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Ortsbestimmung ist: „Nekeresden (=Such-es-nicht) és Ebkérden (ein Hund frägt danach), Naplacs*) mellett.“ (Merényi, Sajóv, II, 95) „Jenseits der Glasberge“ (z. B. Nyelvör, I, 376) ist bereits entschieden entlehnt. „Hegyen-völgyön túl“ allgemein verbreitet; der baufällige Backofen aber (Kidölt-bedölt kemenczének egy csepp oldala se volt), in dem ein „kender-magos púpos pogácsa“ grofs wie mein Kopf – zubereitet wird, - schon eigentümlicher, obwohl keineswegs ausschliesslich magyarisch. So auch das zerrissene, zerschlissene Hemd der Vettel, in dessen 77 ster oder 99ster Falte ein Floh sitzt, der einen hohlen Zahn hat, wo eine grosse, grosse Stadt sich befindet, u. s. w. ad libitum. Wenn auch im Wortlaut nicht völlig derselben Fassung, sind die slavischen und rumänischen Märcheneingänge, (einiges auch im Pentamerone des Basile!) den magyarischen in vielen Zügen verwandt und stimmen mit diesen, betreffs der deutlich ausgesprochenen Skepsis dem Bericht des Märchens gegenüber, auffallend überein. Längere Einleitungsformeln hier anzuführen erscheint schon darum nicht geboten, weil ich auf solche bei einer eventuellen Besprechung des Lügenmärchens noch zurückkommen muss. Anderes von stereotypen Wendungen und besonders von den überaus mannichfaltigen Schlussformeln soll zum Gegenstande eines längeren Exkurses gemacht werden, der vom Märchenstil im Allgemeinen und vom Stile der magyarischen Märchen im besonderen auf breiterer Basis handeln soll als die, so mir heute diesbezüglich zu Gebote steht. Hier vorläufig nur so viel, dass die meisten Schlüsse und speziell die der magyarischen Märchen dasselbe skeptische Verhalten des Erzählers zu seinem Bericht klar an den Tag legen, welches wir bei den Eingangsformeln gesehen haben. Ob diese — bei den europäischen Völkern wenigstens allgemeine, nur nicht überall gleich scharf ausgesprochene Skepsis, die gewiss nicht erst seit gestern herrscht, den mythischen Gehalt der Märchen nicht kompromittiert, das will ich dahingestellt lassen.

