Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Augustus als Erlöserkönig.

61

mit den Prachtgewändern des olympischen Jupiter und einer Strahlenkrone angetan, hoch thronend auf einem lorbeerbekränzten Wagen, den zweimal sechs glänzendweiße Rosse zogen.

Als Markus Cicero einmal den Julius Caesar auf das Kapitol begleitete, erzählte er gelegentlich einigen Freunden, er habe in der vergangenen Nacht geträumt, ein Knabe von lieblicher Gestalt werde an einer goldenen Kette vom Himmel herabgelassen und trete vor das Portal des Kapitols hin, wo ihm dann der Jupiter eine Geißel gereicht habe. Mitten in dieser Erzählung erblickte er Augustus, der ihm, wie den meisten Anwesenden, noch unbekannt war und den sein Oheim Caesar zu der Opferfeier hatte herbeikommen lassen; und so versicherte er, das sei derselbe Knabe, dessen Bild ihm während des Schlafes erschienen sei.

In den oben wiedergegebenen Augustus-Inschriften finden sich, ganz abgesehen von der Augustus-Sage Suetons, sämtliche Motive des orientalischen Mythus vom Erlöserkönig:

1. Die geheimnisvolle Geburt und überirdische Herkunft. 2. Der Zusammenhang mit bestimmten Konstellationen. 3. Die Bedrohung des Neugeborenen durch den Drachen

(verwischt, s. S. 60 Anm. 2). 4. Der Anbruch des Weltenfrühlings. Augustus ist owing

(„Retter des ganzen Menschengeschlechts“, vgl. S. 12, Anm. 1), die „frohe Botschaft“ über ihn verkündet „Wohlergehen der Menschen“.

Wir nehmen an, daß ebenso wie der Stern Mt 2 auch die Augustus - Omina auf faktisch erfolgte chaldäische GestirnOrakel zurückzuführen sind. 1

1

1) Übrigens folgt aus alledem, daß man damals in Rom orientalisch, d. h. im Sinne der altbabylonischen Weltanschauung (astral) dachte. Gegen den Einwand, das sei erst unter Augustus oder seit der Unterwerfung des Orients denkbar, s. Winckler, Ex oriente lux I, 1, S. 45.

Viertes Kapitel.

Die irdischen Heiligtümer Abbilder himmlischer

Heiligtümer.

Den Grundgedanken der altorientalischen Weltanschauung bildet die Vorstellung von einer „prästabilierten Harmonie". Alle irdischen Dinge und alles irdische Geschehen sind in himmlischen Vorbildern vorgezeichnet. Wenn im Etana-Mythus Ištar und Bel sich im Himmel und auf Erden nach einem König umsehen, so liegen die Insignien: Zepter, Binde, Mütze, Stab vor Anu, dem summus deus, im Himmel bereit.1 Der Priesterfürst Gudea von Lagaš empfängt in einer Traumvision auf einer Tafel von Lasurstein den Bauplan des Tempels, welchen er für Ningirsu, den Befehlsübermittler des Götterkönigs Anu, bauen soll.2 Das wichtigste Dokument für diese babylonische Lehre liegt in einem Schöpfungsbericht vor, der uns als Einleitung eines Beschwörungstextes überliefert ist. Aus der Urflut heraus wird hier zunächst die himmlische Welt mit ihren drei Reichen, dann wird die Erde geschaffen. Auf der Erde werden die Heiligtümer der drei obersten Götter geschaffen nach dem Vorbild der kosmischen Heiligtümer. Dementsprechend heißt es im Cod. Hammurabi, der Tempel von Sippar sei gemäß dem himmlischen Tempel erbaut. Und in einer Sanherib-Inschrift wird berichtet: der Plan von Ninive sei dereinst gemäß der Himmelsschrift entworfen worden." In einem Briefe an Asurbanipal

1) S. Zimmern KAT 3 383.
2) Gudea Cyl. A. Thureau - Dangin ZA XVI.
3) Brit. Mus. 82 - 5 - 22, 1048. Analysiert ATAO S. 50 f.
+) Cod. Hamm. II, 9 ff.

