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Flårer, , je långer wir fandeln; wird felbft wider unfern Willen klårer; das irdische Leben ist ein Stand der Prüfung. Aber könnte dieser grosse, dieser unlåugbare Endzweck unsers Lebens erreicht werden, wenn Gott unsre Frey, heit beschrånfen, wenn er uns einmal úber das andre bey unsrer Wirksamkeit unterbrechen woll. te? Nur yngehinderte Stråfte fónnen glüdlich geúbt und angewendet werden; nur der, wel. cher fich frey enribliessen kann, was er werden will, wird sich zweckmåssig und auf eine Art bilden, die man ihm zurechnen kann; und sich aussprechen, fich in seiner wahren Gestalt zeio gen, fich ganz so darstellen, wie er ist, kann ohnehin nur der, dein fein Zwang angethan wird, der alles wagen, alles thun darf, was ihm gut dúnft. Hier giebt es also keine Wahl, M. 3. Sol Niemand umsonst auf Erden les ben, soll es mit Fedem dahin kommen, wohin es auf der gegenwårtigen Stufe unsers Daseyns kommen sol: so muß Gott, aud Jedem die nöthige Freyheit lassen, so muß fich Jeder wen. den fången, wohin er will, so muß Jeder ro gut oder ro bose, so tugendhaft oder so laster, Haft werden können, als es ihm beliebt. Wuns dert euch also nidt, wenn Gort in unserm Tefte pem Gottlosen sagt: das thust du, und ich so weige. Der Plan Gottes mit uns, der ganze Zweck unsers Hiersenns macht es nöthige daß auch der Ruclose mit ungehinderter Frey. heit wirken fónne.

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Richter eure Augen noch besonders auf die Eigenro aften und die Macht ó es hód sten Regierers, und ißr werdet neue Grunde der Freyheit finden, mit der er das las fter wirken låßt. Denn ist er der Weiseste, fo darf er seinen Zweck nicht selbst vereiteln; aber das würde geschehen, wie ihr so eben ges hórt habt, er würd: die Mensden umsonst auf Erden leben lassen, wenn er ihnen fein frenes Wirken gestatten wollte. Ist er der Gů tigfte; so fann er seinen vernünftigen Geschöpfen una möglich das höchste Gut entziehen, das sie bea fißen, ihre Gelbfiftåndigkeit und Frenheit; To muß er auch mit seinen fehlenden Geschöpfen GeduldKaben und ihnen Zeit und Raum zur Besserung lassen. Ift 'er der Heiligfte, To kann ißm nur ein freyer Gehorsam gegen seine Gépeke gefallen; dieser ist aber bloß dann mögs fich, wenn Jeder måhlen darf, was er will

, wenn er sich auch zum Gegentheil entschliessent fann. Ift er der Geredteste,, so muß er Jedem geben nade feinen Werfen; aber belohnt und bestraft kann nur das werden, was frey. willig geschehen ist, woben fich eine Schuld oder ein Verdienft findet. Und nun erinnert euch vollends an die Macht des höchften Re. gierers.

Wird ihm das Safter, wenn er dem. felben auch alle mögliche Freyheit giebt, jemals zu machtig werden; wird es jemals ein Unheil stiften, dem er nicht abgelfen fónnte; wird es jemals im Stande segn, die Absichten Gottes zu

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vereiteln und seine Plane zu fören? Stegt es nicht allezeit ben ihm, wie lang er es will wirken lassen? Kann er nicht durd tausend . Mittel unsdådlich machen, was es hervorbringt? Kann er die Unordnungen, die es seranlaßt, und das Verderben,, das es verbreitet, nicht fogar zum •3esten lenken und in ein Mittel zur Erreidung feiner Endzwecke verwandeln? Jst es nidt am Tage, fol der lezte und heiligste Endzwed seiner ganzen Regierung befördert, foll wahre Tugend auf Erden bewiesen werden: so muß er dem {after alle Frenheit lassen, so muß er es dulden, daß es bessern Mensden zur Prüfung diene, daß R8 sie zu grössern An. ftrengungen reiße, daß es sie zu Edelthaten nåthige, welche sonst nie zu Stande fommen würden. Es müssen Rotten unter euch reyn, ruft der Apostel den Ehriften zu Corinth zu, auf daß, die da redeschaffen sind, offenbar werden. In jeder Hinsicht ist es nórhig, daß Gott dem (after Frenheit ges ftatte, daß er eine Zeit lang dazu schweige, wenn es fich seinen Aussoweiffungen überlaßt; den Eigenschaften und der Allgemalt des fød sten Herrschers ist nichts gemässer, als diese Duldung.

