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Die zwölf Apostel und der Tierkreis.

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ordnet. 6. Das hohepriesterliche Kleid mit den 12 Steinen in den Mauergründen des himmlischen Jerusalems Apk 21, 19 ff. Vgl. Tertullian adv. Marc. IV, 13. 7. Christus ist die Sonne. Die neutestamentliche Kirche ist der Zodiak, den die Sonne durchläuft und durchleuchtet; so können die 12 Apostel mit den 12 Sternzeichen des gebärenden Weibes (d. i. die Kirche) verglichen werden Apk 12, 1. 3 X 4: für die Solstitialpunkte, für die Äquinatialpunkte und für die 4 Jahreszeiten.1 -- Die alte Kirche hat diese Vergleichung Christi mit der Sonne nicht gescheut. So sagt Tertullian, Apologet. c. 16: „Alii (nämlich Heiden) plane humanius et verisimilius solem credunt deum nostrum.“ Und Cyprian sagt in einer Homilie am Kar-Sonnabend: „Sie haben Simson, die Sonne ?, gebunden, dieser aber zerris die starken Bande und richtete die Fremden (àlloqúlovs, d. h. die Philister) und Gesetzlosen zugrunde. So ging auch Christus, der

, Sonnengott, für die Erde unter (έδυ Θεός Ήλιος Χριστός υπό ysv) und verbreitete ein ewiges Dunkel für die Juden.“ Dann aber wird der alten Kirche auch die Anschauung nicht allzu fremd gewesen sein, die der Valentinianer Theodet 3 in die Worte faßt: „Die zwölf Apostel füllen in der Kirche denselben Platz aus, welchen die zwölf Zodiak alzeichen in der physischen Welt einnehmen; wie diese ihren Einfluß auf die Zeugung äußern, so jene auf die Geburt der Seclen."

Übrigens ist noch ein anderer Weg denkbar, der in Verbindung mit Apk 21 zu einer Symbolisierung der Apostel mit den zwölf Tierkreisbildern führen konnte: Wir begegneten bereits wiederholt dem Jupiter Amon als dux gregis der XII und erkannten die Beziehung zum Tierkreis, dessen Frühlingspunkt der widderköpfige Amon entspricht. Ebenso haben die Griechen und Römer bei ihren zwölf Hauptgöttern an die zwölf Teile des Sonnenlaufs gedacht. Wenn man nun in der alten Kirche hie und da die Statuen der Götter ganz oder teilweise als Darstellung der zwölf Apostel reklamiert hat, so lag es auch nicht

.

1) Den Mond, den das Weib, die Kirche, unter den Füßen hat, vergleicht er mit den Dienern der alttestamentlichen Zeit (die 12 Phylarchen?), unter denen die Lage der Kirche veränderlich war, die Lampen im Heiligtum anzünden mußten, zu deren Zeit Nacht herrschte und auf Licht gewartet wurde.

2) und heißt „die kleine Sonne“, s. ATAO 287 f. Die Stelle zitiert Augusti, Denkwürdigkeiten II, 169 f.

3) Eclog. Theodet. c. 26 zitiert nach Nork.

fern, sie unter der Führung der „Sonne Gottes“ als die Repräsentanten der Sonnenbahn zu symbolisieren. Nachweisbar ist die Übertragung bei Petrus, der (als Führer der XII) Schlüssel und Hahn als Symbolum zeigt. Es sind die Symbole des Janus?, der die Reihe der römischen XII Götter eröffnet. Auch die übrigen Petrus-Symbole gehören ursprünglich dem Janus: Das Schiff auf den Münzen der Päpste Nicolaus V. und Alexander VI. und der Krummstab. Janus gilt als Erfinder der Schiffe, und Ovid sagt (Fast. I, 99), in der Rechten halte er den Stab, in der Linken den Schlüssel.