Oro-, Hydro- und Topographie, – Fauna und Flora, – nicht anders die menschlichen, menschenähnlichen und ungeheuerlichen Einwohner und waltenden Mächte der magyarischen Märchenwelt, – so auch der Baustil nebst der Einrichtung und Ausstattung ihrer an allen erdenklichen Wundern reichen Paläste, mit einem Worte die wesentlichen Elemente des ungarischen mese -- tragen samt und sonders das unverkennbare Gepräge fremden Ursprunges an sich; so wie andrerseits die geringen Spuren kaum begonnener Assimilation derselben beredte Zeugnisse ihrer erst in verhältnismässig junger Vergangenheit erfolgten Entlehnung sind. – Einzelnes, was manche nur zu leicht unter die ureigenen Bestandteile des finnisch-ugrischen oder gemeinaltaischen Traditionsschatzes zu rechnen geneigt waren, günstigsten Falle ein und das andere Merkmal loser Verbindung der Importwaare mit diesem oder jenem unscheinbaren Rudiment des angestammten Volksglaubens. So gleich die vielumstrittenen tátosPferde, welche edle Rasse von keiner geringeren Herkunft ist als der griechische Pegasos oder die germanischen Sleipnir und Grani. Nicht so der Name selbst, in dem sich ein Überlebsel des angestammten Volksglaubens birgt. Das Wort, welches neben tátos auch in der Form táltos bekannt ist und früher gewiss taltos (mit kurzem Stammvokal) gelautet hat, kommt zuerst in den Fragmenten der ältesten ungarischen Bibelübersetzung aus der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts) vor und entspricht daselbst jener Babylonischen Priesterklasse, welche in der Vulgata mit magi übersetzt ist.*) Ipolyi Magyarische Mythologie 447.) hält dasselbe mit Recht zur Stelle des Theophylaktos (7, 8), die der lepeis xextquévol gedenkt, so den Vorfahren der Magyaren, den Turken (Toõpxol), wie der giechische Gewährsmann sie nennt, - και τα των μελλόντων αυτούς εκτίθεσθαι προαγορεύουσιν. Bei dieser Zusammenstellung lässt es aber der begeisterte Schüler Creuzers leider nicht bewenden, sondern sucht - seiner löblichen Gepflogenheit gemäss — das magyarische Wort mit sanskritisch tat, ägyptisch Toth und phtah, germanisch Tuisco und Tuisto, keltisch Theutates etc. in mehr oder weniger enge Verwandtschaft zu bringen. — P. Hunfalvy (Ethnographie von Ungarn, S. 165) lässt das Rätsel des übrigens seiner Bedeutung nach genügend erhellten Wortes ungelöst. Anders Vámbéry, der nie um eine Erklärung, die ihm höchst plausibel erscheint, verlegen ist und auch diesmal schwerlich fehlzugehen glaubt, wenn er tátos (táltos oder taltos lässt er ganz ausser Acht) mit mittelasiatisch-türkisch jajči und kirgisisch žajši zusammenstellt, (Ursprung der Magy. S. 363) welche nach Budagow II, 346 -- Zauberer, Wahrsager, Regen-, Wind- und Sturmmacher bedeuten. Ich bin der unmassgeblichen Ansicht, dass die Bedeutung eines Wahrsagers, Zauberers, speziell eines Schamanen nicht erst aus weiter Ferne zu holen ist; dieselbe scheint mir vielmehr schon im magyarischen Worte für sich gegeben zu sein, da der mit dem Faktitivsuffix versehene Stamm (tát = tál-t oder tal-t*), wie aus tát-a-ni = aperire, patefacere, aufsperren (z. B. das Maul), tátott hians, patens, patulus (z. B. tátott seb = vulnus hians) ersichtlich

*) Wenn nicht aus magyarisch Naplátta (die Sonne hats gesehen) verdorben, dann wohl slavisch?

zeigt im

*) Daniel 2, 2: parančola kedeg kiral hos egbe hivattatnanac az oltaron nezöc, a taltosoc, a gonozteuöc hog kiralnac megjelentenec ö almait = praecepit autem rex, ut convocarentur arioli et magi, et malefici ut indicarent regi somnia sua (Vulg.) Vgl. auch Dan. 4, 4. Die herangezogene Bibelübersetzung ist zu einem Teil in einer Handschrift der Wiener Hofbibliothek, zum anderen in einer etwas jüngeren der königlichen Bibliothek zu München erhalten und wurde zuerst von Döbrentei in den Régi magyar nyelvemlékek (I. 1838) herausgegeben.

vulnus hians) ersichtlich – so viel wie offen bedeutet, die Wurzel *tal also einen Begriff in sich schliesst, der mit der Vorstellung von einem Schamanen ganz gut kongruiert, indem ein solcher nicht nur die Zukunft aufdecken oder überhaupt das Verborgene enthüllen, das Verschlossene öffnen, das Geheime bloslegen, unter anderem den Verbleib gestohlener Sachen anzeigen, den Dieb eruieren u. S. W.,

