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himmlische Jerusalem (das auch das künftige sein wird) zugleich mit dem Paradies erschlossen; Gott zeigte es u. a. dem Moses, als er ihm die Modelle des Zeltes und seiner Geräte zeigte. In der Ascensio Jesaiae heißt es: ,,So wie droben ist es auch auf der Erde, denn das Abbild dessen, was in dem Firmament ist, ist auch auf Erden." Sohar fol. 91, col. 3601: „Alles, was auf Erden angetroffen wird, befindet sich auch im Himmel, und nichts ist so gering, daß es nicht sein Vorbild im Himmel hätte." Maimonides, More Nebochim II, 6: „Gott tut nichts,

6 bevor es nicht drinnen in der oberen Familie geschehen ist.“ Das meint auch Philo, wenn er philosophiert: „Der göttliche Verstand enthält die Ideen aller Dinge und alles dessen, was geschehen und ausgeführt werden soll; der Inbegriff dieser Muster (!) macht die intelligible Welt aus (róquos vontós),

(κόσμος , welchem die Sinnenwelt nachgebildet wurde, ohne jedoch die Vollkommenheit der Ideenwelt zu erreichen."2 Jalkut Rubeni (Ausg. Amsterd. 1700 fol. 171: ,,Zwölf Stämme Israels gibt es, nach der Zahl der Häuser des oberen Jerusalems."3 In Bechais kabbalistischem Kommentar zum Pentateuch fol. 148 heißt es, der Dienst des Hohenpriesters im Tempel zu Jerusalem sei ein 27 (deiyua) des Dienstes, den der himmlische Hohepriester (Michael) im Himmel verrichtet. Chullin 91 b liest man: „Dem Gesetz oben entspricht ein Gesetz unten.“ Wenn der Sündenbock zum Opfer gebracht wird, wenn die Exkommunikation ausgesprochen wird, wenn das Volk gesegnet wird, so geschieht dasselbe gleichzeitig in der himmlischen Welt. So entspricht auch dem Dienst der Priester im Tempel ein Dienst der Engel

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man ;(ירושלמא של מעלה) im himmlischen Heiligtum (מלאכי השרת)

vergleiche auch hier Jes 6. Die religiösen Tänze (David 2 Sa 6, 14, vgl. auch i Kg 18, 26) versinnbildlichen vielleicht ursprünglich die Bewegungen der Himmelskörper. Ebenso ent

lischen Jerusalem ein neues Jerusalem (dies neue Jerusalem ist aber spezifisch christlich!) gibt. Vgl. zu der Materie Bousset, Offbg. Joh. 509 ff. 519 ff.; Dalman, Worte Jesu I, 106; Zimmern KAT 3 630.

1) Wir zitieren die Sulzbacher Ausgabe von 1684 nach sekundären Quellen. Leider ist der Sohar nur stückweise übersetzt, vgl. S. 65, Anm. 2.

2) Vgl. ATAO 12, Anm. 2.

3) Vgl. die 12 Häuser des Tierkreises, s. ATAO 14. Nach dem Vorbilde des Planetenhimmels wurden in der späteren rabbinischen Literatur auch sieben himmlische Tempel (Hekalot) gezählt, von acht Engeln bewacht, die auf Anruf durch gewisse Formeln öffnen müssen (s. Jellinek, Beth ha- Midrasch III, vgl. Lueken, Erzengel Michael, S. 118 Anm. 1).

Das himmlische Gegenbild israelitischer Heiligtümer.

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spricht das Synedrium der 70 Ältesten einem himmlischen Ratskollegium, das besonders in der messianischen Zeit eine Rolle spielen soll, vgl. z. B. Wajjikra rabba c. II fin. Schon Da 7, 10 vgl. 4, 14 kennt dies Kollegium in der Umgebung Gottes; ebenso Jes 24, 23. Simeon ben Lakisch (um 260 n. Chr.) setzt Bereschit r. Par. 9 der „himmlischen Regierung“ eine „irdische Regierung“ entgegen, und Berach. 58 a wird als babylonischjüdische Redensart bezeugt: „Das irdische Regiment gleicht dem himmlischen Regiment." 1

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Harnack ist demnach durchaus im Recht, wenn er Dogmengeschichte > I, 755 sagt, es sei alte jüdische Vorstellung, daß „alles wahrhaft Wertvolle, das auf Erden erscheint, im Himmel seine Existenz habe“ (nur ist die Vorstellung realistischer und weniger philosophisch, als es nach dem bei Harnack folgenden erscheinen könnte), vgl. auch Schürer, Geschichte II, 423. 446. Dalman sagt dagegen (Worte Jesu I, 245), es sei gänzlich unjüdisch, jedenfalls unpalästinensisch, während allerdings die mittelalterliche Kabbala derartige Vorstellungen hege.