Wir haben bereits an andern Stellen darauf hingewiesen, daß die Namen der Väter hier und da nicht im Sinne der Genealogie gemeint sind, sondern daß sie ein Motiv verbergen. So bei „Simon, Jonas Sohn“, (nach dem Vorgang in Joppe AG 10 vgl. Jon 1, 3). Es ist keine historische Spur in dem Evangelium vorhanden, die uns zwingt, Jonas als wirklichen Vater Simons anzuerkennen. Daß Josua ben Nun (Sohn des Fisches) ein mythologisches Motiv anklingen läßt, wurde selbst von skeptischen Beurteilern solcher Dinge anerkannt: Josua heißt als Gesetzgeber Israels und als Drachenkämpfer „Sohn des Fisches“ d. i. Ea Oannes. Auch in Messias ben Josef und ben David fanden wir ein mythologisches Motiv S. 39f.

Vielleicht erhalten nun auch einige Väternamen der Jünger Anklänge an die Tierkreiszeichen. Dann müßte man annehmen, daß im Text der Evangelien (vielleicht in späteren Rezensionen) das Apk 21 angedeutete Motiv, das die Apostel mit dem himmlischen Kosmos in Verbindung bringt, weiter verfolgt worden ist. Thomas, der Zwilling! Was soll der Name für einen Sinn haben? Die Deutung als diyroyos nach seinem Charakter ist geschmacklos. Thomas ist aber babylonisch tuâmu, d. i. der Name für die „Zwillinge“. – Johannes und J a kobus sind Söhne Zebedäi. Zebedäus entspricht babylonisch Zalbatanu, d. i. der Name Jupiters in der alten babylonischen Liste. So würde sich der Beiname erklären: Βοανηρες (Βοανερες) ο δ' έστιν υιοι βροντης, wenn lesen darf bné Nerig, d. i. die Söhne Nergals. Jupiters Söhne sind Donnerssöhne. – Jakobus Alphaei Sohn, d. i. alpu = guttu: Stier, Name

des Marduk (= Jupiter). Man wird zugeben, daß die Anklänge höchst

man

1) Der Hahn ist Symbol des Hermes-Merkur, der als biformis (ihm gehört der Herbstpunkt, er teilt das Jahr, hat deshalb halb weiße, halb schwarze Mütze usw., mit dem doppelgesichtigen Janus verwandt ist; aber auch als Matutinus pater gebührt Janus der Hahn. Er vertreibt böse Wetter und böse Geister auch als Hahn auf dem Kirchturm nach dem Volksglauben. Natürlich dachte man auch an die „Schlüssel des Himmelreichs“ und beim „Hahn“ an den Hahn der Verleugnung. Aber das ist ja eben im orientalischen Sinne, verschiedene Beziehungen zu vereinigen; je mehr Beziehungen zu finden sind, desto sinnreicher für den Orientalen. Schlüssel und Hahn sind übrigens auch Symbole des Kronos im Mithraskult nach der bei Cumont (Die Mysterien des Mithras) gegebenen Abbildung. Zu diesen Schlüsseln vgl. Apk 1, 18.

2) Die letzten beiden erklärt nach Winckler, Forschungen II 387.

Die Väter der Apostel. Die 70 Jünger.

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merkwürdig sind. Gleichwohl geben wir sie mit aller Reserve wieder und bitten, durch Erfahrung gewitzigt, freundliche Kritiker, diese Einzelheit nicht herauszugreifen, um das Ganze als unannehmbar hinzustellen.

Zu den zwölf Aposteln tritt ein weiterer Jüngerkreis von 70 oder, wie die Varianten der Codices sagen: 72. Diese 70 ist im altorientalischen Zahlensystem Ausdruck für den gesamten Kreislauf des Jahres und den Weltlauf (70 bez. 72 FünferWochen und Jahrwochen, je nachdem Mondjahr oder Sonnenjahr gerechnet wird, ohne die Zusatztage 1 - bei der Variante 73 sind die 5 Zusatztage mitgerechnet?; oder für den gesamten Weltkreis, der 70 Völker umfaßt). Die Schar der 70 ist historisch