Der Gebraudo, welchen wir von diesen Erläuterungen zu magen ba. ben, M. 3., fållt nun von selbst in die Augen.

Zuerst nehmlich zwen Worte an eudo, ifr Bessern unter uns. Eud roll nehm.

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lich die Frenheit, mit welcher Gott das Lafter wirken låßt, nicht nur nidt anftoriis reyn, rogar zur Ermunterung roll sie eu d gereiden.

Ich achte die Wehmuth, mit der ihr die Kühnşeit, den Uebermuth, die schreckliche Boss heit des Lasters zuweilen betrachtet; ich ehre den edlen Unwillen, der fich ben diesem Anblick in euern Seelen regt und den ihr kaum in eure Brust verso liessen fóunet; nicht einmal die bittern Klagen will ich tabein, in die ihr zus weilen ausbrechet, in die fich euer empórtes Gefühl sogar vor Gott ergießt. Aber um ro dringender muß ich euch bitten, daß ihr euch fairen lernet; daß ihr ernstlich ermåget, wie wenig ihr eigentlich Ursache Habt, euch an die Freyheit zu stoffen, mit der ihr das Sajter wirken fehet. Sit sie nun einmal in der fitt. lisen Natur des Menschen gegründet, diese Frenheit, muß fie zugelassen werden, wenu vernünftige Wesen vorhanden seyn sollen: wors über wollet ifr euch denn besdweren? Und ist fie unumgänglich nöthig, wenn der Zweck des irdischen Lebens erreicht werden soll; muß es dem Lasterhaften so gut verstattet fenn, fich zu åuffern und eine Parthen zu nehmen, als eude, die ihr das beßre Theil erwählt habt: Warum soll das, was euch recht ist, jenen nicht billig feyn? Könnte endlich Gott unmöglich der hoofte. Regierer seyn, konnte er seine unends liden Eigenschaften unmöglich in der Welt vers

berr.

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herrlichen, wenn er nicht aus das Bore dula dete, wenn er nicht bewiese, wie wenig es mit aller seiner Frechheit, mit aller feiner Wuch, feine Heiligen Endzwecke vereiteln fana: warum wollet ißr Flagen; waruin wollet ihr euch daran, ftoren, wenn er ben den Missethaten der Sa. fterhaften oft lange schweigt?' If hier nicht alles fo natürlich, so begreiflich, so der Ein. ridtung der Welt gemas, daß es unverständig feyn würde, fich darüber zu beschweren?

Ich fage noch mehr; sogar er mu na ternd roll auch die Frenheit reyn, mit weld er Gott das Saster wirfen låst. Denn wie, tann die Thorheit, kann die Sonda lidkçit, kann die verabsdeuungswürdige Natur desselben anschaulicher werden, als wenn es sich fren und ungescheur duffern, darf ? So lang es fich Zwang anthun und mit Vorsicht zu Werke gehen muß, fann es Tausende bethörer und durch einen guten Schein blenden. Aber lasset es Frenheit erhalten, lasset es in Um. ftånge fommen, wo es die Larve abnehmen fann; welden Absdeu wird es dann erwecken, Wels dhes Sörecen verbreiten, welche Verachtung, fide zuziehen! Und das sollte euch nicht zur Ermunterung dienen? Es sollte eure Liebe zum Guten nicht desto feuriger maden? Und sebet ihr nicht, woju euch die Fredheit des Lasters auffordert? Solet ihr euch der guten Sachenist um so eifriger annehmen, je mehr sie von der Gewalt des Casters zu fürchten har? Sol.

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