Darf man die Kabbala wirklich von der alten jüdischen „Wissenschaft“ trennen? In den Zeiten der Kabbala haben sich die Juden gegen fremdartige Weltanschauung hermetisch abgeschlossen. Eben darum haben jüngere Stellen beinahe die gleiche Beweiskraft für uns wie alte Stellen jüdischer Literatur. Der Grundirrtum der gegnerischen Einwände ist immer wieder die Beurteilung der alten „Wissenschaft“ nach modernen Grundsätzen, während der alte Orient nur eine einheitliche Lehre und Wissenschaft kennt, welche alles menschliche Wissen umfaßt. Wer sich diesen grundlegenden Unterschied nicht klarmacht, wird immer wieder die alten Einwände gegen die Feststellung orientalischer Gedankenwelt vorbringen. Er wird sie als unmöglich ansehen, weil sie zu modernen Voraussetzungen nicht stimmen (vgl. z. B. S. 40, Anm. 1), oder er wird das als orientalische Gedankenwelt ausgeben, was er sich daraus mittels modern okzidentalischer Gedankenwelt zurechtgemacht.

Im Neuen Testament spiegelt sich der besprochene Ideenkreis von der prästabilierten Harmonie vor allem im Briefe an die Hebräer wieder. Aber auch einzelne Spuren sind vorhanden. Man denke an die Redeweise vom Königreich des Himmels, Königreich Gottes, das nahe herbeigekommen ist, und an die Stellen, die vom himmlischen Jerusalem reden: Ga 4, 35 f.: „Jerusalem, das droben ist, ist unser aller Mutter.

redet von dem himmlischen Berge Zion und dem himmlischen Jerusalem (dicht dabei das Bild vom himmlischen Buche, in das die Namen eingetragen sind), Jo 14, 2 von dem himmlischen Hause mit den vielen Wohnungen, Apk

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Hbr 12,

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1) S. Dalman, Worte Jesu I, 75 f.

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3, 12; 21, 2, 10; 21, 12 u. ö. schildert das himmlische Jerusalem mit seinen zwölf Toren (vgl. Ez 48, 2. 31), zwölf Engeln, zwölf Edelsteinen, die der Symbolik der altorientalischen Tierkreisvorstellung entsprechen. Der Verfasser der Apokalypse sieht c. 4 f. ferner die himmlische Ratsversammlung, er sieht den himmlischen Räucher- und Brandopferaltar (8, 3; 16, 7), er sieht das Allerheiligste sich öffnen (II, 19; 15, 5). Noch Augustinus ist der Gedanke vertraut. In seiner civitas dei setzt er voraus, daß die irdische und himmlische Stadt je einer Stadt der guten und bösen Geister im Himmel entspricht.2

4. Krebs

1) Die arabischen Astrologen deuteten durch die zwölf Edelsteine (zu der Zwölfzahl der Edelsteine vgl. Plinius, hist. nat. C. 37) die zwölf Häuser der Sonne am Tierkreis an; s. Athanasius Kircher, (S. J.) Oedipus Aegyptiacus II, 177. Im 2. Bande dieses Oedipus Aegyptiacus (1653), p. 167 f., wird „aus ägyptischen und arabischen Monumenten“ eine Übersicht über die Zugehörigkeit der einzelnen Edelsteine zu den Tierkreisbildern hergestellt:

1. Widder Amethyst rot (rubeus)
2. Stier

Hyacinth dunkel (braun) (fuscus)
3. Zwillinge Chrysopras – gelb

Topas blau
5. Löwe

Beryll golden
6. Jungfrau Chrysolith - grün
7. Wage Sardius purpurn
8. Skorpion Sardonyx schwarz
9. Schütze Smaragd feuerfarben (flammeus).
10. Steinbock Chalcedon weiß
11. Wassermann Saphir ceruleus

12. Fische Jaspis aschfarben (cinericius) (Es folgt dann eine hochinteressante Liste, in der „nach ägyptischen, arabischen, hebräischen Urkunden“ die sieben Planeten aufgeführt sind und zu jedem Planeten der ihm zugehörige überirdische Genius, ferner die ihm zugehörige Steinart, Metall, Pflanze, Tier, Arzneimittel, Körperteil und Krankheit. Eine 3. Tafel behandelt die Beziehungen der 36 Dekane).

In den gleichen Anschauungskreis gehören die 12 Edelsteine am Kleide des Hohenpriesters, die (12) Edelsteine am Kleide des Urmenschen Ez 28, 13 ebenso wie die 12 heilkräftigen Edelsteine in den babylonischen Ritualtafeln, vgl. Zimmern, KAT3 628, Anm. I.

2) Dalman I. c. 106 sagt, die Stellen der Apk dürfte mit den Stellen im Galaterbrief und Hebräerbrief nicht kombiniert werden. Das ist in dieser Form nicht richtig. In der Apk liegt nur eine Weiterbildung vor, teils auf dem christlichen Theologumenon beruhend, teils auf dem Satz, daß die Endzeit der Urzeit entspricht. Die Endzeit bringt das Himmlische auf die Erde, das himmlische Jerusalem (vgl. S. 65, Anm. 4) ist das neue Paradies, vgl. syr. Baruch-Apok. 4, 3.

Das himmlische Jerusalem.