5) Sanh. Bell 35: Ninives Grundriß ist seit Anbeginn „gemäß der Schrift des Himmels“ gebaut (itti šițirti šamê). Späteren Untersuchungen muß es vorbehalten bleiben, zu zeigen, wie die gleiche Anschauung in das Griechentum eingedrungen ist. Der griechische Mythus kennt ein siebentoriges kosmisches Theben, das Amphion aus den sieben Tönen der (Planeten-) Leier erbaut (das irdische Theben stellt also den Planetenhimmel auf Erden dar); ebenso gibt es ein kosmisches Troja, von Apollo erbaut (vgl. Ilias VII, 452), ein kosmisches Megara, bei dessen Bau Apollo, die Zither weglegend, hilft (vgl. Pausanias I, 42, 2). Delphi ist als uegouqalía yains Abbild des höchsten Göttersitzes. Zum Koran, Sure 2, 128, berichtet der Kommentator Samachschari, die Kaaba zu Mekka sei von Abraham nach dem ihm von Gott gezeigten Modell der (im vierten

Himmelsbild gleich Weltenbild.

63

1

wird dem König 1 als besondere Schmeichelei gesagt: „Was sogar im Himmel nicht geschehen ist, das hat mein Herr König auf der Erde getan und uns gezeigt“ (er hatte die feindlichen Söhne versöhnt).

Aber nicht nur für einzelne Heiligtümer gilt die Grundanschauung, daß irdisches Abbild des Himmlischen ist, sondern die Geographie der Länder spiegelt den Kosmos wieder. Wir haben ATAO 24f. eine Vermutung ausgesprochen und begründet, nach der die Stadtkulte der ältesten euphratensischen Staatengebilde systematisch zusammengehören und das Himmelsbild wiederspiegeln. Vorher hatte H. Winckler wiederholt darauf hingewiesen, daß gewisse geographische Namen mythologische, d. h. kosmische Bedeutung haben müssen und daß in jedem Lande ein „Paradies“ und ein „Weltmittelpunkt" sich findet. Neuerdings ist eine phönizische Inschrift gefunden worden, nach der das Stadtgebiet von Sidon in Bezirke eingeteilt wurde, die nach den Teilen des Kosmos benannt sind.2

Auch im Alten Testament finden wir Spuren des Gesetzes, nach dem irdische Dinge Abbilder himmlischer Vorbilder sind. Vielleicht gelingt uns künftig der Nachweis, daß auch das vorisraelitische Kanaan in geographischen Bezirken den Kosmos abbildete.3 Vorläufig müssen wir uns mit Einzelheiten begnügen. Hi 38, 33 heißt es: Kennst du den mištar (eig. „, die Schrift") des Himmels", und in Parallele dazu: Oder kannst du ihn auf der Erde malen" In diesen Worten ist der Grundgedanke des Gesetzes angedeutet. Beim Bau der Stiftshütte 4 2 Mos 25, 40,

[ocr errors]
[ocr errors]

Himmel befindlichen) Ur-Kaaba gebaut worden (Bischoff, Koran, S. 114). Eine andre Überlieferung sagt, das Modell der Kaaba und der schwarze Stein sei durch Gabriel bereits Adam gezeigt worden, nachdem dieser sich in Reue und Buße Allah wieder zugewendet hatte. Vgl. Ibn Ațir, Țabari und Mas'udi (Wünsche, Wissenschaftl. Beil. der Leipz. Ztg. Dez. 1904).

1) Harper, Letters MVAG IX (1904), 183.

2) S. v. Landau in MVAG 1904, 229 ff. Die Deutung der Namen im mythologisch - kosmischen Sinne entdeckte ein Gelehrter (ClermontGanneau), dem das zugrunde liegende altorientalische Gesetz bis jetzt völlig unbekannt ist.