sondern auch die verschlossenen Schleusen des Himmels und Schläuche des Windes nach Belieben auf- und zumachen so wie die Eingeweide von Menschen und Tieren zu qualvollen Krankheiten verschlingen und zur Genesung entwirren, mit einem Worte Alles und Jegliches binden und lösen, schliessen und öffnen kann. (Dass Krankheiten, besonders Krämpfe durch eingeschlagene Knoten auf das Geheiss böswilliger Hexen und Zauberer entstehen, ist zwar ein uralter, allgemein-menschlicher Aberglaube, vgl. fascinus, Báoxavos; siehe auch Plinius N. H. XXVIII, 6, 17; Antonin, Liber. 29; Ovid. Metam. IX, 306 ff., und manches andere, das Reinh. Köhler zu Gonzenbach, Sicilianische Märchen Nr. 12, 13 und 14 anführt doch vielleicht nirgends so vielseitig entwickelt und unausrottbar eingenistet wie beim ungarischen Volk, dem Zauberei überhaupt kötés d. h. Binden, Krampf = görcs d. h. Knoten ist.)

Das Zauberpferd selbst aber ist – wie schon angedeutet mit allen Eigenschaften der analogen Gestalten slavischer, rumänischer und deutscher, oder auch italienischer und orientalischer Märchen ausgestattet. Es ist gewöhnlich eine elende Schindmähre mit Beulen und Wunden und allen möglichen Gebresten reichlich bedacht; wird vom echten Märchenhelden -- der betreffs der jämmerlichen Hülle und des prächtigen Gehaltes seinem Pferde nicht unähnlich – aus der Reihe tadelloser Gefährten mittelst einer Kraftprobe herausgefunden; seine Nahrung ist in Milch gekochte Gerste oder auch Reis, daneben sehr oft Glut. (7 Scheffel davon auf einmal bei Merényi, Sajov. I, 106, vgl. Ispirescu, Legende sau Basmele Româniloru - .. Bucuresci, 1882, S. 15, wo jaratecu magyarisch zsarátnok auf die gemeinsame slavische Herkunft dieses Zuges der magyarischen und walachischen Märchen hindeutet. S. Miklosich, die slavischen Elemente im Magyarischen, Nr. 936). Es fliegt so schnell, wie sein Reiter es wünscht, (Merényi, Sajóv. I, 99 et passim, vgl. Kriza und Gaal überall,) kennt keine Hindernisse und ist selbstverständlich der menschlichen Sprache kundig, so wie auch die Zukunft ihm nicht verborgen sein kann, was mit seinem Namen ganz gut in Einklang steht. Sein lieber kleiner Herr“ (Kedves kis gazdám) findet stets den besten Ratgeber an ihm (Merényi, Sajóv. I, 101 et passim) und verdankt den guten Ausgang so vieler dräuenden Abenteuer vorzüglich dem trefflichen Beistande des zauberkundigen Tieres, das in unseren Märchen, ausser den erwähnten Hauptzügen, häufig mit dem merkwürdigen Epitheton széltöl-fogan= vom Winde

*) Ähnliche Ersetzung des ausgefallenen 1 durch Dehnung des vorhergebenden Vokals siehe in kját und kát für kiál-t, kódús für koldús, szâma und szåma für szalma und in einer Unzahl von Fällen, nach deren Analogie häufig ein parasitisches | auch in solche Stämme sich einschleicht, in denen es offenbar nichts zu suchen und zu rekonstruieren hat,

gezeugt ausgestattet erscheint. Merényi, Sajóv. I, 6 et passim.) Über die vom Winde geschwängerten lusitanischen Stuten weiss schon Plinius H. N. VIII, 42 (67), über die kappadokischen Augustinus de Civ. Dei 21, 5 zu erzählen. (Vgl. über Schwängerung von Tieren durch Winde: Liebrecht, Gervasius v. Tilb. S.69, 2. Anm.; über die von Winden geschwängerte Ilmatar und Loviatar in der finnischen Mythologie s. Castrén, Vorlesungen über die finnische Mythologie übersetzt von A. Schiefner, St. Petersburg 1853). Merkwürdig haben wir jenes Epitheton nur darum genannt, weil auch der „auf einem Stift sich bewegende“ Garudavogel, den im Pantschatantra I. Buch, 5. Erzählung der Zimmermann seinem Busenfreunde, dem liebeskranken Weber verfertigt, „aus dem Holze eines windgezeugten (Vâyudscha) Baumes“geschnitzt wird! Oder sollte vielleicht eben dieses Epitheton die Zahl der Anknüpfungspunkte um einen mehren, deren es zwischen dem indischen Garuda und dem Zauberrosse der Märchen (durch Vermittlung des hölzernen Pferdes in der aus dem Don Quijote, parte II, cap. 40 bekannten Fassung der Magelone) nicht ermangelt? (Vgl. Pantschatantra I, 163 u. II, 50 samt der dazu gehörenden Anmerkung Nr. 204. Ferner: v. d. Hagen, Ge

