Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Madt des doften Regierers fo lo es nig zu wider, daß wir neulich gestehen muß. ten, mit Recht lasse fich nichts dagegen er. innern. Wir sogen vielmehr die Folge, bero fern Menschen fónne sie nidt blos nicht anftorrig reyó, sie müsse ifnen sogar für Ermunterung gereichen;-den I after aften relbst fingegen müsse sie zur Warnung dienen, und fie antreis ben, og ne Aufrous an ihre Befferung zu denken.

Die Schwierigkeit, warum Gott dem Safter eine so grosse Freyheit gestatte, konnten wir also neulid weit leichter heben, als man fåtte dens Fen sollen. Aber wird uns dieß ben einer zwen. ten, das lafter gleichfalls betreffenden, und noch weit auffallendern Shwierigkeit eben so gut ges lingen; bey der Erfahrung, daß es dem las fter noch überdieß wol geht, daß es Häufig das Beste Glud des Lebens genießt? Mit der Freyheit desselben föhnt man sich gleichsam aus, man fühlt fich darüber zufrieden gestellt, sobald man es bestraft fieht, so bald man wahrnimmt, die Fredheit desselben ren nicht unvergolten geblieben. Aber was foll man fas gen, wenn es an dieser Vergeltung mangelt; wenn dem Safter alles gelingt und von Stats ten geht; wenn es Reidthümer, Ehre und Macht an sich reißt, wenn es ungeftort in als len Freuden des Lebens schwelgt; wenn es sein Glück håuffig bis zum höchften Ziele des mensch.

lichen

M 3

lidhen Lebens genießt, und mit allem gesåt. tigt, was man für wünschenswerth bålt, die Erde verläßt? Seitdem es Mensdhen giebt, hat man nichts anftássiger gefunden, als dieses Glúd des Lafters; alle Jahrbücher der Geschichte find voll nicht blos von Benspielen desselben, sons dern aud von bittern Klagen darüber, und wie schmerzlich ist es ftets den besten Menschen ges welen; in welche Zweifel kat es oft die eif. rigften Verehrer Gottes geftürzt; und wie uns zureichend hat man das Meiste gefunden, was zur Auflójung jener Zweifel gesagt worden ist!

Der Zert, welchen ich jezt erflåren soll, nórhigt mic, M. Z., eine Sowierigkeit zu bes rühren, die ganz unlåugbar zu den größten und bedeutendsten gehört, welde fich bey den Angelegenheiten der Menschen finden. Wie stark hatte sie. der fromme Dichter empfunden, aus dessen Lied unser Tert entlehnt ist! Mit wel. cher Wehmuth, mit welchem finstern Gram ruft er aus: siebe, das sind die Gottlosen, die find glúd relig in der Welt und wer. den reid! Solls denn umsonst seyn, daß mein Herz unft råflid lebe, und id meine Hände in Uniduld warde, und bin geplagt tåglich und meine Strafe ist alle Morgen da? Und in were sen Seele haben sich nicht schon ähnliche Ges danken entwickelt? Auf wessen Lippen Şaben nicht schon dieselben Klagen geldwebt? Wer kann die råhselhaften Shicksale des Lebens, wer

fang

[ocr errors]

1

1

kann insonderheit das führeckliche Trauerspiel unsrer {age betrachten, ohne gleichsam unwill. tubrlid in die Worte auszubrechen: fiebe, das sind die Gottlosen, die sind glückselig in der Welt, und werden reich! Aber um so mehr verdient es unsre Aufmerksamkeit, M. Br., wie der fromme affaph fick ends lich faßt und beruhigt; um so mehr ist es der Müge werth, zu untersuchen, ob die Gründe, auf die er seine Zufriedenheit_baut, auch die Grundlage der unsrigen werden können? I do gieng ins Heiligthum Gottes, sagt Assaph, um die Auflösung seiner Zweifel zu sus den. Auch wir sind in demselben versammelt, M. Br. Moge es uns gelingen, uns hier zu eben dem Muthe, ju eben der Freudigkeit zu erheben, mit der er sein heiliges Lied so feyers lich beschließt. Wir flehen um diese Gnade in stiller Andacht.