, nicht greifbar. Daß die Evangelisten eine runde Zahl mit astralem Charakter meinen, beweist der Wechsel von 70 und 72. Es soll heißen: Außer den XII schließt sich noch ein größerer Jüngerkreis (vgl. Act 1, 21) dem Herrn an.3 Es verhält sich damit ebenso wie mit den 72 Ältesten in der Akademie R. Eliesers. Die gleiche kosmologische Bedeutung hat die 70 in folgenden Fällen: 70 (72) Nachkommen hat Jakob, 70 (72) Mundarten gab es nach der Sprachverwirrung Tanchuma 5, 70 (72) Völker zählt die Völkertafel auf (Israel zählt eventuell als Nr. 71). Jedes der 70 Völker hat nach rabbinischer Anschauung einen Engel als Fürsprecher, wie Israel den Michael; der Messias hebt ihren Einfluß auf und vereinigt alles. Der letzte Niederschlag dieser Anschauung liegt in den 70 europäischen Provinzen, von denen jede in der römischen Kirche ihren Schutzheiligen hat.

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1) S. Winckler F. II, 101 in dem Aufsatz über hamuštu, der als Ausgangspunkt der mythologisch - kritischen Forschung von besonderer Bedeutung geworden ist.

2) Gunkel, Zum religionsgesch. Verständnis S. 81 ist danach zu korrigieren. Auch Steinschneider ZDMG 4, 145 ff.; 27, 474 ff. kennt den Sinn der Varianten 70, 72, 73 nicht.

3) Eine charakteristische Stelle für solche Zahlensymbolik in geschichtlicher Erzählung ist IV Esr 14, 22 ff.: Esra verbirgt sich mit 5 Männern 40 Tage am geheimen Orte. Sie schreiben 70 Bücher, die „Brunnen der Weisheit“. Nork, Rabb. Quellen CLXVII.

*) Auch Augustinus, de civ. XVI, 9: 72 Völker, 72 Sprachen nach der Sprachverwirrung.

5) Andere Beispiele wird man leicht bei Steinschneider ZDMG 4, 145 ff.; 27, 474 ff. finden, der aber den kosmologischen Zusammenhang nicht kennt. Zu den obigen Zitaten vgl. Nork, Rabbinische Quellen XVI, Anm. XL ff. XLVII. XC. 256. 397.

Zehntes Kapitel.

Orientalische Glossen zu einzelnen Stellen

des Neuen Testamentes.

Die in Kap. I—IX besprochenen Bibelstellen sind auf S. 118 ff. nach der Reihenfolge der biblischen Bücher aufgeführt.

Mt 3, 7 ,,Otternbrut“, vgl. 23, 33: ,,Schlangen- und Otternbrut. Die Gegner des Himmelreichs gelten als Kinder des Teufels. Der Teufel ist „Schlange“ oder „Drache“ (Apk 12, 9; 20, 2), wie ja die Schlange Eva verführt: 2 Ko 11, 3. Otternbrutist Kinder des Teufelsi Jo 3, 10, vgl. Jo 8, 44

.wie die Gottlosen bei den Rabbinen heilSen בניו דנחש הקדמוני

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Der Erlöser ist der „Schlangentreteri Mos 3, 15, und Ps 91, 13 heißt es:

Über Löwen und Ottern kannst du schreiten, kannst Löwen und Drachen zertreten.Babylonische Bilder wie ATAO Abb. 19f. und 25 zeigen, daß auch die orientalischnaturalistische Erlöserhoffnung die rettenden Götter auf Drachen tretend sich vorstellte; und das babylonische Epos Enuma eliš erzählt, wie Marduk auf den Drachen tritt. Die christliche Kunst hat den Gedanken mit Vorliebe ausgeprägt. Schon Konstantin der Große ließ Wachsgemälde von sich und seinen Söhnen anfertigen, zu deren Füßen der in den Abgrund stürzende Drache dargestellt war, vgl. Eusebius, de vita Const. III, 3, der hierauf die Stelle Jes 27, I anwendet. Am Portal des Doms von Amiens steht die Gestalt Christi auf einem Löwen und einem Drachen, auf einem Basilisken und einer Schlange mit Hundekopf, die sich (Ps 57, 4f.) taub macht, indem sie ein Ohr auf die Erde legt und in das andere den Schwanz steckt.1