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Der Gedanke, daß kultische Handlungen auf Erden mit gleichzeitigen himmlischen Handlungen korrespondieren, begegnet uns ebenfalls im Neuen Testament. Was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein; und was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein", Mt 18, 18. Auch das Bild von den Schätzen im Himmel, die oben angesammelt werden, während der Mensch unten Gutes tut (Mt 6, 20; 19, 21 und Parallelen) gehört hierher. 1 Bei Paulus spielt der Gedanke eine große Rolle. Man denke an die Schilderung der Ehe als Abbild eines himmlischen Urbilds im Epheserbrief?, an die Rede von den himmlischen Körpern und irdischen Körpern, vom Bilde des himmlischen Adam und des irdischen Adam i Ko 15. Endlich sei nochmals an Apk 5 erinnert, wo die Ereignisse der Zukunft, die in dem siebenmal versiegelten Buche vorgezeichnet sind, zuerst am Himmel gleichsam probeweise sich ereignen.

Fünftes Kapitel.

Das Buch des Lebens.

Wie nach der babylonischen Welterklärung das gesamte göttliche Wissen und die über die Welt verhängten Geschicke, selbst die Namen der großen Könige, die zur Herrschaft bestimmt sind, auf Tafeln, bez. in ein Buch geschrieben sind, so sind auch die Geschicke des einzelnen Menschen, ferner die Gebote, nach denen er sich zu richten hat, sowie sein Verhalten auf Tafeln verzeichnet. Der Tag, an dem die Geschicke im einzelnen bestimmt werden, von dem insbesondere das Geschick des laufenden Jahres festgestellt wird, ist der Neujahrstag. In Babylonien ist es das Zagmuk-Fest (= reš šatti, d. h. Jahresanfang, wie hebräisch Gaun Uxn) oder Akîtu-Fest, das

2) Vgl. Zimmern KAT 3 405. Derselbe Gedanke schon im babylon. Talmud Chagiga 126, Schabbat 105b. Schemot r. Par. 45 zeigt Gott dem Mose „alle Schatzkammern der Belohnung“, die den Frommen bereitet sind. Nicht an eine „mystische Präexistenz“ des Lohnes ist zu denken (Dalman, Worte Jesu I, 170), sondern an ein Korrespondieren irdischer und himmlischer Geschehnisse.

2) Eph 5, 23, vgl. S. 45.

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im Stierzeitalter in den ersten Tagen des Nisan als Fest des „Auferstehens“ Marduks gefeiert wird. Bereits unter Gudea wird es als Fest der Göttin Bau erwähnt, in der Sintfluterzählung des Gilgameš-Epos ist die Neujahrsfeier das höchste Fest, und Hammurabi erwähnt wiederholt das „Haus des Akîtu-Festes“. Wir dürfen annehmen, daß es in den Jahrhunderten vor dem Stierzeitalter ein Herbstfest war.2 Von der Festfeier des Marduk wissen wir aus assyrischen und neubabylonischen Zeugnissen, daß den Hauptakt des Festes der feierliche „Auszug“ Marduks aus dem Tempel Esagila bildete. Seine Statue wurde in feierlicher Prozession in einem auf Rädern fahrenden Schiffe auf der Feststraße, die jetzt durch die Grabung der Deutschen Orientgesellschaft teilweise bloßgelegt wurde, einhergefahren. Am 8.-11. Nisan feierte man die Versammlung der Götter, deren Bilder nach Babylon gebracht wurden, im Schicksalsgemach. Dort wurden die Lose, die Geschicke des Jahres bestimmt. 3 Es ist insbesondere davon die Rede, daß der himmlische Tafelschreiber das Leben, d. h. die Lebensdauer des Menschen, auf einer ,,Tafel des Lebens“ verzeichnet. Die Texte der Bibliothek Asurbanipals, die bekanntlich zum großen Teil Abschriften alter Texte sind, nennen eine Tafel, auf der die Gebote über Opfer, Gebet, Freundschaft niedergeschrieben sind, sie reden von einer ,,Tafel der Gnade", von einer ,,Tafel der

“ guten Werke“, in die nach IV R 11, 18b Einträge gemacht werden. Die Ritualtexte sagen: „Es werde zerbrochen die Tafel meiner Sünden!“ „Die Tafeln (es ist von einem Menschen die Rede, über den ein Bann verhängt ist) seiner Sünden, seiner Übertretungen, seiner Missetaten, der Bannsprüche und Verwünschungen (die auf ihm lasten) werden ins Wasser geworfen.“6

Wie zäh sich diese altorientalische Lehre selbst in ihren Einzelheiten durch die Jahrhunderte erhalten hat, zeigt wiederum die außerbiblische, jüdische Literatur. Zwischen dem jahrstage und dem Versöhnungstage wird die Welt gerichtet. Im Talmud-Traktat Arachin 100 heißt es: „Die Dienstengel fragten Gott: Herr der Welt, warum stimmen die Israeliten am Neujahrs

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1) Vgl. S. 9, Anm. 1.
2) ATAO S. 19, Anm. 2; 43.

3) S. A. Jeremias, Art. Marduk in Roschers Lexikon der Mythologie; Zimmern KAT 3 514 f.

+) S. Zimmern KAT 3, 401 ff.
5) S. ATAO 6.
6) Zimmern, Beiträge (AB XII) 23, 125.

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