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VII,
Am 6ten Sonntage nach dem Feste

der Erscheinung.

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Die Gnade unsers Herrn, Jesu Christi, sen
mit euc aden; Amen.

Die Körperwelt als ein Ganzes zu den,
ken, wo fid alles nach ftrengen, unabånderlichen
Gereken richtet, wo alles nothwendig erfolgt,
wie es erfolgt, und alle Veränderungen fich
unausbleiblich an einander ferten: dieß gewaħrt
der menschlichen Vernunft eine ganz eigne Ges
nugthuung, M. 3. Ihr ist es eigen, fich nicht
mit der blossen Ansicht dessen zu begnügen, was
den Sinnen erscheint ; fie dringt tiefer ein und
forscht nach den Grunden der Dinge. Ist die
Körperwelt ein Ganges, wo alles seinen þins
reichenden Grund hat: welch ein Feld der Unter,
suchung ist ihr dann aufgethan; welche Gelegen.
heit findet fie dann, sich zu beschäftigen und ihren
Sdarfsinn zu üben! Dabey forscht sie überall
nach einem begreiflichen Zusammenhang; fie ber
ruhigt fich nicht eher, als bis sie das Zerstreute

gesam.

gesammelt, das Streitende ausgesdhnt, und alles in Uebereinstimmung gebracht þat. Jít in der. Körperwelt alles an ftrenge Geseke gebunden: wie Teicht muß es ihr dann seyn, den Zusammen, hang zu entdecken, welchem sie nachspárt; und mit welcher Freude wird sie gewahr werden, wie sich endlich alles an einander reißet, wie fido das Grosse mit dem Kleinen vereinigt, und Him. mel und Erde in Verbindung mit einander treten! Nichts verschmåht endlich die mensch, liche Vernunft mehr, als die engen Sørancken der Gegenwart; auch die Zukunft zieht sie in ihren Gesichtskreis, zum Unendlichen strebt fie empor. Ist die Körperwelt unabånderlichen, fich immer gleid bleibenden Gefeßen unterwors fen: fo fann sich die Vernunft auch die Zu. kunft vergegenwärtigen; auf Jahrtausende hins aus fann sie die Hauptveränderungen berech, nen, die sich in der leblosen Welt zutragen werden; die Büder des Schidsals find gleich. sam vor ihr aufgethan, und sie waltet in einem unermeßlichen Wirkungsfreise.

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Nicht bloß unschuldig und radellos ist die Genugthuung, M. 3., welche der Vernunft auf diese Art zu Theil wird: fie macht zugleid Entdeckungen von der größten Wichtigfeit.' Je tiefer fie in den Zusammenhang der Dinge eindringt, welche die Körperwelt ausmachen; je genauer fie das Råderwerk der sichtbaren Natur tennen lernt und das Getriebe derselo

Ben erforscht; je richtiger' fie rdåsen und beo rechnen kann, was jede Kraft vermag, und welche Folgen jede Veränderung unfeßlbar nach sich zieht: desto mehr erweitert fich der Ums fang der núßlichsten Kenntnisse; desto mehr gewinnen alle Künfte und Wissenschaften; defto mehr unterwerfen wir uns gleichsam die Nas tur und machen uns dieselbe dienstbar; defto unermeßlicher werden die Vortheile, welde dem täglichen Leben durch diese Forschungen zuwachsen. Vergißt fich die Vernunft nicht bey denselben; verliert fie fich nicht im Ge. wirre der Ursachen und Wirkungen, welde sie in der Körperwelt vor fich Bat; vollendet fie vielmehr igre Untersuchung, und erhebt sich zur Ursache aller Ursachen, zu dem Wesen, in welchem der lezte Grund ales dessen liegt, was da ist; ist es, damit ich es kurz Tage, Gott, den sie in allem erblickt, dessen allmåde tiges Wirken fie in allen Veränderungen der Natur erkennt: wie gesegnet ist dann ihre ans strengung; in welche Anbetung gehen ifre Bes tradhtungen über, und welche Verehrung Gote tes, welches Vertrauen auf Gott, welche liebe zu Gott ist die Frucht ihrer Bemühungen!

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Aber wie oft unterläßt sie es, so weit zu geben und sich über den

den Zusammenhang der natürlichen Ursachen emporzuschwingen! Ben den nächsten Gründen der Dinge fleben zu bleiben; -fich damit zu begnügen,' wenn fie

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nur weiß, wie es mit jeder Veränderung zus geht, das wird ihr nur allzuleicht so geläufig, daß sie nach etwas Weiterem gar nicht mehr fragt; ihr werdet überal Kenner der Natur, Meister in ihrer Kunst, und glückliche For, Joher und Erfinder antreffen, denen es gar nicht

'n oor von allem in ihm zu suchen; die ihn wohl gar nicht einmal nöthig zu haben glauben, und überall nichts weiter sehen, als das Spiel nas türlider Kräfte. Wie traurig wird die Geo ftalt der Welt, so bald sie uns so erfoeint, und wie trostlos unsere Stellung in derselben! Ben - aller Ordnung und Soonheit, die fie uns zeigt, womit sie unsern Sinnen someichelt, was ift fie dann anders, als das schrecklide Gebiet einer strengen, specflosen, alles übers wältigenden Nothwendigkeit? Und wie vers lassen regen wir uns dann in derselben, wie entbloße von aller Hülfe, zu welchem Spielo werke blinder Kräfte erniedrigt! Diesem Uns glúd, diefer troftlosen Verirrung vorzubeugen, giebt es nur Ein Mittel, M. 2. Vollenden muß unsre Vernunft ihre Forsóung, penn fie die Körperwelt betrachtet; fie muß es nie ver. gessen, daß fie, um richtig zu erklären, einer kóduften und lezten Ursache bedarf; fie muß die Ketre der natürlichen Ursaden in ihrer nothwendigen Abhängigkeit von jener lezten ers bliden; die Ansicht der Natur muß Relis gion, muß Erkenntniß und Verehrung. Got.

tes

tes werden. Sehet hier den Standpunkt, M. Br., auf welden die Sdrift, auf welchen das Evangelium Jesu uns stellt, und den wir soledo, terdings nicht verlassen dürfen, wenn die Bes trachtung der Körperwelt nicht gefährlich für unsre fittliche Matur und ein erostloses Wissen werden soll. Moge es mir gelingen, euch die. fen Standpunkt heute nicht bloß anzuweisen, sondern euch auch zum Beharren auf demsels ben zu ermuntern! Er sey mit uns und lebre uns seine Herrlichkeit überal mit freudigem Herzen anbeten! Wir wenden uns zu ifm in stiller Andacht.

Text; Pralm LXXIV, 0. 15-17.

Veränderungen der Körperwelt, die alle aus natürlichen Ursachen entspringen, und nach allgemeinen Geseken fich richten, erwåhnt der Dicteć in den Worten, M. Z., die ich euch jezt vorgelesen gabe. Aber ihr fehet, ifm find fie nichts weniger, als die Wirkung einer blina den Nothwendigkeit, nichts weniger, afs Er. folge, die ohne das Vorwissen und ohne dic. Auflicht eines weisen, die ganze Natur beherr, (denden Wesens zum Vorschein fommeri, Er überspringt vielmehr die nächsten und natúr. liden Ursachen derselben, und wendet fich fos gleich an die höchste und lezte, an Gott. Du lårfest quellen Brunnen und Både, fuft er in seiner Begeisterung, du låfjest vero fiegen ftarfe Strome. Shm ist alles,

was

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