die Magier in die Lage versetzt wurden, die Geburt des erwarteten Erlösers aus den Sternen zu lesen. Dabei wird vorausgesetzt, daß für Magier, die im Kulturbereich Babyloniens im Osten wohnten, die Geschicke des „Westlandes“ von Wichtigkeit waren und daß sie im ,,Westlande" das Eintreten großer Ereignisse erwarteten. Ob die „Magier“ als Mithras-Diener oder etwa als Priester des

) S. S. 103 f.

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