tatott

(So bei Anm. 219.

samtab. B. I, S. CXXXVI, Dunlop-Liebrecht, S. 478 b Ersch und Grubers Encyklopädie s. v. Huschenk. Loiseleur, Deslongchamps, Essai sur les fables Indiennes, p. 35 u. 2.; besonders aber Val. Schmidt zu seiner Straparola-Übersetzung S. 269 ff.)

Noch zu erwähnen wäre, dass der tátos zumeist ein Eisenschimmel = vasderes (so z. B. Merényi, Sajóv. II, Nr. 1), woraus fantasiereiche Mythenjäger sofort auf die eisengraue Wolke schliessen könnten, wenn das Zauberpferd nicht bereits mit dem Sonnenstrahl identifiziert worden wäre. (Vgl. Aladár György, in der Ungarischen Revue vom Jahre 1881 und 1885.) – Auch ist das Tier höchst sentimental und wird vom Helden gar oft bis über die Kniee in Tränen gebadet angetroffen, wenn diesem eine Gefahr droht. (Vgl. Merényi, Sajóv. I, 68.) Manchmal hat es nur drei Füsse; muss gewöhnlich aus der Macht einer Hexe oder eines Drachen erlöst, erkämpft oder gestohlen werden, und wenn es gerade kein verzauberter Prinz ist, so tritt es (und so am häufigsten) als eine Stute auf, in der gerade so wie in der später zu erwähnenden ratgebenden Kuh — oft die Seele der abgeschiedenen Mutter zum verwaisten Königskinde spricht, dasselbe gegen stiefmütterliche Verfolgung mit Rat und Tat schützt und kraft der Zaubermacht, die einer solchen heraufbeschworenen Seele (vgl. die indischen Vetâlas) innewohnt, unterstützt, - so dass auch diese, die wichtigste der hilfreichen Gestalten im Märchen mit den Anderen auf eine und dieselbe Quelle, auf den Glauben an die übernatürliche Kraft der Revenants, so wie auf das Vertrauen in die Dankbarkeit der versöhnten und die Furcht vor der Rache der beleidigten Toten zurückzuführen sein wird; womit ich aber keineswegs gesagt haben will, dass Hülle und Inhalt bei diesem allgemein verbreiteten Märchenmotiv untrennbar vereint einhergehen und demnach überall, wo die Erste vorhanden, zugleich an eine im Volksbewusstsein sich vollziehende Integration durch den Zweiten zu denken sei. – Nicht selten eifern zwei solcher Zauberpferde auf dem Plane, von denen dann das eine dem Helden, das andere (gewöhnlich die Mutterstute) der verfolgenden Hexe oder dem beraubten Drachen gehört, der – wie hieraus ersichtlich – auch in den ungarischen Märchen ganz dasselbe zwitterhafte, wenn nicht geradezu dimorphe Wesen von einem ungeheuerlichen Reptil und einem menschenähnlichen Riesen ist, als welches derselbe in den slavischen, rumänischen und neugriechischen Märchen abgebildet wird. (Vgl. Hahn, Krauss, Schott, Ispirescu etc. auf Schritt und Tritt, so auch bei Afanasjew und nach diesem bei Ralston und Gubernatis a. a. 0. passim.) Wenn aber das táltos-Pferd mit der

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