Tert: Pr. LXXIII. v. 23

Welche Entschlossenheit, M. 3., welches Vertrauen auf Gott, welche Zufriedenheit mit den Führungen Gottes, welche Hoffnung und Freude' ist in den Worten ausgedrückt, die ich euch jezt vorgelesen habe?. Aber durd welden Kampf mit bangen, beunruhigenden Zweifeln, die er über das große {afters einpfand, þatte fich affaph, der Dich. ter des liedes, das fich mit unserm Tefte schließt, zu dieser Freudigkeit almåplig emporgearbeitet !

Leset

28.

[ocr errors]

1

M4

[ocr errors]

Leser nur, was vor unserm Tefte fergehet. Ado der Didrer gesteht es, fdier geftrau delt, fast an Gott verfündigt habe er fich, wenn er habe sehen müssen, daß es dem Gottlosen ro wohl gehe. Mit Worten, welche die tieffte Weh. muth und den befrigjien Unwillen bezeichnen, beschreibt er sodann die stolze Sicherheit, den frokigen Hebermuth und die foredliden Ge. walichátigkeiten des fafters, das keine Mássis gung mehr 'kennt und fich alles erlauben zu dúffen glaubt. Und mit einem Someri, der ihm das Herz zerreißt, sieht eţ es, wie auch der Pobel demselben zufält, wie sich die elende, eis germůžige Menge um dasselbe ber versammelt, wie es endlich frech genug wird, Gott selbst Hohn zu sprechen: und Teine Regierung zu laug. nen. Erst nachdem fein volles Herz fido fo ergossen und seine Klagen ausgestrómt hat, faßt er sich wieder, uno flådoret fich ins Heio. ļigthum Gottes. Hier umstralt ihn ein höheres lidt; die dunkeln Wege Gottes hellen fich ihm auf; das Glüc des Cafters, welches ihm ro beneidenswerth vorgekommen war, ero robeint ihm in seiner ganzen 'Nidtigkeit; er fchåmt fich der thörichten Zweifel, die ihn bes unruhigt hatten, "und erhebt fich zu der wür. pigen Gesinnung, die unser Left fo fråftig aus, spricht. Und worauf bezieht sich alles in dems. felben; weldes ist der Inhalt dieser merkmúr, digen Worte? Wie wenig der "wahre fromme das glúdliche (after beneis!

den

den darf, das ist es, was assaph fier zeigt, was er jedem Mißvergnügten und Zweifelnden so machtig in die Seele ruft. Denn welde Aufmerksamkeit, welche Beherzigung verdienen die Gründe, womit er seinen Saß beweiset. Das (after verirrt fido in seinen A us. roweiffungen immer mehr; der Fromo me hingegen befindet sich an der sie der leitenden Hand Gottes; dieß ift seine erste Bemerkung. Das last er besigt lauter irdische und vergånglide Gůs ter; der Fromme fingegen das un. -vergånglido fte und befte, die Gnade Gottes; dieß ist die zweyte. Das lafter fann nichts anders erwarten, als die traurigfte Zufunft; der Fromme hin. gegen darf in der Folge alles hoffen;

after Genuß durch tausend Unannehmlich.

oitte. keiten vergållt; der fromme hinges gen empfindet ro on jegt die reinsten und religften Freude'n; dieß ist seine viers te und lezte Bemerkung. Welche Gründe, M. Br. Halten sie ben genauerer Prüfung die Pro. be: so ist es entschieden, Niemand darf das glückliche (after weniger beneiden, als der wah. re Fromme. Lasset uns jeden dieser Punkte genauer erwägen.

Als Mensden, die nicht, wie er, an Gott bleiben, die sich vielmehr von Gott entfernt und von der leitenden Hand Gottes losgerissen

haben,

M 5

« ͹˹Թõ
 »