Mt 4, 1 ff. „Jesus ward in die Wüste geführt, daß er vom Teufel versucht würde.Die Geschichte, die der Erzähler zweifellos als realen Vorgang aufgefaßt wissen will („er trat zu ihmvgl. Lc 4,13: „cr wich von ihm eine Zeitlang), knüpft in verschiedenen Punkten an antike, speziell altorientalische Vorstellungen an.2

Die Wüste ist Sitz des Satans und der Dämonen. Darum wird der Azazel in die Wüste geschickt 3 Mos 16, 22, vgl. Henoch 10, 8. Jes 13, 21 sind die Totengeister in der Wüste. Tob 8, 3

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1) S. Otte, Kirchl. Archäol. 871.
2) Zur Bedeutung der abgerundeten 40-Zahl s. ATAO 258.

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wird der böse Geist in die Wüste gesendet. Mt 12, 43 wandert der unsaubere Geist durch wasserlose Stätten, Ruhe zu suchen, und findet sie nicht. Lc 8, 29 treibt er den Besessenen in die Wüste. Die Kabalisten nennen den Satan 73721 ww. „Fürst der Wüste“, Berachot 3a wohnen die Dämonen in Einöden. Im Babylonischen ist Belit-şeri, „die Herrin der Wüste“, eine Höllengöttin; die gebannten Totengeister werden nach dem Westen (d. i. für Babylonien die Wüste) geschickt, damit sie dort der Pförtner der Unterwelt festhält. Die Ausdrücke ,,weiter Ort" und „reiner Ort“ scheinen Euphemismen für die Wüste zu sein.? Vgl. auch zu Mt 12, 43.

Der Versucher wird durch Sprüche der heiligen Schrift besiegt. Wir weisen auch hier auf jene merkwürdige rabbinische Stelle hin, die den Kampf mit dem Drachen durch Lehrsprüche im Beth ha-midrasch vollziehen läßt und am Schlusse sagt: erst wenn der Messias kommt, wird der Drache besiegt werden.3

Der Teufel führt den Herrn auf einen hohen Berg, von dem aus er alle Reiche der Welt sieht. Das entspricht im alten Orient dem mythischen Berge, der den Nordpunkt des irdischen Weltalls darstellt. Er heißt babylonisch harsag - kurkura, šadmatâtî, „Berg der Länder", d. h. der bewohnten Länder, im Gegensatz zu Luft und Meer, den anderen beiden Reichen des Weltalls. Jes 14, 13 spielt auf diesen mythischen Berg an, s. ATAO 28. 333. Im Neuen Testament erscheint er noch einmal Apk 21, 10: Und er trug mich (!) im Geist auf einen hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem.

Dies alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest.Die Rede setzt voraus, daß Satan der Herr der Reiche dieser Welt ist, die man vom Länderberg aus sieht. Dasselbe besagt der biblische Name des Satans ,,Fürst dieser Welt“. Der Sieg Christi bedeutet Übernahme der Herrschaft. Das entspricht durchaus der altorientalischen Vorstellung vom Erlösergott, der den Drachen besiegt. Der Sieger schafft die neue Weltordnung, er nimmt dem alten Weltenherrn die Herrschaft ab und tritt das Regiment an, s. S. 17 f.

Mt 6, 24: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mamon", vgl. Lc 16, 9: „Machet cuch Freunde mit dem Mamon der Un

1) S. Eisenmenger, Entdecktes Judentum I, 827. 836.
2) S. mein Hölle und Paradies ? S. 19, ATAO 270.
3) S. 38. Der Satan als Drache Offbg 5. 17.

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