3) Wir denken an Namen wie Kirjat Arba, Kirjat Sepher (vgl. ATAO 5 Anm. 3), Gilgal im Buche Josua, an die kanaanäische Ortsnamen im Papyrus Anastasi (s. ATAO 196 ff.) etc.

*) ohel moʻed, eig. Zelt der Versammlung, scil. zur Schicksalsbestimmung. Denn hier wird das Orakel von Jahve befragt. 2 Mos 33, 10 f. hat ursprünglich die Art der Befragung gestanden, die uns jetzt dunkel ist, vgl. zu Ephod S. 111. Hinter dem Namen verbirgt sich die ursprüng

vgl. 26, 30, wird die Tabnît, der Bauplan, von oben her vorgezeichnet. Auch für den siebenarmigen Leuchter (nach der syrischen Baruch-Apok. 4, 5 für alle Geräte des Zeltes) wird das Muster vom Himmel her gezeigt. Daß der Tempel zu Jerusalem, der von fremden Baumeistern nach babylonischem Vorbild gebaut ist, einem himmlischen Urbild entsprechen soll, sieht man deutlich bei Ezechiel, dem 40 ff. der Plan vom Himmel her vorgezeichnet ist, wie Moses der Plan zur Stiftshütte und wie dem babylonischen Gudea der Plan des Tempels von Lagaš und wie die Ur-Kaaba der moslemischen Legende dem Abraham. Auch Jes 54, 11 ff. deutet ein kosmisches Gegenbild des himmlischen Heiligtums an. Ebenso bildet der Tempel zu Jerusalem in seinen einzelnen Teilen den Himmel ab. Der Berg Zion erscheint in der Sprache der Psalmen und Propheten als ein Abbild des mythischen Berges, der den Nordpunkt des Weltalls und den Zugang zum Heiligtum des summus deus bildet.1 Die Stufen zum Tempel entsprechen den Planetenstufen?, die Säulen Jakin und Boaz repräsentieren die beiden entgegengesetzten Punkte des Sonnenkreislaufes.3 Das ,,eherne Meer", von den 12 Stieren getragen, symbolisiert den Tierkreis, der den Südhimmel (Himmelsozean) vom Nordhimmel trennt. Die 12 Tiere entsprechen den Wächtern (Zophasemin), die den Himmelsozean absperren. Im Heiligtum repräsentiert der siebenarmige Leuchter die sieben Planeten, und die 12 ,,Brote des Angesichts" (Schaubrote)' ent

3

wenn

liche altorientalische Vorstellung: die Götter versammeln sich, um das Schicksal zu bestimmen. Hommel, Geschichte und Geographie des AO S. 170 ist, wie ich während des Druckes sehe, auf der gleichen Spur,

er ohel moʻed für eine irdische Nachbildung des har moʻed (Jes 14, 3 s. ATAO z. St.) erklärt.

1) ATAO S. 333.

2) Vielleicht findet der Name miba, ,,die Stufenpsalmen", hier seine Erklärung, vgl. S. 82. Auch die sechs Stufen, die zu Salomos Thron emporführen (1 Kg 10, 18ff.) und die von Löwen bewacht werden, wie der Thron des höchsten Gottes in dem erwähnten Traumbilde Gudeas, bilden die sechs untern Himmelsstufen ab, die zum obersten Himmel führen, vgl. zu diesem Throne Gunkel, Zum religionsgesch. Verständnis des NT S. 45.

3) Ost und West, bez. Nord und Süd, s. ATAO S.40, Anm 2; S.64, Anm.2.

+) S. ATAO S. 55, Anm. 4; S. 63. Nach dem ersten Sternbild, dem Stier, können die anderen benannt sein.

5) Sie vermitteln den essenden Priestern das Anschauen Gottes. Man beachte den häufigen Zusammenhang zwischen „Essen“ und „Gott schauen“ in der alttestamentlichen Sprache. „Ich werde gesättigt, wenn ich erwache nach deinem Bilde“ Ps 17, 15, vgl. 2 Mos 24, 11: Und sie schauten Gott und aßen und tranken.

Das himmlische Gegenbild israelitischer Heiligtümer.

65

sprechen den 12 Tierkreisbildern, vgl. Josefus 3, 7, 7. Das Gewand des Hohenpriesters, der mit Urim und Tummim die Geschicke verwaltet, ist mit seinen eingewirkten Keruben Abbild des Weltalls, der Vorhang mit den eingewirkten Keruben hat ebenfalls kosmische Bedeutung. Josefus sagt I. c., daß die zwei Sardoniche, die die Agraffen des hohenpriesterlichen Gewandes bilden, Sonne und Mond abbilden, während die 12 Edelsteine 1 die Zeichen des Tierkreises darstellen.

Als Zeugen für die Richtigkeit dieser Auffassung zitieren wir ältere und jüngere jüdische Quellen. Man wird zugeben müssen, daß sie kompetentere Beurteiler israelitischer und jüdischer Denkweise sind, als moderne Kommentatoren. Siphre 5 Mos 373 sagt vom Gesetz, dem Tempel und Palästina, daß sie vor allem andern geschaffen seien. Bereits in einer Baraita wurden nach Midr. Beresch. r. Par. I und Tanchuma Abschn. wa Zeichen 11: Thron Gottes und Tempel zu den sechs oder sieben Dingen gezählt, die der Welt vorangingen und die sich im siebenten Himmel befinden. Im Traktat Chagiga 12 b heißt es: ,,Im Zebûl (3131„Wohnung", dem vierten der talmudischen sieben Himmel, vgl. Jes 63, 15) befindet sich Jerusalem, der Tempel, ein Altar; und Michael, der große Fürbitter, steht und opfert darauf.“ Die Vision Jes 6, i ff. kennt zweifellos einen himmlischen Tempel mit Räucheraltar. Tanchuma fol. 31: „Der Tempel auf Erden wurde nach dem Muster des himmlischen erbaut." 4 Nach der syrischen Baruchapokalypse 4, 3 ff. ist das

1) Vgl. KAT 3 629; unten S. 68 Anm. 1, auch S. 35.

2) Die späteren Quellen können unter Umständen ältere Anschauungen verraten, als die früheren. Das mittelalterliche Judentum hat sich jedenfalls gegen „moderne“ Einströmungen ängstlich verschlossen, vgl. S. 67. Vor allem möchten wir gegenüber der herrschenden Anschauung auf die Wichtigkeit der Sohar-Literatur als Quelle für alte orientalische Anschauungen hinweisen. Der Spanier Mose de Leon, der im 13. Jahrhundert den Sohar schrieb (Sohar heißt „Glanz“, dazu kommt Sohar Chadasch „Neuer Glanz“, Tikkune Sohar „Verbesserungen zum Sohar“ etc.), scheint in Spanien und Italien altorientalisch-jüdische Traditionen aufgesammelt zu haben (bis nach Spanien war ja die orientalische Kultur vorgedrungen). Ich schließe das daraus, daß gerade in den Sohar altorientalische Mythen in verblüffender Klarheit hineinspielen.

3) zitiert nach Dalman, Worte Jesu I, 105.

+) Wenn es im Traktat Taanit fol. 5a heißt: „Das himmlische Jerusalem ist ein Abbild der heiligen Stadt auf Erden“ und wenn es im Sohar Chadasch, fol. 19, col. 3 heißt: R. Jehuda sagt, das obere himmlische Jerusalem sei nach dem irdischen erbaut, so beruht das auf der Umkehrung des Satzes, wie es ja auch neben dem präexistenten, himmJeremias, Bab.

5

« ͹˹Թõ
 »